der muerzpanther
MENS SANA IN SILVA SANA! EIN GESUNDER GEIST IN EINEM GESUNDEN WALD! Es   ist   oft   merkwürdig,   dass   bei   österreichischen   Presseaussendungen   -   wie   jene   zum   „Tag des   Waldes“   -   die   Themen   oft   tausende   Kilometer   von   unserer   Haustüre   entfernt   liegen. Keinesfalls   sind   die   Probleme   in   anderen   Erdteilen   vernachlässigbar,   aber   trotzdem   finden auch   hier   Fichtensterben   oder   anderer   Unbill   statt.   Aber   offenbar   ist   mit   der   Rodung   des Regenwaldes die bessere Schlagzeile zu machen. Dabei   bietet   gerade   der   Frühling   die   schönsten   Waldansichten:   die   Schneerosen   blühen, über   den   Wipfeln   der   bereits   angrünenden   Laubbäume   kreist   krock-   end      Corvus   corax,   der Rabe,   der   Seidelbast   beginnt   Daphnetoxin   in   seiner   Rinde   und   Mezerein   in   den   Samen anzureichern. Wenn   sich   die   Nebel   heben,   beginnt   die   Balz   der   Vögel   im   Wald,   die   ersten   Jungen   der Säuger   werden   geworfen   und   die   Bäume   beginnen   zu   kommunizieren.   Hören   Sie   auf   das Geplaudere im Wald, seien Sie dazu aber ganz, ganz leise! Ob   wir   noch   lange   zuhören   können,   wollten   wir   aus   zwei   unterschiedlichen   Quellen   wissen: Von den österreichischen Bundesforsten, die 510. 000 ha Wald in Österreich bewirtschaften. Und   von   Sabine   Persch,   Wald-   und   Kräuterpadagogin   und   dipl.   FNL   Kräuterexpertin,   die naturgemäß   einen   andern Ansatz   mitbringt.   Zwei   spannende   Interviews   mit   überraschenden Ergebnissen!
Der    Lagerplatz    von    Stämmen,    nahe    dem Forstbetrieb   Neuberg   der   ÖBF.   Hinter   diesem Stapel verschwindet fast die Dorfkapelle. Foto: der MÜRZPANTHER
dMP:   Sind   die   Böden   durch   die   momentane   Bewirtschaftung   optimal für eine Neubepflanzung mit anderen Baumarten geeignet ? Der   Waldboden   spielt   bei   der   Bepflanzung   eine   große   Rolle   (Flysch, Kalk,     Silikat,     Granit)     ebenso     wie     der     gesamte     Waldstandort (Höhenlage,   Hangneigung, Ausrichtung,   Niederschlag   –   um   nur   ein   paar Aspekte   zu   nennen).   Grundsätzlich   werden   immer   nur   für   den   Standort geeignete   Bäume   gepflanzt,   d.h.   Baumarten   und   Standorte   werden gezielt   ausgesucht.   Auf   schlechteren,   kargen   Standorten   wird   bei   der Waldbewirtschaftung   zusätzlich   mehr   Biomasse   im   Wald   belassen,   um die   Böden   mit   Nährstoffen   zu   versorgen.   Für   die   Aufforstungen   jetzt im   Frühjahr   ist   ausreichend   Bodenfeuchte   entscheidend   (Regen   oder Schneeschmelze),   damit   die   jungen   Pflanzen   nicht   vertrocknen   und gut anwachsen können. dMP:   Wie   werden   die   10   Millionen   €   für   Waldpflege   verwendet?   Was kann man sich unter Waldpflege vorstellen? Der        größte        Teil        entfällt        auf        Käferprävention        und Borkenkäferbekämpfung    (Ausbringung    von    Käferfallen,    verstärktes Monitoring,    Fallenkontrolle    etc.).    Ein    weiterer    Teil    entfällt    auf Aufforstung   mit   Jungpflanzen;   weitere   Maßnahmen   dienen   dem   Schutz vor Wild- und Weidevieh, Jungwaldpflege und Erstdurchforstungen. dMP:    Gibt    es    einen    Schwerpunkt    für    die    Steiermark?    