DAS NEUBERG COLLEGE PROJEKT

dMP: Freut Ihr Euch wiederzukommen?

Felix Reinstadler: Selbstverständlich freuen wir uns sehr auf die nächste Projektwoche.


dMP: Welche baulichen Vorhaben wurden umgesetzt - am Bahnhof, oder ist noch etwas vorgesehen?

Felix Reinstadler: Im März hatten wir mit mehreren Bautechnikern, Malermeistern etc. eine Begehung am Bahnhof und haben einen step-by-step Plan verfasst, der v.a. vorsieht, mit geringen Mitteln das Gebäude an den dringlichsten Stellen vor weiterem Verfall zu schützen. So wurde etwa im April gemeinnützig und ehrenamtlich der Keller entkernt, der kann jetzt wieder atmen, austrocknen, was sich positiv auf das gesamte Mauerwerk auswirken wird. Ein nächster großer Schritt wird der Anschluss des Bahnhofes an das Abwassersystem.


dMP: Gibt es einen zeitlichen Fahrplan mit Programmpunkten? Musik Architektur und Literatur waren die Schwerpunkte des Vorjahres. Baut der Inhalt heuer darauf auf und wird weitergeführt? Was ist zu erwarten ?

Aus der Aussendung: Gemeinsam mit dem ungarischen Übersetzer und Bahnhofdichter Ferenc Szijj werden wir eine Reise an die Grenze zwischen Österreich und Ungarn vorbereiten, um dort auf die Suche zu gehen nach Übersetzer_innen und Formen von Übersetzung. Beim Ansuchen um die Förderung haben wir uns vorgestellt, dass eine besondere Achtsamkeit darauf verwendet werden könnte, wie sich die zeitweise mehr und weniger offene Grenze und für was und für wen sich auf mikropolitischer Ebene auswirkt auf den Alltag der Bewohner_innen dieser Region.Die anderen Themen für diese Projektwoche sind die Musik mit Bildern "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" von Helmut Lachenmann, der Gedichtband "Key into the Language of America" von Rosmarie Waldrop und das planerisch-essayistische Werk des Architekten Cedric Price.


dMP: Wie hoch ist heuer die Teilnehmerzahl - aus welchen Fachrichtungen - wieder von der Herkunft weit gestreut?

Felix Reinstadler: Die TeilnehmerInnenzahl wird im Vergleich zum Vorjahr wohl noch steigen. Wir haben auch mehr Tage als je zuvor, man hat jetzt die Möglichkeit uns an zwei Wochenenden zu besuchen. Und selbstverständlich ist jede und jeder immer eingeladen, uns zu besuchen, auch mitzumachen, mitzudiskutieren, mitzulesen oder mitzuessen!


dMP: Wird die freie Entwicklung der Inhalte wieder zum Programm? Und das Programm zum Ziel?

Felix Reinstadler: Ich möchte einen Satz von Rosmarie Waldrop zitieren, den wir vielleicht in Neuberg übersetzt haben: "Mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass wir nirgendwohin gelangen."

“Über das Ungarische hinaus kann man sagen: Wir wissen nicht, was wir hier lernen.”


dMP: Können Sie thematisch einen Überblick geben, woran Sie gerade arbeiten?

Peter Waterhouse: Das wichtigste ist, dass wir einen Gast aus Ungarn haben. Hr. Ferenc Szijj, der sich Zeit genommen hat, am Übersetzen eines Gedichtes mitzuarbeiten. Um sich in die gleiche Hölle zu begeben wie wir: Der Autor, der sein eigenes Gedicht nicht kennt und es mit uns liest, wie wenn er es nicht geschrieben hätte - glaube ich. Jedenfalls gibt er darüber keine Auskunft und keine Erklärungen. Das ist uns sehr hilfreich. Hier gibt es einige Übersetzer, die nicht ungarisch lesen können und auch nicht ungarisch sprechen. Irgendwie begibt sich Ferenc in diese Gruppe hinein. In die Gruppe der Nichtungarischsprechenden. Er verlernt gerade sein ungarisch. Ein Kurs in Ungarischverlernen findet hier nebenbei statt.

dMP: Auch für die, die es nicht können.

P. Waterhouse: Ja. Auch für die, die es nicht können.

Ferenc Szijj: Das ungarische Schweigen.

dMP: Drückt sich das auch im Gedicht aus? Das Schweigen.

