DMP: Das wird wieder zu Konflikten führen.


Dr. Peter Sackl: Diese Teiche sind aber für eine dauerhafte Ansiedlung nicht von Interesse - für die Reiher. Höchstens für die Jungvögel, die im Herbst herumfliegen. Der Reiher ist ein Vogel des Tieflandes und der breiten Flußläufe. Wie das Ennstal und die Mur- Mürzfurche ein ideale Lebensräume für Graureiher sind


DMP: Im Gebiet um Wiener Neustadt sieht man auch oft Silberreiher.


Dr. Peter Sackl: Ja, der Bestand hat sehr stark zugenommen. Wenn in meiner Kindheit in der Oststeiermark einer aufgetaucht ist, war das eine Sensation und alle sind zusammengelaufen. Sie fressen auch weniger Fische. Sie sind hauptsächlich Mäusejäger. Der Graureiher ist natürlich stärker von Fischen abhängig.


DMP: Abschließend - was kann man für den Graureiher tun?


Dr. Peter Sackl: Die Brutplätze sind geschützt! Wenn also jemand eine Reiherkolonie zerstört , ist das wider die Gesetze.

NATUR

Der Mürzpanther

Der Naturpanther

Dr. Peter Sackl: Alle Reiherarten - wie 99.9% aller Vogelarten - sind geschützt. In der EU wie auch in Österreich. Wenn man in diese Bestände eingreifen will, gibt es 3 Gründe, die dies legitimieren:

1. - aus gesundheitlichen Gründen, bei Seuchenausbreitung z. Bsp.

2. - aus begründeten wirtschaftlichen Gründen, wenn die Vögel einen Schaden anrichten, der sich volkswirtschaftlich negativ auswirkt und

3. - aus wissenschaftlichen Gründen: Wenn man für begründete Untersuchungen unbedingt tote Tiere braucht.

Wenn die steirische Naturschutzbehörde solche Eingriffe genehmigt, wie das der Fall in wirtschaftlichen Gründen ist, weil die Fischerei und die Teichwirtschaft sich beklagt, dass der Graureiher in ihren Gewässern einen erheblichen Schaden anrichtet und die Bestände aus diesen Gründen reduziert werden. Wenn die Behörde das genehmigt, muß es dafür ein begleitendes Monitoring geben. Das schreibt die EU - Vogelschutzrichtlinie vor. Es muß also überprüft werden, wie sich diese Eingriffe in die Graureiherbestände auswirken, um die Information der ökologischen Verträglichkeit zu erhalten. Man darf diese Ausnahmebewilligungen für die Abschüsse nur in dem Ausmaß vergeben, dass die Bestände nicht gefährdet werden. Um das zu überprüfen, braucht man natürlich die Bestandszahlen: Wieviele gibt es und wo ist der Punkt, an dem es für den Fortbestand der Art in der Steiermark gefährlich wird?


DMP: Gibt es für die Bedrohung des Reiherestandes konkrete Zahlen? Hat das mit Brutpaaren zu tun?


Dr. Peter Sackl: Diese Bestandsüberwachung wird heute als Monitoring bezeichnet und den Auftrag dafür hat offiziell birdlife Steiermark. Birdlife Steiermark und das Universalmuseum Joanneum machen für den Graureiher und den Kormoran die Erhebungen. Aus diesem Grund erheben wir jedes Jahr seit 1992 - für die Naturschutzbehörde erst seit 2001 - den Brutbestand in der Steiermark. Und das ist die Grafik über die Entwicklung:


















Die schwierigen Kolonien, die man vom Boden nicht einsehen kann, müssen beflogen werden. Hr. Köpf hat in Kärnten beflogen und ist mit dem Flieger auch in die Steiermark gekommen. Das war eine gute Kooperation. Weil ich vom Boden aus nicht zu vollständigen Zahlen kommen kann. Voriges Jahr ist er leider tödlich verunglückt.


DMP: Können Sie nicht etwas ausweichen bzgl. Befliegung? Zum Beispiel Salzburg?


Dr. Peter Sackl: Salzburg hat keinen sehr großen Reiherbestand, ähnliche Erhebungen finden aber in anderen Bundesländern auch statt. Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg. In Tirol gibt es kaum Brutbestände.