Regionen/ Baumarten? Der   Schwerpunkt   der   Aufforstungen   in   der   Steiermark   wird   heuer   im Großraum   Gusswerk   liegen,   weil   es   in   dieser   Region   in   den   letzten Jahren   zwei   große   Windwürfe   gab   –   im   Oktober   2017   hat   „Herwart“ die   Wälder   stark   in   Mitleidenschaft   gezogen,   und   im   Oktober   2018 nochmals   Sturmtief   „Vaja“.   Rund   ein   Drittel   aller   Pflanzen   wird   allein dort    gesetzt.    Gepflanzt    werden    verstärkt    Lärchen    (Großteil)    und Tannen,     aber     auch     Fichten,     Douglasien,     Eichen     und     einige Wildobstbäume für Streuwiesen. dMP:   Müssen   die   Jungbäume   vor   Wildverbiss   geschützt   werden   und wie?   Durch   „Ummantelung“?   Aus   welchem   Material   sind   diese   und was   passiert   mit   diesen,   wenn   der   Baum   groß   genug   geworden   ist, um keinen Schutz mehr zu brauchen? Jungbäume   können   mechanisch   durch   Wuchshüllen   geschützt   werden oder   sie   werden   „verstrichen“,   wie   es   in   der   Fachsprache   heißt,   also
mit    einem    Verbissschutzmittel    bestrichen    (mechanischer    Schutz). Wenn    der    Baum    aus    der    Äsungshöhe    herauswächst,    werden    die Wuchshüllen   wieder   entfernt.   Im   Regelfall   bestehen   die   Wuchshüllen aus    Kunststoff,    weswegen    die    Bundesforste    nun    erstmals    einen Feldversuch mit biologisch abbaubaren Wuchshüllen gestartet haben. dMP:    Wie    viele    von    den    1,2    Millionen    Jungbäumen    werden eingehen/ nicht groß werden? Die Pflanzausfälle sollten im Schnitt nicht > 10 % liegen. dMP:   Wenn   die   Samen   aus   lokalen   Standorten   kommen,   stammen die   Jungbäume   für   Tirol   aus   einer   anderen   Quelle,   als   jene   für   die Steiermark?     Wo     werden     die     Bäumchen     (vor     allem     für     die Steiermark) gezogen? Genau.   Das   Saatgut   wird   an   unterschiedlichen   Standorten   in   ganz Österreich     geerntet     –     in     unterschiedlichen     Höhenlagen     und Wuchsregionen       und       die       Jungpflanzen       entsprechend       ihrer Herkunftsgebiete    wieder    ausgebracht.    Das    Saatgut    wird    in    der Samenaufbereitungsanlage     der     Bundesforste     -     eine     sogenannte Klenge    -    in    Arndorf    bei    Krems    (NÖ)    aufbereitet    und    ist    bei entsprechender    Aufbewahrung    mehrere    Jahre    lagerfähig,    bevor daraus die Jungpflanzen gezogen werden. dMP:    Wird    sich    die    Bepflanzung    auch    auf    die    Ressource    von Brennholz   niederschlagen?   Baumärkte   beziehen   großteils   aus   dem Osten und Südosten Europas! Hier    ist    kein    unmittelbarer    Zusammenhang    gegeben    –    bei    der Waldbewirtschaftung       fällt       Brennholz,       z.B.       Hackgut       für Biomassekraftwerke,   quasi   als   Nebenprodukt   bei   der   Holzproduktion an    -    kleines    Astwerk,    Astteile,    Wipfelstücke,    die    aufgearbeitet werden.   Dieses   Brennholz   wird   es   immer   geben;   seine   Aufarbeitung hat    auch    einen    wichtigen    waldhygienischen    Aspekt,    weil    damit potentielles     (Käfer)Brutmaterial     aus     dem     Wald     entfernt     und thermisch   sinnvoll   verwertet   wird.   Wir   dürfen   nicht   vergessen,   dass die   Bäume,   die   wir   heute   setzen,   erst   in   100   Jahren   oder   mehr erntereif    sein    werden,    daher    wird    es    hier    keine    unmittelbare Auswirkung geben.
