Der  Kunstpanther

St. Georgen ob Judenburg

Wenn man von der Steiermark nach Kärnten fährt, muss man, über die S6 kommend durch St. Georgen ob Judenburg durchfahren. Das geht gar nicht anders. Man fährt und fährt und unterhält sich und läßt diesen Ort links und rechts der Straße liegen. Es gibt auch nichts, woran sich bei der Durchfahrt das Auge erfreuen kann. Es lädt nicht ein, stehen zu bleiben, es lädt nicht ein, etwas zu besichtigen. Ziel: Kärnten. Und das ist wie so oft ein gewaltiger Fehler; Denn in St. Georgen steht eine Kirche, die so Gewaltiges zu bieten hat, dass es indirekt proportional zu dem total uninteressanten Erscheinungsbild des Durchfahrens steht. Es ist eine der großartigsten Errungenschaften der Jahre 1987 - 89, als man die Wandmalereien entdeckt und freigelegt hat. Dies erwähnt die "Steirische Wochenpost" unter der Schlagzeile: "Fresken-Juwel entdeckt!".

Ich kann nur anraten: Entdecken auch Sie dieses kunstgeschichtlich einmalige Werk im Murtal, indem sie diesem Ort einen Besuch abstatten. Wir waren dort und haben für die Leser des Mürzpanther recherchiert, auch anhand des Werkes "Die romanischen Wandmalereien der Pfarrkirche St. Georgen ob Judenburg" von Dagmar Drnek - Judenburger Museumsschriften XVII, Verlag des Museumsvereins Judenburg, 2008; Die daraus entnommenen Zitate werden kursiv gebracht. Dieses Werk ist lohnend und erhältlich bei der Georgsgemeinschaft zu Praitenfurt, bei der ich mich gleich vorweg für die Unterstützung bedanken möchte.

Daneben habe ich bildliche Unterstützung aus München bekommen: Der Altar in St. Georg, München-Milbertshofen. Er stammt aus dem Jahre 1510 und ist damit natürlich beträchtlich jünger.


Der heilige Georg auf dem ehernen Bett; Oberer Streifen, Südwand, St. Georgen ob Judenburg.

Wer war Georg?


Wie oft ist nichts mit Sicherheit zu behaupten, man spricht durch Überlieferung von einem Mann, der im dritten Jahrhundert geboren wurde und ca. 305 enthauptet wurde. Wie es aber so schön heißt, kann die historische Existenz nicht mit Sicherheit belegt werden. Eines jedoch kann festgestellt werden: Der Name kommt von geos- Erde und orge- bauen. "Der die Erde baute". Wunderschön.


Die ersten belegten Überlieferungen, die apokryphe ("verborgene") Georgslegende  gibt es - vermutlich aus dem östlichen Teil Kleinasiens stammend - aus dem vierten Jahrhundert. Als Autor wird Pasikrates genannt. Diese Legende - lesenswert und angeführt im Werk von Dagmar Drnek - fand im Osten weite Verbreitung und damit auch Eingang in das christliche Schrifttum - auch aufgrund der Gewalt seines Martyriums. Diese brachte ihm auch den Titel eines Megalomartyr ein, ein großer Märtyrer. Aber ebenso wurde er zum Nothelfer und zum Soldaten- und Adelsheiligen.  Um der Legende mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, wurde sie im achten Jahrhundert umgearbeitet. Durch ein Verbot der Legende in der Version mit dem Perserkönig Datian wurde sie nur mehr volkstümlich verbreitet.


Eine Kopie einer orientalisch - griechischen Schrift führte zu einer lateinischen Übersetzung und wurde dadurch Ausgangspunkt für die Überlieferung im Westen. Die erste deutsche Schrift läßt sich im 9. Jahrhundert im süddeutschen Raum ausmachen. Das althochdeutsche Georgslied entstand zu eben jener Zeit. Inhaltlich wird Georg als Berühmtheit dargestellt, der mit großem Gefolge und Kriegerschar zur Reichsversammlung des Königs Datian reist.  Die Darstellung unterliegt dann auch einem Wandel, dahingehend, dass Georg bereits im 12. und 13. Jahrhundert als asketisch dargestellt wird und das Martyrium in die Zeit des Kaiser Diokletian (Gaius Aurelius Valerius Diocletianus war von 284 bis 305 n. Chr. römischer Kaiser) verlegt wird. Georg wird als mächtiger Krieger von auserlesenem Verhalten und strahlendem Ruhm beschrieben. Die apokryphe Überlieferung und damit auch das vorrangige Bild des Drachentöters wird durch die "Legenda aurea" des Erzbischof von Genua - Jacobus de Voragine -  abgelöst.

