Der Mürzpanther

Der Naturpanther

NATUR

Eingangs habe ich beim Thema Fischreiher erwähnt, dass ein Vogel auch bis zu 500g Fisch pro Tag frisst. Dabei ist natürlich der Graureiher nicht das einzige natürlich vorkommende Tier, das sich an Fischen labt. Da wären noch: Kormorane und vor allem Fischotter. Beide Arten sind geschützt. Aber: Daneben sind die Gewässer der Steiermark natürlich auch Erwerbsquellen, die mit Aufwand betrieben werden. Lesen Sie dazu das Interview mit dem Fischerei-Sachverständigen und Revierobmann des Landesfischereiverbands für den Bezirk Bruck-Mürzzuschlag Jakob Köpfelsberger aus Kindberg.

Jakob Köpfelsberger: Zunächst möchte ich auf die Problematik der Kleinkraftwerke eingehen: Sie vernichten die Natur. Wirtschaftlich bringen sie fast nichts, weil der Strompreis zur Zeit 3 Cent beträgt und der Strom nur durch Förderungen rentabel ist. Ich habe an den Finanzminister geschrieben und er hat sich bedankt und gemeint, er habe das nicht gewusst. Er hat dann die Förderungen eingefroren. Die Differenz  zwischen den 3 Cent und den 8 Cent, die sie zahlen, haben sie durch separate Förderungen aufgewogen. Früher war es notwendig, Kleinkraftwerke zu bauen. Natürlich zum Nachteil für die Betreiber der großen Kraftwerke, die sich aufgeregt haben. Zuletzt haben wir eine Wasserrechtsverhandlung gehabt und ich habe den zuständigen Beamten der Landesregierung angeschrieben, sie sind aber einfach d`rübergfahren. Allerdings bin ich mit 80 Jahren geistig noch fit, ich fische auch noch in Neuberg. Darauf wurde ein Bescheid mit einer Menge an Verfahrensfehlern herausgegeben. Ich habe sie nachgewiesen, einer der gravierendsten Fehler ist der, dass in einem deutschen EU-Urteil  steht, dass es nicht passieren darf, dass man auf die Natur keine Rücksicht nimmt.

   Sie nehmen auch keine Rücksicht, das wurde einfach weggelassen, daneben auch den wichtigsten Fischereiparagraphen: den Wasserrechtsparagraph 108 (Anmerkung: §108 Beiziehung von Behörden und Fachkörperschaften), das heisst, wenn in der Fischerei der Revierobmann - das bin  ich in diesem Fall - Einspruch erhebt, muss das berücksichtigt werden. Das haben sie nicht getan. Bei einer Tagung in Hieflau haben sie aber festgestellt, dass in der Enns der Fischbestand nur mehr 10% beträgt. Durch Ausfraß von Reihern, durch Ausfraß von Kormoranen und hauptsächlich durch Ausfraß von Fischottern. Ich kann auch ein Beispiel hier aus der Gegend bringen, vom Alpl herunter, der Fresnitzgraben: Die Fresnitz hat nur mehr 20% Fischfauna - nachweisbar. Durch elektrische Probefischungen hatten wir früher auf einen Hektar Wasserfläche 280 kg, jetzt nur mehr 61 kg! Durch den Ausfraß, und das ist ganz schlimm. In der Mürz sind für die Fische kaum Verstecke, die Fischfauna sinkt auf knapp 10%, das ist genau an der Grenze, dass sich das Wasser noch erneuern kann. Wenn es unter 10% sinkt, kann sich ein Gewässer nicht mehr selbst erneuern. Das würde dann ohne neuen Einflüssen 10 Jahre dauern, bis sich das System erholt hat.


MP: Die Mürz wird ja alljährlich besetzt.


Jakob Köpfelsberger: Mit Bachforellen.


DMP: Davon aber Tausende!


Jakob Köpfelsberger: Ja, in verschiedenen Grössen. Seit mich die Bürgermeister in Neuberg gefragt haben, die ca. 10,5 km Mürz zu übernehmen, besetzen wir zwei Mal im Jahr. Sonst würden die Gäste ausbleiben. Vor drei oder vier Jahren sind Kormorane eingefallen und haben über 10 000 Fische herausgefressen. Jetzt kommen sie immer wieder. Dafür bekommen wir auch ein paar Abschüsse. Die Bundesforste sind da eher lax, sie verpachten zwar um viel Geld, aber sie machen selber fast nichts.