Für die Fischfresser - Graureiher, Kormoranproblematik - ist 2001/ 2002 unter Beteiligung aller Betroffenen - vor allem der Fischereivertreter, des Naturschutzes, der Jagd, Landwirtschaft und Fachleuten eine Kormoran - Graureiher Richtlinie erarbeitet worden. Nach langen Diskussionen hat man sich auf einen gemeinsamen Nenner geeinigt. Man hat einen Sollwert definiert, wenn der Bestand unter diesen Wert sinkt, müssen wir davon ausgehen, dass der Bestand in eine Phase kommt, wo er sich selbst nicht mehr erhalten kann. Es tritt dann eine Gefährdung der Art ein. In dieser Richtlinie ist festgelegt, dass es keine Reduktion der Bestände durch Abschüsse mehr geben soll.



„Wenn der Fischereiberechtigte einen Antrag an die Behörde stellt 3, 4 oder 5 Graureiher abzuschießen, dann....“

DMP: Wie könnte so eine Bestandsförderung aussehen?


Dr. Peter Sackl: Die Naturschutzbehörde hat meiner Einschätzung nach überhaupt kein Interesse, bestandsfördernde Maßnahmen für die Graureiher zu treffen. Weil der Druck von Seiten der Fischerei sehr groß ist. Daas liegt auch daran, dass sie nicht ganz verstehen, was wir tun. Ich kann ja die Bestandsaufnahme nur auf fachlichen Methoden aufbauen, die über Jahre hindurch gleichbleiben und damit nachvollziehbar werden. Man muß zuerst eine Meßgröße finden, an der ich die Populationsgröße des Graureihers sinnvoll messen kann. Man kann ja nicht einfach vorüberfliegende Reiher zählen. Das bringt nichts und ist keine Methode, die wiederholbar ist. Die Meßgröße muß im Gelände erhebbar sein. Jedes Jahr mit derselben Genauigkeit. Diese Meßgröße ist die Zahl der Brutpaare. Wobei diese ident sind mit der Zahl der Nester. Das Nest bleibt unverändert an einem Platz, das kann man sinnvoll finden und zählen. Nachdem Reiher in Kolonien brüten und nicht einzeln, ist die erste Aufgabe, alle Kolonien zu finden. Jedes Jahr zur Brutzeit wird dann gezählt, wieviele Nester beflogen werden. Das ist in der Ornithologie eine Standardmethode für fast alle Vogelarten. Sie ist sehr genau und jedes Jahr wiederholbar. Das ist eine anerkannte wissenschaftliche Methode, mit der ich die Bestandsgröße des Graureihers in der Steiermark messen kann.

 Das zweifeln die Fischer leider an. Das verstehen sie nicht ganz. Sie sehen Reiher irgendwo drüberfliegen, einmal 5, dann 3, oder auch 10, das ist dann für sie die absolute Katastrophe. Man kann halt aus Zufallsinformationen, die auch noch emotional gefärbt sind, keine Aussagen treffen.

„Die Teiche sind eine Tierzuchtanlage wie ein Schweinestall.“

DMP: Die Fischereibetreiber beurteilen wahrscheinlich den Schaden, den sie haben.


Dr. Peter Sackl: Natürlich, aus der Sicht eines Fischers sind ja die Fische im Fluß, im Bach, im Teich sein Eigentum. Ich kann das ja noch verstehen. Die Teiche sind eine Tierzuchtanlage wie ein Schweinestall. Wenn da der Reiher, weil es ja viel zu fressen gibt - ähnlich einem Buffet - eine große Menge herausfängt, ist das ein wirtschaftliches Problem. Das verstehe ich - anders ist es in einem Fließgewässer, einem natürlichen Ökosystem.


DMP: Gerade jetzt im Frühjahr wird ja besetzt. Auch gibt es viele Stauzonen in der Mürz; welche sind die bevorzugten Plätze für die Reiher?


Dr. Peter Sackl: Die Fließstrecken sind für den Reiher durchaus attraktiv. Dort ist es auch seichter und damit der Fisch leichter erreichbar. Schotterbänke und Bachufer mögen sie auch. Für den Erfolg des Fischfanges ist eher die Wassertrübung von Bedeutung.  


DMP: Das sind auch die Plätze, wo ich sie fotografieren könnte. Leider fliegen sie immer sofort weg, wenn man mit dem Auto stehen bleibt.