P.W.: Das wäre schon wieder eine Frage nach Auskunft. Über das Ungarische hinaus kann man sagen: Wir wissen nicht, was wir hier lernen.

dMP: In der Übersetzung ist wie gehabt nicht das Ziel. Warum übersetzt man etwas, das substantiell  nicht greifbar, erfahrbar wird? Was kann man dann überhaupt übersetzen? Ich versuche für mich einen Strohhalm zu finden, da ich dem Gesagten nicht ganz folgen kann. Es geht offenbar auch nicht um Sinn.  

P.W.: Die Fragen, die Sie stellen, beziehen sich auf das Original - ob da ein Sinn ist. Das ist keine exklusive Frage für die Übersetzung. Oder auch Resultat. Wenn Sie sagen, es gibt kein Ziel und kein Resultat, dann könnte man diese Frage auch dem OrIginal gegenüberstellen. Also ist das Original ein Resultat oder hat es eines. Hat ein Gedicht ein Resultat? Oder hat es eben nicht. Vermeidet das Gedicht das Resultat? Das kann man dieser Art des Übersetzens gegenüber formulieren, aber auch einem Gedicht gegenüber. Ist da etwas? Und was ist das, was da steht? Sind es Verse, Worte. Laute, Sinn, Bedeutung, Unsinn - was ist es? .Vielleicht fangt man an, diese Fragen und Zweifel besonders zu äußern, wenn man es mit Übersetzung zu tun hat, weil sie nicht soviel Autorität haben.  Dem Gedicht gegenüber wird man vielleicht diese Zweifel oder Unsicherheiten nicht so stellen. Wenn Sie ein Gedicht sehen, werden Sie auch nicht fragen: "Was ist das? Ist es ein Resultat, bedeutet es etwas?" Das traut man sich nicht so vehement zu fragen, nicht so nachdrücklich. Die Übersetzung lädt mehr dazu ein.


dMP: Thematisiert wird ja das Übersetzen als Solches. Der Weg dorthin führt auch über das Lesen? Wenn man ungarisch nicht kann, entstehen neue Bilder? Ist das der Weg, dem Gedicht zu begegnen, durch die Art zu lesen?

Felix Reinstadler: Wir haben am Montag begonnen, ein Gedicht von Ferenc zu lesen. Ohne die Bedeutung von vielen Worten zu kennen. Manchen sieht man die Bedeutung vielleicht an. Aber es könnten auch falsche Spuren sein. Und trotzdem können wir durch lange und intensive, gemeinsame Betrachtung sagen, was die Szene und die auftretenden Gegenstände in diesem Gedicht sind.

dMP: In irgendeiner Art materiell? Geht es doch auch um begreifen? Es hat doch sicher jeder ein Bild im Kopf - oder bildet sich etwas, auch wenn der Inhalt nicht gewusst wird. Man macht ja nicht etwas, um Nichts zu haben. Letztlich hat man sich etwas gebildet. Ist das hier auch so zu sehen? Oder soll es uferlos sein, rein mechanisch zu lesen? Und die Bildhaftigkeit kein Verständnis bewirken?

F.R.: Ich glaube, man kann sehr viel entdecken und man versteht sehr viel. Eine der ersten Beobachtungen war, dass im dritten Drittel des Gedichtes sehr oft das Wort "lámpa" vorkommt. Also stand am Anfang die Frage, ob es hier sich um Lampen handelt, oder über Licht gesprochen wird.

P.W.: Oder im Italienischen lampo - der Blitz.

F.R.: Das war eine der ersten Entdeckungen in diesem Gedicht. Von dieser haben wir versucht weiterzurätseln, worum es geht. Wenn wir dann im Wörterbuch nachgeschlagen hätten, das auf dem Tisch lag - ein ungarisch - deutsches Wörterbuch - das wäre der einfachere Weg gewesen. Dann wüssten wir, oder würden meinen zu wissen, was dieses Wort bedeutet und was das Wort in diesem Gedicht bedeutet. Aber vielleicht gibt das Wörterbuch darüber keine Auskunft, was das Wort in diesem Gedicht tut, nämlich in dem spezifischen Kontext. Das wäre eine Sicherheit, die zu schnell käme und die diesem Gedicht nicht gerecht würde.

