Peter Feldhofer`s skurrile Welt der Grafiken. Das Talent eines Werkzeugschmieds.

                                                           Im Interview.

Wir treffen uns an einem verregneten Tag, wie ausgemacht, zwischen 14 Uhr und 14 Uhr 30 um 14 Uhr 15 zwischen Mürzzuschlag und Neuberg in der Jausen -und Röststation Jahrmann in Kapellen. „Ich habe mir gedacht, weil es genau in der Mitte liegt.“ Hervorragend. Ich habe nicht genau gewusst, wer und was auf mich zukommen wird, da ich nur die Bilder des Herrn Feldhofer in der Ausstellung des Stadtsaales in Mürzzuschlag gesehen habe. Sie haben sehr gefallen. Sie sind in dieser Ausstellung herausgestochen und sind aufgefallen. Auch lag eine Mappe mit den Biografien der Künstler auf, aus der zu entnehmen war: Erlernter Beruf: Werkzeugschmied.

   Allzuvoll ist die Jausenstation noch nicht, Herrn Feldhofer zu erkennen fällt mir nicht schwer: Es sind die erwartungsfreudigen Augen, das Interesse am Geschehen, die Beobachtung eines Menschen, der sich mit Grafiken beschäftigt. Die Freude ist auf meiner Seite.


dMP: Ihre Blätter in Mürzzuschlag sind technisch und künstlerisch hervorgestochen. Ich habe mir dann die Mappe in Mürz angesehen, ansonsten ist es im Internet nicht so leicht, etwas über Sie zu finden.

   Peter Feldhofer: Wenn man mich googelt, findet man mich schon. Auch bin ich nicht Künstler, sondern Werkzeugschmied. Das habe ich bis zur Pension ausgeübt. Ich bin aus der Metallbranche. Das Zeichnen und die Malerei sind nur mein Hobby.


dMP: Das verfolgen Sie aber auch schon länger?

   Peter Feldhofer: Ungefähr seit den achtziger-Jahren.


dMP: Sie haben auch schon sehr viele Ausstellungen gemacht.

   Peter Feldhofer: Ja, auch in Neuberg in der Sparkasse.


DMP: Sie haben ja auch zahlreiche Bücher gestaltet.

   Peter Feldhofer: Das erste Buch war mit einem Arbeitskollegen. Beim zweiten habe ich leichte Schwierigkeiten gehabt, als nämlich in den neunziger Jahren der PC aufgekommen ist. Ich habe keine Ahnung davon gehabt. Und das ist ein reines Fachbuch über PCs. Ein Vorarlberger Wissenschafter hat darüber ein Buch geschrieben und damit das Buch nicht so trocken ist, hat er mich als Zeichner wollen. Damit die Leute nicht einschlafen. Und das hat hingehaut. Ich habe Artikel für Artikel gelesen - und zum Teil verstanden - obwohl ich keinen PC gehabt habe.


dMP: War das der Durchbruch für die Buchillustrationen?

   Peter Feldhofer: Ja, wenn man es so nennen will. Dann kam das Peter Rosegger Zitate Buch, das es noch überall zu kaufen gibt! Danach habe ich mit Hr. Heim zwei Bücher illustriert. Das letzte Buch habe ich über den Zdarsky und über die Anfänge des Skilaufes gemacht. Ich habe ungefähr fünfzig Zeichnungen nur über Skisport!

dMP: Verbindet Sie auch etwas mit dem Skisport?

   Peter Feldhofer: Ich bin alpin Ski gefahren und Langgelaufen. Bin ein Eisstockschütze gewesen.


DMP: Wie stehen Sie zu den neuen Medien, Internet und dgl.? Nutzen sie es - auch als Verbreitungsmöglichkeit?

   Peter Feldhofer: Ich habe alle meine Grafiken und Zeichnungen auf A4. Das kann man schön scannen und bearbeiten. Ich habe z.Bsp. ein fertiges Buch über Golf - neunzig Zeichnungen ohne Worte. Ich habe noch nie einen Golfschläger in der Hand gehabt. - Lacht.


dMP: Man muss ja nicht immer alles selber machen, um einen Eindruck - eine Sichtweise auf etwas zu haben! Stürzen Sie sich gerne in Sachen, die Sie nicht kennen?