Dr. Peter Sackl: Sie werden ja auch verfolgt. Nach wie vor gehe ich davon aus.


DMP: In der Avifauna steht auch nichts Gutes, bezüglich Abholzungen: „Davon gingen 21 Kolonien (53%) durch Einschlag der Baumbestände oder die Vergrämung der Vögel während der Balz - und Bebrütungsphase verloren.“


Dr. Peter Sackl: Es gibt sicher eine gewisse, nicht weiter bekannte direkte Verfolgung; nach wie vor. Das zweite Problem ist die Sicherung der Brutplätze. Wir haben gerade im Mürztal, wo die meisten Brutbestände zusammen mit dem Murtal bestehen, immer wieder das Problem, dass die Kolonien verschwinden. Zum Teil läßt sich das eindeutig auf Abholzungen zurückführen, das sieht man. Andererseits gibt es sicher Eingriffe, die wir absolut nicht unter Kontrolle haben. Die Kolonien werden so gestört, dass die Vögel sie aufgeben, weil die Störung zu massiv ist. Ich vermute stark, dass diese Störungen durchaus bewusst geschehen. Ich kann die Behauptung nur nicht zu 100% beweisen. Die Evidenz ist relativ klar.

DMP: Kommen die Reiher imer wieder zu den Brutkolonien zurück? Sind sie standorttreu?


Dr. Peter Sackl: Zu den Brutplätzen: Das sind die steirischen Reiher, die bei uns brüten. Die Kolonien, in denen sie brüten, bleiben - wenn sie nicht zerstört werden - eigentlich über Jahre konstant. Es ist in der Steiermark sehr, sehr auffällig, dass sich diese Koloniestandorte schnell verändern. Das zeigt klar, dass viele Störungen vorkommen und sehr stark eingegriffen wird. In Gebieten, wo das nicht der Fall ist, wo Kolonien besser geschützt werden, gibt es keine so kurzfristigen Verlagerungen der Standorte. Das ist ein klares Zeichen, dass die Vögel massiv gestört werden.


DMP: Ist der Reiher dann so flexibel, dass er auch jährlich den Standort wechselt?


Dr. Peter Sackl: Ausschlaggebend ist die Intensität der Störung und wann diese eintritt. Und der Zeitpunkt. Zu Beginn der Brutzeit entscheidet sich, wo ein Reiher brütet und mit welchem Partner. Wenn die Störung groß ist, entscheidet sich der Vogel, wo anders zu brüten.


DMP: Sind Reiher monogam?


Dr. Peter Sackl: Sie haben eine einjährige, saisonale Monogamie. Für eine Brutsaison bleiben sie zusammen. Wenn sie über Jahre mit einem Partner und im selben Nest zusammen sind, spricht das eher für die Qualität des Standortes. Wenn der Reiher immer Bruterfolg hat, wäre es nicht angebracht, zu wechseln.


DMP: Wie alt wird ein Reiher?


Dr. Peter Sackl: Sie können an die 15 - 20 Jahre alt werden!


DMP: Wann werden sie geschlechtsreif? Nach einem Jahr?


Dr. Peter Sackl: Nein, nach zwei bis drei Jahren. Bei allen größeren Vögeln dauert es ein bisschen länger. Ein Spatz brütet bereits in seiner nächsten Saison. Bei ganz großen, wie dem Steinadler, dauert es auch 4 Jahre!

DMP: Wie lange bleiben die Jungen dann im Nest?


Dr. Peter Sackl: Die Brutzeit beginnt etwa im zeitigsten Frühjahr, dann sieht man Mitte April bis Ende Mai die Jungvögel, die Anfang bis Mitte Juni ausfliegen. In diesem Zeitraum verlassen die Jungvögel das Nest und verteilen sich in einem relativ großen Raum mit günstigen Nahrungsgebieten.


DMP: In welchem Radius fliegen die Jungen aus? 15 km?