Im 12. Jahrhundert entstanden die geistlichen Ritterorden, wobei die militia christi - die christlichen Streiter - wie beispielsweise die Johanniter, den hl. Georg als Schlachtenhelfer verehren und angerufen haben. Er selbst wurde auch als Banner tragender Krieger- und Heerespatron dargestellt.

Zurück in der Steiermark aber auch in Kärnten: Hier sehen wir eine große Zahl an Ortsnamen, deren Namensgeber Georg ist. Das kriegerische Element ist dabei nicht mehr so stark ausgeprägt, bzw. thematisch hintergründig. Die Darstellungen befassen sich mit dem Martyrium, aber auch im besonderen mit der Barmherzigkeit des Heiligen.


Der heilige Georg tötet den Drachen. Darstellung aus München-Milbertshofen, Werktagsseite.

Betrachten wir das Bild darüber,  haben wir den Bestand von:


Ein Held, eine Prinzessin, ein Apfelschimmel, ein Drache, ein Königspaar, eine befreite Stadt. Da kommen mittelbar Erinnerungen an eine Kindheit hoch. Das haben wir alle Abend für Abend unzählige Male eingefordert, dass es gelesen wird. Mädchen haben die Prinzessin adoriert, Buben den Helden hoch zu Roß angehimmelt und als ersten Berufswunsch geäussert. Das ist der Ur- Stoff, aus dem die Märchen sind.

Der Klassiker unter den Prüfungen im Märchen: Einem Drachen den Kopf/die Köpfe abschlagen und die Prinzessin befreien. Damit endet oft das Märchen, nicht so die Legende des Georg. Prinzen und Prinzessinnen sind zentrale Märchenfiguren, wobei  die Prinzessin die beliebteste Identifikationsfigur von Mädchen ist. Die Königskinder treten auf als Held bzw. als Retter, oder auch als der »Preis«, den ein junger Mann oder ein junges Mädchen aus dem Volk nach Bestehen typischer Märchenprüfungen als Ehepartner gewinnt. Meist sind Märchenprinzen und -prinzessinnen von großer Schönheit, die mit Superlativen und poetischen Vergleichen (»schön wie der helle Tag«) gepriesen werden. Auch Kleidung und persönlicher Besitz werden als besonders edel beschrieben, wobei die Farben Gold und Weiß eine besondere Rolle spielen. Die Schönheit ist sowohl im Sinne von äusserlicher Attraktivität als auch von Tugendhaftigkeit und edlem Wesen zu verstehen.

Die Tafel in München zeigt die Prinzessin mit einem Schaf, einem Symbol der Unschuld, der Reinheit, des Glaubens und der Jungfräulichkeit und steht in gewaltigem Widerspruch zu dem Ungeheuer, das gerade gemordet wird. Das Ableben des Bösen ist gleichzeitig auch die Zuwendung zum Glauben. Ein Bild wilder, kraftvoller Bedeutung.

Die Fresken


Als "Kraftzenrum" des Gewölbes erblickt der Interessierte die Figur der Ecclesia (die "Herausgerufene"), die seit der Zeit des Neuen Testamentes für die Gemeinschaft der Christen steht, oder auch für die christliche Kirche.

Die Ecclesia in St. Georgen fällt durch besondere Eigenschaften auf. Was sehen wir?  

