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„Servatius' Hund der Ostwind ist, hat schon manch' Blümlein tot geküsst.“ Bauernregeln, aus: www.wetter.de. Wie auch:

Pankraz, Servaz, Bonifaz und die kalte Sophie vorher lach nie.“

Ja, das Lachen kann Einem regelrecht vergehen, wenn Sophie ihre Künste zeigt. Aber: Es gibt auch ein Mittel dagegen. Eines? Nein, gleich mehrere. Was im Obstbau gegen den Spätfrost unternommen wird, erklärt uns der Präsident des Bundesobstbauverbandes, Rupert Gsöls. Er ist selbst Obstbauer und weiß ein Lied von den Schäden des Frostes zu singen. Wir haben ihn in der Südoststeiermark besucht, die das Kernland österreichischer Obstproduktion ist. Und wir hoffen, dass uns der Frost heuer verschont. Lesen Sie, was effizient zu einer reichen Ernte bereits im April und Mai getan werden kann.  


Man kann bereits von Vollblüte sprechen: Am 18. April dieses Jahres. Ich habe den botanische Garten in Wien besucht und herrliche Eindrücke mitgenommen.

dMP: Hat der Spätfrost etwas mit dem Klima zu tun?

Rupert Gsöls: Natürlich. Das Problem liegt darin, dass der Austrieb in den letzten Jahren sehr früh war. Voriges Jahr war es im Februar relativ kalt und ab Ende Feber sind die Temperaturen am Tag auf bis zu 20°C und in der Nacht auf 5°C gestiegen. Das heißt, die Entwicklung geht sofort los und wir haben zum Zeitpunkt des Spätfrostes am 26. April  mit -6°C die Vollblüte d`rüber g`habt. Und alles, was über die Blüte d`rüber ist, ist ganz empfindlich. Vor 30, 40, 50 Jahren war der Blütezeitpunkt nie vor Mai. Die Entwicklung rückt durch den zeitigen Frühling nach vor und die Wahrscheinlichkeit, nach Meinung der Klimaforscher, wird größer, dass immer wieder ein Rückfalll kommt. Die Gesamtweltklimasituation verändert sich. Da genügt dann ein, zwei Tage eine Kaltfront vom Norden her. D.h.:  die Strömungen werden sich verändern und klar ist, dass sich die Vegetationszeiten durch die Klimaerwärmung verschieben, sie werden länger! Das betrifft vor allem die Länge des Frühjahrs und des Herbstes. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass es "Rückfälle" gibt. Man hat ja die Hoffnung gehabt, dass wenn es wärmer wird, auch die Spätfröste abnehmen, das stimmt aber nicht. Die Gefahr wird größer, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass in eine Phase der Blüte oder wenn die Früchte empfindlich sind, ein Spätfrost kommmt.

dMP: Rechnet man in Zukunft - auch durch die Kenntnisse der Meteorologen- bereits jedes Jahr damit?

Rupert Gsöls: Die Wetterextreme  werden sich - und dazu zählt natürlich auch der Frost, aber auch Hagel und Starkregen -  häufen. Auch Regen wird sich von der Menge nicht ändern, aber in der Verteilung und in der Heftigkeit. Das heißt, die klassischen drei Tage "Schnürlregen", wie wir es aus der Kindheit kennen, wird es so nicht mehr geben. Wir haben Sommer gehabt, da sind wir nicht einmal schwimmen gegangen, weil es so kühl und naß gewesen ist.

dMP: Bestätigen das die Aufzeichnungen über einen langen Zeitraum? Über die Häufung?

Rupert Gsöls: Ja. Wenn man anerkannte Klimaforscher, wie Dr. Kirchengast  vom Wegener Institut fragt, der ja in unserem Raum das dichteste System für Wettererfassung betreibt, bestätigen sie das.  Wir haben im 2 qkm Verband einen Raster von über 150 Messstationen.  

dMP: Haben Sie selber auch eine Messstation hier stehen?

Rupert Gsöls: Wir haben eine private für uns, aber auch Zugriff auf die Wegener Messstationen. Die meisten haben Temperatur und Regenmessung, die besseren auch Windmessung und die errechnen dann vergleichend mit Nebenstationen die Werte.

dMP: Welche Funktion bekleiden Sie persönlich?

Rupert Gsöls: Wir haben in der Steiermark einen Verein, der Verband der steirischen Erwerbsobstbauern, so wie auch alle anderen Ländern, bis auf Salzburg. Wir sind auch sehr eng mit der Landwirtschaftskammer verknüpft, auch unsere Geschäftsführung liegt in den Kammern. Und auf Delegiertenbasis gibt es den Bundesobstbauverband, dessen Präsident ich bin.

dMP: Dabei ist die Dichte an Obstbau sicher in der Steiermark am höchsten.

Rupert Gsöls: Es gibt natürlich NÖ und OÖ,  in Summe ist aber der Anbau von Äpfeln sicher in der Steiermark führend. In den anderen Bundesländern sind die Kulturen aber breiter gestreut. Wachau, Marillen ...

dMP: Erkennt man vom Datum her eine Verschiebung der Frostnächte?

Rupert Gsöls: Nein, die Eisheiligen liegen ja um den 10. Mai. Früher hat man g`sagt, wenn die vorbei sind, ist die Gefahr gebannt. Im Jahre 2012 haben wir Anfang  April einen Spätfrost gehabt. Und dann - fast unbemerkt von vielen Obstbauern noch einmal am 17. Mai. Im Norden ein Kaltlufteinbruch - und in exponierten Lagen ist der Ausfall bis zu 100%.