Zur Ausgangslage:   Wir   begehen   am   21.   März   den   „Tag   des   Waldes“. Aus diesem   Anlass   schaut   der   Mürzpanther   in   den   Wald   hinein   und   auf   die Presseaussendungen    der    ÖBF.    Die    Erkenntnis    davon    ist,    dass    die Widerstandskraft   des   Waldes   mit   der   Vielfalt   der   Baumarten   steigt. Der   Druck   auf   die   Wirtschaft   und   das   natürliche   Gefüge   ist   in   den letzten   Jahren   auch   wegen   der   anhaltend   hohen   Temperaturen   im Winter,   wie   auch   im   Sommer   gestiegen.   Dazu   meint   Rudolf   Freidhager, Vorstand   der   Österreichischen   Bundesforste   für   Forstwirtschaft   und Naturschutz:    Allein    heuer    werden    die    Bundesforste    rund    1,8 Millionen   Jungbäume   in   ganz   Österreich   pflanzen   und   das   so   vielfältig wie   möglich.   Insgesamt   setzen   wir   über   40   verschiedenen   Baumarten in    unseren    Wäldern.“     Der    Mürzpanther    ist    auch    hier    um    Details bemüht   und   hat   ein   Interview   mit   Mag.   Pia   Buchner,   Pressesprecherin der ÖBF geführt. dMP:   Kommt   die   Erkenntnis   der   ÖBF   nicht   etwas   spät   /   zu   einem Zeitpunkt,   an   dem   die   Schäden   richtig   in`s   Geld   gehen   /   einen   Wald vielfältig   zu   gestalten   und   Baumarten   in   ihrer   Zusammensetzung   zu streuen? Mag.   Pia   Buchner:      Die   Bundesforste   haben   schon   vor   Jahren   damit   be- gonnen,   die   Wälder   umzubauen. Aber   die   spürbaren   Folgen   des   Klima- wandels   zeigen   uns   jetzt,   dass   die   Zeit   nun   reifer   ist   denn   je   zuvor   für diese   Maßnahmen!   Der   Prozess   des   Waldumbaus   wird   noch   Jahre   und Jahrzehnte    dauern    –    ein    Baum    in    einem    Wirtschaftswald    hat    ein durchschnittliches   Erntealter   von   123   Jahren.   D.h.   wir   müssen   jetzt schon   vorausschauend   planen,   welche   Bäume   an   welchen   Standorten den     Klimabedingungen     in     100     Jahren     und     mehr     (2120/2150) gewachsen sein werden. dMP:   Ist   zu   erwarten,   dass   durch   die   unterschiedlichen   Baumarten auch   die   Vielfalt   an   Tieren/   v.a.   Insekten   erhöht   wird?   Arten-   und zahlenmäßig und damit auch die der Vögel? So    ist    es!    Ein    breiteres    Spektrum    an    Baumarten    zieht    auch    ein breiteres    Spektrum    an    Vögeln,    Insekten,    Säugetieren    bis    hin    zu Kleinstlebewesen   und   Mikroorganismen   nach   sich.   Mischwälder   sind nachweislich   gut   für   die   Biodiversität   und   erhöhen   die   Artenvielfalt   in den Wäldern.
