der muerzpanther
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Der neueste Trend des Umweltschutzes dauert drei Jahre, bis er zerfällt. Der   Mürzpanther   glaubt   nicht   der   Werbung,   und   er   glaubt   nicht   der   Industrie   und   schon   gar   nicht   den   Politikern.   Skepsis   ist immer   angebracht,   genau   so   wie   gute   Informationen.   Deshalb   haben   wir   uns   auf   Recherche   begeben   und   werden   auch   einen Langzeitversuch   starten,   obwohl   eine   eben   veröffentlichte   englische   Studie   zu   entsetzlichen   Ergebnissen   kommt.   Die Euphorie,   den   Plastikmüll   auch   in   Form   von   Mikroplastik   zu   vermindern,   wird   bald   verebbt   sein.   Aber   dann   wird   es   bereits nur    mehr    „biologisch    abbaubare“    Plastiksackerln    geben.    Davor    werden    alle    begeistert    die    Hände    schütteln    und    sich gratulieren.   Wir   gratulieren   bereits   jetzt   mit   einem   Versuch!   Er   beginnt   heute   am   Feiertag   des   1.   Mai   und   endet   in   sechs Monaten! Begleiten Sie uns bis zum Ergebnis am 1. November!
Wir   wollen   uns   aber   dem   Thema,   das   die   meisten   von   uns   fast   tagtäglich   und auch    die    Berichterstattung    betrifft,    widmen:    Den    Plastiksackerln.    Diese werden     seit     geraumer     Zeit     aus     Biokunststoffen     hergestellt.     Was     sind Biokunststoffe?   Sie   werden   einerseits   aus   Stärke   hergestellt   -   zum   Beispiel   aus Erdäpfel   oder   Holz   -   oder   durch   Fermentation   der   Stärke   aus   Milchsäure. Neben   dem   Nahrungsmittel   Erdäpfel   wird   Stärke   auch   aus   den   Nahrungsmitteln Zuckerrüben,   Weizen   oder   Mais   hergestellt.      Diese   "Rohstoffe"   dienen   vor   allem der   Herstellung   von   thermoplastischer   Stärke,   die   das   Ausgangsmaterial   für "biologisch abbaubare" Tragetaschen bildet.
"Biologisch   abbaubar"   ist   ein   Material,   das   von   Pilzen   und   Bakterien   abgebaut werden   kann.   Wie   lange   das   dauert,   hängt   von   gewissen   Umständen   und   der Zeit   ab.   Holz   beispielsweise   braucht   Jahre.      Zum   Unterschied   dazu   gibt   es   das "kompostierbare"    Sackerl.    Dabei    müssen    90%    des    Materials    in    6    Monaten abgebaut sein. Um   zu   erkennen,   welches   Produkt,   auf   welchem   Wege   abbaubar   ist,   gibt   es natürlich      Kennzeichnungen      und      Zertifikate.      Diese      sind      über      drei unterschiedlich      gekennzeichnete      Zertifizierungen      in      acht      Kategorien eingeteilt.   Ich   bin   sicher,   dass   neben   der   EU   auch   jedes   Mitgliedsland   eigene Kennzeichnungen     hat,     die     für     den     Konsumenten     zur     Übersichtlichkeit beitragen.  
Das   Hauptanwendungsgebiet   von   biologisch   abbaubaren      Kunststoffen   liegt   im Verpackungs-   und   Cateringbereich   als   Sackerln,   Folien,   Trinkbecher,   Besteck und    Teller.    Ein    großer    Bereich    ist    mittlerweile    auch    die    Textilindustrie geworden. Viele    Firmen    werben    bereits    und    auch    seit    längerem    -    aus    Gründen    des Umweltschutzes   und   der   Nachhaltigkeit   mit   rePet    Flaschen   beispielsweise.   Das sind    die    recycelten    Polyethylenterephthalat    Flaschen.    Die    Werbeidee    ist hervorragend,   werden   doch   die   Petflaschen   erst   seit   mindestens   15   Jahren   dem Kreislauf     wieder     zugeführt.     Aber     sind     flockige     Werbesprüche     jetzt umweltfreundlicher    als    früher?    Die    Substanz    PET    enthält:    Polyethylen,    das herkömmlich   aus   Monoetylenglykol   (das   ist   der   einfachste   zweiwertige Alkohol) hergestellt   wird   und   zu   70%   aus   Terephtalsäure.   Die   biobasierte   Werbung   zielt darauf    ab,    dass    die    Flasche    nicht    aus    fossilen    sondern    nachwachsenden Rohstoffen     hergestellt     wird.     Für     die     Produktion     aus     nachwachsendem Zuckerrohr für den Glykol des Sackerls beispielsweise werden benötigt: - große Anbauflächen und ein - hoher Wasserverbrauch.
