Der  Kulturpanther aktuell

Kultur

Natürlich werden Erinnerungen wach aus einer Zeit, als wir noch die Schulbank drückten und uns mit der österreichischen Geschichte auseinander zu setzen hatten. Das ist doch schon ein Weilchen her. Wer erinnert sich an die Schlacht von Lissa als Admiral Tegetthoff am 20. Juni 1866 die italienische Flotte besiegt hat. Das Drumherum steht aber heute nicht zur Diskussion, aber viele werden sich in den Geschichtsbüchern noch an die Abbildung erinnern: „Da ist das erste wunderbare Augenmerk im Gemälde von Admiral Tegethoff in der Schlacht bei Lissa. Romako hat sehr viele Schlachtenbilder gemalt, aber sie alle sind in einer Figur konzentriert. Wie der Tegethoff dort steht, mit gegrätschten Beinen, die Hände in den Hosentaschen, entschlossenes Gesicht und die Kappe ein wenig hinaufgeschoben. Das Bild ist in zwei Etagen geteilt, oben steht der Admiral mit seiner wilden Kraft, er will das feindliche mit seinem eigenen Schiff rammen. Es ist ein Wagnis auf Leben und Tod. Und in der unteren Etage sind die Matrosen, die wie das Steuerrad in einer radiären Anordnung brüllen, Hurra, Hurra ... Und so ist dieses Bild ein Sinnbild des Willens, auf diesen einen Mann ist die ganze Wirkung des Bildes zurückgezogen und so ein Bild war in der österreichischen Geschichte noch nicht da, dieses Bild ist einfach großartig, in seiner innerlichen Wirkung nicht nur weil er dort steht, sonder wie er dort steht. Und wie er seinen Willen herausbrüllt, ist in seiner Darstellung ein ganz großes Hauptwerk der österreichischen Kunstgeschichte. Ich möchte sagen, dass Romako einer der größten Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist.“

So die Eindrücke dieses Gemäldes auf die Dame des Hauses, Frau Elisabeth Leopold, bei der Pressekonferenz. Sie werden zu den Hauptwerken noch weitere Statements lesen können, die mir durch ihre Persönlichkeit und Beziehung bei weitem passender scheinen, die Bilder zu beschreiben, als kunstgeschichtliche Abhandlungen. Kommen Sie mit uns und entdecken Sie ein Stück wertvoller österreichischer Kulturgeschichte neu.

Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa. 1882, Belvedere Wien. Rechts ein Eindruck aus der Ausstellung im Museum Leopold.

Aus der Dissertation: „Die Zeitschrift ‚Kunst dem Volk‘. Populärwissenschaftliche Kunstliteratur im Nationalsozialismus und ihre Parallelen in der akademischen Kunstgeschichtsschreibung“ Verfasserin Mag. phil. Christina Schedlmayer,  Wien, im Mai 2010: So etwa Rudolf und Margot Wittkower, die bereits im Titel ihres Werks den Status des Künstlers als „Außenseiter der Gesellschaft“ charakterisieren. In ihrer Einleitung konstatieren sie, dass Künstler gemeinhin als „egozentrisch, temperamentvoll, neurotisch, rebellisch, unzuverlässig, ausschweifend, extravagant, von ihrer Arbeit besessen, der bürgerlichen Gesellschaft entfremdet und alles in allem schwierige Lebensgefährten“ gelten.

Es ist sehr schwierig, an der vorherrschenden Meinung in der Recherche über den Menschen und den Künstler Anton Romako  vorbeizukommen, dass er als unangepaßt und fast ein wenig rebellisch galt. Aber erst im Laufe seines Lebens. Es fällt schwer zu sehen, wie die Akzeptanz in der Gesellschaft aus welchen Gründen auch immer geschwunden ist. Man schreibt es gerne seinem Malstil zu: Die Neue Freie Presse schrieb an seinem Todestag über diesen Abschnitt seines Lebens: „Aber durch die Sucht nach Originalität ließ sich Romako zu Absonderheiten in der Zeichnung und in der Behandlung von Farben verleiten, die dem Geschmacke des Publikums nicht ensprachen, und in Folge dessen gestalteten sich auch die materiellen Verhältnisse des Künstlers immer ungünstiger.“

