Alpl & Krieglach. Rosegger & Hiller. Heim & Garten!

Es ist Winter im Mürztal. Die Sonne steht sehr tief. Es ist gerade in diesen Momenten leicht, Freude zu empfinden. Lange zieht sich die Roseggerstraße durch Krieglach, um in das Zentrum und schnell wieder hinaus zu gelangen. Ich trefffe mich mit einem Künstler, der einen sehr hohen Bekanntheitsgrad in der Obersteiermark hat. Durch seine gestalterische Kraft in der darstellenden Kunst, als auch als Gestalter verschiedenster Bücher: Jakob Hiller.

Wir haben uns das erste Mal am Bahnhof von Neuberg an der Mürz getroffen, ich wartend, Jakob Hiller auf der Suche nach geeigneten Fotomodellen: Pflanzen. Im Gespräch hat sich schnell herausgestellt, wofür die Aufnahmen dienen: Für eines seiner nächsten Projekte, den zweiten Band über die Blumen der Gegend. Lesen Sie im Interview mehr über die Anschauungen, die Ideen und Vorhaben von Jakob Hiller. Wir haben das Gespräch in der Lebenshilfe Krieglach geführt.








 Die Frage ist das Ziel. Es war ein Prozess von Erfahrung, die Lichtstimmungen so „rüberzubringen“.

DMP: Auf Ihrer hp haben Sie im Werdegang viel über Fotografie geschrieben. Liegt darauf Ihr Hauptaugenmerk?

Jakob Hiller: Ja. Ich male ja nicht, sondern mache alles auf dem PC. Ich male auf dem PC. Alle Arbeiten auf der hp sind auf dem PC entstanden.


DMP: Für diese „Montagen“  verwenden Sie die verschiedensten Grafikprogramme?

Jakob Hiller: Ich fotografiere die Objekte oder nehme sie aus meinem bereits riesigen Fundus, mittlerweile 900 000 Bilder und dann entsteht in meinem Kopf eine Idee. Diese versuche ich am PC aus verschiedensten Elementen zu montieren. Ich verändere auch gewisse Sachen, teilweise mit Filtern, oder so, dass sie als Fotografie nicht mehr zu erkennen sind.


DMP: Ihre Werke schauen sehr nach Malerei aus.

Jakob Hiller: Das ist künstlerische, digitale Fotografie. So entstehen die Bilder, die man auf der hp sehen kann - wobei ich mit der hp ein bisschen nachlässig bin. Das ist alles ziemlich aufwendig. Es ähnelt der Bürokratie und das ist eigentlich nicht mein Ding! Obwohl das organisatorische und bürokratische aufgrund der Bücher, die ich mache stark zugenommen hat. Da muss man sehr genau Buch führen. Sonst kostet es viel Geld und Nerven.


DMP: Bei den 900 000 Fotos haben Sie auch analoge Fotos digitalisiert?

Jakob Hiller: Fast alle Bilder sind in den letzten Jahren im Digitalzeitalter entstanden. Ich fotografiere ja bereits seit dem Jahr 71 und habe im Jahre 1974 den Fotoklub als Leiter übernommen (In Krieglach; Anm. der Redaktion). Ich verwende aber die analogen Abzüge sehr wenig. Das einscannen ist so mühsame Arbeit und ich bin auch draufgekommen, dass ich fotografisch bei weitem nicht so gut war. In den letzten zehn Jahren ist es anders, viel besser geworden. Für mich ist die digitale Fotografie ein Quantensprung. Ich war in den letzten Tagen für mein neues Buch ein paar Aufnahmen vom Geburtshaus machen, die man früher so nicht fertiggebracht hat. Natürlich auch durch die Programme und die Bearbeitung. Gewisse Stimmungen, ein Sonnenaufgang …  


DMP: Man hatte ja auch die Bandbreite des Objektumfanges (dieser bezeichnet das Helligkeitsverhältnis zwischen der hellsten und dunkelsten Stelle eines Bildes; Anm. der Redaktion) nicht.

