LÁJOS               Ein Versuch

Es kann nur ein erbärmlicher Versuch bleiben. Ich kann mich nicht darin erkennen. Und auch nicht widerspiegeln. Wo Großes ist, wirkt Kleines noch kleiner, aber: laßt es mich versuchen. Das Werk eines Bildhauers, das Werk eines Malers darzustellen. Lange verstorben, hoch verehrt. Und dennoch: nicht entdeckt. nicht verstanden. nicht eingegangen. Eigentlich will ich gar nicht, es ist einfach passiert! Unverständlich? Jedenfalls.


Der Ausdruck des Gesichts variiert zwischen  Schmerz, Ekstase und Hoffnung. Wieviel Können liegt im diesem Schaffen! Ich sehe Dich. Du siehst mich. Ich photographiere Dich. Du verachtest mich. Ich verachte mich und photographiere mich und Dich. Das Ziel, das es nicht gibt photographiert Dich. Und mich. Ziele und lebe! Ziele und schaffe!

Gebrauchskeramiken

Lajos,

das hat für mich einen vertrauten Klang. Es gibt so etwas wie Verständnis dafür, dass man auch Geld verdienen muß:

darum hat er Gebrauchsgegenstände künstlerischer Natur gemacht: Buchstützen zum Beispiel! Oder Vasen, oder Kacheln; dazu aber später.

Ich möchte sie, die Buchstützen ganz kurz beschreiben:

malerisch. Intuititv. Bereichernd. Künstlerisch. Nachdenklich. Sommerlich. Kühl. Haltend. Beflissen. Die Bücher und die Buchstützen. Literatur und Halt. Symbiose und Chaos. Verschieden im Motiv, zum Beispiel ein sitzender, Klarinette spielender Mann; eine in Gedanken versunkene Frau, die in einem Buch liest.



....und am Ende wird  ein ganzer Name stehen.....

Eine der vielen Vasen. Eine mit christlichem Inhalt. In einem Strahlen- kranz: Gottvater auf der einen Seite, flankiert von außergewöhnlichen Gestalten; einem geflügelten Löwen und einem geflügelten Stier. So weit bekannt. Auf der anderen Seite sehen wir Gottvater in den Händen seinen Sohn Jesus haltend, flankiert  von zwei Engeln, die mittig einen Adler einschließen. So weit bekannt.

„Ich sah: Ein Sturmwind kam von Norden, eine große Wolke mit flackerndem Feuer, umgeben von einem hellen Schein. Aus dem Feuer strahlte es wie glänzendes Gold. Mitten darin erschien etwas wie vier Lebewesen. Und das war ihre Gestalt: Sie sahen aus wie Menschen. Jedes der Lebewesen hatte vier Gesichter und vier Flügel. ... und ihre Gesichter sahen so aus: Ein Menschengesicht , ein Löwengesicht bei allen vier nach rechts, ein Stiergesicht bei allen vier nach links und ein Adlergesicht bei allen vier .“ Ez 1,4–10

Das Grün war ganz wichtig, viele Keramiken tragen diese Farbe. Daneben gibt es oft die Farbe des Tones, weiters weiß und rot. Eine Andeutung an die ungarische Nationalfarbe - ein Zufall? Dabei ist diese Vase im Grundton schwarz, matt schwarz. Das wird demnächst noch zu besprechen sein.


Dort, wo die Mürz in die Mur mündet, dort wo am Platz das Kornmesserhaus steht, dort in Bruck an der Mur führt Sonja Ebner nicht unweit des Hauptplatzes ihre KreativWerkstatt. Sie stellt Keramiken her, hält Kurse ab und gestaltet: Vasen, Kachelöfen, Säulen und Sonnen und vieles mehr.

Ich habe sie getroffen zu einem Gespräch... und habe festgestellt, dass ich ausser Ausdrücken wie ‚Steingut’ nicht viel über diese Materie weiß.


Begleiten sie mich zu jener kreativen Kunsthandwerkerin, die einen fundierten Einblick in die Bearbeitung von Ton gewährt!

Thematisch ist es nicht lediglich eine Ergänzung des Vorhergehenden. Es bietet einen Einblick in die Komplexität und die Varianz von gestalterischen Möglichkeiten:Sonja Ebner gibt uns einen umfassenden Einblick in ein wieder aufstrebendes Kunsthandwerk.