Daneben   ist   die   so   entstandene   Flasche   ident   zur   fossilen,   sie   ist   biologisch nicht   abbaubar!   Die   Wiederverwertung   erfolgt   über   die   selben   Wege   wie   bei herkömmlichen     PET     Flaschen.     Das     bedeutet:     Biokunststoffe     auf     Basis nachwachsender   Rohstoffe   können   sowohl   biologisch   abbaubar   als   auch   nicht biologisch   abbaubar   sein.   Und:   Biokunststoffe   können   auch   auf   Basis   fossiler Rohstoffe    hergestellt    werden,    müssen    jedoch    biologisch    abbaubar    sein.      Biokunststoffe   haben   in   viele   Bereiche   des   täglichen   Lebens   bereits   Einzug gehalten   und   können   fossile   Kunststoffe   weitgehend   ersetzen,   erfährt   man   aus: Biokunststoffe   in   Österreich,   Bundesministerium   für   Land-   und   Forstwirtschaft, Umwelt    und    Wasserwirtschaft,    Jänner    2015.    Darin    weiters:    Biokunststoffe basierend   auf   Stärke   und   Zellulose   dominieren   derzeit   den   Markt.   Mittelfristig wird     jedoch     folgenden     Entwicklungen     großes     Potential     zugesprochen: Herstellung von langlebigen Produkten aus nicht abbaubaren Biokunststoffen.
Aus   Erdäpfeln   werden   in   Zukunft   entweder   Nahrung   oder   Sackerln hergestellt. Ein neuer Aspekt der Nachhaltigkeit!
Vorzugeben die Umwelt zu schützen und daneben Nahrungsmittel zu Treibstoff oder Plastiksackerln zu verarbeiten ist nicht glaubwürdig. Die Lösung ist einfach: Verzicht! Das will aber niemand! Foto:  Michael Weidner unsplash
Dazu   hat   es   neulich   eine   Veröffentlichung   einer   Studie   aus   England   gegeben, wobei    sich    klar    gezeigt    hat,    dass    Sackerln    aus    biologisch    abbaubarem Kunststoff   die   Natur   sehr   viel   länger   belastet   haben,   als   die   meisten   wohl annehmen   würden.      Imogen   Napper   und   Richard   Thompson   von   der   Universität Plymouth     wollten     über     einen     Feldversuch     herausfinden,     was     mit     den Materialien    in    verschiedenen    Umgebungen    geschieht.    Unter    der   Annahme:      "biologisch   abbaubare,   oxo-abbaubare   und   kompostierbare   Kunststoffe   werden häufig   als   mögliche   Lösung   gegen   die Ansammlung   von   Plastikmüll   und Abfällen angesehen",   schnitten   sie   die   Sackerln   in   15   x   25   mm   große   Stücke   und   hängten sie   im   Freien   auf,   vergruben   sie   im   Boden   und   versenkten   sie   im   Meerwasser.     Das   Ergebnis: Alle   Kunststoffstreifen,   auch   Polyethylen   waren   nach   18   Monaten im   Freien   komplett   zerfallen.   Das   selbe   Ergebnis   brachten   auch   die   Streifen   im Meer,   die   vergrabenen   Streifen   allerdings   waren   nach   27   Monaten   noch   immer vorhanden.
Ganz    anders    verhielt    es    sich,    wenn    die    Plastiksackerln    nicht    zu    Streifen zerschnitten   wurden:   Die   Studie   zeigt,   dass   sie   nach   drei   Jahren   immer   noch   so stabil   sein   können,   dass   sie   mit   mehr   als   zwei   Kilogramm   Inhalt   nicht   reißen, Sackerln   aus   biologisch   abbaubarem   und   gewöhnlichem   Plastik,   die   drei   Jahre lang    im    Meer    gewesen    waren,    hielten    hingegen    2,25    Kilogramm    Gewicht. "Diese   Untersuchung   wirft   eine   Reihe   von   Fragen   auf,   was   die   Öffentlichkeit erwarten   kann,   wenn   etwas   als   biologisch   abbaubar   bezeichnet   wird"   äußert sich zu dem Ergebnis Richard Thompson. Der   Mürzpanther   wird   auf   eigenem   Boden   der   Sache   auf   den   Grund   gehen, wofür wir fünf Kandidaten haben:  -   I`m   green,   >   85%   biobased,   „ich   bin   nicht   kompostierbar“   für   Hundekot,   …aus Rohstoff Zuckerrohr hergestellt. Aus Deutschland. - Shopper biodegradabile e compostabile, aus Italien - Dieses Sackerl ist kompostierbar, aus Österreich - Degradable Bags, aus Thailand - Saccehtto biodegradabile e compostabile, aus Italien und ein ganz normales Plastiksackerl aus Österreich! Wir werden berichten! In einem halben Jahr!
Die Probanden.