In einem Kreis mit Inschriften erblicken wir einen stehenden Vierpass mit dreiviertel Kreisbögen (ein viel verwendetes Ornament der Romanik und Gotik!). Um diesen herum gruppieren sich die Evangelisten. Die Hauptfigur, deren Gesicht leider nicht mehr erhalten ist, trägt eine Krone und einen roten Mantel, der an seinem Ende die Bedeutung dieser Malerei herausstreicht: Der Zackenstil eines Meisters, der unbekannt ist. Der sogenannte Zackenstil hat Ausdruck vor allem in der Behandlung der Gewänder gefunden, an diesem Beispiel  besonders gut ablesbar. Wir datieren um die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts, eine Übergangsform zwischen Romanik und Gotik, entstanden aus der Buchmalerei. Betrachten sie die sehr scharf gesetzten Falten und Säume, man könnte - wie geschehen - ihn auch als brüchig, kristallin bezeichnen. Weiters erkennen wir die Attribute der Figur: Eine Kreuzfahne, einen Kelch, den sie in der rechten Hand trägt und ein Rundbild (ein Tondo), auf dem das Lamm Gottes dargestellt ist. Der Kelch fängt das Blut, das von diesem als Symbol für Jesus vergossen wird, auf. Dieser Kontrast zwischen dem einordnenden Kreis, dem Vierpass und dem Zackenstil macht diese Ecclesia zu etwas Besonderem. Es entsteht eine Dynamik, die durch das "Heraustreten" der Ecclesia noch unterstützt wird. Dadurch fühlt man sich persönlich angesprochen und einbezogen in die Darstellung und wird Teil davon.

Auch bitte ich Sie die Darstellungen der Evangelisten zu beachten. Diese sind - wie nur selten dargestellt - halb Mensch, halb Tier. Großartig!



Im darauffolgendem Kreis um die Ecclesia sind die Apostel (sie werden durch Säulen und Türme getrennt) und an diese anschließend die Propheten und Könige angeordnet. Letztere sind einzeln von der himmlischen Stadt Jerusalem und deren imaginierter Architektur umgeben. Es handelt sich um zwölf alttestamentarische Figuren, die zahlenmäßig den zwölf biblischen Toren der himmlischen Stadt beigestellt werden. In den meisten Darstellungen werden sie in frontaler Ansicht wiedergegeben, selten aber auch, um Räumlichkeit und Tiefe zu erzeugen, in seitlicher Sicht. Daneben werden die Tore und Paläste, die Türme und die Rundbögen allesamt durch perspektivisch gemalte Architekturteile zusammengeführt. Sie werden beeindruckt sein, von der Abwechslung an Gebäuden, die sich in dieser bunten Stadt zu einem idealen Ganzen hin bewegt.

"Jedes vollkommene Geschenk kommt von oben"; Spruchband des Jakob des Älteren.

Auch hier möchte ich nur den einen oder anderen Apostel herausnehmen, Sie sollten sich aber die Mühe machen bei Ihrem Besuch, alle anzusehen! Ich möchte Johannes und Jakobus herausstreichen, die in ihrer Darstellung und im Ausdruck der malerischen und künstlerischen Ausformung des Zackenstils beeindrucken.

 

"Der Apostel Johannes vermittelt den Eindruck, als würde er gerade in diesem Moment aus der Arkadenrahmung heraustreten, da sich die Füße bereits über der optischen Schwelle der darunterliegenden Kreisbänder hinausbewegen."


Genau diesen permanent beeindruckenden Kontrast meine ich: Einerseits Statik im Gegensatz zu Dynamik, eckige zu runden Ausgestaltungsformen, Farbkontraste, das himmlische Jerusalem und seine unbewegte Architektur zu den lebhaften Darstellungen der Propheten und Apostel. Johannes trägt das Spruchband: "Jerusalem, die neue Braut des Lammes". Die Wurzeln liegen in der Offenbarung des Johannes (Offb 21,9 - 10, siehe dort). Auffällig ist natürlich auch das "jugendliche" Aussehen der Darstellung, daneben die warnende, abweisende Handhaltung. Oder ist es Gebetshaltung?

Ein ebenfalls eher aufwendig und meisterhaft gestaltetes Gewand zeigt die Figur von Jakob, dem Älteren. Gleich neben Johannes als einer der zwölf Apostel. Die artifiziell gelegte Faltung, deren Bauschung sicher nicht durch Wind hervorgerufen wird, imponiert durch seine nicht geometrische, jedoch spektakulär durchkomponierte Wildheit.  Es wirkt unheimlich aktiv. Daneben bemerkt man die fein ausgearbeitete, personifizierte Darstellung der Individuen. Jakob schaut dabei mit dem linken Auge hinauf in Richtung Ecclesia, mit dem rechten jedoch hinunter Richtung Betrachter!


Die beiden besprochenen Apostel Jakob und Johannes sehen Sie in diesem Ausschnitt rechts neben der Ecclesia.

Nachdem die Tafel, die dem Besucher am Tor zur Kirche präsentiert wird, den Zyklus mit Ravenna und Venedig qualitativ gleichsetzt, möchte ich kurz  auf die Berührungspunkte stilistischer Natur zu sprechen kommen.

