der muerzpanther
Das Kunstprojekt For Forest unter dem Aspekt der Vernunft. Vernunft um 2 Millionen Schweizer Franken. Dieses    ebenso    fiktional    wirkende,    wie    faszinierende    Bild,    ermöglicht    eine    völlig    neue Perspektive   auf   den   Wald   an   sich   und   soll   somit   bei   den   Besuchern   ganz   unterschiedliche Wahrnehmungen und Reaktionen auslösen. Wird es das? Ausgangspunkt   für   diese   fragwürdige   Großinstallation   ist   eine   Bleistiftzeichnung   mit   dem Titel   «Die   ungebrochene   Anziehungskraft   der   Natur»   von   Max   Peintner,   die   im   Jahre   1971 geschaffen wurde. Der   Künstler   selbst   meint   in   einem   Interview   (Basler   Zeitung   vom   31.   März   2017)   dazu:   " Wenn ich   das   von   heute   anschaue,   war   das   eine   Mischung   aus   Kritik   und   Faszination   gegenüber einer zunehmend technischer werdenden Welt. " Sind   Sie   ein   politischer   Künstler?      "J a,   eigentlich   schon.   Ich   habe   wie   so   viele   Österreicher   in den   letzten   Jahren   einen   Rechts-   und   Anti-EU   Schwenk   gemacht.   Sie   haben   leicht   reden, denn   Sie   sind   Schweizer   und   nicht   in   der   EU.   Ich   würde   am   liebsten   raus   aus   der   EU.   Meiner Meinung   nach   ist   Populismus   Teil   der   Demokratie,   oder   wir   haben   eine   Einheitsregierung, wie der Erdogan sie anstrebt. "
Max Peitner: Die   ungebrochene   der    Natur;    Aus- gangspunkt       für die       Installation des          Schweizer Künstler        Klaus Littmann
Viel   bleibt   nach   ein   paar   Überlegungen   nicht   übrig,   ausser:   Der   Zugang,   der dazu    führt,    sich    über    die    Umwelt    und    alles,    was    damit    zusammenhängt Gedanken   zu   machen,   wird   "begründet".   Das   Projekt   als   Naturevent   muss   bei der    Öffentlichkeit    ankommen,    der    Werbewert    wird    taxiert,    es    werden    für Gruppen   Reisepakete   geschnürt,   es   gibt   Medienberichte   über   „For   Forest“   in den    USA,    in    China    oder    auch    Australien    und    Hongkong.    Der    Erfolg    wird wahrscheinlich   über   die   Besucherzahlen,   die   teils   auch   die   halbe   Erde   umreisen müssen,   um   sich   dieses   Kunstprojekt   anschauen   zu   können,   bemessen.   Wenn schon   über   den   ökologischen   Fußabdruck   bei   jedem   Thema   lamentiert   wird, sollte   man   gerade   solche   Projekte   deren   eigentlicher   und   zentraler   Inhalt   die Umwelt   ist,   hinterfragen   dürfen.   Ob   es   sinnvoll   ist,   ein   Stadion   mit   Bäumen   zu füllen,    die    unter    riesigem    Aufwand    dem    Wald    entnommen    oder    kultiviert werden     und     einen     gewissen     Zeitraum     als     Kunst     dienen     dürfen,     sei dahingestellt.    Allerdings    wird    sich    natürlich    niemand    die    Mühe    machen, nachzuforschen,   ob   diese   Bäume   -   zurückgebracht   an   den   ursprünglichen   Ort oder in den Wald - auch weiter gedeihen werden. "I ch   glaube,   es   ist   ein   ganz   entscheidendes   Thema,   was   eigentlich   die   Funktion des   Mischwaldes   ist,   der   wieder   viel   mehr   kultiviert   werden   müßte.   Wir   leiden -   glaube   ich   -   schon   auch   darunter,   dass   wir   mehr   Monokultur   haben.   Es   ist geklärt,   dass   der   Mischwald   die   Idealform   ist   und   dass   man   sich   überlegt,   wie in   Zukunft   der   Waldbestand   aussehen   muss."       Der   Künstler   und   Kunstvermittler Klaus    Littmann    wird    im    Herbst    einen    Mischwald    mit    284    Bäumen    im Wörthersee- Stadion in Klagenfurt pflanzen.