dMP:    Warum    gerade    so    viele    Lärchen?    Steht    die    Dauer    des Wachstums   mit   der   Nutzbarkeit   in   gutem   Verhältnis   –   oder   stellt man    in    vierzig    Jahren    fest,    dass    der    hohe    Lärchenbestand ebenfalls    sehr    schädlingsanfällig    ist?    Welche    Schädlinge    gibt    es jetzt bereits für die Lärche? Die    Lärche    ist    definitiv    ein    Baum    der    Zukunft    und    für    unsere Breitengrade   grundsätzlich   ideal   geeignet.   Gegenüber   der   im   Moment am    häufigsten    verbreiteten    Baumart,    der    Fichte,    hat    sie    einen entscheidenden   Vorteil:   Sie   ist   ein   Tiefwurzler   und   verfügt   über   ein spezielles   Pfahlwurzelsystem,   das   sie   bei   Stürmen   weniger   anfällig macht   als   etwa   die   flachwurzelnde   Fichte.   Auch   gilt   das   Holz   der Lärche     als     gefragt,     robust     und     widerstandsfähig     in     Außenan- wendungen    wie    der    Fassadengestaltung.    Grundsätzlich    hat    jedoch jede   Baumart   „ihre“   Schädlinge,   auch   die   Lärche,   z.B.   gibt   es   eine Käferart,   der   großer   Lärchenborkenkäfer,   die   speziell   auf   Lärchen   und dort   vor   allem   auf   junge   Stämme   geht   (während   der   Buchdrucker   in die   dickeren   Stammteile   geht)   -   sie   kommt   derzeit   allerdings   eher selten   vor.   Die   Kunst   des   Waldbaus   besteht   darin,   die   Baumarten- zusammensetzung   so   zu   gestalten,   dass   Schädlinge   möglichst   wenig „Chance“   haben   (z.B.   in   einer   Mischkultur   statt   Monokultur)   und   wenn sie    dennoch    auftreten,    die   Ausbreitung    eingedämmt    werden    kann (etwa   weil   es   neben   einer   Baumart   noch   2-3   weitere   Baumarten   gibt, auf   die   die   Schädlinge   nicht   gehen,   dann   fällt   nicht   der   ganze   Wald aus). dMP:     Welche     finanziellen     und     wirtschaftlichen    Auswirkungen werden für die ÖBF in den nächsten Jahren zu erwarten sein? Zum   einen   schlägt   sich   der   Klimawandel   in   der   Bilanz   nieder   –   für 2019   werden   voraussichtlich   rund   14   Mio.   Euro   an   Klimawandelkosten zu    verbuchen    sein    (Anstieg    von    Schadholz,    der    Rückgang    des Holzpreises      und      die      Mehrkosten      für      die      Holzernte      und Käferprävention).    Andererseits    ist    der    Waldumbau        natürlich    mit Mehrkosten     verbunden,     ist     aber,     gerade     in     Anbetracht     der Klimawandelfolgen,    unumgänglich.    Je    früher    wir    umdenken,    umso besser.   In   den   nächsten   Jahren   planen   die   Bundesforste,   rund   100 Mio.   Euro   in   den   Umbau   der   Wälder   zu   investieren,   um   die   Wälder zukunftsfit zu machen.
Die   Streuobstwiesen   sind   auch   landschaftsge- staltend.   Es   wird   bereichernd   sein,   wenn   man sie wieder öfter sehen wird. Foto: der MÜRZPANTHER
Sabine   Persch   ist   Wald-   und   Kräuterpädagogin   und   diplomierte   FNL Kräuterexpertin   (Anm.:   das   ist   der   Verein   Freunde   naturgemäßer Lebensweise,   der   sich   -   laut   eigenen   Angaben   -   seit   über   30   Jahren für   den   Erhalt   der   wunderbaren   Natur-   &   Pflanzenwelt   sowie   der Weitergabe   von   Kräuterwissen   einsetzt).   Vor   allem   die   Vermittlung der Sinneserfahrung Wald an Kinder ist ihr ein großes Anliegen. Sie       bietet       Wildkräuterkochkurse,       Wildkräuterwanderungen, Waldbaden   und   Waldführungen   zu   jeder   Jahreszeit   an.   