Der  Kulturpanther aktuell

Kultur

Es scheint, als wäre die Adventzeit auch die Zeit für Kunst. Es scheint, als ob Muße der Zeit übergeht in die Stille der Betrachtung von Bildern. Wir hören einer jungen Künstlerin zu, die am dritten Adventwochenende ihre Werke in Leoben präsentieren wird. Sie arbeitet mit interessanten Materialen und so gestalten sich auch ihre Bilder: spannend, nahegehend und zum Verweilen einladend. Elke Wihsounig über Patina und Farbgebung, über Fotografie und Malerei.

“Man merkt mit jedem Schritt, was sich bewegt. Da ergeben sich teilweise Sachen zufällig, die richtig gut aussehen.”


 “Bei mir lösen meine Bilder natürlich Empfindungen aus, die aber auch schwanken. “

“Das ist eine zähflüssige Eisenflüssigkeit, die mit einem Oxidationsmittel überstrichen wird und dann zu rosten beginnt.“

dMP: Wie bist Du zu Malerei, Zeichnungen und Fotografie gekommen? Auf Deiner Seite sieht man, dass die ersten Bilder aus dem Jahre 2016 stammen. Ist das der Zeitraum Deines Schaffens?

Elke: Vor mittlerweile zwölf Jahren bin ich mit einer Freundin in einen Malkurs in Eisenerz gegangen. Dort habe ich die Materialien kennengelernt und einfach ein bisschen probiert. Es hat mir wirklich gut gefallen, sodass ich mir Leinwände und Farben gekauft habe. Es hat mich von Anfang an gefreut.


dMP: Welche Farben waren das?

Elke: Acrylfarben. Die ersten Werke waren stimmige Bilder, aber noch ohne technisches Wissen. Rückmeldungen über meine Bilder aus dem Freundeskreis waren durchwegs positiv. Seit ich in Mürzzuschlag arbeite, seit acht Jahren, habe ich auch einen anderen Zugang durch die Bekanntschaft mit Hr. Heinz Felbermair in Allerheiligen bekommen. Vor vier Jahren bin ich mit meiner einfachen Technik angestanden, ich konnte meine Ideen nicht umsetzen. Damals habe ich auch immer gedacht, schnell fertig werden zu müssen. Ich habe dann einen viertägigen Kurs bei Hr. Felbermair belegt und viel gelernt. Es war interessant zu erkennen, dass es egal war, eine Landschaft oder eine Figur zu malen, dass die Art Verläufe zu gestalten, Schichten aufzutragen, technisch umsetzbar wurde. Die Erkenntnis von hinten nach vorne zu arbeiten und zu sehen, dass Schicht für Schicht aufzutragen, Tiefe ergibt und durchscheinende Farben. Auch bin ich eher unbewußt darauf gekommen, dass ich Strukturen und dunkle Elemente mag und gerne Höhen herausarbeite. Da ist ganz etwas Lebendiges drinnen. Bei diesem Kurs hat das sonst keiner gemacht, die meisten haben nur mit dem Pinsel und den Farben gearbeitet. Ich habe zuerst Strukturen mit Spachteln geschaffen, wodurch sich diese Effekte am Bild ergeben. Ich schätze es, wenn sich etwas bewegt.


dMP: Dieses hier (siehe Foto ganz unten auf der Seite) ist durchgehend gespachtelt?

Elke: Genau. Man sieht auch noch die Anfänge mit geringeren Erhebungen (zeigt hin), übergehend zu stärkerem Auftrag zur Mitte hin. Ich arbeite auch mit viel Wasser und muss auf das Ergebnis Tage warten, wo auf dem Bild das Wasser zusammengeronnen oder stehengeblieben ist.


dMP: Das ist tagelang naß?