Jakob Hiller: Es waren die Schatten viel härter, kaum änderbar. Es kommt natürlich darauf an, was ich erreichen möchte: Eine stimmungsvolle Aufnahme gehört ein bisschen weicher. Wenn ich jedoch viel s/w arbeite, ist es wieder etwas anderes. Die Frage ist das Ziel. Es war ein Prozess von Erfahrung, die Lichtstimmungen so „rüberzubringen“. Das ist erst mit der Zeit gekommen. Natürlich haben die Erinnerungsaufnahmen nach wie vor ihren Stellenwert. Auch wenn ein Foto verschwommen ist, kann es gut sein, wenn es den Moment erfasst hat. Und wenn ich kein anderes habe, verwende ich es, indem ich meine Erinnerung hineinprojiziere.

 „Es gibt ja so eine Bilderflut und es ist schwer sich davon abzuheben und es anders zu machen.“

Krieglach, Peter Roseggerstraße, Türe, Detail;

DMP: Sie haben ja sicher schon eine Unmenge Fotos auch vom Geburtshaus Roseggers. Und gehen trotzdem noch hin …

Jakob Hiller: Ich versuche immer ein noch besseres Foto zu machen. Oder eine andere Stimmung einzufangen. Es wird aber immer schwieriger; besondere Stimmungen einzufangen stösst nämlich an die Grenzen der Fotografie. Ich bringe es zum Teil - wie zur Zeit - bei einer besonderen Aufnahme technisch nicht zusammen. Im Kopf habe ich sie. Derzeit habe ich eine Aufnahme - ein Sonnenaufgang vom Geburtshaus - im Kopf. 10 Jahre will ich die schon machen. Ich arbeite eher am Abend und stehe dadurch in der Früh nicht gerne auf - lacht herzlich! - man muss da hinauffahren und dann geht man noch eine ¾ Stunde, und wenn es dann nichts wird, denkt man sich: „Wäre ich lieber liegen geblieben, zu Hause im Bett“ - lacht wieder! Unlängst bin ich oben gewesen und finde, die Aufnahme ist super geworden. Und trotzdem habe ich sie mir anders vorgestellt.


DMP: Sie versuchen das Foto so nahe wie möglich an die Idee zu bringen.

Jakob Hiller: Ich versuche das wirklich, aber das schwierige ist: bringt man es z`samm? Es gibt ja so eine Bilderflut und es ist schwer sich davon abzuheben und es anders zu machen. Das ist ganz schwierig. Sucht die Aufnahme im Speicher. Auf die bin ich schon sehr stolz.


DMP: Was haben Sie beruflich gemacht? Konnten Sie von der Fotografie leben?

Jakob Hiller: Entschieden: NEIN! Ich habe ursprünglich in der Firma Anninger die Tapezierer Lehre begonnen und habe dann den Bereich Boden, Wand, Decke geführt, so lange bis der Sohn Martin Anniger in die Firma gekommen ist und übernommen hat. Ich war beruflich dort. Wenn ich bei der Fotografie sehe, dass es passt, bin ich fertig. Wollte man von der Fotografie leben, dann muss man Portraitfotograf werden und Hochzeitsfotografie machen. Ich fotografiere nicht gerne Menschen.


DMP: Es ist ja auch die Erwartungshaltung von den Portraitierten, auch bei Hochzeiten so hoch …

Jakob Hiller: Da kann man nur verlieren. Ich habe für einen Betrieb oder auch eine Hochzeit fotografiert, war aber dann selber so unzufrieden, dass ich mir gesagt habe, das ich das nicht mehr machen möchte. Wenn Du eine Hochzeit fotografierst und kein Studio hast und es regnet: Was machst denn dann? Blitzfotos sind gerade zu solchen Anlässen tödlich. Ich war einfach mit den eigenen Aufnahmen nicht glücklich.


DMP: Das ist ja ein Moment im Leben von einem Paar, der unwiederbringlich ist und wenn man sich bei der Sache als Fotograf nicht wohlfühlt, lässt man es besser.

Jakob Hiller: Dazu kommt ja noch: Ich möchte als Fotograf Objekte bewusst so ablichten, wie sie sind. Menschen wollen sich aber anders sehen.