Eine Landschaft aus der Obersteiermark, erstarrt im Frost, 2018

dMP: "Ungünstige Lagen" - hat das etwas mit der Geländestruktur zu tun? Welche sind besonders gefährdet, welche begünstigt?

Rupert Gsöls: Natürlich. Wir reden  da immer von einer invasiven Wetterlage. Typisch ist in der Blütezeit, Regen bei kaltem Wetter, über 5 - 6°C geht es nicht hinaus und dann zieht die Bewölkung ab. Die Atmosphäre wird frei und dann kommen die klassischen  Strahlungsfröste. Aufgrund von Temperatur und Luftfeuchtigkeit , knapp vor Sonnenuntergang kann man den Taupunkt berechnen und wie weit die Temperatur  hinuntergehen kann. Auch der Wetterbericht ist mittlerweile recht gut ... Ich weiß genau, wenn der Wetterbericht - 3°C voraussagt, kann ich nochmals 2, 3 Grad dazulegen. Auch der Anbau der  Obstlagen, die früher immer oben waren, haben sich etwas hinunterverschoben. Das ist nicht so günstig. Aber auch sortenbedingt gibt es Unterschiede bei der Empfindlichkeit.

dMP: Im Klimaatlas sprechen sie von "robusteren" Sorten. Welche sind das?

Rupert Gsöls: In den letzten Jahren hat sich Pinova (Anm.: eine Kreuzung aus Golden delicious und Clivia) als sehr frostsicher erwiesen, der Golden auch noch ...

dMP: Wir reden da über 0 bis -2°C. Alles was drunter ist, führt zu Schäden.

Rupert Gsöls: Da gibt e such bei den unterschiedlichen Kulturen wenig Toleranz. Beim Steinobst gibt es heuer schon wieder Schäden durch den warmen Jänner. Die treiben dann schon an und im Feber hat es dann -10, -15°C gegeben. Auch vor der Blüte gibt es bei den Knospen Schäden - im Mausohrstadium (Anm.:  An den Knospen sind zuerst kleine grüne Blattspitzen zu sehen). Da gehen noch 3, 4 Grad minus, es kommt auch auf die Einwirkungsdauer an. Je näher der Blütenstand bis zur Vollblüte ist, desto empfindlicher sind sie. Das Problem daran ist, dass die Narbe und der Stempel vertrocknen. Es gibt auch Schädigungsbereiche auf den Früchten, die Frostzungen oder Frostringe. Das ist eine Zellschädigung, bei der der Apfel nicht kaputt ist, aber die Zellen gesprungen sind und der Apfel eine "Rostschicht" drüber ausbildet.

dMP: Für das Aufblühen des Obstbaumes sind die Sonnenstunden oder Temperaturen initiierend?

Rupert Gsöls: Wir messen das in "Gradstunden", auch beim Pflanzenschutz ist das ein Thema: Wenn es regnet und nachher sehr warm ist, gedeiht unser Hauptschädling, der Apfelschorf.  Bei Regen ist Sporenausschleuderung, da springen die Sporen von der Rinde - die schießen direkt aus - und bleiben dann auf dem nassen Blatt sitzen. Da ist es vor allem für den Bioobstbau ganz wichtig vor dem Regen mit dem Pflanzenschutz drüber zu gehen. Das verhindert das Keimen der Sporen. Das ist eine fein aufgebrachte Schutzschicht, die auf dem Blatt durch den Regen besser verteilt wird. Wenn die Spore dann auftrifft, findet sie ein Milieu von Kupfer vor, oder Schwefel mit einer Teilwirkung. Unsere synthetischen Mittel - als Pestizide verrufen - haben aber eine bessere Wirkung. Über die UV Strahlung werden sie aber wieder abgebaut.  Schorf erzeugt diese schwarzen Flecken auf den Blättern und die modernen Sorten sind darauf sehr empfindlich. Es gibt aber mittlerweile bereits resistent gezüchtete, die aber im Geschmack dann nicht so gut sind. Bei Anwendung der Mittel  rechnen wir in "Gradstunden" - wir wissen genau vom Aufsetzen der Spore bis zum Einkeimen - wo man sie über den Pflanzenschutz schon nicht mehr erreicht - hat man so und so viel Stunden Zeit. Bei 20° hat man kürzer Zeit zu reagieren. Unterstützt werden wir durch Computerprogramme. Die Mittel verätzen die Sporen sofort - Schwefel etwa.

dMP: Kann man den Schaden beziffern?

Rupert Gsöls: Der Konsument will einen makellosen Apfel haben. Wer Geld ausgibt will auch einen schönen Apfel haben.


dMP: Da gibt es witzige Entwicklungen, Vorgaben, wie die Früchte farblich aussehen müssen, etc. - für den Absatz.

Rupert Gsöls: Der Konsument kauft in einem gewissen Größensegment, der Apfel muss makellos sein, die übergroßen sind nicht gefragt, die kleinen sind nicht gefragt. Bei gewissen Sorten auch die Süßigkeit, Geld verdienen kann man mit einem Apfel zwischen 70 und 85 mm Durchmesser. Auch ist die Farbe ein Indikator für den Geschmack und für jede Sorte unterschiedlich. Je weniger Farbe - desto geschmackloser, weil er zu wenig reif ist und nicht genügend Zucker aufbauen konnte. Das ist der Spagat auch zur Haltbarkeit. Der früh gepflückte Apfel hält länger, ist aber nicht so geschmacksintensiv.

