der muerzpanther
DIE MITBEWOHNER UNSERER GÄRTEN Natürlich   haben   sie   längst   begonnen,   ihre   Winterquartiere   aufzusuchen.   Dabei   könnten   sie es auch viel leichter haben: Die Igel. Jeder   Gartenbesitzer   könnte   diesen   kleinen   Säugern   optimale   Voraussetzungen   für   einen ruhigen   Winterschlaf   bieten.   Man   müsste   nur   NICHTS   machen!   Rechen   Sie   das   Laub   einfach zu   einem   Haufen   an   einem   geschützten   Platz   des   Gartens   zusammen   und   lassen   ihn   liegen. Die   Igel,   die   einen   echten   Winterschlaf   halten,   werden   es   Ihnen   danken.   Indem   sie   im nächsten   Frühjahr   sogenannte   Schädlinge   vertilgen.   Welche   physiologischen   Veränderungen aber   bewirkt   der   Winterschlaf?   Igel   atmen   statt   40   bis   50   Mal   pro   Minute   noch   ein   bis   zwei Mal,   das   Herz   schlägt   statt   200   noch   fünf   Mal   pro   Minute.   Die   Körpertemperatur   sinkt   von   36 Grad   auf   ein   bis   acht   Grad   Celsius.   Im   nächsten   Frühjahr   erwacht,   treibt   sie   natürlich   ein enormes   Hungergefühl   zur   Nahrungssuche.   Dabei   stehen   auf   dem   Speiseplan:   Laufkäfer, Falter,   Regenwürmer   und   Schnecken,   daneben   Spinnen,   Vogeleier   und   kleine   Säugetiere. Natürlich werden sie gerade auch in Totholz fündig. All   diese   Vorzüge   für   diesen   Kulturfolger   bietet   mein   Garten,   allerdings:   Wir   haben   keine Igel!   Warum   das   so   ist,   erfahren   Sie   im   Interview   mit      Lisy   Tobolka,   von   dem   Verein Tierschutzhof PFOTENHILFE Lochen.   Sie   informiert   fachkundig   über   Hilfestellung   für   Igel,   aber   auch   über   die   Fehler,   die   bei Aufnahme eines untergewichtigen Jungtieres vermieden werden sollen …
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dMP:   Welche   Lebensräume   bevorzugen   Igel   –   ich   wohne   in   der Steiermark   im   Raum   Neuberg   an   der   Mürz   auf   rund   750   Meter   üdA und sehe bei uns keinen einzigen! Lisy Tobolka: Als   Lebensraum   bevorzugen   Igel   Naturgärten   mit   Hecken und   Gebüschen,   sowie   Waldränder.   In   den   Städten   halten   sie   sich gerne   in   Parkanlagen   auf.   In   natürlichen   Gärten   haben   sie   ein   großes Nahrungsangebot,   da   sich   dort   viele   Insekten   finden.   Laubhaufen, Gestrüpp und Holzstapel eigenen sich gut als Winterschlafquartier. Anm.:   Igel   kommen   in   Höhen   bis   zu   1200   Metern   vor.   Allerdings immer in Gegenden mit Siedlungen. dMP:     Gibt     es     außer     Rattengift     und     Schneckenkorn     weitere schädliche   Stoffe,   dass   Igel   einen   Garten   nicht   beziehen?   Etwa Dünger? Lisy   Tobolka:   Wer   Igel   in   seinem   Garten   wünscht,   sollte   weder   Gift noch   Kunstdünger   verwenden.   Jede   Art   von   Unkrautvernichter   und Kunstdünger    stellt    eine    Gefahr    für    Igel    dar.    Kunstdünger    zerstört nicht   nur   ihre   Nahrungsgrundlage,   sondern   kann   mitunter   auch   für die Igel selbst tödlich sein.
dMP:  Welche sind natürliche Feinde der Igel? Lisy   Tobolka:   Igel   haben   wenige   natürliche   Feinde,   da   sie   sich   bei Gefahr   zu   einer   Kugel   zusammen   rollen   und   ihre   Stacheln   sie   vor Angriffen   schützen.   Am   gefährlichsten   können   ihnen   Dachs   und   Uhu werden,    denn    deren    lange,    scharfe    Krallen    können    selbst    einen komplette eingekugelten Igel packen! dMP:   Was   sind   die   größten   Fehler,   die   privat   gemacht   werden, wenn Igel unter einem Gewicht von 500 g aufgenommen werden? Lisy    Tobolka:    Die    größten    Fehler    sind    falsche    Fütterung,    falsche Unterbringung   und   die   Anwendung   herkömmlicher   Parasitenmittel. Leider   ist   die   Gabe   von   Milch   auch   heute   noch   sehr   weit   verbreitet. Milch   kann   jedoch   zu   starken   Durchfällen   und   daraus   resultierendem Tod    führen.    Auch    die    Igelfuttermischungen    aus    dem    Fachhandel stellen   keine   optimale   Versorgung   dar,   da   sie   einen   viel   zu   hohen Getreideanteil enthalten.