Seit   Jahrzehnten   werden   die   Monokulturen   forciert   und   erst   seit   kurzem   gibt   es die   bahnbrechende   Erkenntnis,   dass   das   nicht   die   beste   aller   Waldformen   ist. Das    ist    lachhaft,    denn    niemand    kann    ernsthaft    vertreten,    dass    unter    dem biologisch-   ökologischen Aspekt   die   Form   der   Monokultur   Vorteile   gebracht   hat; Wahrscheinlich     hat     auch     darauf     Jahrzehnte     niemand     hingewiesen!     Der Verdienst der Holzwirtschaft. Der Holzwirtschaft der Verdienst! Zur   Zeit   kann   man   mit   dem   Argument,   Mischwälder   wieder   aufzuforsten   mit Kunstprojekten   Geld   lukrieren,   die   sicher   auch   ein   paar   von   den   verpflanzten Bäumen    das    Leben    kosten    wird.    Sie    sollten    sich    die    Eröffnung    ansehen, Politiker      werden      Hände      schütteln,      Argumente      werden      abgewogen, Lobeshymnen    angestimmt    und    Kunstdiskussionen    geführt,    anstatt    den    Wald Wald    sein    zu    lassen    und    die    Bäume    nicht    zu    entwurzeln.    Das    ist    der größtmögliche   Gegenpol,   der   unter   dem   Mäntelchen   Kultur   gefunden   wurde: Zerstören und die Zerstörung damit anprangern. Die   Zuschauer   können   dann   von   den   Rängen   aus   das   Baumspektakel   Tag   und Nacht   (von   10:00   bis   22:00)   bei   freiem   Eintritt   bestaunen.   Das   so   erzeugte   Bild wird    eine    starke    surreale   Ausdruckskraft    haben     -    dieses    Versprechen    wird sicher   nicht   enttäuscht   werden!   Wald   als   surreales   Kunstprojekt   -   es   wird   dazu, wenn man es so benennt!
Links: Klaus Littman bei der Entwicklung des Projektes;  Foto: Emmanuel Fradin. Rechts: Das Ergebnis; Fotocredit: For Forest
Viel   bleibt   nach   ein   paar   Überlegungen   nicht   übrig,   außer:   60   internationale Journalisten   werden   in   Klagenfurt   von   der   Eröffnung   von   „For   Forest“   am   8. September   berichten.   Das   "riesige"   Medieninteresse   zeugt   mehr   von   einer   fast größenwahnsinnigen    (Basler    Zeitung,    2017)    Selbstdarstellung    als    von    Sinn, einen    schönen    Waldboden    in    nicht    einmal    zwei    Monaten    (September    und Oktober   2019)   entstehen   zu   lassen.   Dazu   wird   der   Wald   nicht   lang   genug   stehen und   die   Frage   stellt   sich:   Warum   geht   man   nicht   einfach   in   den   Wald,   um   sich Wald anzusehen? Die   Bäume   für   die   Installation   werden   von   dem   Landschaftsarchitekten   Enzo Enea,     nach     dem     Vorbild     des     Kärntner     Mischwaldes     gestaltet     -     unter Berücksichtigung    von    dessen    Farben    und    Texturen.    Dominiert    wird    die Inszenierung   von   im   Herbst   leuchtenden   Hain-   und   Rotbuchen,   daneben   finden sich    Birken,    Feld-    und    Spitzahorne.    Dabei    werden    alle    Bäume    einzeln ausgesucht   und   verpflanzt.   