DMP: Aber die Regenbogenforelle ist auch nicht heimisch?


Jakob Köpfelsberger: Sie kommt aus Amerika und ist schon weit über hundert Jahre da. Sie hat sehr gut F(l)uß gefasst. Früher war durch die menschlichen Ausscheidungen in den Abwässern sehr viel Nahrung in den Flüssen, das ist ja kein Gift.

   Die Abwässer vom Alpl werden heute auch nicht mehr in den Bach geleitet. Der Bach hat die Güteklasse 1! Das ist Trinkwasserqualität bis hinunter. Das ist ganz wichtig zu erhalten für die Zukunft, für unsere Kinder. Grundsätzlich gibt es nur mehr sieben! Prozent an Bächen, die die Güteklasse 1 haben. Die Bundesregierung hat in der Einteilung der Güteklassen die Bäche und die Flüsse auf die Klasse zwei gesetzt, damit sie Kraftwerke bauen kann. Sie sind mit Hubschraubern drüber geflogen und haben die meisten Gewässer in die Güteklasse zwei eingeteilt.



DMP: Die jungen Reiher legen ja große Strecken zurück, um nach Futter Ausschau zu halten. Sind die ein Problem?


Jakob Köpfelsberger: Nein. Sie suchen sich Reviere, weil sie von den Adulten verdrängt werden. Sie haben Hunger und müssen auch leben. Das ist kein Problem. Es muss nur mit der Fischfauna vereinbar sein. Die ganze Problematik wäre nicht entstanden, wenn man früh genug erlaubt hätte, dass man die Reiher auf ein zumutbares Maß reduziert. Nicht gegen die Reiher, sondern gegen deren Übermacht. Das gleiche bei den Kormoranen; sie waren früher nicht da.


DMP: Stimmt es, dass Kormorane Fische - Hechte bis 1,5 Kilo herausholen?


Jakob Köpfelsberger: Ja! Schwieriger ist aber, dass er die hoffnungsfrohen Fische herausholt, das sind die Forellen von 10 - 30cm. Dadurch ist er natürlich auch ein Konkurrent vom Schwarzstorch! Bei Euch in Neuberg war immer ein Paar, beim großen Stau! Wenn zu wenige Fische da sind, bleiben sie aus. Ich weiß aber nicht, ob sie heuer gekommen sind. Wir haben ja wieder besetzt. Ganz schlimm ist es aber für den Eisvogel. Am Freßnitzbach haben wir zwei Paare mit Jungen gehabt, die leider ausgeblieben sind. Die Kraftwerke nehmen ihnen auch das Wasser weg! Dass das in Österreich zugelassen wird, ist momentan schon schlimm. Auch Abschussgenehmigungen für Reiher - dafür kämpfe ich schon seit 1975! - werden nur spärlich vergeben, weil sich die Naturschutzbehörde nicht drüber traut.


DMP: Anhand der Populationsstatistik waren es im Jahre 2000: 230 Brutpaare, heuer gibt es nur mehr 120 .....


Jakob Köpfelsberger: ... das haben Sie vom Hr. Dr. Sackl!!


DMP: Merken Sie im Fischereiwesen einen Rückgang an Reihern in den letzten 10 bis 15 Jahren?


Jakob Köpfelsberger: Der Reiher ist gegenüber den Kormoranen und den Ottern kein so großes Problem. Er wird ja auch in seiner Nahrungsvielfalt bedrängt. Die Leute bei den Fischteichen überspannen mit Schnüren; das geht bei größeren Teichen natürlich nicht mehr, auch nicht bei den Flüssen.


DMP: Gibt es Zahlen, wie hoch der Verlust an den Fischteichen ist?


Jakob Köpfelsberger: Da müßten Sie den Obmann der Teichwirte fragen. Früher, wie der Pröll noch Vizekanzler war, habe ich öfter die Grazer Messe eröffnet. Mit ihm bin ich dort in`s Gespräch gekommen. Er hat zu mir gesagt: „Herr Köpfelsberger! Schauen`s drauf, dass die Aquakulturen wieder mehr werden. Sie haben soviel Wasser und Teiche in der Steiermark! Aber es werden so wenige Fische zum Verkauf angeboten.“ Wir haben mit der Teichzucht begonnen - aber nicht lange! Dann sind der Otter, der Reiher und der Kormoran gekommen. Letztlich gab es keinen Ertrag.