Elke: Ja und es dauert zwei, drei Tage bis die Leinwand trocken ist. Das ist für mich auch als Mensch eine Entwicklung, weil ich früher das meiste am selben Tag fertig gemacht habe, mich aber am Ergebnis nicht richtig erfreuen konnte. Ich arbeite teils ewig an einem Bild: Zuerst arbeite ich an der Struktur, dann trage ich Schichte für Schichte auf, die trocknen muss. Man merkt mit jedem Schritt, was sich bewegt. Da ergeben sich teilweise zufällig Effekte, die richtig gut aussehen. Beim nächsten Mal setze ich diese Technik schon bewußt ein: wie man etwas schüttet oder etwas ineinanderrinnen zu lassen. Mit dem Pinsel den "richtigen" Strich zu setzen. Dadurch lerne ich bei jedem Bild weiter und verfeinere meine Techniken.

Am Anfang habe ich auch zuhause auf einem großen Esstisch gemalt, wodurch ich mich aber nicht so entfalten konnte. Das hat sich dann durch das Atelier geändert. Man braucht für`s Malen den Platz, an dem man für sich ist, wo man etwas liegen lassen kann ... Ich habe aber auch hier ein Bild -zeigt darauf - das ist drei Jahre alt. Ich war nie zufrieden und wußte, dass es nicht fertig war und habe es dann liegengelassen. Es ist vor zwei Wochen fertig geworden.


Elke Wihsounig in ihrem Atelier vor einem Regal mit Malutensilien.

Die Technik mit Rost und Patina zu arbeiten, bringt erstaunliche Wirkung und gibt den Bildern ungewohnten Ausdruck.

dMP: Auf deiner Homepage ist bei diesem Bild ein großes endlich! dahinter.

Elke: Ja, das war ein langer Prozeß. Meine Ärztin, die Naturheilpraktikerin ist, hat mich auch beraten. Sie hat erkannt, dass das Malen für mich eine Persönlichkeitsentwicklung ist. Ich bin sicher mutiger geworden und bin von kleinen Elementen hin zu den großen Flächen gekommen, wo ich ein Freiheitsgefühl im Arbeiten bekommen habe. Man wird auch selbstbewußter, wodurch sich auch die Formate ändern. Durch das Atelier kann ich räumlich die Bilder anders auf mich wirken lassen. Meine Ärztin hat mich auch darauf hingewiesen, konkreter zu werden, eine Aussage zu treffen. Bis dahin waren die Bilder keine Hingucker, weswegen ich begonnen habe, meine Bilder zu definieren. Ich fange jetzt einfach an und entwickle daraus mein Gefühl, meine Empfindung und damit die Aussage über die Elemente. Das hat ein Tor geöffnet und es gelingt mir noch etwas draufzusetzen.


dMP: Siehst Du dich als abstrakte Malerin? Brauchen Deine Bilder Interpretation? Für mich funktioniert ein Bild, oder eben nicht.

Elke: Ich selber gebe meinen Bildern keine Titel, weil ich nichts vorwegnehmen möchte. Bei mir lösen meine Bilder natürlich Empfindungen aus, die aber auch schwanken. Im Gespräch mit den Gästen bin ich in den Ausstellungen oft überrascht, wie mein Bild gesehen wird. Es gibt auch viele Gründe, warum sie gefallen: es sieht stimmig aus, die Farben gefallen und andere sehen wieder etwas drinnen. Ich sehe auch die  Inhalte, die Spiegelungen aus meinem Umfeld sind.


dMP: Fehlt die Signatur auf Deinen Bildern?

Elke: Ich werde wieder beginnen zu signieren. Bis jetzt habe ich es nicht getan, weil es im Auge des Betrachters ist, wie er das Bild aufhängt. Ich habe sie aber alle hinten signiert.


Aus dem Farbkästchen der Künstlerin. Blaue Patina.

dMP: Vermittelst Du auch etwas über die Farbgebung?

