Herr Sommer im Garten der seltenen Schönheiten

dMP: Wie hat denn Alles begonnen?

Herbert Sommer: Anfänglich habe ich mir gedacht, wen es interessiert, der kommt eh herein. Aber die Touristen wissen das nicht.

Vor dreissig, vierzig Jahren habe ich das Haus gekauft. Davon war zwanzig Jahre lang nur Wiese. Dann haben wir mit einem kleinen Teich angefangen, einem Folienteich. Und ein paar Blumen herum. Vor drei, vier Jahren habe ich mir überlegt, einen Steingarten anzulegen. Dann haben wir da und dort etwas dazugemacht.


dMP: Weisst Du noch, welche die ersten Blumen waren?

Herbert Sommer: Das waren am Steingarten die Almblumen. Und was man in Gärtnereien zu kaufen bekommt. Dann haben wir weitergemacht und einen Teich errichtet. Da (zeigt darauf) wo alles zugewachsen war. Wir mussten das Schilf, das sich so stark vermehrt, zuerst ausreissen. Der Nachbar hat aber gesagt, dass es so schön mit den Rohrkolben ist…


dMP: Das erinnert an den Bambus. Eine Plage.

Herbert Sommer: Als Sichtschutz ist er halt praktisch.


dMP: Deine Pflanzen sind großteils aus Gärtnereien zugekauft?

Herbert Sommer: Ich bin früher auch viel gegangen, um Samen abzunehmen. In Hirschbach gibt es die Orchideen, wie die Ragwurz, eine ganz seltene. Zuerst hatte ich nur eine da, heuer waren es auf einmal drei. Die bestäuben sich gegenseitig. Das habe ich lange enicht gewusst; ich habe geglaubt, dass sie sich durch die Wurzel vermehrt. Das Männchen hat eine haarige Blüte, das Weibchen ganz glatt.




 „… Da schaut man dann zu Haus im Lexikon: Oh Maria, ganz eine seltene!“

dMP: Anfangs war ich auch erstaunt, wie ich die ersten wilden Türkenbundlilien gesehen habe, wie klein die Blüten sind. Was bedeutet für Dich Naturschutz?

Herbert Sommer: Es ist durch Fernsehsendungen besser geworden. Aber Viele glauben noch immer durch die Wiesen gehen zu müssen und reissen die Blumen aus, statt auf den Wegen zu bleiben, zu schauen und zu fotografieren.


dMP: Manche wollen sie dann zu Hause setzen …

Herbert Sommer: Man bringt sie auch schon aufgrund der Erde gar nicht weiter. Natürlich ist es besser, man lasst sie stehen. Ich gehe im Herbst oft noch einmal dorthin und schaue, ob ich vielleicht Samen abnehmen kann. Ab und zu hab ich halt auch Pech. Aber man kann es probieren.


dMP: Die Vermehrung über die Samen ist der schwierigste Weg.

Herbert Sommer: Genau. Es ist schwer, bis einmal etwas aufgeht. Am vergangenen Samstag (Anm.: Das Wochenende nach Christi Himmelfahrt) waren 21 Besucher da. Eine Dame hat mir erzählt, dass ihr Sohn einen Edelweiß gebracht hat. Und dass sie extra Blumenerde gekauft hat. Ja sag ich - der braucht keine Blumenerde, der ist den Waldboden gewöhnt. Und ein paar Steine dazu. Wir haben die Steine, den Kies und die Erde vom Bahnhof heruntergeführt.



Herbert Sommer: Wir können auch zur Mürz runterschauen. Ich habe extra ein Geländer zum Anhalten bauen müssen. Damit die Besucher auch hinunter kommen. „Begehen auf eigene Gefahr“ habe ich dann drauf geschrieben. Es sind ja auch Kinder dabei.  


dMP: Die Tafel vorne auf der Straße wurde voriges Jahr aufgestellt.  

Herbert Sommer: Das wurde mit der Musikkapelle eröffnet.


dMP: Man kann es durchaus als Attraktion in Neuberg bezeichnen.