Links: Für mich war er makellos im Geschmack, mein persönlich wichtigstes Kriterium: Der Apfel vom Hof der Familie Gsöls.

dMP: Brauchen die Apfelbäume grundsätzlich im Winter Frost?

Rupert Gsöls: Ja. Das ist die Blühindikation.

dMP. D.h. zuerst die Kälte und dann die Gradstunden.

Rupert Gsöls: Wo es keinen Winter gibt, funktioniert die Apfelproduktion nicht. Das ist dann beispielsweise die Region der Zitrusfrüchte. Oder es wird auch mit Chemie gearbeitet. Durch das Runterspritzen von den Blattln wird Winter simuliert und so weiter ... Aus diesen Regionen kommen aber keine großen Mengen ... Der Herbst entwickelt bei uns durch den Laubfall die Ruhezeiten, die Nährstoffe werden in den Wurzeln eingelagert, die dann im Frühjahr wieder gebraucht werden.

dMP: Wir haben vorher über den Regen gesprochen, ist das ein zunehmend schwieriger werdendes Thema?

Rupert Gsöls: Da kommen wir wieder zum Frostschutz zurück. Wir haben ein größer werdendes Problem mit der Verteilung des Wassers. D.h. im Winter haben wir genug Regen, aber während der Monate der Produktion wird das Wasser knapp. Zumindest zu unregelmäßig verteilt. Das muß nicht einmal zu wenig Regenwasser sein. Es hilft nichts, wenn Monatelang kein Regen fällt. Ich brauche jede Woche eine bestimmte Menge. Sonntag 20 Liter Regen wäre perfekt, weil wir dann Zeit hätten unter der Woche zu arbeiten ... Lacht ... Aber das können wir Gott sei dank nicht steuern...

dMP: Wie löst man das Problem?

Rupert Gsöls: Es zeigt sich bei den Spezialkulturen wie Obst, Gemüse, Wein in Zukunft  immer mehr, dass wir ohne Bewässerung nicht auskommen werden. Es gibt die wassersparende Variante über die Tropfberegnung - da wird zu jeder Pflanze ein Tropfschlauch gelegt. In unserer Region wird das das Hauptproblem, Wasser zu bekommen. Wir haben aus den Fließgewässern wasserrechtlich kaum eine Möglichkeit, vor allem nicht in der Trockenzeit. Wir müssen uns also das Wasser in Teichanlagen speichern. In unserem Betrieb haben wir das bereits vor 40 Jahren umgesetzt. Wir bringen aber wegen des Frostschutzes nicht über die Tropfberegnung aus, weil die Maßnahmen gegen den Frost am besten über die Beregnung funktioniert. Da braucht man aber 4- 5 Liter Wasser pro qm und Stunde. Da nutzen wird dann die Gefrierwärme zum Schutz der Blüten.


Sie sehen die unterschiedlichen Entwicklungsstände der Blüten: Malus spectabilis, der botanische Garten unter Blüten mit Blick auf das obere Belvedere, einer weitere Apfelblüte, Pyrus salicifolia, die Weidenbirne und ein Blick auf die noch geschlossenen Kirschblüten in der Krampen. Wie immer: einfach anklicken!

dMP: Ist diese Art auf die meisten Obstkulturen umlegbar?

Rupert Gsöls: Beim Apfel kann man es überall machen, es ist oft ein kulturtechnisches Problem. Steinobst würde auch funktionieren, aber Steinobst ist empfindlich auf Staunässe. Bei Frostereignissen muss man aber oft 3- 4 Nächte bis zu 10 Stunden beregnen. Bei 40 Lietern Niederschlag, nehmen die Wurzeln Schaden, auch die Blüten und die Fäulnispilze gedeihen ... Beim steirischen Obst hat man das Problem, dass man auf andere Schutzmaßnahmen zurückgreifen muß und da hat sich gezeigt, dass man durch Heizen mit Paraffinkerzen oder auch im Versuch mit anderen Öfen, auch mit biogenem Material - mit Hackschnitzel Erfolge hat. Man muß Energie in Form von Wärme einbringen.

dMP: Paraffinkerzen sind ja immens teuer. Gibt es da vom Land oder Bund Unterstützungen? Mußten durch die letzten Fröste auch viele Betriebe einstellen?

Rupert Gsöls: In dem extremen Frostjahr 2016, wo wir wirklich am linken Fuß erwischt worden sind - im Jahre 2012 hat es nicht die Masse an Obstbauern erwischt, nur die tieferen Lagen - haben wir natürlich auch die Möglichkeit gehabt, zu versichern. Ähnlich wie beim Hagel ist die Versicherung aber relativ teuer.  Das Versicherungsmodell muss sich selber decken, weswegen wir beim Hagel das Modell haben, dass Bund und Land 50% der Kosten übernehmen.

dMP: Ist das in Ihren Augen ausreichend?

Rupert Gsöls: Mehr kann es ja immer sein ... Aber da rücken die Prämien in einen Bereich, dass es leistbar wird. Man kann ja die Summen auch jährlich verändern, wenn man beispielesweise ein gutes Jahr gehabt hat, oder einen Polster hat.

dMP: Es gibt also: die Besprenkelung, die Paraffinkerzen ...