DMP: Wenn Wölfe, die wieder angesiedelt werden, Schafe reißen, gibt es Entschädigungen durch das Land!  Gibt es so etwas auch für Teichwirte?


Jakob Köpfelsberger: In Niederösterreich, aber in der Steiermark nicht. In NÖ leben viele erwerbsmäßige Teichwirte. Das ist aber nicht, was wir erwarten. Natur soll nachhaltig sein. Der Mensch hat vom Herrgott den Auftrag, dass er darauf schaut! Nachhaltigkeit besagt, dass sich die Natur von sich aus vermehren kann. Das ist möglich.


DMP: In den letzten 15 Jahren wird Fisch ja auch in der Küche stark angepriesen. Wie geht man mit diesen Absurditäten wie Pangasius, aus Zuchten Asiens um? Hier kann ja von Nachhaltigkeit nicht die Rede sein. Würde der natürliche Besatz der österreichischen Flüsse dieses Volumen an Konsum tragen?


Jakob Köpfelsberger: Ja. Wenn die Balance bestehen würde, ginge das. Die Wiener haben von der Donau gelebt.... Erst als die Flüsse verbaut worden sind, ist der Fischbestand gesunken. Bei Rückbauten steigt er wieder.


DMP: Vor geraumer Zeit war ja die Wasserqualität der Mur und der Mürz unter jeder Kritik!


Jakob Köpfelsberger: Ja, das kann ich bestätigen. Früher haben wir Huchen gefischt. Wenn man in`s  Murbett hineingestiegen ist, hat sich das wie Watte angefühlt. Das war die Zellulose einer Papiererzeugung, die sich angesammelt hat. Seit die Mur gereinigt ist, gibt es wieder Forellen, Huchen, Koppen und die Äsche. Das sind die Hauptleitfische. Und bei den Einleitungen hat man überall Kläranlagen gebaut.


DMP: Es ist auch die Industrie zurückgegangen!


Jakob Köpfelsberger: Bei uns nicht so stark. Früher war die Mürz oft ganz weiß vor toten Fischen. In Mürzzuschlag und auch in Krieglach wurde Säure in die Mürz geleitet. Und wir haben hier Tonnen von Kadavern gehabt. Das Herz hat mir weh getan. Auch die Mürz hat jetzt Güteklasse zwei. Den Aufbau muß man von den Zugerinnen her sehen. Die kleinen Bacherln sind wieder aufgebaut worden.


DMP: Á propos Bacherln: Können die Fische im Tirolbach überhaupt noch ablaichen?  Auch wegen der großen Wasserfälle?


Jakob Köpfelsberger: Bis zu den Wasserfällen laichen sie jedes Jahr ab! Ab 15. September, wenn die Schonzeit beginnt, ist die Laichzeit von den Bachforellen (Anmerkung: die Schonzeit geht bis 15. März). Ihr Instinkt sagt ihnen dann aber auch: nur nicht anschauen lassen, da sieht sie sonst auch der Reiher! Während der Schonzeit sind sie geschützt! In Neuberg lassen wir auch nur mehr mit Schonhaken, der keinen Widerhaken hat,  fischen! Der Vorteil liegt darin, dass der Fisch, wenn man ihn auslässt wieder beisst! Weil er es gar nicht gespürt hat. Es gehen auch viel weniger Fische ein, weil der Fisch nicht durch den Widerhaken verletzt wird und keine Infektion bekommt ! Auch darf man nicht mehr mit lebenden Köderfischen fischen! Der muß zuerst getötet werden. Natürlich ist der Reiz für den anderen Fisch größer, wenn er zappelt, aber hier steht der Naturschutz im Vordergrund. Verankert ist das im Fischereigesetz, das vor kurzem erst erweitert worden ist: der Paragraph 27b und 28. Es darf nichts mehr verändert werden, was die Fauna verändert. Bezüglich Kleinkraftwerke.


DMP: Noch einmal zum Otter, der ja die Bestände dezimiert. Hängt das nicht vor allem damit zusammen, dass der Otter keinen natürlichen Feind mehr hat?