Herbert Sommer: Natürlich ist man hier in Neuberg froh, wenn jemand etwas macht. Der Aufwand ist vom Frühjahr bis in den Herbst hinein. Auch ist in jedem Abschnitt etwas anderes zu sehen. Der erste Weg in der Früh nach dem Aufstehen ist durch den Garten, welche Pflanzen neu aufgeblüht sind. Oft ist es auch Überraschung, dass eine neue Blume plötzlich dasteht. - Lacht.


dMP: Viele Blüten verändern sich auch im Laufe des Tages. Sie öffnen und schliessen sich.

Herbert Sommer: Ja, viele machen das. Der Enzian zum Beispiel. Am Abend um sechs Uhr ist er zu. Das ist wie die Menschen selber …


dMP: Bist Du mit Anderen im Austausch, betreffs Wissen oder Saatgut?

Herbert Sommer: Ja, ich habe einen Arbeitskollegen, der hat sehr viele Orchideen gehabt. Er hat mir viel erklärt und viel gesagt. „Wo sie sind mußt aber selber finden“. Ich war ja immer viel im Wald unterwegs.


dMP: Es dauert bis man das Wissen hat …

Herbert Sommer: Ich lerne aber jedes Jahr Neues dazu. Für manche Pflanzen ist der Standort ganz wichtig. Da drüben kommt der Engelwurz, den hat es früher überall gegeben. Da hat mich eine Frau aus Wien aufmerksam gemacht :“Engelwurz haben Sie keinen?“. Sag ich : „Nein“. Weil: Engelwurz bringt Glück. Oft haben die Leute, die kommen auch gute Ideen.


dMP: Ist das nicht manchmal ein bisschen viel, wenn jeden Samstag Leute durch den Garten spazieren und erzählen, was sie zu Hause haben? Anstatt sich dem zu widmen, was Du präsentierst?

Herbert Sommer: Ja, solche sind natürlich auch dabei. Es ist aber eher so, dass ich leider nicht mit Allen reden kann; vor allem nicht, wenn Viele auf einmal da sind.  

Herbert Sommer: Die meisten kennen die Pflanzen, die sie hier sehen, gar nicht.  


dMP: Viele beschäftigen sich ja auch gar nicht mit der Natur, den Pflanzen, sondern konsumieren nur.

Herbert Sommer: Das habe ich in den sechzehn Jahren gesehen, als ich hier bei uns im Naturpark Wanderführer war. Ich habe als Ausbilder einen Heeresbergführer gehabt. Ich war vor allem auf der Schneealm oben. Großteils mit Schulklassen, aber auch mit Erwachsenen. Aber auch die jungen Lehrer kennen nichts mehr. In der Frein war ich auch oft mit den Schulklassen. Von dort war ich drei Mal in der Woche auf der Hinteralm. Für die Kinder ist es natürlich jedesmal etwas Neues.


dMP: Herzlichen Dank für das Gespräch.


In Neuberg kann man auf Schritt und Tritt seltenen Hahnenfußgewächsen, Orchideen oder Wildlilien begegnen. Wenn es Samstag ist. Dann nämlich hat auf Eigeninitiative des Herrn Sommer der Schaugarten geöffnet. Es ist wahrlich eine Pracht durch die gepflegten Bereiche der verschiedensten Vegetationsarten zu schlendern. In wenigen Schritten verbindet sich hier die Pflanzenwelt eines Alpengartens mit den seltenen Moorgewächsen an hübsch angelegten Teichen. Das Augenmerk liegt auf den raren Arten - ein wahrer Reigen an botanischer Vielfalt bietet sich hier den Besuchern.

Eine der spektakulärsten Empfehlungen in Neuberg. Erkenntlich an dem Schild: Schaugarten. Mai - Oktober. Jeden Samstag.

Aber Achtung:  Sie könnten sogar noch etwas lernen. Im Gespräch mit Herbert Sommer.

Bild rechts: Fliegenragwurz.