P.W.: Und wenn man im Wörterbuch nachschlgägt, bekommt man etwas fertiges. Dann würden wir nicht mehr übersetzen. Dann haben es wir nicht mehr übersetzt, sondern das Wörterbuch. Wir haben auch eine andere Vorstellung, was bildhaft - Sie haben das Wort erwähnt -betrifft. Sie denken vielleicht an das optische Bild, während das Wort Bild mit dem Optischen nichts zu tun hat. Sondern von bilden kommt. Bilden heißt: formen, oder herstellen. Wenn wir bildhaft arbeiten, ist das der Versuch, das Gedicht herzustellen. Das manches optisch bebildert ist, mag sein, aber als Metapher. Wir bilden das Gedicht. Welche Verfahren will man nehmen, um ein Gedicht zu bilden? Würden wir ein Wort aus dem Wörterbuch holen, ist das nicht unbedingt bilden. Aber wenn ich aus einem Wort, wie lámpa ein Wort im Deutschen bilden möchte, dann brauche ich - vielleicht ein Bildungsgesetz, nach welchem Gestez will ich es bilden? Nach dem Sinn, nach dem Laut - will ich etwas musikalisches bilden? Deswegen gibt es von diesem einen Gedicht nach einiger Zeit zehn Gedichte, die gebildet worden sind. Darunter mögen einige sein, die semantisch verständlich sind, aber ich glaube, das Interesse ist auf "bilden". Das Original wird vielleicht auch gebildet - geformt. Vielleicht ist das Übersetzen dem originalen Vorgang sehr nahe und es ist kein abbilden. Keine Wiederholung. Was könnte man denn am Original überhaupt wiederholen, selbst wenn man es auf ungarisch zweimal liest, ist es keine Wiederholung. Es ist immer neu. Das zweite Mal lesen ist immer wieder das erste Mal lesen. Im Gespräch waren wir uns einig, dass die Übersetzungen, Ergänzungen und Erweiterungen original sind. Erneuerungen, Erfindungen und dem einsamen Original gut tun. Es gibt wahrscheinlich auch kaum Fälschungen beim Übersetzen. Oder "Falsches". Wenn die Übersetzungen so multipel sind wie bei uns, können Sie sich darauf verlassen, dass es eine größere Bildung gibt.  Das Original ist eine davon, die vielleicht sehr viel enthält. Die Übersetzungen bilden auch ein Kollektiv.

So wie Sie nach dem Übersetzen fragen, erfüllt das das Übersetzen, wie wir es hier machen gar nicht. Es ist viel näher bei Bildungen - deswegen ist das ein Bildungsinstitut. Ein Bildungsprojekt: Aus eins mach zehn.

dMP: Werden Sie auch präsentieren?

P.W.: Ja.

F.R.: Es ist eher spontan.

P.W.: Vielleicht am Sonntag spontan, oder auch viel später.

F.R.:  Es muss aber noch länger daran gearbeitet werden. Wir haben die Absicht im Herbst einen Ausflug an die ungarisch- österreichische Grenze zu machen, vielleicht auch gemeinsam mit Ferenc Szijj. Wir werden an der Grenze nach Übersetzungen und Übersetzern Ausschau halten und dann zum Keleti Bahnhof nach Budapest fahren. Dort gibt es - wie hier in Neuberg - einen kaiserlichen Hofwartesalon, der jetzt ein Museum ist. Wir vermuten eine ähnliche Ausstattung, sogar dass es auch so eine besondere Holzdecke mit ähnlichen Elementen geben wird. Vielleicht haben sogar die selben Handwerker hier wie dort gearbeitet. Das wäre eine Entdeckung! Je nachdem, wie weit die Übersetzung dieses Gedichtes, als auch anderer fortgeschritten sind, denken wir über eine Lesung nach und über eine Präsentation hier in Neuberg.

P.W.: Die Übersetzungen, die jetzt hier entstehen, werden wir an mehreren Grenzübergängen zu Ungarn präsentieren und vielleicht doch eher auf der ungarischen als auf der österreichischen, in der Meinung, dass die Übersetzungen wiederum in Ungarn  besonders verständlich sind. Was wir in`s deutsche übersetzen, müsste eigentlich von der Logik der Sache her, in Ungarn besser verständlich sein, als hier. Eine Lesung am Grenzübergang wäre wünschenswert. Auch eine Plakatierung. Wir wissen aber noch nicht an welchen - vielleicht an den Schmugglerrouten, wenn wir die ausfindig machen können. Oder an aufgelassenen Grenzen.  

dMP: Was behandeln Sie am Architektursektor?