Jakob Köpfelsberger: Der natürliche Feind wäre der Wolf; er hat aber keinen! Dadurch verbreitet er sich so stark.

Zur Verbreitung: Man hat in Gußwerk ein Auto aufgemacht und sieben Otter drinnen gefunden, über die sie einfach ein Handtuch geschmissen haben. Und die Naturschutzabteilung hat nichts mehr machen können......


DMP: Es wurden Otter von woanders gebracht, um hier zu besetzen?


Jakob Köpfelsberger: Ja. Die Kripo hat diese „Naturschützer“ erwischt. Sie wollten nach Wien. Das erste, was  der Otter macht, er geht alle Bacherln hinauf, wo die Bauern ihre Teiche haben und fischt sie aus. Der räumt sie einfach aus. Bei Zuchtanstalten wird mit Elektrozäunen geschützt. Die Bauern haben gefragt: „Jakob, was soll ich machen?“ Ich hab gemeint: „I tat`s einfach schießen. Aber das geht mi nichts an. Tuats was ihr wollts.“


DMP: Auch die Otter stehen unter Schutz?


Jakob Köpfelsberger: Ja, mittlerweile hat jeder Otter einen Chip, wodurch sie jeden Einzelnen nachverfolgen können. Die Jäger trauen sie sich dann auch nicht zu schießen. Eine gewisse Zahl an Ottern muß es natürlich immer geben. Es sind ja liebe Viecherln, aber nicht in dieser Menge. Grundsätzlich muß man die Zahl der Räuber auf das „mögliche“ Maß reduzieren, dass auch alle anderen etwas davon haben: Sei es der Schwarzstorch, der Eisvogel, oder der Mäusebussard! Wir habe so viele Aufzeichnungen und Kontrollen, dass man eruieren kann, was zumutbar ist.


DMP: Wieso ist die Zahl der Fische so ausschlaggebend für die Wasserqualität?


Jakob Köpfelsberger: Der Fisch ist in der Nahrungskette im Wasser vor dem Menschen. Der Fisch frisst die kleinen Tiere, die sich von den Algen ernähren. Das sind Köcherfliegenlarven, oder Eintagsfliegen. Das ist so wichtig, weil auch der Schotter immer gereinigt sein muß. Wenn zu wenige Fische im Bach sind, nehmen die Kleintiere überhand und die Wasserreinigung ist nicht mehr gegeben. Wenn ein Stau durch die Kraftwerke entsteht, kann sich das Wasser selbst nicht mehr in diesem Ausmaß reinigen. Am Schotter sammelt sich Schlamm. Was durch den Bach angeliefert und weitertransportiert und wie der Fluß gereinigt wird, funktioniert dann nicht mehr. Es gelangt unter den Schlamm, es verwest und es bildet sich Methangas. Dieses gelangt in die Luft und ist 25mal so schädlich wie CO2. Das ist bei allen Staus so, die wir haben! Bei gewissen Größen gibt es 120 Tonnen Methan im Jahr! Zu verlangen ist hier natürlich auch ein Schotter - Bypass. Das traut sich aber niemand sagen. Schotter sollte immer in Bewegung sein! Dadurch werden Kleinteile zerrieben - Pflanzen und Tiere - und diese Kleinteile werden von kleinen Viechern gefressen. Die Größeren fressen die Kleinen, dann kommen die Fische. Auch die Wasseramsel frißt mit.

Das ist Aufgabe von euch und von uns, dahinter zu sein und zu bewahren.

Herzlichen Dank für das Gespräch!


Lesen Sie auch Teil I  zu diesem Thema!

DMP: Das ist doch gerade die Problematik: Zur Zeit werden doch keine Abschüsse genehmigt?


Jakob Köpfelsberger: Nein, nein, ich habe das schon erreicht.


DMP: Gibt es nicht den Sollwert für die Reiherpopulation, die ja im Moment weit unterschritten ist?


Jakob Köpfelsberger: Nein. Die unterschrittene Population der Reiher wird nur von Naturschützern immer so dargestellt. Die Population der Reiher ist weit überschritten! Man braucht sich nur vom Stift St. Lambrecht die 150-jährige Aufzeichnung anzuschauen, die ich auch der Landesregierung und der Naturschutzbehörde geschickt habe. Sie sind aber untätig, weil sie Angst vor jenen haben, die die Reiher schützen.