Die Blüten sind meist zweigeschlechtlich, oft auffällig und bilateral. Die Orchidaceae werden häufig von Insekten bestäubt, aber auch Vögel kommen als Bestäuber vor. Einige Blüten sind so speziell angepasst, dass sie nur bestimmte Blütenbesucher anziehen. Angelockt werden die Insekten und Vögel durch Nektar, Duft und Pollen. Manche Arten imitieren den Duft und das Äußere weiblicher Bienen, so dass die Männchen die Blüten bestäuben, wenn sie versuchen sich mit dem Weibchen zu paaren.


dMP: Die Samen nimmst Du dann im Herbst ab?

Herbert Sommer: Umsetzen hat nicht viel Sinn, das wird nichts. Das habe ich vor drei Jahren probiert, es ist leider nichts geworden.


dMP: Welche Pflanzen sind hier in der Gegend noch heimisch?

Herbert Sommer: Das Knabenkraut beispielsweise. Vor zehn Jahren hat man nur ab und zu Knabenkraut gesehen, jetzt ist es weit verbreitet. Mit vielen Unterarten.


dMP: Wie kommt es, dass es sich plötzlich so weit ausdehnt?

Herbert Sommer: Früher hat man das gar nicht gekannt. Ich bin ja früher auch sehr viel in den Bergen unterwegs gewesen, auch in der Freizeit, am Sonntagnachmittag war ich immer im Wald unterwegs. Zuhause habe ich dann im Lexikon nachgeschaut, was ich unterwegs gesehen habe. Oft war es dann auch ganz etwas seltenes. So wie der Ragwurz oben in Hirschbach, den ich vor zwei Jahren entdeckt habe. Das ist so unscheinbar, wie ein Grasstengel, dabei haben sie ganz zarte Blüten drauf. Was das für eine schöne Orchidee wäre - wenn sie größer wär.


Die Lippe der Orchideenblüte hat die Funktion einer Landebahn. Nachdem die Pollenkörner auf dem Rücken der Männchen kleben, gibt es sie in der nächsten Blüte an die Narbe ab. Aus: DIPLOMARBEIT Das System der einkeimblättrigen Pflanzen im Botanischen Garten der Universität Wien von Maria Hölbling, Wien, am 24.10.2009 Universität Wien, Biologie

Moossteinbrech ist in Ruhschutt, in Felsspalten als auch im lockeren Rasen auf kalkhaltigem Gestein beheimatet. Er wächst in den Alpen con 1500 - 4000 Meter Seehöhe.  

dMP: Wann beginnt die Saison?

Herbert Sommer: Heuer ist im März noch gar nichts gegangen. Dann ist der Frost gekommen.


dMP: Hast Du große Schäden gehabt? Ich habe es heuer besonders an den Rosen gemerkt.

Herbert Sommer: Am Steingarten habe ich nicht viel bemerkt, die haben schön geblüht. Auch die Königskerzen werden fast zwei Meter hoch.


dMP: Hast Du eine „Lieblingspflanze“? Eine besondere Blüte?

Herbert Sommer: Heuer dominiert blau. Die riesigen Schwertlilien blühen auf, die sind einfach wunderschön zum Anschauen. Dabei stehen die blaue Flockenblume und die blaue Akelei. Ich freue mich auch immer, wenn ich ganz eine seltene Blume sehe.


dMP: Hast Du auch Nutzpflanzen gesetzt?

Herbert Sommer: Nein - weil ich soviele Kräuter, die so hoch im Kurs stehen, gar nicht brauchen kann.

„Heuer dominiert blau. Die riesigen Schwertlilien blühen auf, die sind einfach wunderschön zum Anschauen.“

Vom Sonnentau gibt es auch verschiedene Arten. Es ist ein Gewächs der Hochmoore. Die Drüsenhaare scheiden eine klebrige Flüssigkeit ab, wodurch kleine Insekten festgehalten und später verdaut werden.

Es zwitschern die Vögel, die Mürz rauscht im Hintergrund. Wir wenden uns dorthin um.

Pinolith - Magnesit. Eines der faszinierenden Details des Blumengartens. Direkt aus den Hohen Tauern.

Knabenkraut - links - oder Primel Orchidee - rechts im Bild. Viele der gezeigten Pflanzen muten exotisch an. Aber nur deswegen, weil wir sie nicht kennen. Dabei wachsen sie vor unserer Haustüre.