Dr. Peter Sackl: Nein, nein, viel mehr. Je weiter der Herbst voranschreitet, desto weiter wandern sie ab. Sie zerstreuen sich in alle Himmelsrichtungen. Ab dem Spätsommer und Frühherbst. Das hat auch einen biologischen Sinn, weil durch die Dispersionsbewegungen neue und günstige Lebensräume gefunden werden. Erst im September, Anfang Oktober, kehren sie aus den völlig ungerichteten Zugbewegungen, teils aus dem Norden, Westen, Osten, um und wandern langsam in den Süden. Bis in den Winter hinein. Dabei gelangen sie bis in den Mittelmeerraum. Oder auch bis Westafrika - Liberia. Dort fliegen auch die Altvögel hin, nachdem die Jungen draussen sind. Im Herbst sieht man dann auf frisch gemähten Wiesen Reiher beim Mäusejagen. Oft auch bis zu 6, 7 Exemplare, wenn es ein gutes Biotop ist.


DMP: Wandern alle Reiher?


Dr. Peter Sackl: Fast alle. Bei den Graureihern gibt es auch Populationen, die da bleiben, in Abhängigkeit der Witterung. Milde Winter mit wenig Schnee, wenn die Gewässer nicht vereist sind - das wichtigste Kriterium - dann bleiben sie über`s Jahr. Wenn das Nahrungsangebot eng wird, fangen sie zu ziehen an.


DMP: Wenn sie über den Winter wegziehen, kommen sie dann wieder in die selbe Region zurück?


Dr. Peter Sackl: Ein Großteil sicher. Es ist ja sinnvoll, dorthin zurückzukehren, wo sie gute Erfahrungen gemacht haben. Das sind evolutionsbiologische Strategien, die sich bewährt haben. Ist ja bei uns genauso ----

„Der Reiher ist ein Vogel des Tieflandes und der breiten Flussläufe.“


DMP: Welchen Einfluss haben Luft - und Wasserqualitäten? Vor Jahrzehnten galt die Mur- Mürzfurche und ihre Gewässer als tot. Das hat sich längst geändert.


Dr. Peter Sackl: Damit haben sich die Fischbestände erholt und der Reiher fühlt sich natürlich wohl. Die Fischerei ist auch verpflichtet nachzubesetzen - aus wirtschaftlichen Gründen. Damit wird es aber schwer, Bestandsentwicklungen zu verstehen. Irgendwann gibt es keinen natürlichen Bestand mehr - kein Mensch setzt Reiher dazu! Oder Fischotter - das sind ja auch alles Geschichten! Aber: Die Fauna unserer Flüsse ist schon so artifiziell! Es sind eine Menge nicht einheimischer Arten vorhanden, die rein aus wirtschaftlichen Gründen eingesetzt worden sind. Dem Reiher ist das egal, der frisst auch Regenbogenforellen. Es gibt aber keine Aufzeichnungen über längerfristige Veränderungen bezüglich der Fischbestände. Es gibt keine Daten - so wie für den Reiher - für die Fischbestände. Vereinzelt vielleicht, aber ein methodisches Monitoring von Fischbeständen gibt es nicht, um eine langfristige Entwicklung nachvollziehen zu können. Es wird dort gemacht, wo seltene Fischarten vorkommen, die wirtschaftlich interessant sind - an der Enns beispielsweise, für die Huchenbestände. Das sind aber erst Entwicklungen der letzten Jahre, beschränkt auf Gebiete oder Arten. Hätten wir längerfristige Aufzeichnungen könnten wir leichter über Probleme oder Befürchtungen diskutieren.

DMP: Auffällig sind oft die großen Distanzen von Populationen zu Gewässern und die Nähe zu Ortschaften.


Dr. Peter Sackl: Das zeigt sehr deutlich folgendes: Wir haben in den 90er Jahren weniger, aber viel größere Kolonien gehabt. Ca. 15 Kolonien, davon die meisten mit 30 oder 40. In Deutschlandsberg sogar 60! Seitdem die Kormoran - Graureiher Richtlinie gilt, also seitdem es Abschüsse gegeben hat, wurden die Kolonien immer kleiner, aber gleichzeitig auch viel verstreuter. Ich nehme an, dass es dafür zwei Gründe gibt: Eine größere Kolonie ist viel auffälliger. Das ist sicher eine Reaktion auf den Verfolgungsdruck. Das zweite Phänomen: Die Kolonien sind zunehmend in Siedlungsnähe anzutreffen. Sie sind von der freien Landschaft in die Siedlungen hineingegangen. Das hat natürlich die selbe Ursache. In der Landschaft kann man natürlich leichter die Bäume umschneiden, wenn die Kolonie dort nicht passt. Oder es wird geschossen, ohne dass sich wer aufregt. Weil ja keiner da ist. Das geht am Siedlungsrand nicht so leicht. Wenn man dort - so wie in Kapfenberg - hinter den Wohnhäusern den Wald wegschneidet, gibt es Aufregung. Dazu kommt der Effekt, wenn man dort herumschießt, gibt es ein Mords - Baheul! Oft setzt man auch Schweizerkracher ein. Das fällt den Leuten dann auf. Ausserdem ist es auch illegal.