„Wollen sich Menschen „idealisiert“ sehen? Kaum jemand akzeptiert sich selbst, nicht gut auszusehen.“

DMP: Menschen wollen sich „idealisiert“ sehen? Kaum jemand akzeptiert sich selbst, nicht gut auszusehen - auf einem Foto. Eine Erwartungshaltung, die ja grundsätzlich kaum erfüllbar ist.

Jakob Hiller: Genau. Wir sind alle nicht perfekt!


DMP: Ich betrachte das Foto vom Sonnenaufgang: Wahnsinn! Das ist wirklich sehr schön - da hat vieles mitgespielt! Die Wolken …

Jakob Hiller: Das ist halt der Zeitpunkt. Da muss alles stimmen. Außer ein bisschen aufgehellt habe ich nichts bei dem Foto gemacht. Auf die Aufnahme bin ich schon stolz! Für mich ist die Fotografie mein Leben. Gestern bin ich wieder den ganzen Nachmittag unterwegs gewesen, weil ich für das Buch noch etwas gebraucht habe und in der Kirche von Kathrein, die komplett umgebaut worden ist, etwas gemacht habe. Ganz ein schönes Kirchlein. Sie ist zu Roseggers Zeiten abgebrannt (Peter Rosegger: 1843 - 1918, Anm. der Redaktion). Peter Rosegger hat für die Kirche St. Kathrein am Hauenstein gesammelt. Auch für die evangelische Kirche in Mürzzuschlag. Da hat er 40% der Baukosten beschafft. (Die evang. Heilandskirche in Mürzzuschlag ist im Jahre 1900 in nur fünf Monaten Bauzeit errichtet worden; Anm. der Redaktion). Die Katholischen haben ihm das ziemlich angekreidet, weil Rosegger, der seinen Glauben gehabt hat, „kirchenmäßig“ überhaupt nicht zufrieden war. Er war sein ganzes Leben katholisch, seine Familie evangelisch. Er hat also einen Spendenaufruf gemacht für seine Lieblingskirche, in Kathrein. Dort waren sie vom Geburtshaus wahrscheinlich zu Fuß schneller als in Krieglach. Den Christmettenweg gibt es noch immer. Der führt vom Geburtshaus weg und wird noch immer am heiligen Abend gegangen. Nach dem Spendenaufruf hat er einen Verweis bekommen, dass er nicht gefragt hat, ob er das machen darf.

 

DMP: Der Redakteur lacht laut!  Das ist österreichisch. (Er kennt das nur zu gut …)

Jakob Hiller: Die Spenden haben sie dann wohl genommen, aber Rosegger ist zur Eröffnung nicht eingeladen worden. So ist das im „Heimgarten“ (eine Monatsschrift, 1876 gegründet; befasst sich mit dem Sinn für Häuslichkeit, der Liebe zur Natur, dem Interesse an Ursprünglichen und Volkstümlichen; Anm. der Redaktion)  festgehalten.

  

DMP: Auf der eine Seite hat man als Fotograf die sehr persönlichen Impulse, etwas zu machen, auf der anderen Seite sagt auf ihrer hp Charlotte Anderle, dass Kunst etwas allgemein gültiges ist. Ohne Interpretation. Ist aber nicht jedes Foto/ jedes Werk von sich aus schon eine eigene Sichtweise, die nicht „verallgemeinerbar“ ist?

Jakob Hiller: Es kommt etwas darauf an: Wenn ich ein Kunstwerk öffentlich zur Schau stelle, ist es nicht mehr persönlich. Ich stelle es damit zur Diskussion. Ich halte gerade die Bilder die nicht zu „übersehen“ sind, so dass man sie mit einem Blick erfassen kann, für die interessanten Bilder. Wo man auch immer wieder etwas neues finden kann. Auch wenn der Betrachter Sachen drinnen findet, die ich so gar nicht gesehen habe.

DMP: Als Schaffender sehe ich mein Werk ja grundsätzlich anders als ein Betrachter. Sollte der Beweggrund erläutert werden? Ist es für Besucher wichtig den Hintergrund zu kennen? Und die Meinung dessen zu hören, der es gemacht hat?