- sein Sohn zeigt ihm ein Foto aus Tirol, wo man unter riesigen Eisgebilden die Pflanzen nicht mehr ausnehmen kann -

Rupert Gsöls: Sie haben in Tirol in den letzten vierzehn Tagen höhere Temperaturen gehabt als wir. Bei uns hat sich die Vegetation noch zurückgehalten, aber in Tirol ist es heuer mit der Entwicklung ein Problem. Die sind viel weiter ... Im Jahre 2016 haben wir von Bund und Land eine Unterstützung für die Erwerbsbauern bekommen, paradoxerweise versuchen wir von der Interessensvertretung so eine Beteiligung auch für die Frostversicherung zu errreichen. Das Interessante war, dass die Länder das schon beschlossen hatten, aber der Bund war noch ausständig. Die Versicherung muss man aber bis Ende Feber abgeschlossen haben. Die Landwirte haben wegen der fehlenden Beteiligung des Bundes nicht versichern können. Genau in der Woche, wo der Frost war, wurde es vom Bund durchgewunken ... Das war zu spät. Aufgrund der fehlenden Versicherungsmöglichkeit wurde dann aus dem Katastrophenfonds den Bauern geholfen.

“Der Konsument will einen makellosen Apfel haben. Wer Geld ausgibt will auch einen schönen Apfel haben.”


„In unserer Region wird das das Hauptproblem, Wasser zu bekommen.”

Abendliche Schneelandschaft im März in der Südoststeiermark.

dMP: Sind da Betriebe eingegangen in der Gegend?

Rupert Gsöls: Es gibt Betriebe, die aufgrund dieses Ereignisses dann auch den Schlussstrich gezogen haben, aber auch, weil die Nachfolger fehlten. Viele haben auch ihre Anlage verpachtet. Deffinitiv haben Betriebe wirtschaftlich zu kämpfen gehabt. Oft wird dann mit Überbrückungskrediten geholfen. Im letzten Jahr wurde klargestellt, dass es vom Bund und vom Katastrophenfonds keine Unterstützung mehr gibt. Das heißt, man muss eine Versicherung abschließen. Ein paar haben auch nach dem Jahre 2016 als Jahrhundertereignis gesagt: "Das kann nicht mehr passieren." Sie haben ein bisschen gepokert. Und dann kam 2017. Sie haben es halt riskiert, auch weil  Viele  andere Sparten daneben betreiben. Zur Überbrückung. Das Hauptproblem bei uns ist, dass man sich betriebswirtschaftlich absichern kann, das bringt mir aber am Markt nichts, wenn ich mir über Jahrzehnte Kunden aufgebaut habe und dann zwei Jahre hintereinander nicht liefern kann; dazu brauchen wir eine Produktionssicherheit. Und dafür brauchen wir Wasser. Das Wasserrecht läßt uns nur schwierig zu Wasser kommen, wenn ein kleiner Bach über mein Grundstück und im Hinterland über viele ander Grundstücke auch läuft, oder dahinter irgendwo ein Fischteich ist, der das Wasserrrecht hat, darf ich das Wasser nicht nehmen. Es ist ein schwieriges Unterfangen Wasser zu sammeln und hier machen wir massiv in der politischen Forderung Druck: Wasser für die Landwirtschaft bereitzustellen. Kurzfristig geht es primär um die Spezialkulturen, aber langfristig  geht es um die Region.  In einer Zeit, wo die Klimaforscher bereits warnen, dass wir zu versteppen drohen. Wir brauchen jetzt schon einen Plan, der bereits über das Klimarisiko von Landesrat Seitinger ausgearbeitet wird. Man schaut sich die Landschaften an, wo sind die Kulturen und Positionen, um genaue Karten erstellen zu können. Wie kannn man es schaffen, dass man die Teiche anlegen kann.

dMP: Geht das von Wien aus?

Rupert Gsöls: Die Flüsse sind Energiewirtschaft, dadurch öffentliches Interesse und wir haben das Problem, dass wir das Wasserrecht für die Entnahme für den Frostschutz nur drei Tage im Jahr haben. Im Sommer haben wir diese Möglichkeit gar nicht. Es ist auch verständlich. Bei Feldbach wurde in der Raab so eine Art Wehranlage gebaut, an der man den Wasserstand der Raab ablesen kann. Wenn dann viele ihre Pumpe hineinhängen, bleibt kein Tropfen über ... Auch für private Nutzung ist ja die Pumpe verboten. Es gibt das Schöpfrecht, für Gießkannen. Im Prinzip sind sehr viele Rechte betroffen, die teils auch älter als 100 Jahre sind. Das muß im Sinne eines Gesamtkonzeptes überdacht werden. Dazu brauchen wir auch die Klimaforschung und daneben ein Gesamtkonzept für die Region. Der Unterschied zum Donauraum ist, dass es viele andere Begebenheiten gibt es muss im gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang gesehen werden. Beim Eisenbahnnetz hat die Allgemeinheit den Beginn auch finanziert. Wenn wir wollen, dass wir eine Nahrungsmittelproduktion haben, die es in 50 - oder 100 Jahren  noch gibt, müssen wir die Planung darauf auslegen: Mit einem funktionierenden Wassernetz, mit dem man Speicher befüllen kann.


„Im letzten Jahr wurde klargestellt, dass es vom Bund und vom Katastrophenfonds keine Unterstützung mehr gibt.”