Und aus oben bereits zitierter Dissertation ist zu entnehmen: „Auch Wolfgang Ruppert stellt fest, dass kaum ein Beruf „mehr von Mythen umwoben und mit einem vergleichbar hohem Prestige ausgestattet“ sei. „Zugleich“, so Ruppert weiter, „hat der moderne Künstler eine nicht nur glanzvolle, sondern auch ‚fremde‟ Außenseiterstellung in der Gesellschaft inne“, die dieser zugewiesen bekomme. Besonders widmet sich der Autor dem Bild vom modernen Künstler als Individualisten. Im Umkreis der Secessionen erschien etwa „der moderne„ Künstlerhabitus mit Merkmalen der heroischen Individualität und des Außenseitertums ausgestattet und war gegenüber der Bürgerlichkeit radikalisiert.“ Er spricht von einer „elitären Sonderrolle der künstlerischen Individualität in der bürgerlichen Gesellschaft“. Damit einher geht letztlich die von Ruppert beobachtete Allgemeinvorstellung, dass der Künstler die breiten Massen eben nicht zufrieden stellen dürfe. Zusammenfassend lässt sich also feststellen: Die am häufigsten auftretenden Künstlermythen betreffen den Künstler als „exemplarisch Leidenden“, den Künstler als Messias, den Künstler als Genie, den Künstler als Virtuosen, den Künstler als gesellschaftlichen Außenseiter.

Wenn wir uns also die Mühe machen, eine allgemeine Expertise über den Typus „Künstler“ zu erstellen, hat damals wie heute der Charakter von Romako, in welchen Facetten auch immer, etwas Gültiges - für die jeweils „aufgeklärt“ beurteilende Gesellschaft nichts Aussergewöhnliches mit sich gebracht. Anton Romako war glücklich. Anton Romako war die ersten Jahre in Rom glücklich. Er arbeitete, war in der Gesellschaft bereits mehr als anerkannt und aufgenommen, nicht zuletzt aufgrund der Hochzeit mit seiner Frau. Aus dieser Zeit stammt auch das Portrait seiner zwei Nichten- siehe unten. Auffällig sind mir die Augen in Erinnerung geblieben, den Blick in unterschiedliche Richtungen gewandt und von einer eindringlichen Klarheit. Das ist auch eine der bemerkenswerten Komponenten der Malerei, dass durch die bereits sehr reduzierte, oftmals unscharfe Darstellung des Hintergrundes das „Augenmerk“ des Betrachters auf den Blick der Portraitierten zentriert und dadurch sehr eindringlich empfunden wird.

Rechts: Werk aus 1872/ 73: Die Nichten des Künstlers, Elisabeth und Maja. Öl auf Leinwand, Belvedere Wien.

Romako hatte eine Lebensspanne von 57 Jahren. Man beurteilt nicht nur aus heutiger Sicht den Großteil als unglücklich: Aus: Anton Romako (1832-1889): die Entstehung des modernen Historienbildes, Böhlau Verlag: „Romako wächst als Vollweise auf und kommt früh an die Akademie. Nach Rebellion gegen die unzeitgemäße Lehranstalt und Zerwürfnis mit seinen Lehrern, erlebt er einen rasanten Aufstieg zum vielbewunderten und wohlhabenden Künstler in Rom. Er heiratet, gründet eine Familie und führt ein gastfreies Haus. Im Moment des größten Glücks erfolgt die Peripetie zum unweigerlichen Abstieg Seine Frau betrügt ihn mit einem deutschen Bankier, dem sie nach Instanbul folgt und läßt Romako mit den fünf Kindern zurück. Romako kehrt darauf heim nach Wien, wo er aufgrund einer krankhaft veränderten Manier von Publikum und Kritik geschmäht wird. Auch in seinem Privatleben spitzt sich die Situation zu: Zwei seiner Töchter begehen Selbstmord, während sein Sohn dem Wahnsinn verfällt. Friedmann schließt seine Geschichte damit, das "der arme Toni sich auf dem Grabe seiner Mutter" erschossen habe, und bei Stoessl ist zu lesen, dass der erfolglose Maler "tobte bis man ihn fesseln und in eine Anstalt bringen mußte, wo er nach langem Irrsinn durch den Tod von seiner Qual erlöst wurde."  