DMP: In Menschennähe ist es somit sicherer für die Reiher?


Dr. Peter Sackl: Von Mitte der 90er bis 2006 war die Entwicklung sehr auffällig.


DMP: Nachweislich finden sich Reiher auch über 1000 Meter Seehöhe! Hat das mit Erwärmung zu tun? Über die letzten 15 - 20 Jahre?


Dr. Peter Sackl: Das ist eher ein längerfristiges Phänomen. Die höchsten Brutplätze liegen auf 1100 Meter. In den letzten fünfzig Jahren ist hier die Entwicklung zu sehen, dass in höher gelegenen Bereichen Brüten möglich ist. Früher hatten wir die Grenze bei 600 - 700 Metern. Trotzdem es wärmer wird, wird es eine Grenze geben aufgrund des Nahrungsangebotes. Je weiter man im Oberlauf eines Baches hinaufgeht, desto nährstoffärmer wird er. Darauf beruht die Zonierung bei Flüssen: der nahrungsreiche Unterlauf, der weniger nahrungsreiche Mittellauf und der nahrungsarme Oberlauf. Mit den jeweils charakteristischen Fischarten. Im Oberlauf - in den Bergen - ist das Wasser nährstoffärmer, es erwärmt sich auch nicht so stark und daraus resultiert, dass die Fischpopulationen viel geringer sind als im Unterlauf. Das ist für den Reiher dann die natürlich Grenze. Dazu kommt, dass es in der Obersteiermark  immer mehr Fischteiche gibt. Das ist natürlich ein zusätzliches Nahrungsangebot.

Herzlichen Dank für das Gespräch!


Lesen Sie auch Teil II  zu diesem Thema

DMP: Kann man das mit einer Zahl festmachen?


Dr. Peter Sackl: Der Sollwert ist  mit 230 Brutpaaren festgelegt worden. Das ist damals von Allen akzeptiert worden. Wenn wir einen Brutbestand von 230 Paaren haben, vergibt die Naturschutzbehörde in begründeten Fällen Genehmigungen zum Abschuß. Wenn der Fischereiberechtigte einen Antrag an die Behörde stellt, dass er zu große Schäden durch Graureiher hat, 3, 4 oder 5 Graureiher abzuschießen, dann gibt es unter Einhaltung des Sollwertes eine Genehmigung.


DMP: Ist das jetzt so zu interpretieren, dass kein Abschuß mehr genehmigt wird, weil der Sollwert seit dem Jahr 2007 unterschritten ist?


Dr. Peter Sackl: So ist es. Es hat aber 2, 3 Jahre gedauert, bis sich die Naturschutzbehörde entschlossen hat, keine Anträge mehr zu genehmigen. Seit 5 oder 6 Jahren gibt es keine Genehmigungen mehr. Die Abnahme der Populationen ist ja auch massiv! Die Informationen aus diesem Monitoring hat die Naturschutzbehörde herangezogen, um Ausnahmegenehmigungen bis 2005/ 2006 oder sogar 2007 zu erteilen. Seither gibt es keine Abschüsse mehr. Zusammengenommen werden diese Informationen an die EU weitergeleitet. Das ist eine Verpflichtung, die jeder Mitgliedsstaat hat. Wenn Eingriffe in die Bestände der Vogelarten passieren, gibt es einen Bericht, welche Maßnahmen von der Behörde aufgrund der wissenschaftlichen Erhebung ergriffen worden sind.


DMP: Werden  Maßnahmen ergriffen, um den Bestand zu heben?


Dr. Peter Sackl: Es gibt keine klaren Maßnahmen oder Förderungen.

