„Und selbstverständlich ist jede und jeder immer eingeladen, uns zu besuchen, auch mitzumachen, mitzudiskutieren, mitzulesen oder mitzuessen!“

dMP: Sind das die Projekte für die zwei folgenden Jahre? Ist es aussergewöhnlich, dass sich Mönche mit Übersetzungen beschäftigt haben?

  Felix: Einigermaßen erstaunlich ist die Tatsache, dass sie übersetzt haben, da die vorrangige Arbeit der Mönche das Kopieren war. Kopisten, die die heilige Schrift abgeschrieben haben. Die Sprache zu wechseln ist ein sehr großer Schritt, vor allem für die Zeit des 12. und 13. Jahrhundert und somit lange vor Luther. Die Übersetzung von Luther in die Sprache der ansässigen Bevölkerung war eine enorme Entwicklung hin zu einer Aufklärung der Kirche, der Reformation der Kirche. Wenn sich jetzt herausstellen würde, dass hier 300 Jahre früher schon an Übersetzungen gearbeitet wurde, dass das Lateinische geöffnet wurde und nicht die elitäre Sprache des Priesters geblieben ist, wäre das sehr erstaunlich. Gerade in der römisch katholischen Kirche wurde versucht das Lateinische als Sprache der Liturgie aufrecht zu erhalten, weil es noch näher der „Sprache Gottes“ gewesen ist.

  Helmut: Auch wurden die Volkssprachen fast nicht geschrieben. Die Übersetzungstätigkeit in Klöstern war vor allem in das Lateinische und nicht aus dem Lateinischen.

  Felix: Damit mußte auch erst eine Schrift- für diese Volks- sprache entwickelt werden. Es gibt dafür keine Regeln. Gerade im Althochdeutschen gab es beispielsweise keine Grammatik, die eine Syntax (Anmerkung: Satzgefüge, Satzbau als Teil der Grammatik) regeln würde. Oder auch die Orthografie.

dMP: Welches konkrete Projekt wird gerade behandelt?

  Felix: Das College ist so angelegt, dass es eine Gruppe für ein Fachgebiet gibt, die aber nicht nur an einer Klasse teilnehmen, sondern sich alle nach Plan an Architektur oder an Musik beteiligen und teilnehmen. Es werden auch Experten auf einem Gebiet eingeladen, die die Vorbereitung machen, aber auch an anderen Klassen teilnehmen.

  Helmut: Zu dem praktische Zugang zu Literatur: das betrifft alle Klassen. Es wird nicht referiert oder vorgetragen, wie etwas funktioniert sondern dass es praktiziert wird. In diesem College gibt es eine Erfahrungsraum, in dem viele Möglichkeiten existieren, Dinge auszuprobieren. In dem einerseits theoretisch erkundet, andererseits handwerklich vorgegangen wird. Die Musikklasse wird auch mit dem Musizieren erkunden und mit diesem Stück verbunden sein.

  Felix: Es wird eine Aufführung der Partitur ohne professionelle Musiker. Mit Laienmusikern und vielleicht auch mit nur wenigen oder ohne Instrumenten. Oder wir bauen uns die Instrumente selber, indem man einen Kochtopf nimmt... Oder mit Steinen musiziert.


dMP: Sehe ich das richtig: Der Ausgang ist offen. Es gibt jetzt nicht in herkömmlichen Sinne ein Ziel, sondern man schaut was herauskommt. Ihr habt dahingehend eine große Freiheit! Das ist sehr spannend!

  Helmut: Das Unvorhersehbare ist ein sehr wichtiger Bestandteil. Der Gedanke dieses College zu gründen, leitet sich auch von einem Nachdenken über eine Alternative zur universitären Situation her. In Wien ist die Universität sehr darauf bedacht, dass die Studierenden das Studium möglichst rasch abschließen. Das wirkt sich auf den Verlauf und die Art zu lernen aus. Wenn wir hier das Wort „lernen“ gebrauchen, hat das ein völlig andere Bedeutung als an einer Universität. Wir schließen hier mit einem Teilnahmezertifikat ab; das ist aber möglicherweise genau das Gegenteil von einem universitären Kurs/ Studium.





dMP: Das College führt ja fort, weiter ... Es ermöglicht aufzubauen und weiter zu arbeiten. Wer trifft die Auswahl der Inhalte?