Jakob Hiller: Ich finde schon. Der Künstler soll sein „Wieso und Warum“ darstellen. Es gibt aber verschiedene Ansichten. Der Betrachter soll erfahren, was damit gemeint ist. Ich will aber kein Rezept ausstellen, um die Möglichkeiten nicht zu nehmen … Zum Glück sind wir alle so verschieden. Die verschlüsselten Bilder sind gerade für mich das wichtige und schöne. Meine Rosenbilder hier - zeigt auf die Wand - ist etwas einfacheres; für „Ottonormalverbraucher“.


DMP: Als Dekoration zu sehen. Das Tiefgründige wird man nicht  in der Rosenblüte suchen.

Jakob Hiller: Genau. Dazu: Mir gefallen oft Bilder von jemand anderem. Diese würde ich aber nie bei mir zu Hause hinhängen. Auch ich verkaufe ganz gern einmal ein Bild. Da erfährt man auch die Gründe. Hin und wieder sagt jemand, dass ihm das Bild sehr gut gefällt. Aber es passt nicht in meine Wohnung. Ich persönlich würde mir auch nie ein „düsteres“ Bild in mein Haus hängen. Obwohl mir die Bilder gefallen. Das sind zwei Paar Schuhe. Ein Kunstkenner, der sammelt, für den ist das wieder etwas anderes.


DMP: Ich mag das „Düstere“ sehr gerne und bin geneigt, es auch aufzuhängen. Das ist persönlicher Geschmack.

Jakob Hiller: Obwohl ich auch gerne verkaufe, mache ich sicher keine Bilder, damit sie gekauft werden. Das ganze Leben kann man durch Bilder verschönern.

Ich mache die Bilder nicht dass sie gefallen, sondern auch für mich! Die Stunden, die ich dafür verbracht habe, bringen mir so viel … Ein Erlebnis! Seit zehn Jahren denke ich an diesen einen Sonnenaufgang! Wobei das Erlebnis in der Fotografie nicht ganz so stark ist als wenn ich es nur erleben würde. Weil ich auch an die Technik denken muss. Ich mache es gerne.


„Ich persönlich würde mir auch nie ein „düsteres“ Bild in mein Haus hängen. Obwohl mir die Bilder gefallen.“

DMP: Wenn man einen Bekanntheitsgrad wie Sie hat, kommen da schon Leute, die einfach „dabei“ sein wollen? Man war bei der Hiller Eröffnung?

Jakob Hiller: Das Interesse hält sich in Grenzen: Da ist der Freundeskreis und Interessierte, die kommen. Man kann aber nicht Leute dafür begeistern, die üblicherweise zu solchen Veranstaltungen nicht gehen. Das funktioniert kaum. Wenn ich ein Buchpräsentation mache - am zweiten Februar steht die nächste an - da hast du deinen Kreis: Es kommen ca. 200 Leute. Das ist nicht besonders viel für eine Buchpräsentation. Bei meiner ersten mit Heike Dobrovolny „Peter Roseggers Nachbarschaft“ waren 370! Das war gewaltig. Wir machen auch immer etwas besonderes. Diesmal wird der Schauspieler Daniel Doujenis lesen. Ich möchte keine „übliche“ Buchpräsentation, dass nur vorgelesen wird, sondern das wird ein „Abend“. Ich hebe ein Buch aus der Taufe und es soll etwas schönes werden.


DMP: Sie haben zum Teil auch bei den Eröffnungen neben der Musik Tanz geboten?

Jakob Hiller: Das war eine tolle Sache vor vier Jahren. Ich habe mir einen Gag erlaubt: ich habe eine Tänzerin aus Wiener Neustadt gebeten - eine Bekannte, die einen Tanz vorgeführt hat. Dann hat sie ein Bild genommen und das Bild habe ich dann zerschnitten und die Stückerln an die Besucher verteilt. Das war ein lässige, gaudige Sache. Es soll ja auch ein Spaß sein. Das Leben ist eh nicht immer heiter. Lacht! Mit Daniel Doujenis ist eine Freundschaft entstanden als „Jakob der Letzte“ (ein Roman von Rosegger, der 1887 veröffentlicht wurde, Anm. der Redaktion) am Geburtshaus oben realisiert wurde und ich bin mit den Schauspielern wandern gegangen. Durch das Buch „Peter Roseggers Nachbarn“ kenne ich die Gegend sehr gut. Und das war stimmig, weil es thematisch zu Jakob der Letzte passt, da es in dem Buch auch um das Bauernsterben geht. Da ist eine ganz große Freundschaft zu Daniel Doujenis entstanden. Er ist ein toller Schauspieler, einer der besten in Österreich.