Landschaft und - leicht verfallen und ganz nach meinem Geschmack - eine Landwirtschaft in der Obstregion der Steiermark.

dMP: Der Hr. Landesrat Seitinger hat diesbezüglich noch andere Ideen, gibt es die Windmaschinen bereits?

Rupert Gsöls: In flachen Regionen funktionieren diese relativ gut. Bei Kaltwettereinbruch mit Wind, funktionieren sie nicht. Da funktioniert kein Frostschutz. Weil überall die kalte Luft ist ...Weil auch die Verdunstungskälte wirkt. Wir sprechen aber beim Spätfrost immer von einem Strahlungsfrost: Eine klare Nacht, windstill, von der Atmosphäre schlägt die kalte Luft herein und der Boden hat zu wenig Energie gespeichert, dass er es kompensieren kann. Bei einer Wolkendecke gibt es keine Frost.

dMP: Das sieht Jeder in seinem Garten.

Rupert Gsöls: Da gibt es dann Schichtungen, die sich Zentimeter für Zentimeter aufbauen. Am Gras liegt der Frost, der aber nicht zu den ersten Ästen der Bäume kommt. Oder oft gibt es Hanglagen, die wie mit einem Messer abgeschnitten bei einer gewissen Höhe die Früchte tragen. Und darunter ist alles weg. Das ist eine reine Staukälte, wobei es auf die Region ankommt. Hier kann dann die Windmaschine in Einsatz genommen werden, wie im Napavalley mit viel Wein. An deren hohen Masten befindet sich ein Rotor, der einen gewissen Lärm macht... Damit kann man ein paar Hektar abdecken.

dMP: Gibt es die in Österreich schon?

Rupert Gsöls: Es gibt Ansätze und Versuche, aber man muß oben die warme Schicht haben, um sie mit der kalten unten zu vermischen. Es gibt auch Entwicklungen zu mobilen Maschinen hin. Und welche mit Zusatzheizung, die aber sehr teuer sind.

dMP: Soll das dann vom Land gemietet werden können?

Rupert Gsöls: Vom Land wird zunächst die Forschung betrieben. Und mit EU Fördergelder für die ländliche Entwicklung muss ein höherer Fördersatz für Frostschutz ausgehandelt werden. Aber  auch die Wasserbereitstellung  mit Pumpaggregaten, die nicht in der Anlage sind. Alle Investitionen ausserhalb der Anlage werden nur mit 20% gefördert, die Anlage betreffend aber mit 30%, immer kofinanziert von Land, Bund und EU. Für 20% sagt sich der Bauer: "Ein Bagger ein paar Stunden, den ich selber hab, da pfeif`i auf die 20%." Und man muß sich nicht mit Förderanträgen herumschlagen, die etwas kompliziert gestaltet sind, man braucht ein Betriebsentwicklungskonzept, an dem man auch mehrere Tage sitzt. Daneben muß man Angebote einholen, von drei Firmen, die einen Teich bauen können. Aber Angebote bekommt man nicht vor der Zusage, dass der Bau gefördert wird.

dMP: Da scheint Luft nach oben zu sein, in der Vereinfachung von Anträgen, Administration ...

Rupert Gsöls: Allerdings gibt es für Gemeinschaftsprojekte von Bauern 50% Förderung, nur ist ja nicht Jeder in der geografischen Lage, um das zu bewerkstelligen. Da gibt es Bedarf, aber die Verhandlungen beginnen gerade für die Periode 2020. In Niederösterreich und im Burgenland um den Neusiedlersee ist das Grundwasser nur fünf Meter tief. Bei uns ist es tiefer, das Grundwasser ist Trinkwasser und das  wollen wir auch gar nicht anzapfen. Dafür haben wir andere Möglichkeiten, die man mit Land und den Touristenvertretern abklären muß.

dMP: Eine andere Idee ist ja auch, genetisch einzugreifen. Welche Möglichkeiten gibt es bem Thema Frost?

Rupert Gsöls: Haidegg macht Sortenversuche. Für die Region, deshalb gehört diese Versuchsstation auch in diese Gegend. Es gibt die beliebte Clubsorte Pink Lady, die aufgrund der extrem langen Vegetationsphase in Österreich natürlich ein Problem ist. In Italien wird oft erst Anfang Dezember geerntet. Da ist bei uns schon lange ... Winter. Es funktioniert ja nicht jede Sorte überall. Das wird in Haidegg auch neben Pflanzenschutzversuchen gemacht. Aber die Züchtung von neuen Sorten machen sie dort nicht mehr.

dMP: Wohin gehen die genetischen Forschungen? Wird es Äpfel geben, die - 5°C aushalten?

Rupert Gsöls: Nein. Es ist immer ein physikalisches Problem. Es sprengt die Zellen.

dMP: Meine Petersilie, die im Winter draussen im Topf war, hat - 17°C überlebt.

Rupert Gsöls: Warum lebt die?

dMP: Die Pflanzen verschieben das Wasser aus den Zellen, zwischen die Zellen?

Rupert Gsöls: Der Hauptgrund dafür ist Zucker, Glykol - Frostschutz.

dMP: Das gibt es aber nicht bei den Blüten oder den Früchten?

Rupert Gsöls: Wenn man in diesem Bereich Einfluss nimmt, muss man schauen, woraus so ein Apfel besteht. Hier wäre die Gentechnik vorteilhaft, wenn man sie nicht so verteufeln würde.

dMP: Aber ist das nicht das Problem: Wenn der Apfel eine schönere Farbe bekommt, verliert er dann nicht woanders, vielleicht am Geschmack? Man kann ja nicht alle Aspekte gleich bedienen.