  Helmut: In der Musikklasse hat sich das über den Vorbereitenden Gunter Schneider ergeben, der an der Uni in Wien unterrichtet. Er lehrt Gitarre und zeitgenös- sische Musik. Er hat sich lange mit dieser Oper persönlich aus- einandergesetzt. Wir sind mit ihm schon lange - auch über dieses College Projekt verbunden. Er war von der ersten Stunde an mit dabei.

Felix: Das wird ganz sicher auch eine Fortsetzung haben. Es ist geplant Helmut Lachenmann einzuladen und mit ihm gemeinsam zu arbeiten.



  


dMP: Gleich einmal vorweg: Was habt Ihr geplant, dass die Inhalte in Neuberg bei den Neubergern ankommen? Wie geht Ihr auf die Leute zu, wie wird präsentiert?

  Helmut: Es war bereits ein erster Schritt durch die Veröffentlichung in der Gemeindezeitung. Nun beginnen wir uns in den Bahnhof einzubringen und das wollen wir nicht von der Gemeinde trennen.


dMP: Bekommt Ihr von den Leuten Rückmeldungen, Reaktionen?

  Helmut: Im Ort, in Neuberg selbst werden wir nicht angesprochen, eher schon im Gasthaus Holzer; am Wochenende kommen am Bahnhof selbst sehr viele Leute vorbei. Pro Tag - so um die 10 Leute! Aus Kapellen, aus Mürzzuschlag - auch aus Neuberg. Dadurch, dass der Bahnhof so ein Anziehungspunkt ist, kommt man auch leicht in`s Gespräch!


dMP: Vor kurzem wurde ja Mürzzuschlag mit Neuberg bis hierher durch den Radweg verbunden!

  Helmut: Interessant war, dass wir einige Leute getroffen haben, die Kindheitserinnerungen an diesen Bahnhof haben. Sie sind mit dem Zug in die Schule gefahren, von Kapellen aus. Das war sehr spannend. Unter anderem haben wir mit einem Schlosser, der in Kapellen aufgewachsen ist, Türen geöffnet, zu denen es keine Schlüssel mehr gab.

dMP: Viele kommen, betrachten diese Entwürfe und sagen sich: so war es in der Vergangenheit, so ist es jetzt und so kann es in Zukunft aussehen?

  Helmut: Ja.

 Felix: Das gesamte Gebäude wurde aufgesperrt und man kann es begehen. Es ist nicht so, dass der Bahnhof jetzt von uns besetzt wird, sondern dass er wieder ein öffentlicher Raum wird, wie er es war. Man kommt an und man geht wieder weg. Ein Ort der Begegnung. Auch wenn keine Gleise mehr vorhanden sind, kann es Verkehr auf einer anderen Ebene werden.


dMP: Das sind auch sprachliche Spiele: Begegnung, usw. Sollte nicht die Nutzung am Ende des Tages im Vordergrund stehen? Dass das Gebäude „brauchbar“ wird?

  Felix: Und das in verschiedener Art und Weise. Nicht nur, was unsere Beschäftigung dazu beiträgt. Die Räume sollten nur minimal auf eine Funktion hin konzipiert werden. Wir versuchen mit der Zeit das Gebäude an das Abwassersystem anzuschließen, vielleicht auch eine Heizung zu installieren. Aber vor allem war es wichtig eine kleine Küche zu bekommen. Die Räume bleiben aber frei und „unbesetzt“. Sie - aber vor allem dieser Raum (Anmerkung: die Wartehalle) - können als Ausstellungsraum genutzt werden, als Treffpunkt, aber auch für Sitzungen. Architektonisch wird er aber sicher nicht mit Bücherregalen zugestellt werden, wodurch die Räume auf vielfältige Art und Weise verwendet werden können.

dMP: Das Interessante ist, dass man anhand des Modells bereits erfährt, wie sich der Raum, in dem man sich befindet, entwickeln wird. Im Mittelpunkt des College steht Literatur und Architektur. Oder sind andere Richtungen auch vertreten?

