Die Krippen des Herrn Franz Pollross

dMP: Am Adventmarkt in Neuberg hast Du deine Krippen ausgestellt. War es erfolgreich?

Franz Pollross: Eine Krippe kauft man nicht im Vorübergehen, eher einen Strohstern oder ein Weihnachtsbillet. Aber das macht nichts, ich mache das unheimlich gerne. Ich liebe halt das Holz.


dMP: Hast Du beruflich damit zu tun gehabt?

Franz Pollross: Ich bin gelernter Tischler. Bis zu meinem 21. Lebensjahr habe ich auch in einer Tischlerei gearbeitet. Dann bin ich zur Bahn gegangen und habe in Mürzzuschlag die Fahrdienstleiter Ausbildung gemacht.

   Aber in Neuberg war ich beruflich nie. In Wien war ich in der Verkehrsaufsicht, bis ich am Semmering Bahnhofsvorstand geworden bin.


dMP: Die Beschäftigung mit Holz ist offenbar nicht abgerissen.

Franz Pollross: Ich war ja auch acht Jahre lang Bürgermeister  in Neuberg. Währenddessen habe ich keine Zeit gehabt. Schlagartig habe ich aber mit Allem aufgehört - ausser mit dem Gesangsverein Maienzeit, wo ich seit 56 Jahren dabei bin - und habe die Beschäftigung im Krippenbau gefunden. Die ersten Krippen habe ich natürlich für die Familie gebaut, auch ein paar verschenkt.

   Bis die Leute gekommen sind und angefragt haben, ob ich nicht für sie eine machen kann. Aber die Liebe zum Holz war schon immer da.


dMP: Hast Du auch die Krippenfiguren einmal selbst gemacht?

Franz Pollross: Ich verwende zurzeit Figuren aus Polyresan (Anmerkung: Kunstharz mit Gesteinsmehl, das auch gefärbt werden kann). Original holzgeschnitzte Figuren sind sehr teuer. Weil ich aber immer angesprochen wurde, ob ich nicht auch Figuren schnitzen würde, habe ich damit begonnen. Jetzt schnitze ich unheimlich viel. Ich schnitze Krippenfiguren und auch andere, bedeutend größere.


dMP: Bemalt werden sie auch?

Franz Pollross: Nein, ich lasse sie natur. Die Polyresanfiguren sind schon fertig bemalt.

   Man muß ja auch schon so aufpassen, wenn man mit handgeschnitzten Figuren auf Ausstellungen geht. Am besten bleibt man daneben, weil die sind schnell weg. So eine Figur kann man schon mit 130€ bemessen. In der Größe.

Die Geschichte der figuralen Darstellung der Geburt Christi ist fast so alt wie das Christentum selbst. Bildliche Darstellungen finden sich schon im Frühchristentum ab dem 4. Jahrhundert in Rom. Dennoch ist der genaue Ursprung nicht festzulegen, da es eine lange Entwicklung hin zu der heutigen Form gegeben hat. Überliefert ist jedenfalls, dass der heilige Franz von Assisi zu Weihnachten eine Futterkrippe im Wald für Ochs und Esel errichtet hat - thematisch hat es sich bis heute gehalten.

   Natürlich spielen seit Anfang an die geschnitzten Holzaltäre der Kirchen hinein - die Anbetung der drei Könige wurde dadurch in die Hauskrippen ab dem 14./ 15. Jahrhundert übernommen. Vor allem der alpine Raum Österreichs war damals bereits führend im Krippenbau. Die Hochblüte erlebte die Krippe im Barock, als die Jesuiten diese stark verbreiteten und sie damit auch Einzug in bäuerliche Haushalte hielt. Krippen waren als Prunkstücke teilweise sogar als Ganzjahreskrippen mit einigen hundert Figuren ausgestattet.

   Wir wenden uns heute aber kleineren Modellen zu, handgefertigt von einem Neuberger: Herr Franz Pollross, gelernter Tischler, Altbürgermeister von Neuberg an der Mürz und begeisterter Krippenbauer.

dMP: Kommt das Holz aus der Gegend, oder brauchst Du ein spezielles - für die Figuren etwa?

Franz Pollross: Die Krippen werden aus verschiedenen Hölzern gefertigt - aus Fichte, auch aus Lindenhholz, weil sich das so gut bearbeiten lässt. Das schaut dann mit dem Schnitzmesser richtig alt aus. Die Hölzln finde ich natürlich im Wald, wenn ich spazieren gehe.


dMP: Wird das Holz für den Krippenbau behandelt? Eingelassen?

Franz Pollross: Der Werdegang ist folgender: Auf eine Grundplatte entsprechender Grösse setzt man das Gebäude, das Krippenhaus auf. Das wird verleimt und auch verschraubt. Dann folgt der Dachstuhl mit den Schindeln, von denen jedes einzelne handgefertigt ist. Diese sind aus Fichte, oder aus Zirbenholz - was man halt hat.

   Das Holz braucht nur fünf Zentimeter lang sein. Ich habe mir dazu etwas mit Eisenwinkeln und einem Messer gebaut, mit dem ich jedes einzelne Schindel herunter drücke. Dann werden sie aufgeleimt. Dementsprechend ist natürlich auch der Zeitaufwand. Bei einer großen Krippe komme ich auch auf 100 Stunden.


dMP: ... Und das Zirbenholz?