P.W.: Wir behandeln zum ersten Mal die Schriften und Entwürfe des englischen Architekten Cedric Price. Es gibt seit neuestem eine Gesamtausgabe seiner Schriften. Es ist schwer darüber etwas zu sagen.

dMP: Ist es architekturtheoretisch ausgelegt?

F.R.: Wir können noch nicht so viel darüber sagen. Ich habe diesen Architekten zufällig gefunden, indem ich der Verbindung von Bahnhof und Universität nachgegangen bin. Zwei Dinge, die man nicht so schnell in Verbindung bringen würde. Bildung und Züge.

P.W.: Bilden und bahnen.


F.R.: Ich bin dann über Umwege auf ein Projekt von Cedric Price gestoßen, namens Potteries Thinkbelt und das sieht vor, auf einem stillgelegten Industrieraum in England die Infrastruktur der Bahnen für eine große Universität zu nutzen. Die Überlegungen gehen in die Richtung, wie man eine Universität mobil gestalten kann. Damit ist aber nicht nur gemeint, Personal, Studenten oder Seminarräume in Bewegung zu bringen, sondern auch die Gedanken. Das Projekt ist nicht umgesetzt worden. Es wurde aber von einigen bemerkt und es gibt darüber auch Folgeprojekte. Diese Werkausgabe ist heuer erschienen. Bisher war Cedric Price ein Architekt für Architekten. Tatsächlich ist wenig von ihm und seinen Ideen umgesetzt worden. Vielleicht, weil sich seine Projekte auch gegen eine Umsetzung gewehrt haben. Sie stoßen eher Gedanken an, als es konkrete Bauwerke gibt.



P.W.: Vielleicht braucht man gar nicht so viel bauen, es ist ohnehin schon so viel gebaut worden. Man kann sich auch an dem orientieren und beschäftigen, was da ist. Es steht auch vieles leer - so wie hier - und auch das zu bilden, was schon da ist. Weiterbilden, neubilden... Bis Mürzzuschlag gibt es Schienen. Ab Mürzzuschlag gibt es keine Schienen. Man kann Eisenbahnen, die auf unsichtbaren Schienen fahren, bauen. Das sind in den Asphalt eingelassene Steuerungselemente, die man auf diesem Radweg einbauen könnte. Der Zug bewegt sich ohne Schiene auf dem Asphalt. So könnte man Neuberg wieder an Mürz anbinden, mit der ersten in Europa laufenden schienenlosen Eisenbahn. Es fahren solche Projektzüge in China ...

F.R.: Am Wochenende war die Gruppe "studio magic" wieder hier und wir haben eine intensive Begehung des Gebäudes vorgenommen und mögliche weitere Schritte, wie man den Bahnhof umgestalten kann, langsam und vorsichtig besprochen. Sie sind auch selber sofort tätig geworden, indem sie das Eingangsportal gebaut haben. (Weist auf den Platz vor dem Bahnhof darauf hin). Mit Material aus dem ASZ. Das dient als Eingangsportal. Was macht ein Eingangsportal?

dMP: Es führt herein.

P.W.: Das ist eben auch ein Fußballtor. Wir verstehen auch darunter, dass man ein Tor auch einmal zumachen kann. Beim Fußball stehen die Tore ja immer offen. Man könnte sie auch einmal zumachen, dann würde jeder Elfmeter daran abprallen. Da muss immer ein Torwart stehen und keiner kommt auf die Idee das Tor zuzumachen. Das Fußballtor ist ja gar keines. Das ist ja ein großer Irrtum. Im englischen heißt es viel klarer:  I shot a goal - ich habe ein Ziel erreicht. Da wir kein Ziel haben, haben wir ein Tor gemacht - das man vor allem schließen kann. Tore schließen - das ist unser Vorschlag für den internationalen Fußball.

Auch gibt es Interesse an Textilien. Weil das textile Arbeiten mit der Schrift in enger Verbindung steht - der Buchstabe und der Faden stehen in Bezug; auch das Ornament. Auch haben wir in dieser Gegend und diesem Tal gefragt, wie es mit der Herstellung von Textilien steht. da gibt es offensichtlich eine Tradition des Spinnens und Webens. Gerade hier in Kapellen  mit dem Spinnkreis. Wir werden noch die Spinnstube anschauen. Wir haben großes Interesse aufzugreifen, was hier schon ist, so wie wir den Bahnhof nehmen, wie er ist und ihn auch aufwerten, weil ja niemand damit etwas anfangen kann. So haben wir auch Lust, andere Werke, Tätigkeiten  und Traditionen aufzugreifen. Und diejenigen, die sich damit beschäftigen, kennenzulernen.