DMP: Was ist die weitere Planung, wir haben uns kennengelernt, als Sie in Neuberg die Pflanzen fotografiert haben.

Jakob Hiller: Das Buch ist hinten angestellt, da man Pflanzen dann fotografieren muss, wenn sie sind … Das ist jetzt schwer. Das Buch wird wahrscheinlich 2019 herauskommen. „Peter Rosegger und der Humor“ (Cover siehe unten) mache ich mit Irene Pfleger, die die Gestaltung über hatte und 70 Karikaturen für dieses Buch gezeichnet hat. Die Präsentation ist am 2.2.2018 um 19h im VAZ Krieglach. Im Sommer während der RoseggerTage kommt „Peter Roseggers Leben“, ein Bildband, ein ganz fundierter Band über das Leben des Schriftstellers. Viele Werke über den Schriftsteller sind einfach nur so „obe g`schrieben“.

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Links: Das neue Werk, das am 2. Februar aus der Taufe gehoben wird. Clicken Sie es an und lesen Sie schon jetzt die Einleitung!  Mitte und rechts: Bereits erschienen.

Jakob Hiller:  In meinem Buch wird das Leben detailliert beschrieben. Das mache ich mit Professor Farkas (Prof. Mag. Dr. Reinhard Farkas, Sozial- und Kulturhistoriker an der Karl-Franzens-Universität Graz, Schriftsteller, Fotograf und Naturliebhaber) der den Inhalt recherchiert hat und ich habe die Bilder dazu beigetragen. Rosegger war ja viel in der Steiermark unterwegs. Beispielsweise war ich in Festenburg (Gemeinde St. Lorenzen am Wechsel, gegr. um 1200 von den herren von Stubenberg, Anm. der Redaktion), wo Rosegger eine Freundschaft zu einem anderen Schriftsteller pflegte. Vorige Woche hat mich auch Hr. Prof. Gerald Schöpfer (Wirtschaftshistoriker, ehem. Vorstand des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz, Landtagsabgeordneter und zur Zeit Präsident des ÖRK, Anm. der Redaktion) angerufen, der auch ein Buch herausbringt und zu dem ich die Bilder liefere.


DMP: Der nächste Termin ist aber der 2. Februar.

Jakob Hiller: Da sind wir jetzt schon etwas in Verzug. Ein paar Sachen müssen noch mit dem Grafiker abgesprochen werden, die mir noch nicht passen. Die Lektoren muss noch einmal Korrektur lesen, man sieht ja gar nicht, wieviel Arbeit daran hängt … Ich habe allein vom „Heimgarten 40 000 Seiten durchgeschaut. Im Oktober 1876 erschien die erste Ausgabe, ein Jahr nachdem seine Frau gestorben ist. Durch den Tod seiner Frau ist er in eine schwere Depression gefallen, worauf er den Heimgarten in`s Leben gerufen hat, um sich abzulenken.

„Es stimmt aber nicht, dass wir in einem schnelllebigen Zeitalter leben. Roseggers Zeit war die schnelllebigste.“


Zwei Portraits, zwei Krieglacher, zwei Menschen in unterschiedlich schnelllebiger Zeit: Links Jakob Hiller, rechts die Büste von Peter Rosegger in Krieglach.

DMP: Der Heimgarten wird charakterisiert mit den Worten : „ ... eine Monatsschrift für das Volk herauszugeben mit der Tendenz, den Sinn für Häuslichkeit, die Liebe zur Natur, das Interesse an dem Ursprünglichen und Volkstümlichen wieder zu wecken.“ Das war 1876. Fast identen Wortlaut hört man heute wieder …

Jakob Hiller: Rosegger war ein Weitdenker.