Zu Gast in der Kreativ Werkstatt bei Sonja Ebner.

dMP: Beginnen wir mit den Materialien.


Sonja Ebner: Das Grundmaterial ist natürlich immer das Gleiche: Ton. Es gibt nur ein einziges Abbaugebiet in Österreich, das ist in Stoob. (Anmerkung: Stoob befindet sich im Burgenland. Dort gibt es auch eine Keramikfachschule.) Die Qualität ist nicht besonders vom Stoober Ton. Glasur und Ton müssen immer zusammmenpassen - sie müssen kompatibel sein. Wenn der Ausdehnungskoeffizient nicht passt, springt die Glasur. Der Stoober Ton braucht eine spezielle Glasur, die haftet. In meiner Werkstatt arbeite ich mit Streichglasuren, einem amerikanischen Produkt. Diese sind darauf spezialisiert, dass jeder Keramiken herstellen kann. Die Keramiker früher haben ihre eigenen Glasuren hergestellt und waren eben sehr speziell. Die Amerikaner haben dieses Produkt vor ca. 20 Jahren auf den Markt gebracht, mein Geschäft - die Kreativ Werkstatt - gibt es seit nunmehr 25 Jahren! Das hat in mein Konzept gepasst, weil ich jedem Kunden die Möglichkeit geben möchte, eine Keramik zu machen. So habe ich sie in mein Sortiment aufgenommen. Die Glasuren sind bereits fertig und alle natürlich bleifrei! (Ich betrachte in einem Plastiktatzl eine streichfertige, flüssige Glasur.) Die Glasuren früher waren unglaublich giftig. Mittlerweile gibt es schon einige US-Anbieter auf diesem Sektor.


dMP: Wie unterscheidet sich der Ton aus Stoob von anderen Tonarten?


Sonja Ebner: Natürlich in der Qualität. Nach dem ersten Brand - dem Rohbrand oder Schrühbrand bei 800 - 1000°C - ist er mit dem Glasurauftrag nicht kompatibel. Glasur kommt von Glas. Das ist ein Glasüberzug über den Scherben und der muß mit der Zusammensetzung vom Ton passen. Das ist natürlich reine Chemie.


dMP: Was passiert, wenn die Glasur nicht zum Ton passt?


Sonja Ebner: Es entstehen Sprünge. Es kann natürlich auch vorkommen - gerade beim Stoober Ton - dass eine große, flache Platte, beispielsweise eine Kachel, gewellt aus dem Ofen herauskommt. In der Keramikfachschule in Stoob haben sie eigene Glasuren speziell für diesen Ton entwickelt. Die passen natürlich perfekt zusammen! Ich habe Pulver - und Streichglasuren. Bei mir im Fachgeschäft kaufen ja Schulen und viele andere Institutionen ein, da müssen Ton und Glasur natürlich zusammenpassen. Ich führe und arbeite auch mit einem deutschen Ton, der mit unglaublich vielen Glasuren kompatibel ist. Mit deutschen, italienischen, tschechischen und amerikanischen.


dMP: Woraus besteht eine Glasur?


Sonja Ebner: Das ist ein Pulver aus Mineralien, das mit Wasser angerührt wird. Knochenasche, Kupfercarbonat, Kobalt - und Zinnoxyd und Kaolin. Die Farbe dieser Glasur ist blau, die Basis dieser Glasuren ist dieselbe.


dMP: Ändert sich auch durch die farbgebenden Stoffe die Glasur?


Sonja Ebner: Komplett. Das hängt essenziell von der Menge ab. Deswegen braucht man eine gute Waage, denn schon ein Unterschied von nur einem Gramm in der Glasur bringt ein komplett anderes Ergebnis! Ich kaufe Pulverglasuren bereits fertig und rühre sie nur noch mit Wasser an. Die Streichglasuren sind bereits gebunden. Die Grundsubstanz einer Pulverglasur ist meist grau.


dMP: Welche Arten neben der Streichglasur gibt es noch?