   Peter Feldhofer: Ja - lacht - aber es geht immer gut aus!


dMP: Sie haben auch für Zeitungen gearbeitet!

   Peter Feldhofer: Ja. In Mürz hat Hr. Lenardin für den „Obersteirer“ die Lokalberichte geschrieben. Er hat mich ersucht, dazu Zeichnungen zu machen. Wir waren dann ein Team. Auch in Wien hat es eine Zeitung gegeben, „Täglich Alles“, die hat jede Woche eine Zeichnung von mir gebracht.


Wir betrachten die Mappe mit den Arbeiten: vom Berg, über Motorradfahrer zu den Exponaten aus Mürz.


    Peter Feldhofer: Das ist meine letzte Arbeit, die ich heuer gemacht habe. Davon habe ich zehn in der Richtung. Das sind die Halbleiter. Heute geht nichts mehr ohne Halbleiter. Kein Smartphone, kein PC. Nichts mehr. Das ist eigentlich nichts als eine Steuerung mit Widerständen.

dMP: Sie haben das Halbleiterthema in die verschiedensten Tiermotive eingebracht.

   Peter Feldhofer: Ja, z. Bsp. im Spinnennetz, das ich nicht in Mürz gezeigt habe. Mit den Spinnen, deren Netz aus Halbleitern besteht. Oder eine Kerze, die brennt, deren Strahlen Halbleiter sind. Solche Zeichnungen, ich möchte nicht Kunst sagen, aber Halbleiterkunst - habe ich sonst noch nicht gefunden! Im Internet. Ich glaube, da bin ich alleinig. Das ist eine Rarität, mit der sich noch niemand befasst. Vielleicht, weil es zuviel Arbeit ist.


dMP: Woher kommt die Idee zu den Halbleitern - in Zeitungsartikeln steht etwas von „skurril“.

   Peter Feldhofer: Man kann es skurril nennen.


dMP: Sehen Sie sich selbst als Künstler?

   Peter Feldhofer: Es ist Halbleiterkunst!  Lacht.  Bis jetzt habe ich zehn bis zwölf in dieser Richtung gemacht.

dMP: Sie sind Autodidakt?

   Peter Feldhofer: Ich habe einige Seminare besucht.


dMP: Wie kam das Interesse an der Grafik?

   Peter Feldhofer: Da möchte ich etwas weiter zurückgreifen. In der Schule war ich kein Geistesblitz, nur in zeichnen war ich der Beste. Ich habe anderen Schüler, die über mir waren, zeichnen beigebracht - und Aufsatzschreiben. In der Schule war ich in Kathrein. Und so hat es sich mit der Lehre, mit der Familie und dem Beruf ergeben. Das ist nebenbei auch eine Platzfrage. In den Achtzigern haben wir eine größere Wohnung bekommen, die Kinder waren draussen, darauf hat sich das entfaltet.


dMP: Lohnt es sich?

   Peter Feldhofer: Nein. Lohnen tut es sich nicht, es bringt nichts. Es freut, wenn sich jemand dafür interessiert, vielleicht verkauft man eines pro Jahr - oder alle zwei Jahre. Ich habe soviele Vernissagen gehabt, reich wirst net. Wirklich nicht.


dMP: Mürzzuschlag stellt unter dem Titel „Stadt der Maler“ Künstler vor. Sehen Sie das als Förderung in der richtigen Richtung?