Man müßte sich überlegen, wie man den Weg findet, das Gesetz auch anzuwenden und umzusetzen. Es wäre schon schön, die vorhandenen Brutkolonien zu sichern und durch entsprechende Maßnahmen zu erhalten. Ich bin dabei, mir etwas zu überlegen.


Der Graureiher - Ardea cinerea

Über welchen Vogel sprechen wir hier überhaupt?


Über den Graureiher oder Fischreiher, aus der Ordnung der Schreitvögel. In den 90er Jahren hat man durch DNA Vergleiche festgestellt, dass die Verwandschaft von Reihern zu Störchen nicht so groß ist wie zu Pelikanen. Jedoch gehören alle zur Ordnung der Schreitvögel. Ciconiiformes. Er wird bis zu einem Meter groß und schwankt im Gewicht zwischen einem und zwei Kilogramm. Sichtungen sind natürlich bei dieser Größe häufig. Die Flügelspannweite, die äußerst imposant wirkt im Flug, beträgt bis zu zwei Metern! Überhaupt ist der Reiher durch sein Flugbild äußerst charakteristisch, vor allem durch den in einer Schleife angelegten Kopf. Auch hatte ich das Vergnügen ihn schon des öfteren in der Mürz wegfliegen zu sehen. Elegant beschreibt dieses Manöver nur teilweise, es ist eine vollkommene Auf - und Vorwärtsbewegung. Durch wenige Flügelschläge erhebt sich der Graureiher über die Wasseroberfläche um stetig an Höhe zu gewinnen, um an einem geeigneten Baumwipfel - oft exponiert - Platz zu beziehen. Ein Erlebnis aus Erhabenheit und Charakter.

So sieht der Lebensraum eines Reihers aus. Das Bild ist knapp vor Mürzzuschlag aufgenommen, wo am Fluß auch abgestorbene Bäume stehen und damit dem Reiher ungehinderten Blick auf das Geschehen im Wasser bieten.

Der Graureiher ist bei uns beheimatet, genau so wie zwischen Spanien und Japan in ganz Europa und Asien. Jedenfalls benötigen sie immer die Nähe zu einem Gewässer, das kann auch Salzwasser sein. Mit seinem Pinzettenschnabel jagt er einzelgängerisch, selten sind sie vergesellschaftet. Ausser - siehe Interview - auf Wiesenflächen, wo sich auch Fischreiher Frösche, Schlangen und Mäuschen holen. Die Jagd ist einer der besonderen Momente: Wenn die Beute erfasst ist, neigt er langsam, ganz langsam den Kopf und Hals vor, um dann blitschnell zuzuzschlagen. Das nennt man Ansitzjagen.

Eine Besonderheit des Reihers möchte ich noch hervorheben: sein Schrei. Beschrieben wird es als „kreischend“, mir gefällt besonders, dass der Ruf so krächzend, heiser klingt. Wenn man nicht weiß, dass es Vögel sind könnte man ihn leicht für einen Schrei halten, aus dem ein Albtraum wird......

Ein Gelege von Graureihern kann vier bis sechs Eier beinhalten, allerdings ist die Sterblichkeit der geschlüpften jungen Reihern sehr hoch. Es gibt Zahlen: 70%. Der „Avifauna Steiermark“ - übrigens ein sehr empfehlenswertes Werk - ist auch folgendes zu entnehmen: Die Zahl der Jungvögel im Alter von > 35d beträgt im Mittel 3,15. Diese Nachkommenschaft erhält den Bestand der Reiherpopulation, vergrößert ihn aber nicht. Und somit schließt sich der Kreis mit dem Thema Bestandsentwicklung: Dazu siehe oben!


Der Graureiher, auch Fischreiher genannt, ist in unseren Breitengraden geschützt. Er ist ein Zugvogel, der jedoch in milden Wintern - die letzten drei Jahre im Mürztal waren äusserst mild und auch schneearm -  in der Nähe der Brutstandorte bleibt. Grundsätzlich halten sich Reiher in einem Umkreis von 10 - 15 Kilometern von Teich - oder Seengebieten auf. Natürlich auch entlang von Flussläufen, wie der Mur - Mürzfurche. Er frisst am Tag sicher um die 500g. Natürlich auch Fische. Das gefällt nicht Allen. Lesen Sie alles über den Lebensraum des Reihers im Mürztal, in einem Interview mit Dr. Peter Sackl.