dMP:   Informieren   Sie   bei   Bedarf   auch   Privatpersonen?   Dazu:   Was ist    eine    ideale    Unterkunft-    Ausstattung,    Temperatur/    welches Futter brauchen Sie/ Störungen durch „Alltag“? Lisy     Tobolka:    Auf     unserer     Wildtierhotline     erteilen     wir     häufig Informationen   an   Privatpersonen,   die   selbst   einen   Igel   überwintern möchten.     Die     ideale     Unterkunft     ist     ein     Gehege     mit     einer Mindestgröße   von   1,5   bis   2   m².   Die   Größe   eines   Kaninchenkäfigs sollte   unbedingt   pro   Igel   vorhanden   sein.   Als   Schlafplatz   eignet   sich am     besten     ein     Holzhäuschen.     Die     Igelbehausung     sollte     mit Zeitungspapier   unterlegt   und   mit   Stroh   und/   oder   trockenem   Laub eingestreut   sein.   Heu   eignet   sich   dafür   weniger,   da   dieses   sich   so   in den   Stacheln   verfängt.   Die   Unterkunft   sollte   leicht   zu   reinigen   sein, denn dies muss täglich geschehen. Die   Temperatur   sollte   bei   Raumtemperatur   liegen   und   nicht   unter   15 Grad   aufweisen.   Das   artgerechteste   Futter   ist   Insektenfutter,   darüber hinaus   kann   man   Katzenfutter   sowie   Rinderfaschiertes   anbieten.   Igel benötigen   einen   ruhigen   Raum   der   Unterbringung,   da   sie   tagsüber schlafen und erst am Abend aktiv werden. dMP: Halten untergewichtige Jungtiere auch  Winterschlaf? Lisy    Tobolka:    Der    Winterschlaf    hängt    von    den    Temperaturen    ab. Jungtiere,   die   ihr   Gewicht   von   ca.   700   Gramm   noch   nicht   erreicht haben,   haben   nicht   die   nötigen   Reserven,   um   den   Winterschlaf   zu überleben.   Sie   sterben   entweder   im   Schlaf   oder   wachen   hungrig   auf. Da   sie   in   den   Wintermonaten   jedoch   kein   Futter   finden,   verhungern sie.
dMP:   Wofür   verwenden   Sie   das   gespendete   Geld-   wie   viel   kostet Sie ein Jungigel? Lisy     Tobolka:     Die     Spenden     benötigen     wir     für     das     spezielle Insektenfutter,      welches      nicht      billig      ist.      Dazu      kommt      die Unterbringung,    es    werden    stetig    neue    Gehege    und    Behausungen gebaut   und   gekauft.   Igel,   die   zu   uns   gebracht   werden,   sind   häufig krank   oder   verletzt   und   benötigen   tierärztliche   Behandlung.   Ebenso bedarf   es   viel   Pflege,   Reinigung   der   Ställe   und   Behausungen   sowie der   Sicherheit   einer   angemessenen   Temperatur   den   ganzen   Winter hindurch.   Es   darf   nicht   zu   kalt   werden,   jedoch   die   Luft   auch   nicht   zu trocken sein. Zu   uns   kommen   auch   viele   Igelwaisen,   die   noch   Milch   benötigen   und mit   dem   Fläschchen   aufgezogen   werden.   Neben   intensiver   Betreuung benötigt    es    hierfür    natürlich    auch    eine    spezielle   Aufzuchtsmilch. Wieviel   Kosten   ein   Igel   mit   sich   bringt,   lässt   sich   pauschal   nicht beantworten. Es hängt stark vom Gesundheitszustand ab. dMP:   Soll   man   grundsätzlich,   wenn   ein   Igel   gefunden   wird   zum Veterinär     –     oder     nur     bei    Auffälligkeiten.     Welche     sind     die häufigsten Erkrankungen bei Jungtieren? Lisy   Tobolka:   Ein   Igel   benötigt   einen   Tierarzt,   wenn   er   offensichtlich krank,   verletzt   oder   stark   geschwächt   ist.   Wenn   ein   Igel   tagsüber umher   wandert   und/oder   keinen Appetit   hat,   ist   es   ein Anzeichen   für Krankheit.   Häufige   Erkrankungen   sind   Mangelerscheinung   aufgrund unzureichender    Ernährung,    starker    Parasitenbefall,    Dehydration, Unterkühlung, Husten aufgrund von Verkühlung oder Lungenwürmern.