  Helmut: Es gibt insgesamt vier Klassen. Eine davon ist Architekturtheorie, die sich mit Aufsätzen und Entwürfen von Josef Frank (Anmerkung: Josef Frank 1885 - 1967, war österreichischer Architekt und Mitbegründer der „Wiener Schule der Architektur“ siehe dort!) beschäftigt. Auch im Hinblick darauf, wie Räume genutzt werden und welche Verhältnisse gegeben sind. Daneben gibt es auch die Musikklasse. Diese beschäftigt sich mit der zeitgenössischen Oper „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Helmut Lachenmann (Anmerkung: deutscher Komponist, geboren 1935, siehe dort). Das ist die Vertonung des Märchens von Hans Christian Andersen.

  Felix: Das sind die Disziplinen, die uns in dieser Projektwoche beschäftigen. Sie werden weitergeführt und ergänzt. Wir haben einen Dreijahresplan und jedes Jahr zwei Projektwochen; dabei unterschiedliche Schwerpunkte und Disziplinen. Überlegt wird auch eine Klasse der Bildhauerei, eine zu bildender Kunst, eine zur Geschichte des Ortes Neuberg mit dem Industriegelände auf der einen Seite, aber auch die noch ältere Geschichte des Stiftes. Vorrangig dabei wird die Erforschung sein, womit sich die Mönche beschäftigt haben. Es gibt diese Spur, dass sich die Mönche mit Übersetzungen beschäftigt haben und aus dem Lateinischen in`s hier gesprochene Althochdeutsch übersetzt haben. Hinter dem Stift gibt es Tafeln mit Auszügen aus Übersetzungen, die angefertigt wurden. Ein viel reicheres Archiv an Schriften gibt es aber teils in Graz, teils in Wien in der österreichischen Nationalbibliothek. Dorthin wurden die Handschriften gebracht. Diese wurden auch noch nicht erforscht. Man kann diese Übersetzungen ausheben, aber sie wurden noch nie gelesen oder erforscht. Sie sind aber noch nicht katalogisiert.

DAS NEUBERG COLLEGE PROJEKT

Die Weichen für den Bahnhof sind neu gestellt. Es geht in Richtung Zukunft.


Ehemalig, verlassen, einst, stillgelegt, abseits oder verfallen. Das sind Attribute die betreffs des Bahnhofs in Neuberg an der Mürz der Vergangenheit angehören. Kreativ, neu, mutig, intuitiv oder lebendig sind die neuen Zuschreibungen dank einer Initiative des Neuberg College. Dieses tagt heuer das erste Mal. Es vermittelt in der Symbiose von Architektur, Musik und Literatur einen gänzlich ungewohnten Zugang zum Bahnhof, der Mittelpunk örtlich als auch inhaltlich ist! So empfehlenswert der Besuch mit einer öffentlichen Präsentation am Samstag, den 6. August ist, so bereichernd ist er.

Ein Muß für alle, die an der architektonischen Mit- und Umgestaltung des Gebäudes Interesse haben. Ideen dazu bringen - siehe unten -  Maria Barbieri aus Südtirol und Stefania Monici aus Mailand, beide Mitarbeiter des Studio Magic ein. Die Details zum Konzept erfahren Sie im Interview mit Helmut Ege und Felix Reinstadler.


dMP: Ich kenne diese Situationen durch meine Ausstellungen hier am Bahnhof sehr gut. Es kommen einige nur wegen des Bahnhofes. Sie schildern wie es gewesen ist und vermitteln eben diese Atmosphäre.

  Helmut: Um nochmals zurüchzukommen auf die Präsentation: Wir werden am Samstag Abend eine Ausstellung machen, im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“. Das wird im Laufe der Woche noch geplant und gestaltet! Wir werden das aber auch in Neuberg noch unter die Leute bringen und sie einladen hierherzukommen und mit uns in Dialog zu treten, über das, was am Bahnhof jetzt stattfindet.


dMP: Ist das dann bereits der Abschluß eures Projektes?

  Helmut: Ja. Sonntag ist der letzte Tag der Projektwoche.


dMP: Ist es eurer Meinung nach hier durch die Strukturen schwierig, Architektur oder Literatur begreiflich und interessant zu machen? Oder ist es bereits vorhanden?