Dieses furiose Ende wäre die gerade Linie seines Lebens gewesen, hätte es gestimmt. Schnell erkennt man, dass die Projektion von Irrsinn  eines der Werkzeuge ist, das Bild von einem Menschen zu einem würdigen Schluss zu bringen.

Die Frage nach dem Anfang ist - allerdings von anderer Seite - noch zu klären. Haben die persönlichen Schwierigkeiten durch den gesellschaftlichen Abstieg und das Ändern des Malstils - immer ein Ausdruck von persönlichem Wandel - oder umgekehrt stattgefunden? Romakos Auseinandersetzung mit der sichtbaren Wirklichkeit führte zu Ergebnissen, die alle als der Normalität etwas entrückt bezeichnet werden können. Seine Bilder haben immer auch etwas Befremdliches, zumindest Ungewöhnliches. Aber woran mißt man, woran stößt man sich? Kunst hat Neues zu kreieren, Malerei muss auch Entwicklung nehmen. Wenn das Aussergewöhnliche gesucht wird, um sich als Konsument und Käufer abzuheben, muss dann im Umkehrschluss nicht zuallererst das Entrückende geschaffen werden? Natürlich sieht man sich gerne als Beurteilender, als Wertender. Seine Werke wurden zunehmend als Abweichung von der künstlerischen Norm gewertet. Als „Radikalisierung“. Ich wünsche niemandem sich mit derartigem Unverständnis konfrontiert zu sehen. Die Folgen: Verlust des Erfolges, Trennung von seiner Frau, wachsende Armut. Ein Leben ist nun einmal für Niemanden genug: Der Gierige hat nicht genug gerafft, der Gerechte nicht genug Wahrheit gesehen und der Künstler war nicht glücklich. Als Nachruf ist der Neuen Freien Presse darüber zu entnehmen: Mit diesem künstlerischen Niedergange war auch ein bedauerlicher Verfall seiner körperlichen und geistigen Kräfte verbunden, der ihn vorzeitig altern machte und seinen Tod herbeiführte. In Rom hatte Romako zwei Töchter zurückgelassen, die aber in Folge des Mangels an Überwachung und Unterstützung in die traurigste Lage gerieten und vor zwei Jahren ihrem Leben gemeinsam ein Ende machten.

Am Ende des Jahres 1876 kehrte Romako nach Wien zurück und wurde auch Dank seines Bruders wieder in die Gesellschaft, zu der er auch aus Italien immer Kontakt pflegte, aufgenommen. „Und jetzt geschieht das ganze Eigenartige: Obwohl er glücklich war in Italien, sind seine Werke von einer gewissen Oberflächlichkeit, von diesen wunderschönen Frauen, die da arbeiten, und mit tollen Kleidern hergerichtet sind ... Aber als er nach Wien zurückkommt, gewinnt sein Werk eine ganz besondere Eigenartigkeit. Plötzlich beginnt er in die Tiefe zu gehen, in die Tiefe der Menschen, in ihr Herz zu schauen, in ihr Gemüt, in ihre Gefühle;“  Im Herbst des darauffolgenden Jahres hält er sich in Salzburg und Umland auf. Es sollte eine sehr produktive Phase werden.

Links: Das Gasteinertal im Nebel, 1877, Belvedere Wien. Daneben: Zwei Gamsenjäger im Hochgebirge, 1877, Privatbesitz Wien.

Ich habe selten eine so wunderschöne Stimmung in einem Gemälde gesehen, wie in jenem aus dem Gasteinertal. Es gehört nicht nur Beobachtungsgabe, sondern vielmehr das Gespür für die Darstellung eines so alltäglich und immer wieder Faszination hervorrufenden sehr schlichten Ereignisses dazu, die Umsetzung auf das Gefühl zu komprimieren. Wie trefflich die Höhen von der aufgehenden Sonne beschienen sind, wie Nebel walt im Tal und das Leben erwacht. Man hört die Glocken durch das Tal her, man riecht und spürt die Feuchte und man freut sich in täglicher Erwartung auf die Tasse Kaffee. Soviel über das Hauptwerk Romakos und dessen Stellenwert gesprochen wurde, diese zwei Bilder in ihrer schlichten Anmut des Lebens haben mich mehr als die Historienbilder und als die Portraits beeindruckt. Man könnte meinen, Romako atmet diese Landschaft von klein auf.