Es ist kaum zu glauben, wie einfach es ist, einem Igel eine Möglichkeit zu überwintern anzubieten: Indem man das Laub der Kulturbäume im Garten liegen lässt. Das erspart nicht nur Arbeit, sondern wird auch noch belohnt! Igel fressen auch die Spanische Wegschnecke. Foto: der MÜRZPANTZHER
Wenn Sie im Herbst ein Tier finden, vor allem am Tag, und sich nicht sicher sind, was zu tun ist, holen Sie am besten fachkundige Informationen ein. Im Vorspann finden Sie eine Top Adresse! Foto: George Kendall, unsplash
dMP: Ab   welchem   Gewicht   (nach   unten)   wird   es   generell   kritisch   und   mit   welchem   Erfolg   bringen   Sie   die   Igel   durch   den   Winter (Überlebensrate?). Lisy   Tobolka:   Um   den   Winter   zu   überleben,   brauchen   sie   ein   Gewicht von   ca.   700g.   Sehr   kritisch   wird   es   bei   unter   500g.   Igelkinder,   die   zu uns   kommen,   sind   meistens   krank,   sehr   geschwächt   und   stark   von Parasiten     befallen.     Überstehen     sie     die     ersten     14     Tage     nach Eintreffen, liegt die Überlebensrate bei fast 100%. dMP:   Braucht   man   viel   Erfahrung,   um   einen   Jungigel   durch   den Winter   zu   bringen   –   gesetzt   er   hat   weniger   als   200g?   Was   ist   die häufigste Todesursache? Lisy    Tobolka:    Man    muss    sich    mit    der    Igelpflege    auf    jeden    Fall auseinander   setzen,   wenn   man   einen   Igel   den   Winter   über   betreuen möchte.    Die    häufigste    Todesursache    von    Jungtieren    in    falscher Betreuung   ist   Mangelernährung,   Durchfall   aufgrund   falscher   Ernähr- ung, Unterkühlung und die Anwendung falscher Parasitenmittel. dMP:   Ab   welchem   Gewicht   sollte   man   ihn   immer   in   professionelle Hände geben? Lisy    Tobolka:    Hat    man    zu    wenig    Erfahrung,    ist    der    Igel    matt, appetitlos,   tagsüber   aktiv,   offensichtlich   krank   oder   verletzt,   sollte er   unbedingt   in   professionelle   Hände   gegeben   werden!!   Igelbabies, welche     die     Augen     noch     geschlossen     haben     und     noch     nicht selbstständig    essen    können,    benötigen    Aufzuchtsmilch    aus    dem Fläschchen     und     müssen     unbedingt     schnellstens     zur     nächsten professionellen Stelle gebracht werden!
dMP:    Gibt    es    heuer    besonders    viele    Findlinge    –    und    wenn    ja, warum? Lisy   Tobolka:   Im   heurigen   Jahr   wurde   es   erst   sehr   spät   warm,   daher gebaren   die   Igel   ihre   Jungtiere   später   als   sonst.   Aus   diesem   Grund gibt    es    heuer    im    Herbst    so    enorm    viele    Igelkinder,    die    Hilfe benötigen. dMP:   Den   Garten   nicht   „aufzuräumen“   fällt   (wie   ich   bei   mir   im Umfeld   sehen   kann)   unglaublich   schwer!   Ist   auch   regelmäßiges Mähen kontraproduktiv? Lisy   Tobolka:   Ja,   leider   ist   ein   top   gepflegter   Garen   für   die   meisten wichtiger   als   die   Natur   und   Artenvielfalt.   Je   natürlicher   der   Garten, je   mehr   Wildwuchs,   Gestrüpp   und   Unordnung,   desto   lieber   halten sich    die    Tierchen    darin    auf.    Das    Nahrungsangebot    ist    in    einem Garten,       indem       nicht       jedes       wild       wachsende       Plänzchen niedergemetzelt   wird,   viel   größer.   Eine   enorm   hohe   Gefahr   sind   die leider   so   beliebten   Mähroboter.   Diese   verletzen   und   töten   Igel   in extrem hoher Zahl. dMP:   Sind   Hunde/   Katzen   im   Garten   ein   Grund   für   Igel,   diesen nicht zu beziehen? Lisy   Tobolka:   Da   Igel   nachtaktiv   sind   und   tagsüber   in   einem   Versteck schlafen,   stellen   Hunde   und   Katzen   für   sie   keine   große Abschreckung dar. dMP: Herzlichen Dank für das Gespräch!
So schön stellt sich momentan der Herbst dar: die letzte Rosenblüte, geziert mit Eisnadeln. Foto: der MÜRZPANTHER
Sie   können   so   viel   dazu   beitragen,   dass   eine   ehemals fast   ausgestorbene   Tierart   bei   uns   wieder   weit   ver- breitet   ist.   Nicht   nur   im   Herbst,   sondern   vor   allem   in der Gartenpflege im Sommer! KEINE MÄHROBOTER! Foto: Nicolas Savignat, unsplash
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