Sonja Ebner: Man kann Keramiken auch tauchen, spritzen oder schütten. Wenn allerdings die Körnung durch größere Kristalle nicht passt, kann man nicht spritzen. Beim Tauchen braucht man natürlich viel Glasur! Nachdem ich ja mit unglaublich vielen Glasuren arbeite - sicher um die 300! - schütte ich immer.  Für das mehrfärbige Glasieren gibt es unzählige Techniken. Das bringt auch die unterschiedlichsten Ergebnisse. Man kann mit Pinseln und Glasuren malen. Mit viel Vorstellungskraft kann man erahnen, wie die Keramik fertig gebrannt aussehen wird, da ja die Glasuren frisch aufgetragen farblos sind - grau. Mit Sicherheit kann man es aber auch nach 25 Jahren noch nicht sagen. Bei so vielen Glasuren wird es oft noch spannend! Man mischt zwei Blautöne und es kommt auf einmal etwas grünes heraus!

dMP: Sie sind kreativ tätig, machen auch Gebrauchskeramiken, wie Kachelöfen ....?


Sonja Ebner: Das Hauptgeschäft sind mittlerweile Kachelöfen, ich mache die Keramik und arbeite mit einem Hafner zusammen. Ich plane die Öfen und baue dafür auch ein Modell aus Ton - oder am Computer. Der Hafner baut es dann.


dMP: Hafnerei hat Sie nicht interessiert?


Sonja Ebner: Für eine Frau ist das eine sehr schwere Arbeit, durch die Lasten, die zu tragen sind. Die Schamotte, die Einsätze, das sind schnell ein paar hundert Kilo!


dMP: Wie sind Sie zur Keramik überhaupt gekommen?


Sonja Ebner: Das war ein reines Hobby. Ich bin gelernte Zahntechnikerin, habe dann Kinder bekommen und nachdem der Dentist, bei dem ich gelernt habe, in Pension gegangen ist, hätte ich nur in ein Zahnlabor gehen können. Das wollte ich nicht. Ich habe mir auch überlegt - nachdem ich Keramiken immer schon gemacht habe - was kann ich, was will ich, was macht mir Spaß? - und habe dann die Werkstatt gegründet! In Kursen und Seminaren habe ich mich auch laufend fortgebildet. Anfänglich war es für mich ein Atelier, das dann gewachsen ist!


dMP: Welche Art von Kachelöfen machen Sie?


Sonja Ebner: Grundsätzlich jede Art. Wenn jemand einen voll verkachelten Ofen möchte, bauen wir so einen. Momentan ist es sehr modern, dass man keine oder kaum Kacheln drauf hat. Die Jungen bevorzugen das Kantige, das Schlichte. Das ist ein Zeitgeist. Wir restaurieren auch viele alte Öfen, gerade habe ich in Bruck einen wunderschönen Kachelofen in Arbeit. Der wird abgetragen, die Kacheln restauriert und neu aufgesetzt, wobei ich die Glasuren von den Originalen natürlich nicht mehr bekomme. Ich habe dafür eine eigene Technik. Wenn natürlich die Keramik beschädigt ist, weil sie z.Bsp. hinunterfällt, ist sie kaputt. Da kann man nichts mehr machen. Ich verwende eigene Füllmaterialien und eigene Lacke. Oder ich mache eine neue Model.


dMP: Unterscheiden sich der Farb- und Glasurauftrag von derselben Glasur in den verschiedene Brennvorgängen?


Sonja Ebner: Ja. Gerade auch beim Restaurieren ist das das Spannende, weil es so lebendig ist! Und weil wir es nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen können. Die Keramik hat ein Eigenleben, das wir annehmen müssen. Da muß man flexibel sein und sagen: „Passt - das gehört so.“ Das ist ein Naturmaterial, da gibt es auch Überraschungen! Da darf ein Baum auch krumm sein - und ist trotzdem schön!


dMP: Die Farben des Tons unterscheiden sich oft gewaltig!


Sonja Ebner: Das hängt vom Abbaugebiet ab. Der Ton aus Stoob ist leicht rosarot. Oft gibt es in den Kellern noch Lehmböden, das könnte man auch verwenden. Man hat Lehmgruben gehabt, um das Material zu gewinnen. Den Ton gibt es in den verschiedensten Farben. Von violett, über rosarot, gelblich..... Aber nach dem Brennen hat sich die Farbe natürlich geändert.

dMP: Wie deckend sind die Glasuren? Gibt es bei den Farben Unterschiede?


Sonja Ebner: Es gibt opake Glasuren, deckende und nicht deckende. Transparente Glasuren sind durchscheinend. Weiß ist sehr opak. Natürlich scheint der Ton, vor allem wenn er schwarz oder rot ist, immer ein wenig durch. Dem muß man dann mehr Lagen als einem weißen Ton geben.


dMP: Ist die weiße Glasur bleihältig?