DMP: In St. Lambrecht gibt es Aufzeichnungen, wie sich die Populationen über 150 Jahre verändert haben?


Jakob Köpfelsberger: Ja, von den Reiher - und Kormoraneinflügen. Vom Otter gibt es fast überhaupt nichts, weil er kaum vorkam. Es gibt aber Aufzeichnungen, dass die Otter um 1730, 1740 im Mürz - und Murbereich zur Plage geworden sind. Sie haben dann soviele Fische rausgefressen und zur selben Zeit herrschte in Graz eine Hungersnot, worauf verboten wurde, Fische nach Wien zu bringen. Es wurden dann Otterjäger eingestellt, die den Bestand dezimiert haben.


DMP: Wie lange hat es diese Jäger dann gegeben?


Jakob Köpfelsberger: Das weiß ich nicht genau, vielleicht 100 Jahre.....Aber lange Zeit. Interessanterweise wurde auch festgestellt, wieviele Tonnen Fisch für die Bevölkerung gefangen wurden. Im Laufe der Zeit ist der Fang von 15 auf 5 Tonnen zurückgegangen. Durch den Ausfraß. Das gleiche Dilemma besteht jetzt in der Enns. Der Fischbestand in der Enns war noch nie so niedrig wie zur Zeit. Und bei den Bächen ist es genauso.


DMP: Ist der Ausfraß annähernd vergleichbar zwischen Ottern, Reihern und Kormoranen? Gibt es eine Gewichtung?


Jakob Köpfelsberger: Das traue ich mich nicht zu sagen, seitdem allerdings der Otter da ist - ihn hat es früher lange nicht so verbreitet gegeben - sind die Bäche so geschwächt, dass fast kein Eigenaufkommen mehr möglich ist. Auch in der Mürz. Deswegen wird besetzt. In Neuberg könnten sie kaum mehr Fischkarten verkaufen, wenn sie nicht besetzen würden.


DMP: Beisst sich da nicht die Katze in den Schwanz? Man besetzt, es kommen mehr Otter, mehr Kormorane, man besetzt nach ...


Jakob Köpfelsberger: Zum Teil haben Sie Recht. Es lässt sich anders aber nicht verwalten. Nicht Recht haben Sie bei den Seitenbächen, die wir für die Mur, auch für die Mürz, wie für alle Flüsse brauchen.



DMP: Man könnte doch einfach mit einer Wasserprobe die Güteklasse bestimmen. Von einem unabhängigen Gutachter!


Jakob Köpfelsberger: Das nutzt alles nichts. Es droht, dass für minimales Geld die Natur verkauft wird. Man könnte ja beispielsweise die Windenergie ausbauen. Mit drei Windrädern kommt man in der Versorgung auf 3500 Haushalte im Jahr, das Kraftwerk im Bach auf 700 Haushalte.


DMP: Welcher Art sind diese Kleinkraftwerke?


Jakob Köpfelsberger: Das sind „Ableitungskraftwerke“. Durch die Verkleinerung würde der Bach zu einer Kloake werden. Es vernichtet den Eisvogel, man vernichtet die Laichplätze und das Aufsteigen der Fische. Jetzt werden Windräder gebaut, nachdem wir beim Ministerium waren. Es verlangt auch die EU. Sie wissen mittlerweile, dass der Fisch die Wanderbewegung braucht, um sich vermehren zu können. Anfänglich, im Jahr 2000, war sogar Geld für diese Belange da. In der Landesregierung hat sich aber leider niemand drüber getraut.


DMP: Wenn Energie aus Windkraft gewonnen wird: Ist das für die Vogelfauna nicht höchst gefährlich? Durch die Rotorblätter?


Jakob Köpfelsberger: Ja, sie werden angeschlagen. Auch die Jäger waren anfänglich dagegen. Dann hat wahrscheinlich das Geld wieder eine Rolle gespielt und die meisten Jäger waren dann dafür. Manche Windräder können den Strom gar nicht in ein Werk einliefern, weil sie den Strom gar nicht annehmen. Strom wird von zwei bekannten Diskontern als günstiger, grüner Strom angeboten. Weil es bereits zu viel gibt. Aber noch immer wird mehr gefordert und gefördert! Es ist auch noch so, dass Kleinkraftwerke die Differenz von 3 Cent auf 8 Cent Förderung bekommen. Finanzminister Schelling hat mir geschrieben, dass es das nicht mehr gibt...

