Der Naturpanther

Das Vogelhaus

Zjä - psi -zi dä. Zjähdädädä - däh - däh.


Wir folgen dem Ruf der Sumpfmeise zu den winterlichen Futterplätzen, zu den Vogelhäuschen. Und dazu sind wir der Meise bis nach Ratten gefolgt, wo wir Hr. Herbert Gruber bei seinem Hobby besucht haben: Er baut Vogelhäuser. Meiner Ansicht nach ist der Ausdruck schwer untertrieben, es sind eher Winterressorts mit 4 Sternen. Für unsere gefiederten Freunde.

Diese Kohlmeise erfreut sich bereits an dem Futter, das angeboten wird. Die Familie der Paridae, der Meisen, zeichnet sich durch große Beweglichkeit aus und durch kurze und kräftige Schnäbel. Dies ist ein Hinweis, dass sie Körnerfresser sind (siehe weiter unten im Text). Sie bewohnen Wälder wie Gärten und natürlich überwintern sie im Brutgebiet. Auffällig sind ihre geschickten Turnübungen in Sträuchern und Geäst. Die Mehrzahl der Arten brütet bei günstigen Bedingungen zweimal im Jahr.  

Vögel sind homoiotherme, oder gleichwarme Geschöpfe, so wie wir Menschen auch. Sie wie wir sind in der Lage, die Körperkerntemperatur unabhängig von der Umwelttemperatur auf einem konstanten Wert zu halten. Die Regulation der Körpertemperatur erfolgt über die Stoffwechselaktivität und somit über den Grundumsatz des Stoffwechsels. Bei Vögeln bewirken Lufteinschlüsse im Federkleid, insbesondere in den Daunen, eine Wärmeisolation. Dieser Schutzmechanismus ist für die Vögel überlebenswichtig, weil sie von vornherein bereits eine Körpertemperatur von ca. 41°C besitzen. Das aufgeplusterte Federkleid nimmt eine kugelige Form an und das nicht zufällig: Eine Kugel hat bei gegebener Masse die geringste Oberfläche. Ergo ist der Wärmeverlust auch am geringsten. Gleichzeitig sind es endotherme Tiere, die ihre Temperatur selbst erzeugen. Sie bewerkstelligen dies über das Futter durch Verbrennung von kalorienreicher Nahrung, wie beispielsweise die Fettknödel.

Die Vögel sollten erst dann gefüttert werden, wenn es auch richtig kalt und frostig ist, besonders wenn draußen eine geschlossene Schneedecke liegt. Ausgesprochen wichtig ist es, eine geeignete Futterstelle zu finden. Unsere gefiederten Freunde sollten geschützt sein vor allem vor Mardern und Katzen, die, wie ich heute erfahren habe gerne Holzlagen zum Anpirschen verwenden. Der Platz sollte einsehbar sein, beispielsweise in einem Baum, auf festem Strauchwerk und natürlich immer erhöht. Sträucher gleich in der Nähe bieten den Vögeln Fluchtmöglichkeit und Schutz. Das Vogelhäuschen selbst muss natürlich das Futter vor Schnee und Nässe schützen können und - sollte das Vogelfutter mit Kot verunreinigt werden - mit heissem Wasser zu reinigen sein.

Dieser Mittelspecht, wahrscheinlich ein Weibchen, da der rote Scheitel etwas blasser ist und nicht wie beim Männchen bis zum Nacken reicht,  labt sich gerade an einer Frucht im Sommer. Die Spechte sind Vertreter der Weichfutterfresser, bevorzugen deswegen Insekten, Früchte aber auch Sämereien.

Fressen denn alle Vögel dasselbe? Das läßt sich leicht beantworten: NEIN! Grundsätzlich unterscheidet man Weichfutterfresser von Körnerfressern. Gängige Vogelarten, die Früchte, Insekten und Weichtiere wie Raupen fressen, können wir aber im Winter auch an unsere Vogelhäusern beobachten: Amseln, Stare, Rotkehlchen und Spechte. Sperlinge, Finken und Meisen fressen das ganze Jahr über Körner.

Welche Nahrung ist also die beste? Weichfutterfresser werden nicht zu Körnerfressern: Sie freuen sich, wenn wir ihnen im Winter Haferflocken, ungesalzene ! Nüsse, Rosinen und frische Äpfel oder Birnen anbieten.  Körnerfresser bevorzugen gehackte Nüsse, Sonnenblumenkerne, Lein- und Buchsamen und natürlich auch Haferflocken.

Im Winter ist ein Vogelhaus nicht nur ganz großes Kino für die Katzen. Diese zwei Vögel werden Sie aber in ihrem Garten nicht antreffen: Links ein Zugvogel, rechts ein schüchterner, der aber gerne in unseren Breiten überwintert.

In fast überall erhältlichen Fertigprodukten, betitelt als "Wildvogel- Futter - schalenfrei" (Reichhaltiges Mischfutter ohne Schalen für alle Wildvögel zur ganzjährigen Fütterung), finden wir: Weizen, Milokorn (ist als Hirseart ein mineralstoffreiches Getreide), Erdnüsse, Sonnenblumen geschält, Rosinen, Rollhafer, Lein. Dieses Futter bietet also für beide Arten etwas an. Alle Vögel jedoch fressen gerne die Nahrung aus den Fettknödeln, vor allem das Fett. Das kann den erhöhten Energiebedarf, der im Winter auf natürlichem Wege nur sehr viel aufwendiger zu erreichen wäre, leichter abdecken. Dazu noch ein kleiner Hinweis: quellendes Futter, wie beispielsweise Brot ist schlecht für Vögel. Ebenso - das versteht sich aber von selbst - verdorbenes, schimmeliges Essen oder sonstige Abfälle.