  Helmut: Das werden wir am Samstag sehen. Lacht. Wir haben aber kein „fertiges Konzept“, wie wir das vermitteln wollen. Woran ich gerade denke, ist, dass bei denjenigen, die vorbeigekommen sind - wir sind dabei aber gerade erst ganz am Anfang - die Unterstützung und der Zuspruch sehr groß sind.

  Felix: Bei dem Thema Literatur haben wir keinen wissenschaftlichen, abgehobenen Anspruch. Wir arbeiten mit Literatur in einem praktischen Zugang, der Übersetzung. Das vereinfacht sehr viel, weil man als Übersetzer sehr genau liest und wir nicht mit Kontextualisierungen arbeiten. Zunächst beginnen wir ganz kleinteilig, das wäre ungefähr die Länge eines Gedichtes - zeigt auf ein vor ihm liegendes Blatt mit ca. 8 Zeilen -  und schauen uns das sehr genau an. Teilweise beginnt es mit Wortwiederholungen - also einem sehr einfachen Grund, wo jeder einsteigen kann. Man braucht kein großes Vorwissen. Bei der Architekturklasse gibt es eine Ausstellung, auch mit Modellen, wodurch es sehr anschaulich wird.

  Helmut: Das Besondere an der Architekturausstellung ist natürlich, dass sich die Pläne und Modelle auf das Gebäude beziehen, in dem sich die Betrachter befinden. All diese Entwürfe, Vorschläge oder Ideen sollen zu einer Umgestaltung und Nutzung des Bahnhofes führen.

Ein äußerst interessantes Raumkonzept sieht mit starker Durchgängigkeit der Entwurf der Architektengruppe vor. Das hier noch unfertige Modell links, ein fertiges rechts, des alten Bahnhofes „neu“ lassen Sie sich am besten aus erster Hand am Bahnof selbst erklären!

„Wenn sich jetzt herausstellen würde, dass hier 300 Jahre früher schon an Übersetzungen gearbeitet wurde...“


„Das Unvorhersehbare ist ein sehr wichtiger Bestandteil.“

Die beiden Absolventen der ver- gleichenden Literaturwissenschaft Helmut Ege - rechts - und Felix Reinstadler.

 dMP: Wer sind die Teilnehmer dieses College?

  Helmut: Heuer hat sich die Gruppe sehr stark erweitert. Die Hälfte ist aus Interesse und Beschäftigung mit ähnlichen Bereichen über ein erweitertes Netzwerk dazugekommen. Jetzt sind wir ca. 30 Teilnehmer.

  Felix: Es sind einige, die am Ende ihres Studiums stehen, andere haben bereits abgeschlossen und sind in verschiedenen Bereichen tätig. Auch ich bin fertig ... Irgendwie ... Mit dem Studium und mache ein Doktorratsstudium.

  Helmut: Ich habe auch vergleichende Literaturwissenschaft studiert. Gestern haben wir begonnen über die Gedichte von Rosmarie Waldrop (Anmerkung: zeitgenössische in Deutschland 1935 geborene amerikanische Schriftstellerin, Gedicht und Übersetzungen, siehe dort) zu sprechen, indem wir eine Stunde nur vorgelesen haben. Und noch einmal vorgetragen von einer anderen Stimme, in einem anderen Rhythmus, einer anderen Geschwindigkeit. Durch das wiederholte Vorlesen und Hören bekommt man verschiedene Klänge in diesen Texten zu hören. Das Wiederholen im Hören und Lesen ist ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit.

  Felix: Es werden gemeinsam Fragen erarbeitet und Antworten darauf gesucht. Die Frage selbst kann die Spur weisen, die Frage selbst kann nie dumm sein. Es sind eher die Fragen, die uns interessieren. Wir wollen ja auch gar keine Waldrop Experten hier haben, die meinen das Werk erklären zu können. Es müssen von uns die Fragen sein, die zu stellen sind.


dMP: Das wären Experten- Abhandlungen, die keinen Spielraum mehr lassen... Überwiegt thematisch das zeitgenössische?