Seinerzeit habe ich ja auch am Fischereigesetz mitgearbeitet. An dieses steirische Fischereigesetz haben sich dann alle anderen Bundesländer angelehnt.


DMP: Woher kommen die Fische für den Besatz?


Jakob Köpfelsberger: Wir beziehen aus Zuchtanstalten, die natürlich unter ärztlicher Aufsicht stehen. Die verkaufen die Fische laut den Preislisten. Die Zuchtanstalten haben ein Abkommen mit den Tierärzten.


DMP: Welche sind die Hauptprobleme bei den Fischen?


Jakob Köpfelsberger: Die Forellen bekommen Furunkelarten und gehen dann ein, so wie auch die Äsche. Die müssen vernichtet werden. Eine weitere Krankheit ist dieser weißliche Belag: die Krätzn, im Volksmund. Das ist ein Pilz. Es kann natürlich sein, dass etwas bei einem Einlass hereinkommt, dass die Schleimschicht am Fisch schädigt und sie dann befallen werden. Die müssen entfernt werden, weil ja die Fische leiden. In der Mürz in Neuberg haben wir zum größten Teil Reinheit - das ist schon schön! Natürlich muß man beim Besatz aufpassen. Fische, denen ein Flosse fehlt, sind kaum vermeidbar. Der Züchter sollte solche Exemplare allerdings entnehmen und räuchern! Aber nicht zum Besatz freigeben. Das ist auch die Aufgabe des Fischaufsehers!


„Das ist Trinkwasserqualität bis hinunter. Das ist ganz wichtig zu erhalten für die Zukunft, für unsere Kinder.“

„Früher war die Mürz oft ganz weiß, vor lauter toten Fischen. In Mürzzuschlag , auch in Krieglach wurde die Säure in die Mürz geleitet.“

„In der Mürz in Neuberg haben wir zum größten Teil Reinheit - das ist schon schön!“

Die Mürz im Herbstlicht, jedenfalls einen Besuch wert; auch gibt es heimische Fische zu sehen und zu probieren; Gewässer für die Forelle und Koppen; In seltenen Fällen auch Äschen.

DMP: Bei uns am Tirolbach, der in die Mürz mündet, haben wir heuer Otterspuren gesichtet. Sie sind ja ganz charakteristisch.


Jakob Köpfelsberger: Wahrscheinlich ist irgendwo in der Nähe ein Otternest. Der Tirolbach ist auch deswegen nicht befischt, weil wir die Fischpopulation im Bach von oben wieder haben wollen. Dort ist nur der Reiher und der Otter. Er war früher, vor meiner Zeit, mit Saiblingen besetzt. Das habe ich geändert. Jetzt setzen wir nur mehr Bachforellen und das hat sich grundsätzlich gut bewährt.


DMP: Was ist der Vorteil der Bachforelle im Vergleich zum Saibling?


Jakob Köpfelsberger: Der Saibling war früher hier nicht heimisch. Er ist ein Besatzfisch. Und er paart sich mit den Bachforellen. Wenn die Bachforelle die Eier ausstößt und der Saibling den Samen, dann werden nur Bastarde daraus.


DMP: Sie sind dann nicht fortpflanzungsfähig? Sind sie dadurch steril?


Jakob Köpfelsberger: Genau. Von früher sind noch Saiblinge in der Mürz, der Großteil ist aber entnommen. Die Bachforelle und die Regenbogenforelle stehen nicht in Konkurrenz. Die Regenbogenforelle steht in der Mitte vom Wasser, hat eine andere Zeit zum Ableichen, die Bachforelle ist immer in Verstecken.

Im Bild sehen Sie die Otterspuren, die vom Tirolbach durch unseren Garten wieder zurück zum Tirolbach geführt haben. Kurze Zeit habe ICH! gebraucht, um festzustellen, von welchem Tier diese Spur stammte! Letztendlich ist sie jedoch so charakteristisch, dass keine Zweifel überblieben. Und gefreut hat es mich natürlich auch, ein lebendiges Umfeld zu haben.