Das nächste Hauptwerk ist das Mädchen, den Wildbach überquerend. Das Mädchen, einer unglaublichen Gefahr ausgesetzt, wie es ein bisschen unsicher hinüberwackelt, links und rechts drohen die Felsen und der Wasserfall saust hinunter an ihr vorbei. Sie versucht langsam über dieses Holz zu gehen. Und auch das ist ein Seelenbild, es ist ein Bild voll Innerlichkeit, hier ist die menschliche Existenz in aller Fragwürdigkeit, die Gefahr droht von oben von den schrecklichen Felsen, von unten das rauschende Wasser; Auch wieder ein Bild, dass es vorher nicht gegeben hat - in dieser Art und Weise.

Es hat Egon Schiele gesagt: "Mein Wandelweg führt über Abgründe", dann schauen Sie sich das Mädchen an, über welche Abgründe sie geht.“ So Elisabeth Leopold.

Mädchen, eine Wildbach überschreitend; 1880/ 82, Öl auf Leinwand, Leopold Museum Wien.

Links ein frühes Werk aus dem Jahre 1869/ 70. Es zeigt den Bildhauer Reinhold Begas mit seiner Frau Margarethe.

Im Begleittext des Museums dazu ist von Bewunderung dem Bildhauer gegenüber zu lesen. Ich hatte eher den Eindruck, als läge eine große Kälte in diesem Blick. Davon müssen Sie sich aber selber ein Bild machen.

Zu den Portraits der Familie Reisser sagt die Kuratorin Marianne Hussl- Hörmann: „Die Familie hat diese immer geschätzt, sie haben die Bilder schon anerkannt, aber es gibt keinen Beleg.“

"Mein Mann hat es direkt von der Familie Reisser gekauft, da gibt es die lustige Geschichte, dass ich gesagt habe, nehmen wir nur die Dame, die ist auffallender. Den Mann nehmen wir nicht. Aber mein Mann hat mir nicht gefolgt, er hat beide gekauft. Dann ist folgendes passiert: man hat im Museum der Stadt Wien eine "Presse" Ausstellung gemacht, den Reissers hat die Druckerei gehört, wo die Presse gedruckt wurde, und er hat sie ja in der Hand ... Dann habe ich Christoph Reisser plötzlich alleine gesehen  und habe erst erkannt, was das für Malerei ist - schauen Sie sich die Hand an, die sich in den Rock hinein gräbt, betrachten Sie das Gesicht, es ist jedes Haar von Finesse, von einem wirklich ganz großen Maler ... Die einfachsten Dinge sind bezaubernd. Immer wieder Seele, immer wieder Gefühl, immer wieder Empfindung und darüber sind wir uns einig: Das ist das Moderne.“

Die beiden Portraits der Familie Reisser. 1885, Öl auf Leinwand, Leopold Museum, Wien.

Portrait der Gräfin Maria,Magda Kuefstein, 1885/ 86, Öl auf Leinwand, Leopold Privatsammlung, Wien.

„Aber es gibt auch seine Portraits, dazu gehört das wunderbare der Gräfin Kuefstein. Sie wird umschleiert im Hintergrund von einem wunderbaren Rosenbusch umgeben, aber ihr Gesicht ist das einer wunderschönen Frau, trotzdem drückt das Gesicht ein Vergehen aus, ein ganz leichtes Verblühen; In diesen umschatteten Augen und diesem Mund. Hier ist etwas angedeutet. Darauf möchte ich extra hindeuten, was mein Mann immer wieder mit mir besprochen hat: Was ist dieser Zauber dieses Portraits? Diese schöne Frau. Schöne Frauen gibt es viele, aber es ist der Gegensatz, es ist der Gegensatz des scharf gezeichneten Gesichtes  und dieses drumherum, das Glitzern der Diamanten, der Zauber des Schleiers! Welch ein Gegensatz!

Ich glaube, dass dies das Geheimnis von Romako ist. Immer wieder diese Gegensätze zu bringen. Auch bei Emilie Flöge ist das Gesicht naturalistisch, aber rings herum ist alles Ornament, ist alles Zauber, und alles Schleier und funkelnd.