   Peter Feldhofer: Der Herr Scharfegger ist auf die Idee gekommen und hat die Organisation übernommen. Er ist der „bunte Vogel“ in Mürzzuschlag, er hat oft gute Ideen. Er hat auch das in`s Leben gerufen. Beim ersten Mal - vor sechs Jahren - waren über dreissig Aussteller, letztens waren es achtundzwanzig und heuer waren es achtzehn. (Anmerkung: die Ausstellung findet alle zwei Jahre statt!) Es werden immer weniger. Es liegt auch daran, dass sie glauben, man hängt ein Bild auf und das wird am nächsten Tag schon verkauft. Das sind oft falsche Vorstellungen, die die Maler haben. Das ist meine Vermutung, aber ich glaube, ich liege richtig.


dMP: Es ist halt sehr schwer durch den Verkauf von Bildern leben zu können. Ich kann mich nur zu gut erinnern, dass ich die ersten Male auch andere Erwartungen bezüglich Verkauf bei meinen Ausstellungen hatte. (Anmerkung: gemeint sind die Fotoausstellungen am Bahnhof in Neuberg). Abgeschreckt hat mich das aber nicht; ganz im Gegenteil. Es macht mehr Spass denn je.

   Peter Feldhofer: Man lernt viele Leute kennen. Man kann Kontakte knüpfen.

dMP: Steht in Ihrem Schaffen manchmal auch der Mensch im Mittelpunkt?

   Peter Feldhofer: Ich habe das Buch „Skurrile Sportbilder“ herausgebracht. Da habe ich Menschen in Ausübung einer Sportart dargestellt. Vom Walken bis zum Fußball.


dMP: Für Ihr Golfbuch suchen Sie noch einen Verleger?

   Peter Feldhofer: Wenn ich einen guten Verlag hätte ... Das Buch ist fix fertig.

Es passiert, dass ein Verlag fragt, ob man bei einer der großen deutschen Buchmesse teilnehmen möchte, das kostet dann 100 €. Das habe ich gezahlt. Im nächsten Jahr wieder. Und dann bin ich draufgekommen, dass die nie in Deutschland waren. Das war das Ende, ich habe noch ein paar zu Hause (Anmerkung: von „Skurrile Sportbilder!), gebe aber keines mehr her.  


dMP: Fühlen Sie sich hier wohl? In der Gegend?

   Peter Feldhofer: Sicher! Ich bin seit sechzig Jahren da! Mürzzuschlag ist ein schöner Ort. Auch Neuberg ist schön.


dMP: Gibt es etwas, was Sie den jungen Leuten, Künstlern mitgeben,raten könnten?

    Peter Feldhofer: Sie sollen das machen, was ihnen liegt. Wofür sie ein Gespür haben und nicht mit Zwang. Nur weil einer malt, muss ich das auch machen - das ist falsch. Was man gerne macht, gelingt auch. Auch wenn etwas schiefgeht, sollte man sich nicht entmutigen lassen. Da hat man einmal Pech gehabt, das Wetter ist auch nicht immer schön.


Der Mürzpanther: Herzlichen Dank für das Interview.

 „ Es ist Halbleiterkunst! Das ist eine Rarität, mit der sich noch niemand befasst. Vielleicht, weil es zuviel Arbeit ist.“

„Das sind oft falsche Vorstellungen, die die Maler haben. Das ist meine Vermutung, aber ich glaube, ich liege richtig.“

Zur Person


Peter Feldhofer wurde 1935 in Sankt Kathrain am Hauenstein geboren und erlernte den Beruf des Werkzeugschmieds.


   Er besuchte Seminare bei den Professoren Rupert Reisinger und HR Dr. Gustav Seiss in Mürzzuschlag und Lienz.

   Als freier Mitarbeiter - siehe auch das Interview - war er bei „Täglich Alles“ und „Neue Zeit“ tätig. Insgesamt hatte er über 70 Ausstellungen in Österreich, Tschechien und Lettland.

   Daneben beschäftigte er sich mit dem Entwerfen von Firmenlogos und Sonderpoststempeln und schuf Illustrationen zur Südbahn in Mürz und zu Weinsprüchen - nebenstehend.


   Seine Buchillustrationen umfassen neben dem eigenen Bildband „Skurrile Sportbilder“ aus dem Jahre 2007, Titel wie: „Das Peter Rosegger Zitatenbuch“ 2003, „HEIMsuchung“ 2009, oder „Mathias Zdarsky - der Mann, der die Skiwelt teilte“ 2015.


Bei Interesse an den Arbeiten: peterfeldhofer@gmx.at