DMP: Wieder zu erwecken … 1876!

Jakob Hiller: Er hat gesehen, welche Blüten der Aufschwung und die Industriealisierung getrieben haben.

 

DMP: Schwarze Blüten.

Jakob Hiller: Ja, ja, ja, ja. Auch damals hat schon die Landflucht eingesetzt. Die Knechte sind von den Höfen gezogen, wodurch die Schwierigkeiten begonnen haben. Weil sie keine Arbeitskräfte mehr gehabt haben und noch keine Maschinen. Alles wurde in händischer Arbeit verrichtet. Es geht auch heute darum, dass auf den Höfen keine Nachfolger sind. Die Kinder wollen das nicht mehr. Tag für Tag die vielen Stunden … Ich kenne viele Wirte, die mir das immer wieder erzählen. Unlängst habe ich mit einer Bäuerin geredet, die gesagt hat, sie ist lieber Bäuerin als Gastwirt. Als Gastwirt musst bis zwölf auf`d Nacht da sein - für deine Gäste. Die Jugend heute will auch ihr Leben haben. Es stimmt aber nicht, dass wir in einem schnelllebigen Zeitalter leben. Roseggers Zeit war die schnelllebigste.

„Zu sagen: Du hast das wirklich super gemacht - das haben wir nicht gelernt!“


DMP: Die Entwicklung?

Jakob Hiller: Zu Roseggers Geburt war der Ochsenkarren das schnellste. Und das seit 1000 Jahren. Und dann sind die ersten Autos aufgekommen. Er beschreibt seine erste Fahrt von Krieglach nach Graz. Bis nach Neudörfl sind sie gekommen. Dort sind sie dann eine Stunde gestanden. „Das wird nie was“ hat er geschrien. Zur selben Zeit ist auch die Eisenbahn aufgekommen, das elektrische Licht, das Telefon, die Schifffahrt und das Flugzeug. Rosegger hat mit Kienspan (der Kienspan wird wie ein Feuerholz erhitzt oder angezündet und diente bis in das 19. Jahrhundert als Lichtquelle, Anm. der Redaktion) gearbeitet, die erste Petroleumlampe hat er angezündet. Allerdings hat er den Docht zu weit heraussen gehabt und es hat nur geraucht.


DMP: Die tolle Entwicklung heutzutage ist das Handy?

Jakob Hiller: Vor allem durch das Bücher machen brauche ich es halt. Ich bekomme oft Anfragen für ein Buch. Auf der Grazer Kunsthandwerk Messe habe ich ausgestellt - das brauche ich auch nicht mehr, das ist nicht meines - und das eine oder andere verkauft und ein paar Tage später wurde ich angerufen, wie schön das Buch ist. Das freut, weil schimpfen tut man bald, aber dass man jemanden anruft, wenn etwas gefällt, ist selten. Zu sagen: Du hast das wirklich super gemacht - das haben wir nicht gelernt!


DMP: Sie haben gesagt, dass sie mit der Tochter einen Verlag haben?

Jakob Hiller: Den Verlag hat meine Tochter Doris Hiller- Baumgartner gegründet. Damit  sind wir „auf der sicheren Seite“. Damit können wir unsere eigenen Werke verlegen.


DMP: Was bedeutet es, einen Verlag zu haben?

Jakob Hiller: Da ist man von der Finanzseite abgesichert und es ist uns von Steuerberatern auch empfohlen worden.  Es schaut ja auch am Buch ganz gut aus: Verlag Hiller.  Es geht um organisatorisches und finanztechnisches. Von aussen nehmen wir aber keine Aufträge an, weil meine Tochter österreichweit beschäftigt ist und natürlich wenig Zeit hat. Das nächste Buch mit Prof. Farkas verlege ich im Leykam Verlag. Dieser hat schon viele Werke über Rosegger verlegt. Der Vorteil ist, dass der Aufwand über einen anderen Verlag bei weitem geringer ist. Im Verlag Hiller muss ich alles selber machen, angefangen mit der Idee bis zum Verkauf. Natürlich bleibt, wenn das Buch gut geht mehr über. Das Risiko trage ich aber auch selber. Natürlich ist es spannend, alles selbst zu machen, bei extrem großem Aufwand. Dann kann ich auch alles selber bestimmen. Bei einem anderen Verlag ist man immer gebunden: Schrift, Grafik, Bilder … Es gibt dann Montagen mit Rosegger am Cover.