Walter Buchowiecki schreibt dazu in: Gotik in Österreich (1961, by Forum Verlag Wien):

Geistig, zeitlich und räumlich liegt das Emailwerk des Nicolaus von Verdin nicht allzufern von dem sich allmählich in Mitteleuropa entwickelnden Zackenstil, dessen Kenntnis vornehmlich durch die Buchmalerie zu uns gebracht wurde und auf dessen Grundlage sich in unseren Landen der schrittweise Wandel zur reinen frühgotischen Malerei vollzog.

Ausführliche Literatur ist - wie schon oben erwähnt  - wieder dem Werk von Dagmar Drnek zu entnehmen. Unter dem Kapitel Stilfragen behandelt sie auch das Thema Venedig und die byzantinische Kunst. “Die festgestellten Gemeinsamkeiten lassen sich zum überwiegenden Teil lediglich in den in der Kunstsprache der maniera greca realisierten Werken  auf italienischem Boden nachweisen. Anknüpfungspunkte zwischen dem Großteil des äußerst umfangreichen und vielgestaltigen Bereiches der byzantinischen Kunst und den mitteleuropäischen Äußerungen des Zackenstils und speziell den St.Georgener Figuren scheinen hingegen dünn gesät.”

Der Schluss, der sich daraus für den kunstgeschichtlich interessierten Betrachter ergibt: Einflüsse aus südlichen Gefielden, byzantinisch geprägt und solchen aus nördlicher Buchmalerei vermischen sich zu einer Eigenständigkeit, die den Ausdruck der Singularität in dieser Form nur im Niederschlag in St. Georgen ob Judenburg findet.


Oben: Hier sind gleich zwei Szenen vom oberen Streifen der Südwand erkennbar: Georg auf dem ehernen Bett und Die Erweckung des Ochsen der Scholastiker.


Rechts: Der Prophet Amos:

Jugendlich, mit braun gelockten Haaren und lockigem Bart, blickt der Prophet mit großen dunklen Augen starr geradeaus …

Der Zyklus in St. Georgen - und damit unterscheidet er sich von anderen Zyklen vor allem in Westeuropa - umfasst das Auftreten des Heiligen, seine Bekehrung, seine Wundertaten, sein grausames Martyrium bis hin zur Enthauptung und die Himmelfahrt. Die Technik ist eine Kalk - Secco Malerei mit organischer Bindemittelzugabe. Die Darstellung gliedert sich in zwei Streifen, wovon der untere bedauerlicherweise über die Jahrhunderte starken Schaden litt. Darunter, auch stark beschädigt, ist nur noch ein Fragment des einstigen umlaufenden Vorhangmotivs erkennbar. In Summe betrachten wir achtzehn Szenen, wobei einige Darstellungen - wie erwähnt - nur ganz schlecht erkennbar sind.

Ich möchte - auch weil es in der malerischen Darstellung zu den spektakulärsten des Zyklus in St. Georgen ob Judenburg gehört - zwei Begebenheiten herausheben:


- Georg verteilt sein Vermögen unter den Armen und

- Georg erscheint vor den Königen.


Die ganze Szenerie ist durch den Maler nicht durch optische Mittel getrennt, wodurch eine Begebenheit mit der anderen optisch verbunden und nur durch den Zeitfaktor als Ablauf dargestellt ist. Bereits in der apokryphen Georgslegende findet diese Szene ihren Platz:


 Als er - ein Christ - sieht, wie Christus von den versammelten Königen und ihren Heeren geschmäht wird, verteilt er all sein Geld an die Armen und schmäht seinerseits die Götzen der Heiden.



Georg ist hier noch in Rüstung dargestellt - ein Zeichen von Macht. Er selbst greift in einen prall gefüllten Geldsack um es unter den alten Männern, einer Frau und Krüpeln, die sich auf kleinen Schemeln abstützen müssen, zu seinen Füßen zu verteilen. So frontal und unbewegt die Darstellung des Helden ist,  so bewegt - nicht nur aus Gefühlsgründen - stellt sich die Notwendigkeit und die Tat der Wohltätigkeit selbst dar. Georg ist mit einem Umhang bekleidet, mit einem kunstvoll in Falten gelegten Umhang, der vorne zusammengebunden ist. Bemerkenswert ist jedenfalls die detaillierte Darstellung des Gürtelknotens, die sich mannigfach wiederholt. Mit diesem Akt der Wohltätigkeit, der elemosyna,  sichert sich der Heilige gemäß des mittelalterlichen Menschenbildes nicht nur das ewige Leben, sondern er erfüllt zugleich eine der beiden Voraussetzungen für den adeligen Heilserwerb. Eine Darstellung, die im Osten oft vertreten ist, findet sich jedoch in der westlichen Welt erst im 15. Jahrhundert wieder, also eine der ganz seltenen Verteilungsszenen des Georg! Die Szene endet, jedoch leitet einer der Beistehenden durch einen Fingerzeig bereits zum Verhör weiter.