Sollten   Sie Interesse     haben,     können     Sie     sie     unter     0664/     4394811     oder waldbine.persch@gmx.at kontaktieren.  dMP:   Es   ist   bekannt,   dass   Bäume   miteinander   kommunizieren! Tust Du das auch und wie?   Sabine    Persch:    Ja.    Das    Kommunikationssystem    des    Waldes    ist      unglaublich   vielfältig.   Ich   persönlich   bedanke   mich   für   jede   Knospe, Rinde,   Blatt,   Maiwipferl   und   Harzperle   (Pech),   die   ich   von   Bäumen ernte.   Ich   umarme   auch   die   Bäume   und   spüre,   dass   jeder   Baum   eine besondere   Energie   hat.   Ich   spüre   es,   indem   ich   am   ganzen   Körper Gänsehaut bekomme, und dafür bin ich sehr dankbar. dMP:   Für   die   Meisten   ist   der   Wald   ein   Wirtschaftsfaktor   -   was   ist er für Dich? „Da    Wold    is    mei    Leb´n,    mei    zu    Haus    mei    daham...“    (Text    von Schicho    Fritz).    Für    mich    ist    der    Wald    Nahrung,    Erholung    und Gesundheit    (für    meinen    Körper    und    die    Seele),    einfach    ein wertvoller Schatz. dMP:   "Faszination"   Baum   -   welche   Bereiche   stehen   für   Dich   im Vordergrund? Die      Heilwirkung   jedes   Baumes   ist   so   wertvoll,   und   ich   möchte   bei meinen   Wildkräuterkochkursen   den   Menschen   nahe   bringen,   was   wir alles   verwenden   können   und   diese   5-10mal   so   viele   Vitamine   und Mineralstoffe beinhalten als Kulturpflanzen. dMP:   Gibt   es   so   etwas   wie   den   Lieblings   ...   im   Wald   für   Dich?   Und warum? Grundsätzlich   liebe   ich   alle   Bäume,   etwas   besonderes   ist   für   mich die    Weide.    Weil    sie    nach    dem    keltischen    Baumkalender    mein Lebensbaum   ist,   die   Tanne   weil   mich   ihr   Duft   wie   ein   Schutzmantel umhüllt,   und   die   Buche   weil   sie   eine   unglaublich   liebliche   Energie ausstrahlt.   Erwin   Thoma   (Anm.:   Ing.   Dr.   Erwin   Thoma   ist   Förster   und führt    eine    Holzbaufirma)    hat    sie    sogar    als    Baum    der    Engel bezeichnet. dMP:   Wie   wichtig   ist   es,   bereits   den   Kindern   den   Wald   vertraut   zu machen - und warum? Ich    habe    18    Jahre    als    Kindergartenpädagogin    gearbeitet    und erfahren,    welches    Wunder    der    Wald    mit    den    Kindern    vollbringt: Selbstständig   und   kreativ   und   ohne   Vorgaben   der   Erwachsenen   zu spielen,   sie   lernen   Vertrauen   zu   ihrem   Körper   zu   haben   und:   was schaffe   ich!   Wie   hoch   kann   ich   klettern…   Förderung   der   Augen   Handkoordination,    Schulung    aller    Sinne,    die    Freiheit    selbst    zu entscheiden   wann   sie   was   machen   können   …   und   noch   vieles   mehr! Am   besten   ist   es   so   früh   wie   möglich   mit   Kindern   in   den   Wald   zu gehen,   damit   sie   lernen,   ihn   mit   allen   Sinnen   zu   spüren,   zu   fühlen, selbst   zu   erleben   und   erfahren,   denn   nur   dann   werden   sie   in   Zukunft die Natur bzw. den Wald schätzen.                                                                                                                                                                                                                               dMP:   Ökogefüge   Wald   -   vom   Mikroorganismus   zum   Säugetier   -   ist das    noch    eine    Einheit?    Wie    stark    siehst    Du    die    Eingriffe/ Störungen?