Rupert Gsöls: Beim Kreuzen von zwei Apfelsorten ist es ja auch Gentechnik.

dMP: Kreuzen Sie auch selber, über Versuchsreihen?

Rupert Gsöls: Nein, nein ... Bis man eine geschmacksfähige Sorte hat, vergehen Jahre. Um eine Sorte zu selektieren, macht man tausend Kreuzungsversuche, dann muss man sie kultivieren. man kann die Zeit verkürzen, indem man sie zwischen der nördlichen und der südlichen Hemisphäre hin und her schickt. Man führt dann das Material im Herbst nach Süden und bringt es wieder zurück. Das beschleunigt.


„Wenn der Apfel eine schönere Farbe bekommt, verliert er dann nicht woanders, vielleicht am Geschmack?”

dMP: Firmen machen das?

Rupert Gsöls: Ja. Die Züchtungen sind aber seit  Jahrzehnten schon in der Hand von Privatfirmen, die versuchen ihre Entwicklungen zu schützen. Daraus werden immer mehr Clubsorten. Pink Lady ist der am besten funktionierende Club.

dMP: Was bezeichnet einen Club?

Rupert Gsöls: Das ist der Erfinder des Apfels, der aus einer Sorte einen Club macht. Man zahlt dann mehrmals Lizenz: Für die Bäume beim Kauf, deren Vermehrung kontrolliert wird, weiters bei der Vermarktung: Es wird definiert: Pink Lady muss eine definierte Farbe haben und eine gewisse Größe. Alle Früchte, die nicht entsprechen, dürfen nicht unter der Marke Pink Lady verkauft werden. In Österreich dürfen wir sie aber nicht anbauen. Wir haben aber andere Clubsorten. Der Broker gibt Pink Lady auch eine einheitlich Aufmachung: Die rosarote Kiste. Aber an der Marke verdienen alle. Auch der Bauer einen Euro. Pro Kilo. Für die anderen, die die Kriterien nicht erfüllen bekommen sie nur 20 Cents. Natürlich wäre man gerne in dem Club drinnen, weil er erstens sehr hohe Erträge bringt, und verdammt gut ist der Apfel auch noch ...

dMP: Das ist wahrscheinlich für den Konsumenten auch ein Kriterium. Gibt es auch österreichische Klassiker, die Clubstatus haben?

Rupert Gsöls: In Österreich wird nicht in Clubform gezogen, am ehesten der Kronprinz. Den gibt es nur in Österreich. International hat der keine Bedeutung. Geringe Mengen gibt es auch in Slowenien. Internationale Sorten in Clubformat haben wir hier den Markenapfel Evelina. Die Ursorte davon ist der Pinova. Evelina ist eine Weiterzüchtung, ein mit mehr Farbe selektierter Typ, der Züchter hat sich das clubmäßig patentieren lassen. Der Apfel muss damit auch einen gewissen Farbanteil haben, in gelben Karton mit roter Schrift verpackt - das ist unsere größte Clubsorte mit einer gewissen Menge. Es gibt auch bestimmte Birnensorten in Clubs. Auch als Absatzgemeinschaft. Man muß in einer Region eine gewisse Menge erzeugen, damit es für den Club interessant wird. Es hilft nicht, wenn man 5 Tonnen von einem Club produziert, wenn der Markt nicht gegeben ist.

dMP: Grundsätzliche Verbesserungen werden also im Wasserrecht und in der Weiterentwicklung der Frostbekämpfung gesehen.

Rupert Gsöls: Der Druck muss hierbei aufrechterhalten werden, weil der nächste Frost bestimmt kommt ...

dMP: In einer Aussendung vom 15. Januar verkündet der Landesrat Seitinger, dass drei besondere Herausforderungen zu meistern seien: Voranschreitender Klimawandel, überbordende Bürokratie mit all ihren Hürden, sowie das mangelnde Wissen der Bevölkerung rund um das Thema Ernährung. Was ist mit dem letzten Punkt gemeint?

Rupert Gsöls: Eher wie Nahrung produziert wird.

dMP: Aber jeder Häuslbesitzer weiß, wie es wächst und wie es abfriert!

Rupert Gsöls: Wie hoch ist aber der Prozentsatz in der Bevölkerung? Viele gehen die Milch in`s Geschäft kaufen, die lila Kuh, das sprechende Schweinchen ...

dMP: Das ist doch vom Markt her gewollt, man möchte dem Konsumenten keine Schlachtszenen in`s Haus liefern. Sondern das lustige kleine Schweinderl.

Rupert Gsöls: Wir als Landwirte haben uns eigentlich dahinter versteckt, weil es dem Produzenten lange Zeit egal war, wie produziert wurde. Und haben dann versäumt, den Konsumenten in der Aufklärung mitzunehmen, wie tatsächlich produziert wird. Wir werden immer als die Pestizidanwender...

dMP: ... als Umweltvergifter ...

Rupert Gsöls: ...hingestellt.

dMP: In den Medien wird das gerne so dargestellt, weil ein Zweck erfüllt werden muss.

Rupert Gsöls: Wir arbeiten ja nicht gegen die Natur, sondern zu 95% mit der Natur und wenn es notwendig wird, greifen wir ein.

dMP: Das "kommt aber nicht rüber".

Rupert Gsöls: Kennen Sie "Land schafft Leben"?

dMP: Nein.