Es gibt eine Textilkünstlerin, die uns aufgefallen ist. Ihr Werk ist im Gegensatz zu dem ihres Mannes Josef unbekannt. Meines Erachtens ist es besonders erforschenswert. Sie heißt Anni Albers. Wir wissen, wo das Archiv ist und es gibt dorthin schon Kontakte. Es ließe sich vielleicht auch eine Beziehung zu Neuberg herstellen, wenn es hier auch textile Tradition und Produktion gegeben hat.

F.R.: Wenn  es  gelingen würde, hier etwas auszustellen, wäre der Bezug geschaffen. Das wäre sicher für viele Personen interesssant, die sich damit beschäftigen, weil diese Textilien einen hohen künstlerischen Wert haben, sowohl von der Technik als auch von der Gestaltung. Diese werden gerahmt auf der Wand aufgehängt und betrachtet. Nicht als Kleidungsstück getragen. Man könnte sie als sehr feine Wandteppiche bezeichnen.

P.W.: Hat man sich im Stift mit der Herstellung von Stoffen beschäftigt? Womit haben sie sich gekleidet, wo waren diese Stoffe her? nachdem es im Stift leider keine Spuren mehr gibt und das Archiv wo anders liegt, wissen wir noch nichts darüber. Dass es den Spinnkreis gibt, ist vielleicht eine Fortführung der Tradition.

dMP: Was gibt es über die Musik zu berichten?

F.R.: Die Beschäftigung mit dem Weerk von Helmut Lachenmann und seiner Musik hat bereits letztes Jahr begonnen. Heuer hat eine College Gruppe eine Exkursion nach Zürich gemacht, um auch einen Teil aus der Oper "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" zu hören.  Mit Hr. Lachenmann als Rezitator.  

P.W.: Dieses Stück basiert auf einem Text von Leonardo da Vinci und Lachenmann hat diese Schrift von Leonardo auf Deutsch kennengelernt. Die Musik beruht auf der Übersetzung. Wir sind daran interessiert, die deutsche Übersetzung im Verhältnis zum italienischen Original anzuschauen. Dieses ist unleserlich. Vielleicht wieder ein typischer Fall für uns - das unleserliche Original.


F.R.: Helmut Lachenmann ist bei diesem Stück vor allem an den konsonantischen Qualitäten dieses Textes interessiert. Diese Töne und Geräusche, die diese Konsonanten tragen, versucht er auch durch die Instrumente hervorzubringen. Nicht nur durch menschliche Stimme. Wir haben dann  nach der Aufführung mit ihm über diese Übersetzung gesprochen und er meinte, dass er den italienischen Text erst vor kurzem gesehen hat.  Er ist der Meinung, dass er mit der Übersetzung dieses Stück nicht hätte so schreiben können, weil das Italienische viel vokalreicher ist. Wodurch er die Konsonanten nicht in diesem Umfang hätte hörbar machen können. Vielleicht ist es eine Möglichkeit, ein konsonantenreicheres Italienisch zu finden, als den Text von Leonardo. Es gibt hauptsächlich handschriftliche Texte von da Vinci, die meisten  wurden ja nicht publiziert, die kaum lesbar sind. Da stellt sich die Frage, wie man solche Handschriften transkripiert und wie durch die Transkription der Text normalisiert wurde, mit dem Vorsatz, ihn lesbar zu machen.  Vielleicht sind die Schriften viel sperriger und würden dann für Helmut Lachenmann wieder viel interessanter werden.

P.W.: Vielleicht könnten wir ihn zu einer Neukomposition gewinnen. Gerne würden wir ihn auch hierher einladen.

dMP: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Vergleichende Literaturwissenschafter Felix Reinstadler, links und vielfacher Preisträger Peter Waterhouse.

Der Bahnhof - vom Efeu befreit,vorne- und hinten links das rote Tor.

„Was wir in`s deutsche übersetzen, müsste eigentlich von der Logik der Sache her, in Ungarn besser verständlich sein, als hier.”