DMP: Die sehen das von der kommerziellen Seite.

Jakob Hiller: Genau. Da liegt der Vorteil im Selbermachen.

DMP: Mit Ihrer Tochter, die Diätologin ist, haben Sie das Buch über das Essen gemacht.

Jakob Hiller: Es sind Auszüge auch aus dem Heimgarten drinnen, die Rosegger über das Essen geschrieben hat. Es ist kein Kochbuch. Der Titel aber ist nicht optimal. In Gleisdorf steht das Buch bei den Kochbüchern. Wenn eine Frau ein Kochbuch sucht und in meinem Buch keine Rezepte findet, wird sie es wieder zurückstellen. Es gehört thematisch schon zum Essen und ist als Teil der Rosegger- Serie zu sehen. (Siehe Bild oben!) Das & ist auf dem letzten Band nicht mehr drauf, weil es das Bild stört. Sonst ist es gleich designt. Die nächsten Projekte: „Peter Rosegger & die Heimat“, „Peter Rosegger & die Tiere“. Das wird auch meine Tochter wieder machen.


DMP: Wie stehen Sie zum Internet? Seit langem prophezeit man den Tod der Bücher, des Gedruckten. Das ist nicht eingetreten.

Jakob Hiller: Ich fahre ja durch den persönlichen Vertrieb zu den Buchhandlungen und liefere die Bücher aus. Es werden aber schon immer mehr Bücher nur als e-book verlegt. Bei „Peter Rosegger & das Leben“ habe ich im Vertrag auch die Nutzung als e-book verankert. Meine Bücher heben sich aber durch die Fotografien ab, die machen ganz klein keinen Sinn. Ich bin ja zu meinem ersten Band durch die Fotografie gekommen. Motiviert zum weitermachen hat mich natürlich, dass die erste Auflage in eineinhalb Jahren verkauft war. Es ist aber etwas schwieriger geworden. Auch Bildbände gehen noch ganz gut.


DMP: Was würden Sie jungen Künstlern, Fotografen raten?

Jakob Hiller: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Und nicht zu viel „dort was, da was“. Sie sollen den Weg, den sie eingeschlagen haben, gehen. Irgendwann bemerkt man, sich nicht einreden zu lassen, was man tun soll. Gehe den Weg, der Spaß macht und woran Du eine Freude hast. Ich spreche natürlich Menschen an, die nicht davon leben müssen. Im anderen Fall muss man sowieso immer wieder etwas machen was nicht gefällt, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Menschen, die wie ich in der glücklichen Lage sind so einen Zugang zu haben, können immer das machen, was ihnen Spaß macht.


DMP: Es wird dann auch autentischer und ehrlicher. Im Inhalt und in der Gestaltung.

Jakob Hiller: Das merkt man auch, ob es Freude gemacht hat oder „abgeklatscht“ ist.


Links: Die Kirche von Krieglach, gleich neben dem Denkmal des Schriftstellers.

DMP: Herr Hiller, herzlichen Dank für das Gespräch!


DMP: Bei der regen Ausstellungstätigkeit: Was ist für Sie eine „erfolgreiche“ Ausstellung? Gehört Verkauf dazu?

Jakob Hiller: Ich brauche zum Glück nicht zu verkaufen. Ich bin in der glücklichen Lage, in Pension zu sein. Für mich ist eine Ausstellung gelungen, wenn bei der Eröffnung Leute kommen und ich ihnen etwas geben kann. Die letzte Ausstellung war eine der best besuchten Ausstellungen. Das ist für mich der Lohn. Das ist wirklich eine tolle Sache. Und so etwas hat man nicht so oft im Leben.