Franz Pollross: Das bekomme ich auch oft zum Geburtstag. Meine Freunde wissen das und schenken mir Zirbenpfosten. Das ist natürlich ein Traum, das zu Hause zu haben. Ich habe auch einen Kollegen aus der Untersteiermark, dessen Schwiegervater hat eine Linde umgeschnitten, ... Davon habe ich jetzt solche Pfosten - zeigt mit den Händen eine ansehnliche Dimension - und die müssen jetzt zwei bis drei Jahre lang liegen, bis sie trocken sind. Holz arbeitet ja, es ist wie ein Lebewesen.


dMP: Wenn das Holz arbeitet, ist das für deine Krippen ein Problem?

Franz Pollross: Nein, teilweise verschraube ich auch, die Schrauben sieht man aber natürlich nicht. Es wird auch geleimt, dass sich die Gebäude vor allem an den Eckpunkten nicht verwerfen können. Und was das Holz sonst tut, soll es auch tun. Auch auf einer Almhütte ist nicht alles gerade.

dMP: Ist die Krippe eigentlich vom Kopf her fertig, wenn Du beginnnst sie zu bauen, oder entwickelt sich das im Schaffensprozess?

Franz Pollross: Es gibt darüber auch unheimlich viele Bücher, die ich mir anschaue. Oder wenn ich wandern gehe und irgendwo einen schönen Stadl sehe, fotografiere ich ihn, zeichne ihn und erstelle einen Grundriss, und arbeite ihn vielleicht in einer meiner Krippen ein.

   Ganz wichtig sind die Proportionen. Wenn die Figuren beispielsweise zwölf Zentimeter hoch sind, muß die Türe dementsprechend höher sein. Das muß optisch zusammenpassen.


dMP: Beginnt der Aufbau mit den Figuren?

Franz Pollross: Da gibt es einen eigenen „Krippenmeter“ - das ist eine Maßtabelle, die anhand der Figurengröße, die Höhe der Türen, Gebäude etc. erstellt.


dMP: Auf der Tabelle steht dann z. Bsp. 15 Zentimeter Türhöhe. Ist das eine Verhältniszahl?

Franz Pollross: Genau, deswegen muss man im Vorhinein wissen, was in die Krippe hinein kommt.


dMP: Sind diese Verhältnisse je nach Typus der Krippe variierend? Ist eine alpenländische gleich aufgebaut wie eine provencalische?

Franz Pollross: Im Großen und Ganzen wird das gleich angelegt. Die provencalische war - zeigt eine riesige Grundfläche - so groß! Die hat mich fasziniert! Sie ist dann nach Deutschland gegangen. Beim Zaun waren die einzelnen Teile durchbohrt und aufgefädelt.

   Manche sagen mir auch: „Ich will da ein Tor haben und das muss zu sein.“ Am heiligen Abend wird das dann aufgemacht und das Jesuskindlein wird sichtbar.


dMP: Das klingt ja richtig inszeniert.

Franz Pollross: Ja. Natürlich gibt es auch die passende Beleuchtung für die Krippe dazu.

   Es bleibt halt ein Hobby. Ich sitze dann unten und draussen stürmt der Schnee, es ist eingeheizt, ich schaue beim Fenster hinaus und sehe die Schneealm ... Ich geniesse das so richtig ... Man wird ein anderer Mensch. Wenn man so etwas erleben darf, ist das richtig ein Glück.


dMP: In Deinen Krippen zeigt sich auch die starke Verbundenheit zur Gegend. Du hast ein „Schneealpenkrippe“ gebaut.

Franz Pollross: Auch eine Raxkrippe.


dMP: Kann man provencalische Krippen als „Trend“ bezeichnen? Gibt es auch Neues, modisches beim Krippenbau? Kann man auch Wurzelkrippen als klassisch bezeichnen?

Franz Pollross: ja. Wurzelkrippen, alpenländische  und ich mache auch die orientalischen Krippen. Davon habe ich ein paar gemacht, es war allerdings schnell keine Nachfrage mehr. Die Meisten sagen, dass Ihnen die orientalischen gefallen, aber wir sind hier im Alpenland.

   Auch die Wurzelkrippen sind nachgefragt. Wenn ich bei Weingärten schönes Wurzelholz sehe, frage ich ob ich den Rebstock haben kann. Es werden ja immer wieder die alten Stöcke ausgerissen.

   Unlängst habe ich so eine schöne g`macht. Man findet in den Rebstöcken - wenn man genau schaut - richtige Gesichter im Holz. Da muss ich dann mit dem Schnitzmesser nur ein bisschen d`rüberfahren.

dMP: Welche sind Deine Vorlieben - bei den Krippen?

Franz Pollross: Alles was man selber schafft ist schön. Wie ich angefangen habe, Krippen zu bauen, kann ich mich an eine Episode erinnern: Ich habe eine alpenländische Krippe mit drei Häusern gebaut. Die hat mir so gut gefallen und in diesem Jahr haben wir in einem Raum im Stift eine Ausstellung gemacht. Meine Frau hat die Krippe verkauft und ist voller Freude nach Hause gekommen. Ich war ganz bestürzt, weil ich mich von ihr noch nicht verabschiedet habe. Man hat halt seine Lieblingsstücke...


dMP: Danke vielmals für das Gespräch.


P.S.: Kontakt unter: Franz Pollross, Neuberg an der Mürz, www.krippenwelt.at

„Holz arbeitet ja, es ist wie ein Lebewesen.“

„Man wird ein anderer Mensch. Wenn man so etwas erleben darf, ist das richtig ein Glück.“

Geschnitzte Figuren mit jagdlichem Motiv.

Das Beispiel einer Wurzelkrippe mit Polyresanfiguren ...

... und handgeschnitzte Krippenfiguren. Die Detailliebe ist in der Dynamik der Figuren zu sehen - und am Zaun!

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