Sonja Ebner: Nein. Es gibt aber natürlich Zusätze, die kennzeichnungspflichtig sind. Alle meine Streichglasuren sind bleifrei! Blei hat - oder bewirkt das Fließende. Es gibt der Oberfläche auch sehr schöne Strukturen. Vor 25 Jahren, als ich angefangen habe, gab es unglaublich schöne Glasuren. Aber sehr giftig. Sie haben ganz tolle Fließcharaktere gehabt. Diese Glasuren sind gänzlich verschwunden. Die Optik hat sich verändert. Diese Strukturen wird man auch nicht mehr erreichen.

„Die Keramik hat ein Eigenleben, das wir annehmen müssen.“

Ich verkaufe auch viel an Schulen. Da darf sowieso kein giftiger Inhaltstsoff enthalten sein. Ich gebe auch Merkblätter zur Information mit.


dMP: Wenn wir über „giftig“ reden - in welchem Zustand ist das bei Keramiken gegeben? Gebrannte Glasur?


Sonja Ebner: Es ist eher beim Anrühren des Pulvers der Staub, der in die Lunge geht. Dabei sollte man immer eine Maske tragen. Auch im Brennvorgang lösen sich natürlich Inhaltsstoffe. Früher mussten die Räume immer gut belüftet sein. Man durfte sich auch dort nicht aufhalten.

Wenn der Brennvorgang abgeschlossen ist, ist nur mehr bei der Farbe rot - da ist Cadmium drin - Vorsicht geboten: Essig löst durch die Säure diesen Stoff! Das ist wichtig für den Lebensmittelbereich. In Schüsseln, Schalen, etc. Alle anderen auch bleihältigen Glasuren sind in gebranntem Zustand unbedenklich. Alle. Kunden fragen natürlich beispielsweise bei Brotdosen: „Ist die eh nicht giftig?“ Auch bei Schalen. Sobald die Keramik etwas mit Nahrungsmitteln zu tun hat, ist das eine der ersten Fragen.

„Sobald eine Keramik mit Nahrungsmitteln zu tun hat, ist eine der ersten Fragen: Ist die eh nicht giftig?“

dMP: Wie steht es um die kreative Linie, das Künstlerische?


Sonja Ebner: Früher habe ich mehr Zeit dafür gehabt, jetzt nimmt mich das Geschäft stark in Anspruch. Ich komme kaum mehr selbst zum Töpfern. Hauptsächlich mache ich die Auftragsarbeiten, vier Mal in der Woche kommen Institutionen, die hier arbeiten. Man kann das Geschäft auch mieten zum Töpfern. Es ist ein Kommen und Gehen.

Am Sonnenweg in  Stanz hebe ich eine große Sonne getöpfert, das war ein großes Projekt. Überhaupt mache ich auch für Ausstellungen Objekte.


dMP: Das sind dann Einzelstücke, die per Hand modelliert werden? Keramiken durch Vervielfältigung über Modeln machen Sie auch?


Sonja Ebner: Nein. Die Rohware, beispielsweise Teller, Tassen, etc. werden in einer Negativform gegossen. Bis zu 100 Stück pro Form. Das ist natürlich praktisch. Gießkeramiken habe ich früher öfter gemacht, mittlerweile gibt es aber in Italien Firmen, die Rohkeramik verkaufen. Das sind gebrannte, unglasierte Rohlinge. (Ich betrachte einen solchen Rohling.) Diese Teller kann man dann selbst gestalten und ein eigenes Geschirr entwerfen. Die meisten wollen aber nicht nur bemalen, sondern selbst töpfern.


dMP: Sehen Sie sich als Künstler oder Handwerker?


Sonja Ebner: - lacht - am ehesten als Kunsthandwerker.


dMP: Wenn man bei Ihnen in die „Werkstatt“ kommt, spürt man die Kreativität, auch das Künstlerische, wie das Marienbild an der Wand!


Sonja Ebner: Dieses Bild habe ich gefunden, als ich hier eingezogen bin und habe gewusst, es gehört hierher. Ich habe mir gedacht, es muss hier hängen, weil es beschützt! Es ist halt etwas kitschig. Ich finde es passt und gehört da her.

dMP: Ich möchte nochmals auf das Brennen zurückkommen: Werden Keramiken, je nachdem welchem Zweck sie zugeführt werden, unterschiedich verarbeitet?