Elke: Ich verwende gerne Türkis- und Blautöne, weil ich sie persönlich schätze. Daneben arbeite ich gerne mit Rost und Patina. Das ist eine zähflüssige Eisenflüssigkeit, die mit einem Oxidationsmittel überstrichen wird und dann zu rosten beginnt. Das gleiche ist die Patina: Kupfer oder Goldflüssigkeit wird mit einem Oxidationsmittel bestrichen und entwickelt so den spezifischen Effekt. Ich fühle mich wohl, mit diesen Farben zu arbeiten.


dMP: Hat Rost in Deinen Bildern auch die Symbolik von Vergänglichkeit?

Elke: Nein, überhaupt nicht. Ich habe hier je ein kretisches Labyrinth mit den Elementen, die Metalle sind, gestaltet. Diese haben eine Geschichte, sie verändern sich, sie rosten. Kupfer, Gold und Eisen stehen als Teil der Entwicklung, es entsteht Neues. Am Anfang des Labyrinthes steht eine große Energie und man kommt in der Mitte - bei sich selbst - an. Ich wollte mit den Naturelementen, den verschiedenen Metallen für mich die Symbole gestaltet habe. Das ist mein Weg.


dMP: Du hast auf Deiner Seite als Zeichnungen nur Aktzeichnungen. Wieso?

Elke: Durch die Zeichnungen kann ich immer auch den Strich üben, man bekommt eine eigene Linie. Der Schwung ist anders und dafür eignet sich der Körper sehr gut; weil es auch schön zum Anschauen ist. In Zukunft möchte ich das auch abstrakter in die Bilder einbeziehen. Ich werde noch üben, um einen eigenen Stil zu entwickeln. Darum gibt es nicht allzu viele Zeichnungen, auch weil sie sehr zeitaufwendig sind.


Bild mit Struktur und Farbe. Man sieht die Handschrift von Elke Wihsounig.

dMP: Wo ist bei Dir der Stellenwert der Fotografie?

Elke: Das läuft einfach mit. Es sind Momentaufnahmen und Details, die ich im Moment des Fotografierens besonders schön finde. Ich habe auch ein Buch von den letzten vier, fünf Jahren über meine Reisen gemacht. In der Natur bin auch sehr gerne und es ist unglaublich, was die Natur schafft und wie sie sich ausdrückt. Von winzigen moosigen Flächen hin zu weiten Landschaften. Viele Aufnahmen sind in der Au von Langenwang oder auch in Mürzzuschlag entstanden. Daneben mag ich Fenster und Türen sehr gerne. Warum? Das weiß ich nicht.


dMP: Ist bei den Ausstellungen auch der Verkauf wichtig?

Elke: Das gehört natürlich auch dazu und wenn sich etwas ergibt, freue ich mich wirklich. Das Geld investiere ich aber ohnedies wieder in die Malerei, als Budget für Farben und Leinwände. Es ist ein Erfolgserlebnis, wenn sich jemand meine Bilder zu Hause aufhängt. Darüber freue ich mich.

dMP: Wie ist Deine Preisgestaltung?

Elke: Bei 200 € beginnen die kleinen Bilder, die Rost und Patinaaufträge sind natürlich vom Material her schon teurer.

dMP: Gibt es für Dich ein Ziel als Malerin?

Elke: Das lasse ich offen. Es ist schön, etwas zu schaffen, aber es geht überhaupt nicht um den Bekanntheitsgrad, es gehört einfach zu mir dazu und ich möchte mich zeigen. Ob das fünf kleine oder eine große Ausstellung ist. Es ist egal, ob du Journalist, Maler oder Grafiker bist, du möchtest präsentieren. Deswegen lasse ich mir das offen und freue mich auf die nächste Ausstellung. Es geht darum, es zu machen.

dMP: Herzlichen Dank und eine gute Ausstellung!



“Es ist ein Erfolgserlebnis, wenn sich jemand meine Bilder zu Hause aufhängt. Darüber freue ich mich.”


„Es geht darum, es zu machen!“