Aus dem Heiligenlexikon.de erfährt man weiters:

 

Er legte sein ritterliches Kleid ab, gab sein Gut den Armen und trat mitten unters Volk mit den Worten: Alle Heidengötter sind böse Geister, unser Herr aber hat Himmel und Erde erschaffen. Da ließ ihn der Richter Dacian greifen, mit Nägeln blutig reißen und ihm Salz in die Wunden reiben. Im Gefängnis wurde Georg von Christus getröstet und gestärkt. Ein Zauberer sollte ihn mit einem Giftbecher bezwingen, aber Georg machte das Kreuzzeichen über dem Trank und erlitt keinen Schaden, der Zauberer bekehrte sich und wurde enthauptet. Georg wurde aufs Rad geflochten, stieg aber unversehrt herab; auch aus einem Kessel mit siedendem Blei ging er unverletzt hervor. Georg war nun bereit zu tun, was der Richter begehrte. Dieser rief das Volk zusammen, Georg kniete und betete, Feuer fiel vom Himmel und verbrannte Tempel, Götzenbilder und Priester, die Erde aber tat sich auf und verschlang alle Trümmer. Da ließ der Richter Georg von Pferden durch die Stadt schleifen und schließlich enthaupten.

Zwei Ausschnitte des gleichen Martyriums: Das Radmartyrium. Rechts die Szene aus München, unten aus St. Georgen, oberer Streifen der Nordwand.

In einem Innenraum spielt sich die nächste Szene ab: Georg erscheint vor den Königen. Wie Dagmar Drnek so vortrefflich beschreibt, handelt es sich hierbei um eine isokephale Darstellung. Man versteht darunter die "Gleichkopfhöhe", die vor allem in der Romanik zum Einsatz kam. Es bedeutet nichts anderes, als dass die Köpfe vieler Dargestellter auf einer Ebene liegen. Auffallend ist an diesem Bild auch wieder die abweisende Handhaltung mehrerer Könige. In Abfolge der Geschichte erkennen sie wahrscheinlich die Wiederauferstehung Georgs nach der Folter am Rad. Eine bemerkenswerte und wunderbare Darstellung ist auch der Tisch. Geradezu kunstvoll in seiner Architektur, davor ein Diener.

Auf der St. Georgener, mit weißem Tischtuch bedeckten Tafel sind Schüsseln, Krüge, Messer und Speisen angerichtet. Sie sind zwar nicht eindeutig identifizierbar, können jedoch mithilfe von Bildvergleichen aus Beispielen der Buchmalerei als Brot, gebratene Hühner sowie als Fisch erkannt werden.

Die Szene rechts, die in St. Georgen nicht mehr vollständig erhalten ist, zeigt die Enthauptung des hl. Georg und damit seine Erlösung.

Die Informationstafel vor der Pfarrkirche gibt einen kleine Abriss, die Informationstafel vor der Pfarrkirche lehrt uns: Die romanischen Wandmalereien in der Pfarrkirche sind mit den Wandmalereien in Venedig und Ravenna vergleichbar.


Sie sollten sich - auch wenn Sie dann dieser Meinung nicht ganz Folge leisten können - auf jeden Fall dieses einmalige Werk, sowohl in der Ausgestaltung, als auch des Themas nicht entgehen lassen. Dieses Werk bedarf einer sehr langen und ausführlichen Betrachtung und Beschäftigung, ich konnte natürlich nur einen winzigen Einblick geben. Interessierte am Gesamtwerk werden in der Georgsgemeinschaft zu Praitenfurt reichlich Material finden. Eines sei aber nochmals herausgestrichen: Kein Eindruck ist so stark, als unter dem Zyklus stehend, die Gesamtheit und die Details auf sich wirken zu lassen.