Natürlich ist es auch ein Riesenspaß, so ein kleines Holzhaus gemeinsam mit den Eltern oder Freunden zusammenzuzimmern. Anleitungen gibt es in Hülle und Fülle. Wir allerdings haben in Ratten einen Vogelhausbauer besucht: Herrn Herbert Gruber.  

Näheres zu den Hähern erfahren Sie hier: Der Häher

Das Interview mit Herbert Gruber.

dMP: Welches Holz verwenden Sie für den Bau der Vogelhäuser?

Herbert Gruber: Lärchenholz, das aus der Gegend kommt.

dMP: Auffällig sind die Verbindungen.

Herbert Gruber: Die sind gezimmert. Beim Lärchenholz muss man ja alles vorbohren, erst dann kann man nageln.

dMP: Wieviele Vogelhäuser bauen Sie vor dem Winter?

Herbert Gruber: Das sind schon einige, mittlerweile ... Das eine oder andere ist bis nach Deutschland oder auch nach Südtirol gekommen. Auch in die Schweiz. Viele habe ich auch für Geburtstage gemacht, als Geschenke ... Das weitest entfernte ist Algesheim bei Mainz in Deutschland. Das ist eine Partnergemeinde von unsererer Feuerwehr.


dMP: Wie lange bauen Sie durchschnittlich an einem Vogelhaus?

Herbert Gruber: Ich baue alle Vogelhäuser gleich und brauche bis zu 40 Stunden. Wenn es jemand kleiner haben will, muss er es bei mir lassen.

dMP: Wie groß ist die Grundfläche des Hauses?

Herbert Gruber: 32 x 44 cm. Es bleibt auf der Platte und die Vögel bekommen seitlich ihr Futter, das kommt da heraus (zeigt hin). Über den Kamin wird es befüllt. Drinnen wird es durch eine Wand geteilt, sodass das Futter auf beide Seiten gleichmäßig verteilt wird. Und die Fenster, die da noch nicht fertig sind werden dann auch noch zugemacht.

dMP: Haben Sie das Handwerk gelernt?

Herbert Gruber: Nein, ich bin gelernter Schneider. Und das ist zu meinem Hobby geworden.


Links sehen Sie das allererste Vogelhaus, das Herbert Gruber gebaut hat. Rechts das letzte, das er bisweilen fertiggestellt hat und das bereits auf seinen Einsatz in diesem Winter wartet. Im Fenster oben erkennt man gut die Teilung, entlang derer das Futter zu den Seitenteilen der Grundplatte rutscht. Gefüllt wird das Vogelhäuschen durch den abnehmbaren Kamin.

dMP: Die Form des Hauses haben Sie selbst entwickelt?

Herbert Gruber: Das erste habe ich für mich gemacht, dann ist es weiter gegangen ...

dMP: Sie lassen das Haus "natur"?

Herbert Gruber: Ja, das bleibt so, streichen kann sich das jeder dann wie er will.


... wir gehen hinaus, um ein bereits fertiges Vogelhaus in Augenschein zu nehmen ...


dMP: Das schaut ja schön aus.

Herbert Gruber: Aber wenn es dann etwas verwittert, wird`s erst richtig schön... Zeigt auf ein anderes. Das ist das erste, das ich g`macht hab. Das war noch ein bisschen anders. Das ist jetzt noch mehr Arbeit, weil ich beim Dach einen Schopf mache. In der Grundform ist es aber gleich geblieben.

Und da werden sie gefüttert, so schaut es innen aus. Das geht da herunter. Die zwei Löcher da vorne an der Platte sind dazu da, dass Wasser abrinnen kann.


Das Vogelhaus links steht im Garten der Familie Gruber, im Hintergrund ist die Kirche von Ratten zu sehen. Rechts erkennen Sie die liebevollen, in langwieriger Arbeit hergestellten Dachschindeln. Der First wird mit Silikon abgedichtet; der Schopf, ein sorgfältiges Detail, das zum Gesamteindruck sehr viel beiträgt. Und normalerweise ist der Kamin geschlossen.

Diese zwei Vogelarten, hier in einem „Suchbild“ rufen:

Zjä  -   psi,   Zi  -  dä.

Und die Meise im rechten Bild:

Tetetet, zi   zi   zirrrr.

Wer findet oder errät um welchen Vogel es sich handelt?

dMP: Wie wird es montiert?

Herbert Gruber: Das wird zusätzlich auf einer Platte angeschraubt. Die Einfassung kommt dann auch noch dazu, damit das Futter nicht runterfliegt. Auf dem First ist auch alles mit Silikon abgedichtet, da kommt nichts rein. Das Dach selbst ist mit Schindeln zweifach gedeckt.

dMP: Verwenden die Leute das auch immer als Vogelhaus?

Herbert Gruber: Manche verwenden es auch als Zierstück; Die meisten anderen stellen es auf. Und wenn`s einer streichen will, muaß er es selber tun. Es ist so schon sehr arbeitsaufwändig ... Es sind ja original Holzhäuser.


dMP: Herr Gruber, herzlichen Dank für das Gespräch. Der MÜRZPANTHER wünscht allen Vöglein einen milden Winter, auf dass sie gut in das nächste Frühjahr kommen und uns in Zukunft mit ihrem Geschrei, Gesang und Geschnatter wieder erfreuen werden.