  Helmut: Die Antwort ergibt sich von selbst. Die Texte von Waldrop mit denen wir uns beschäftigen, basieren auf einem alten Buch über die Sprache der Einheimischen bzw. der Ureinwohner von Providence in den USA. Das ist ein Buch von Roger Williams (Anmerkung: 1603 - 1683, Mitbegründer des Baptismus, Vertreter der Trennung von Staat und Religion, siehe dort), der versucht hat die Bräuche und Sprache der Indianer zu erklären und zu dokumentieren. Die Interpretation davon ist teilweise sehr kontrovers. Waldrop hat diese Texte in eine poetisches Werk umgearbeitet. Es gibt verschiedene Gründe und Richtungen, weshalb wir uns mit zeitgenössischem beschäftigen.

  Felix: Interesse findet besonders die Geschichte dieser Gegend um Neuberg hier. Nicht nur wie es sich jetzt entwickelt, an dem wir aktiv teilnehmen, sondern wie es hier begonnen hat, wie es hier früher war.


DMP: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Der Bahnhof - das Gebäude - das Zentrum. Schlicht und Stein und Steiermark wie die Landschaft rundherum. Eingebettet in Verkehr und Lärm. Und Ruhe und Muße. Unser.

GEHT IN DIE ZWEITE KULTURRUNDE

dMP: Freut Ihr Euch wiederzukommen?

Felix Reinstadler: Selbstverständlich freuen wir uns sehr auf die nächste Projektwoche.


dMP: Welche baulichen Vorhaben wurden umgesetzt - am Bahnhof, oder ist noch etwas vorgesehen?

Felix Reinstadler: Im März hatten wir mit mehreren Bautechnikern, Malermeistern etc. eine Begehung am Bahnhof und haben einen step-by-step Plan verfasst, der v.a. vorsieht, mit geringen Mitteln das Gebäude an den dringlichsten Stellen vor weiterem Verfall zu schützen. So wurde etwa im April gemeinnützig und ehrenamtlich der Keller entkernt, der kann jetzt wieder atmen, austrocknen, was sich positiv auf das gesamte Mauerwerk auswirken wird. Ein nächster großer Schritt wird der Anschluss des Bahnhofes an das Abwassersystem.


dMP: Gibt es einen zeitliche Fahrplan mit Programmpunkten? Musik Architektur und Literatur waren die Schwerpunkte des Vorjahres. Baut der Inhalt heuer darauf auf und wird weitergeführt? Was ist zu erwarten ?

Aus der Aussendung: Gemeinsam mit dem ungarischen Übersetzer und Bahnhofdichter Ferenc Szijj werden wir eine Reise an die Grenze zwischen Österreich und Ungarn vorbereiten, um dort auf die Suche zu gehen nach Übersetzer_innen und Formen von Übersetzung. Beim Ansuchen um die Förderung haben wir uns vorgestellt, dass eine besondere Achtsamkeit darauf verwendet werden könnte, wie sich die zeitweise mehr und weniger offene Grenze und für was und für wen sich auf mikropolitischer Ebene auswirkt auf den Alltag der Bewohner_innen dieser Region.Die anderen Themen für diese Projektwoche sind die Musik mit Bildern "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" von Helmut Lachenmann, der Gedichtband "Key into the Language of America" von Rosmarie Waldrop und das planerisch-essayistische Werk des Architekten Cedric Price.


dMP: Wie hoch ist heuer die Teilnehmerzahl - aus welchen Fachrichtungen - wieder von der Herkunft weit gestreut?

Felix Reinstadler: Die TeilnehmerInnenzahl wird im Vergleich zum Vorjahr wohl noch steigen. Wir haben auch mehr Tage als je zuvor, man hat jetzt die Möglichkeit uns an zwei Wochenenden zu besuchen. Und selbstverständlich ist jede und jeder immer eingeladen, uns zu besuchen, auch mitzumachen, mitzudiskutieren, mitzulesen oder mitzuessen!


dMP: Wird die freie Entwicklung der Inhalte wieder zum Programm? Und das Programm zum Ziel? (Dazu lesen Sie auch das untenstehende Interview!)

Felix Reinstadler: Ich möchte einen Satz von Rosmarie Waldrop zitieren, den wir vielleicht in Neuberg übersetzt haben: "Mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass wir nirgendwohin gelangen."