Sonja Ebner: Es gibt Steingut, Steinzeug und Porzellan. Steingut wird zwischen 1020 und 1080°C gebrannt, es wird nicht bei höheren Temperaturen gebrannt. Die Grundsubstanz ist nur bei Porzellan etwas anders. Steinzeug unterscheidet sich nur durch die Brenntemperatur und die Glasur, weil die gängigsten Glasuren nur bis 1080°C zu brennen sind. Eigene Steinzeugglasuren werden bis 1200°C gebrannt. Steinzeug kann deswegen auch im Aussenbereich verwendet werden. Beispielsweise Gartenobjekte, die über Winter draussen bleiben. Steingut würde das nicht aushalten, weil der Scherben noch nicht dicht ist. Er ist porös. Ton nimmt bei Brenntemperaturen von 1000°C die Glasur auf, bei 1080°C umhüllt die Glasur auch den Scherben, aber er ist noch nicht dicht. Wenn Hitze und Kälte auf diesen einwirken, bewegt sich der Scherben noch. Er dehnt sich aus und zieht sich zusammen. Dadurch entstehen Risse in der Glasur, wodurch Feuchtigkeit eindringen und die Keramik zerspringen kann.

Steinzeug wird bei 1200 - 1230°C gebrannt und der Scherben macht dicht. Für Steinzeug gibt es auch spezielle, eigene Glasuren, die bei diesen Temperaturen keine Risse zulassen. Die Gmundner Keramik ist Steingut und weist auch durch den Gebrauch oft Sprünge innen auf.

Das ist natürlich kein Fehler, sondern etwas Normales. Wenn man sich eine Glasur im Mikroskop anschaut - auch ein Glas - fliesst das permanent. Es ist keinesfalls stehend, sondern hat „Fließeigenschaften“. Dadurch, dass es immer arbeitet, entstehen feine Haarrisse. Wenn aber der Ton mit der Glasur nicht zusammenpasst, entstehen mehr Risse. Im Gegensatz dazu ist Craquelé eine eigene Technik.


dMP: Wie unterscheidet sich Porzellan von Steinzeug?


Sonja Ebner: Das ist eine eigene Masse, diese wird ab 1300°C gebrannt. Das ist auch eine eigene Tonart mit Zusätzen. Porzellan zu bearbeiten ist sehr schwierig. Es bedarf einer guten Fingerfertigkeit. Man glaubt nicht, wie schwer das ist. Es hat den Vorteil, dass man es ganz dünn ausarbeiten kann. Damit muß man umgehen können. Die Festigkeit ist auch viel höher, Steingut ist viel weicher. Porzellan ist auch als Material viel teurer. Natürlich auch im Verkauf!


dMP: Wie sehen Sie die Entwicklung betreffs Kachelöfen? In der Funktion als Zusatzheizung?


Sonja Ebner: Es gibt sehr viele, die den Kachelofen als „Wohlfühlfaktor“ sehen. Ein Kachelofenfeuer ist etwas Archaisches, der Urinstinkt im Menschen. Auch die Unabhängigkeit so eines Heizsystems ist bei Stromausfall, Gas-Engpass und dergleichen gegeben. Vor allem unter den Jungen! Ich finde es spannend, wie viele junge Leute sich einen Tischherd in der Küche integrieren. Sie sagen sich: „Wenn etwas passiert, können wir unabhängig heizen und kochen.“  Zu der Zeit, als Russland gedroht hat, die Lieferungen zu verknappen, hat es einen Boom bei alternativen Heizformen gegeben. Viele haben gesagt, dass sie von üblichen Energieanbietern nicht abhängig sein wollen. Außerdem hat ein Kachelofen die Strahlungswärme, die auch vom Körperlichen her bedeutend besser ist als Konvektionswärme. Die Strahlungswärme verwirbelt nicht die Luft, vor allem Allergiker oder Asthmatiker, lieben mittlerweile den Winter. Durch die Konvektionswärme wird Staub aufgewirbelt, worunter sie leiden.


dMP: Auch ist Holz als Heizmaterial billiger als Öl, Strom, Pellets....


Sonja Ebner: Gerade die Übergangszeiten werden ja auch immer länger.... Es ist ja auch schön. Die Jungen sehen nicht die Arbeit, sondern die Vorteile: Kostenersparnis, Unabhängigkeit....und natürlich die Wahl, die Zentralheizung aufzudrehen.


Der Mürzpanther: Herzlichen Dank für das Interview!