Für   Verena   Winiwarter,   Forscherin   vom   Institut   für Soziale   Ökologie   der   Universität   für   Bodenkultur   Wien   bringt   "d ie   Installation das    derzeitige,    instrumentell-kontrollierende    Verhältnis    der    Menschen    zur Natur auf den Punkt ", behaupte von sich selbst aber das Gegenteil. Dazu    meint    sie    auch:    " Ein    Landschaftsarchitekt    nimmt    Besitz    von    diesem Stadion    und    benützt    dazu    Bäume,    die    er    nach    ihm    genehmen    Kriterien auswählt,   wodurch   ein   Park   oder   Garten   entsteht ",   der   nur   für   begrenzte   Zeit so   wirken   soll   als   hätte   sich   die   Natur   der   Fläche   bemächtigt.   Es   stellt   sich   so dar,    dass    Wald    unter    bestimmten    -    für    ein    Kunstprojekt    geeigneten    -      Bedingungen   die   Natur   widerspiegeln   soll.   Genau   das   wird   nicht   der   Fall   sein und      beraubt      damit      das      Projekt      seiner      Sinnhaftigkeit      und      seiner Anschauungskraft.
Zu   glauben,   dass   man   Wildtiere   im   Zoo   beurteilen   und   daraus   die   natürliche Verhaltensweise   ableiten   kann   ist   Unsinn   und   genau   so   verhält   es   sich   auch   mit der   Vegetation.   Die   Vielfalt   und   der   Reichtum   der   natürlichen   Flora   kann   durch kulturelle Vorgaben niemals umgesetzt werden. Dieses   nicht   zu   können   führt   das   ganze   Projekt   natürlich   in   die   Absurdität. Deswegen    wird    es    in    Klagenfurt    Kunst    genannt.    Auch    stelle    sich    beim Klagenfurter   Projekt   die   Frage,   ob   dem   Mischwald   als   gesamtes   Ökosystem Rechnung   getragen   wird,   das   in   seiner   natürlichen   Form   auch   Bodenorganismen oder   Eichhörnchen,   Vögel   und   Wild   umfasst.   Ob   der   von   den   Initiatoren   etwa als   "monumentale   Installation"   bezeichnete   Aufbau   wie   behauptet   " den   Blick auf    die    Zukunft    der    Mensch-Natur    Beziehung    schärfen "    könne,    ist    für Winiwarter   überdies   fraglich   -   auch   weil   die   Realisierung   " nur   durch   massiven Einsatz   von   fossiler   Energie   und   Technologie   möglich   ist ".   Wenn   "For   Forest" nun   mit   speziell   auf   die   Verpflanzung   hingezüchteten   Bäumen   aus   mitunter weit   entfernten   Baumschulen   -   aus   Italien,   Belgien   und   Norddeutschland   - arbeite,   habe   das   mit   einer   Hinführung   zur   Natur   wenig   zu   tun,   auch   wenn   die Bäume   nachher   in   einem   Park   angepflanzt   werden.   "Baumschulbäume   auf   einer Platte sind kein Wald", so Winiwarter. Was   bleiben   wird:   Staunende   Besucher,   die   einen   Wald   sehen.   Beobachtende Besucher,   die   keine   Eichhörnchen   sehen   werden.   Forschende   Besucher,   die keinen      Vogelsang      vernehmen      werden.      Schwammerlsucher,      die      die Kunstintervention   nicht   betreten   dürfen.   Staunende   Besucher,   die   nichts   sehen werden. Aber auch dieser Oktober wird vergehen!
So   werden   Sie   den   Wald   nicht   erleben   können,   weil   Sie   ihn   nicht   betreten dürfen! Links: Casey Horner; Rechts:   So   tot   wie   der   Wald   darüber   ist   wohl   auch   schon   die   Idee   zu   dieser „Kunstinitiative“. Beide unsplash;