Es gibt noch ein kleines Bild, das Kind mit dem Fliederstrauß. Der Flieder ist unglaublich zauberhaft gemalt, fast dekorativ und das Gesicht ganz naturalistisch. Auch hier haben wir einen Hinweis auf Gustav Klimt, während das Gesicht naturalistisch ist, ist der Körper dekorativ. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass Anton Romako einer der größten Maler der österreichischen Kunstgeschichte ist, dass ich ihn sogar in seinen Hauptwerken international stellen möchte, vielleicht zu Van Gogh, vielleicht zu Munch ...“

Der Maler ist sicherlich nicht in seinem Schaffen von seinem Schicksahl zu trennen, ein unglaubliches künstlerisches Talent, gepaart mit hoher technischer Fertigkeit, hatte er mehr als viele andere eine kraftvolle Sicht, eine kraftvolle Meinung und einen kraftvollen Pinsel. Viele sahen diese Einstellung als psychologisches Moment zu widersprüchlich, verstanden den Bruch, den Romako nicht anders als konnte, nicht richtig zu bewerten. Zeitgemäße Kritik, wie auch Publikum blieben verständnislos, davon ließ Romako selbst sich aber nicht lenken: „ … doch (das) sind die augenblicke wo man im Kampf sich schwächer fühlt und dann empfindet man all die Bitterkeit des materiellen Schmutzes umso mehr.“

„ … der moderne Künstlerhabitus mit Merkmalen der heroischen Individualität und des Außenseitertums ausgestattet … „

„Man könnte meinen, Romako atmet diese Landschaft von klein auf.“



 „Die einfachsten Dinge sind bezaubernd. Immer wieder Seele, immer wieder Gefühl, immer wieder Empfindung …“

Seit mehreren Jahren lebte Romako ganz zurückgezogen und von allen geselligen und Künstlerkreisen, dabei schien er von großer Verbitterung beherrscht zu sein. Er verließ seine im Hochparterre des Hauses Nr. 11 auf dem Heumarkt gelegene Wohnung zuletzt nur, um in dem benachbarten Gasthause seine Mahlzeit einzunehmen. In den letzten Wochen wurde ihm, da seine Füße angeschwollen waren, das gehen immer schwierger, und so ließ er sich das Nachtessen von seiner Bedienerin nach Hause bringen. Als dieselbe heute Morgens um 9 Uhr die Wohnung des Malers betrat, fand sie denselben tot im Bette liegend, die eine Hand aus dem Bette hängend. Der herbeigerufene Arzt vermochte die Todesurssache nicht genau zu constatieren, weshalb die Übertragung in das allgemeine Krankenhaus angeordnet wurde. Es scheint ein Schlaganfall vorzuliegen. Auf dem Nachtkasten des Künstler stand ein Fläschchen, das eine Medizin enthielt, zu welcher auch sich das Rezept im Zimmer vorfand. Gestern hat Romako noch an einigen Portraits fleissig gearbeitet, die er im Auftrage von Privaten vollenden wollte. Aus: die Neue freie Presse am Todestag Anton Romakos, 9. März 1889.

Aus Extrapost des 11. März 1889:

Das Leichenbegängnis Anton Romakos: Ein kleiner Kreis von künstlerischen Freunden des Historienmalers Anton Romako hat dem Verblichenen gestern Nachmittags das geleit zum grabe gegeben. Um halb drei Uhr wurde der einfache, blumengeschmückte Sarg, der des Künstlers sterbliche Hülle barg, vom Sterbehause, Heumarkt Nr. 11, in die Pfarrkirche von St. Rochus und Sebastian geführt, wo sich die Mitglieder der Künstlergenossenschaften eingefunden hatten. Unter den Anwesenden sah man den Sekretär der Genossenschaft. kais. Rath Walz, die maler Friedländer und Mayer, den Bildhauer Schmidtgruber, Kupferstecher Sonnenleitner, Professor Lederer, Professor Machaczek, den Schriftsteller Josef Bayer, den Chormeister Direktor Franz Mair u.A.

Nach vollzogener, feierlicher Einsegnung wurde die Leiche nach dem Zentralfriedhofe geführt und dort im eigenen Grabe beigesetzt.


Mädchenbildnis der Opernsängerin Lilly Helgers, 1888. Öl auf Leinwand, Leopold Privatsammlung.

 „…und dann empfindet man all die Bitterkeit des materiellen Schmutzes umso mehr.“