Rupert Gsöls: Das ist vom Hannes Royer, einem Schladminger, der auch die Lebensmittelketten und uns in`s Boot geholt hat und in allen Sparten darstellt, wie tatsächlich produziert wird. Ohne wenn und aber. Und  nicht nur das Negative - wie es oft in Zeitungen passiert.


Das ist doch vom Markt her gewollt, man möchte dem Konsumenten keine Schlachtszenen in`Haus liefern.

Altehrwürdig und bereit: Am Hof der Familie Gsöls. Das Arbeitsgerät und rechts zum Schutz unter Netzen: Das zu Bearbeitende, die Pflanzungen.

dMP: Wird durch die Darstellung das Thema Nahrung nicht verzerrt?

Rupert Gsöls: Dass es da und dort auch schwarze Schafe in der Produktion gibt, brauch`ma gar net reden. Die Meisten arbeiten aber nach den rechtlichen Grundlagen, ob das jetzt das Pflanzenschutzmittel ist ... Wir haben von den Lebensmittelketten strikte Vorgaben, die drei Wirkstoffe zulassen. Anderes wäre ja im Apfel nachweisbar.

dMP: Sie vertreiben hauptsächlich über Lebensmittelketten?

Rupert Gsöls: Wenn wir einen normalen Ertrag haben, müssen wir 50% der Äpfel exportieren. Wobei das immer schwieriger wird, weil mit der Russlandblockade von den billig produzierenden Obstländern, wie Polen, das europaweit mehr als 30% der gesamten Apfelmenge produziert, vom russischen Markt abgeschnitten ist.

dMP: Damit ist ein riesiger Überschuss da und der Markt wird überschwemmt?

Rupert Gsöls: Früher hat Polen über ein Drittel der Ware in Russland abgesetzt. Die Produktion wurde natürlich dementsprechend ausgerichtet, auch sehr viel Industrieware mit der Unterstützung westlicher Firmen, hat Polen für die Industrie, für den Apfelsaft produziert. Dann haben sie mit etwas Kno how und Pflege auf Tafelobst umgestellt. Polen hat immer Richtung Osten exportiert, wir eher nach Norden, nach Skandinavien oder Deutschland. Dann ist Polen in die Märkte gegangen...

dMP: Da ist ein Preisdruck entstanden.

Rupert Gsöls: Im 16er Jahr war es doppelt schwer, weil es nur regional war. Slowenien hat es auch etwas mit erwischt, Ungarn und Tschechien auch ein bisschen. Alle anderen haben eine normale Ernte gehabt. Im letzten Jahr war es aber europaweit, der Frost. In Europa wurden unter 10 Millionen Tonnen Äpfel im vorigen Jahr produziert und  das ist am Markt gut unterzubringen. Bei normalen Ernten haben wir 12 - 13 Millionen Tonnen, wenn aber alle Bäume voll sind, können es bis 15 Mio. t werden.

dMP: Sie sind ein "Bio" Produzent?

Rupert Gsöls: Wir sind beides. Auf bio hat man immer drei Jahre Umstellungsphase, man kann also nicht sagen: "Heuer mache ich bio!" Das braucht drei Jahre, weswegen ich auf meinen 17, 18 ha gesagt habe, da traue ich mich nicht d`rüber. In der Umstellungszeit heißt das: Auf Biogrundlage zu produzieren, aber als konventionelle Ware zu verkaufen. Vom Preis her. Den Vorteil des Bioobstes habe ich erst, wenn es wirklich bio ist. Wir sind in Österreich die drittstärksten Bioproduzenten in Europa am Apfelmarkt, im konventionellen Bereich aber ein Niemand. Das haben wir gut entwickelt und den Bauern geht es auch gut. Wenn man eine Neuanlage macht, braucht es zwei, drei Jahre, bis es einen Ertrag gibt und ist eine Möglichkeit auf bio zu gehen.

dMP: Was zertifiziert eine Bioapfel?

 Rupert Gsöls: Ganz einfach: Alles was synthetisch und künstlich hergestellt wird an Pflanzenschutzmitteln und Dünger, ist verboten. Der Bioapfelbauer hat aber genauso Pflanzenschutz ...

dMP: Das gibt wieder so eine Schlagzeile: "Bioapfelbauer spritzt seine Gärten!" Und Alle schreien wieder auf!

Rupert Gsöls: Bei den  Meisten ist im Kopf, bio ist ungespritzt. Das stimmt aber nicht, sie verwenden nur keine synthetischen Mittel. Das heißt, dass Schwefel oder Kupfer eingesetzt wird, in verschiedensten Kombinationen. Es gibt auch die natürlichen Gifte. Die Bioobstbauern sind im Verband natürlich genauso integriert, wie die Anderen.

dMP: Was gibt es zu Bienen und Bestäubung zu sagen? Bestäuben tun ja nicht nur Bienen.