... und wie siehst Du die Entwicklung in den nächsten Jahren?  Die   Menschen   haben   Jahrzehnte   lang   die   Natur   ignoriert   und   sich   so weit   entfernt,   dass   Kinder   nicht   mehr   wissen,   wo   die   Milch   her- kommt,    was    wir    essen    und    woher    es    kommt!    Die    momentane Situation,    die    wir    erfahren    ist    gut,    damit    wir    uns    besinnen    und überlegen:    was    brauchen    wir    wirklich    für    ein    glückliches    Leben? „Weniger   ist   mehr!“   Ich   bin   im   Vertrauen,   dass   sich   alle   Menschen   in der    Zukunft    ändern,    daraus    lernen    und    in    Wertschätzung    und Dankbarkeit miteinander leben. dMP:   Welche   Möglichkeiten   finden   sich   für   den   Einzelnen   -   mit dem Wald zu leben?   Der    Wald    bietet    uns    so    viele    wertvolle    Materialien:    Holz    zum Schnitzen,   Moos   und   Naturmaterial   zum   Werken   und   Dekorieren   zB. Traumfänger,    Mobile,    Krippen,    Vogelhäuser,    usw.    Er    bietet    uns Erholung    pur,    jeder    Mensch    hat    einen    „Biophillia    Effekt“,    das bedeutet   wenn   wir   den   Wald   betreten,   bindet   er   uns   in   sein   System ein.   Dadurch   produziert   unser   Körper   bei   einem   Spaziergang   von   der Dauer   einer   Stunde   bis   zu   70% Antizellen   gegen   Bakterien,   Viren   und andere   Krankheiten.   Das   nennt   man   in   Japan   „Waldbaden“!   Es   stellt sich   dir   Frage:   Wie   lebten   die   Menschen   früher?   -   Im   Einklang   mit   der Natur   bzw.   dem   Wald!   Auch   sollten   wir   uns   wieder   öfter   fragen: Brauche    ich    jedes    Jahr    einen    Urlaub?    Radio    oder    sogar    Alexa? Fernsehen?      „Weniger   ist   mehr   !“   Was   kann   ich   alles   selbst   machen, um    die    Natur    zu    schützen?    Ich    habe    letztes    Jahr    mit    einer Schulklasse   (von   15   jährigen   Jugendlichen)   zweieinhalb Tage   im   Wald verbracht   (auch   übernachtet)   und   wir   haben   mit   den   Schätzen   des Waldes   sehr   gut   gelebt.   Holz   hacken,   Wasser   von   einer   Quelle   holen, Kochen   am   Feuer,   Zubereitung   von   Suppe   ,   Tee   und   Aufstrich   mit Wildkräutern,   sogar   Holzschalen   haben   wir   geschnitzt   ...   und   noch vieles    mehr!    Die    Schüler    und    Schülerinnen    haben    sich    für    die schönen   Tage   herzlichst   bedankt,   das   war   für   mich   im   Einklang   mit dem Wald bzw. der Natur zu leben!!! dMP:   Ist   es   in   Deinen   Augen   sinvoll   oder   sogar   notwendig,   den "Tag des Waldes" zu be- gehen? Ich   glaube   dass   es   besser   wäre,   jeden   Tag   den   „Tag   des   Waldes“   zu machen,   damit   wir   ihm   Dankbarkeit   und   Wertschätzung   zeigen.   Denn wir   bekommen   so   viel   vom   Wald   und   das   ist   für   uns   selbstverständ- lich geworden. dMP:   Gerade   ist   es   leider   sehr   aktuell:   Der   Wald   als   Apotheke? Heilkräuter   der   Saison?   Antiviral,   antibiotisch?   Heil   für   die   Seele: Gesellschaft   und   Burn-   out?   "Ein   gesunder   Geist   steckt   in   einem gesunden Wald?" Gerade   jetzt   sind   mir   persönlich   die   Kräuter   eine   Hilfe,   damit   ich mein    Immunsystem    stärken    kann.    „Gegen    jede    Krankheit    ist    ein Kraut   gewachsen“   (Anm.:   Zitat   von   Pfarrer   Sebastian   Kneipp)   Jeden Monat    biete    ich    dafür        Wildkräuterkochkurse    an,    wir    sammeln gemeinsam     und     kochen     danach     ein     5-gängiges     Kräutermenü. Antiviral   und   antibiotisch   wirken   alle   Kräuter,   die   scharf   sind:   Senf, Kren, Kapuzinerkresse, Knoblauchrauke, ... dMP: Was kann noch aus dem Wald gewonnen werden?   +   Waschen   mit   Rosskastanien   ,   ist   umweltschonend   und   tut   den Venen gut. +    Tannennadeln    sammeln,    trocknen,    mahlen    und    als    Würze    ver- wenden. Das ist knochenstärkend. +   Die   Eichenzahnbürste:   einen   kleinen Ast   kauen,   bis   er   franzig   wird und damit die Zähne putzen- das kräftigt auch das Zahnfleisch! dMP: Danke für das Gespräch!
Nebel       im       Wald. Foto: der MÜRZPANTHER
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