Rupert Gsöls: Jedes Insekt. Wir haben hier in einer Umgebung von zwei Kilometern Imker.  Ich habe auch einmal überlegt, ein paar Stöcke herzustellen. Das haben wir auch schon gemacht. Da muss man dann natürlich pflanzenschutztechnisch noch mehr aufpassen. Es gibt auch Mittel, womit man sie ausrottet. Die sind meistens aber eh schon verboten. Auch mit Biomittel ginge es - Pyrethrum (Anm.: Aus aus den getrockneten Blüten der Wucherblume hergestelltes Insektizid). Es ist ein Gift. Darum ist der Einsatzzeitpunkt wichtig und es baut sich relativ schnell ab. Wenn man die Biene damit nicht trifft, passiert ihnen auch nichts. Die synthetischen haben den Nachteil, dass sie längerfristig wirken. Selbst, wenn die Biene drüberstreift, ist es schädlich ... Die haben wir nicht mehr. Auch weil der Handel sagt: Diesen Wirkstoff will ich nicht am Apfel haben! Es wird immer schwieriger. In den letzten Jahren haben wir viele Mittel entwickelt, weil sich der Schorf auch weiterentwickelt. Zwei Jahre wirkt das Mittel perfekt, dann hat er sich darauf eingestellt...

dMP: Und entwickelt Resistenzen?

Rupert Gsöls: Mit den vielen Wirkstoffen geben wir ihm keine Chance, Resistenzen zu entwickeln. Über Einzelwirkstoffe, die wechselweise eingesetzt werden. Der Handel will aber nur drei oder vier Wirkstoffe. Damit müssen wir natürlich ein Mittel öfter einsetzen. Da sind wir in einem Spagat unterwegs. Mit den Insektiziden haben wir aufgehört. Wir wußten im Frühjahr, wann welcher Schädling kommt und was zu tun ist. Damit haben wir aufgehört. Wir setzen auf "Gegenspieler". Damit haben wir Schädlinge im Griff, die früher eine Katastrophe waren, egal, ob Spinnen oder andere. Entweder haben wir eine Keule früher d`raufghaut, dass wir alles abgeputzt haben, sauber gemacht. Heute haben wir selektive Mittel und bringen Nützlinge ein. Bei der roten Spinne beispielsweise. Diese Methode gibt es aber bereits seit vierzig Jahren.

dMP: Die Effizienz ist vergleichbar zu herkömmlichen Mitteln?

Rupert Gsöls: Früher haben wir mit den Insektiziden relativ breit gewirkt, auf alle Schädlinge "geschossen " und auch die Nebenschädlinge mitgenommen. Heute wird spezifisch entweder ein Nützling eingebracht oder mit sehr selektiven Mitteln gearbeitet. Auch Gelegenheitsschädlinge machen uns sehr zu schaffen.


„Den Vorteil des Bioobstes habe ich erst, wenn es wirklich bio ist. Der Bioapfelbauer hat aber genauso Pflanzenschutz ...”

 “

Der Produzent und sein Produkt: Auch- Bio- Obstbauer Rupert Gsöls.

dMP: Wirkt sich das auch durch die klimatische Entwicklung aus? Sind schon neue Schädlinge zugewandert?

Rupert Gsöls: Natürlich. Beim Beeren- und beim Steinobstanbau ist die Kirschessigfliege zu uns gekommen. Sie ist aus dem asiatischen Raum eingeschleppt worden - da muß ich noch nachforschen. Es ist ganz eine kleine Fliege. Fruchtfliegen sind bei uns aber auch schon immer heimisch gewesen, sie sind aber nur auf verletzte Früchte gegangen. Die Kirschessigfliegen haben aber so einen starken Legestachel, dass sie in die unversehrten Früchte ihre Eier ablegen können. Wenn die Temperaturen passen, haben sie bis zu 25 Populationen im Jahr.

dMP: Und gibt es dagegen schon etwas?

Rupert Gsöls: Nützling haben wir noch keinen, es wird schon welche geben, aber sie müssen den Legezyklus der Fliege brechen können. Mittel gibt es schon, aber wenn alle fünf Tage eine neue Generation da ist, ... Das explodiert. Im Beerenbereich, die später in den Herbst hinein reifen - wie der Holunder - haben wir massive Probleme. Es gab Jahre in denen die Bauern geerntet haben, die Beeren waren unversehrt, und beim Ankommen der LKWs waren sie durch den Sog aussen violett - vom Saft. Da gibt esdann natürlich  gewisse Kulturen, die am Rande des Unmachbaren stehen. Wir haben auch Anlagen gegen den klassischen Apfelwurm, der als Falter unterwegs ist, sich seine Partnerin sucht und sie befruchtet. Die Eier werden auf den Apfel aufgelegt. Bei diesem wenden wit die "Verwirrungstechnik" an. Wir hängen Karterln mit verstärkten Duftstoffen auf, auf die die Männchen fliegen! Zum zeitpunkt des Flugbeginns wird das aufgehängt mit verschiedenen Dispencern, auch in Ampullen, auch Kunststoffe, wo der Duftstoff eingearbeitet ist. Für verschiedene Falter gibt es unterschiedliche Duftstoffe. 2er und 3er Kombinationen auch gegen folgende Generationen. Die erste Generation wird oft auch chemisch bekämpft, weil die Ernte noch so weit weg ist und der Wirkstoff abgebaut wird. Im Biobereich arbeiten wir mit Verwirrung und die beste Lösung ist, für den Hagel ohnedies vorhanden, das Netz. Wenn wir die ganze Anlage zunetzen, kommt der Falter gar nicht hinein.

dMP: Bei allen Kulturen?

Rupert Gsöls: Es funktioniert auch bei der Kirsche und bei anderen hochwertigen Kulturen. Das Netz muss natürlich dementsprechend fein sein. Dann hat man wieder mit dem Wind Probleme. Kirschen platzen wieder bei Regen auf. Vieles funktioniert nur sinnvoll mit Überdachung.

dMP: Herzlichen Dank für das Gespräch!