der muerzpanther
Ich zeichne, wonach mir ist, den roten Faden - den braucht`s nämlich nicht. Zwei   Künstler,   die   einiges   gemein   haben:   Lisa   -   Marie   Bruggraber   und   Sophia   Knollmüller stammen   beide   aus   dem   Mürztal,   haben   in   Graz   die   Ortweinschule   besucht   und   haben   in Kapfenberg   im   KUlturZentrum   unlängst   ihre   erste   Ausstellung   eröffnet.   Es   sit   eine   lebendige und   abwechslungsreiche Ausstellung   herausgekommen,   die   vom   Kontrast   der   Technik   und   der Themen    herrührt.    Lisa    -    Marie    Bruggraber    zeigt    Pastellzeichnungen    und    Malerei,    die fotorealistisch zwischen Körper, Tierdarstellungen und Landschaften abwechselt. Ähnliche     Schwerpunkte     bedient     auch     die     Fotografin     Sophia     Knollmüller,     die     ihre Reisetätigkeit   künstlerisch   umsetzt   und   mittlere   Formate   mit   teils   auch   bekannten   Sujets   aus den   USA   präsentiert.   Der   Mürzpanther   hat   mit   den   zwei   Künstlern   gesprochen   und   erfahren, welche   Interessen   vorherrschen   und   wohin   die   Reise   gehen   kann.   Ein   Einblick   in   ihre   Arbeit und   Vorstellungen,   die   Bilder   sind   in   Kapfenberg   noch   bis   28.   Juli   2019   im   KUlturZentrum   zu sehen.
dMP:   Wie   habt   Ihr   den   Titel   ausgesucht?   Wird   die   Freiheit   von   Kunst angesprochen? Lisa   -   Marie   Bruggraber:   Wir   wollen   das   zum   Ausdruck   bringen,   was   uns inspiriert   und   wonach   uns   gerade   ist. Also   licet   ->   es   ist   erlaubt.   Und   in   der Kunst   ist   alles   erlaubt.   Jeder   soll   das   ausdrücken   und   zeigen   wonach   ihm ist, vollkommen frei und ohne Zwänge oder roten Faden. dMP: Was ist für Dich die "Freiheit" der Kunst? Lisa   -   Marie   Bruggraber:   Wie   schon   vorher   erwähnt:   Ich   will   zeigen   bzw. zeichnen,    wonach    mir    ist.    Worauf    ich    gerade    Lust    und    Laune    habe.    So identisch und authentisch wie möglich. dMP: Was inspiriert Dich? Alles?    Lisa   -   Marie   Bruggraber:   Nicht   alles,   aber   Vieles.   Die   Natur,   die   Tierwelt, der   Himmel,   Körper   und   Figuren.   Wenn   man   genau   hinsieht   und   mit   offenen Augen durch die Welt geht gibt es genug zu sehen und genug Inspiration. dMP: Du hast sehr viele Tierdarstellungen? Aus Liebe zur Natur? Lisa   -   Marie   Bruggraber:   Ich   bin   immer   mit   Tieren   aufgewachsen   und   liebe die   Natur.   Wenn   ich   mit   meinem   Pferd   durch   die   Natur   reite   gibt   es   so   viele Dinge zu sehen. dMP:   Sie   sind   sehr   realistisch   in   der   Darstellung   und   dadurch   bekommen sie Charakter  im Ausdruck! Ist das ein Ziel Deiner Werke? Lisa   -   Marie   Bruggraber:   Ich   will   die   Betrachter   meiner   Bilder   täuschen.   Sie sollen nicht sofort erkennen, dass sie gemalt sind. Daher ja – gewollt! dMP: Spielst Du dich mit der Art von Fotorealismus? Lisa   -   Marie   Bruggraber:   Mir   ist   wichtig,   dass   die   Bilder   so   identisch   und authentisch   sind   wie   deren   Vorlagen.   Schließlich   male   ich   an   so   einem   Bild bis zu 50 Stunden.
dMP: Worin liegt für Dich der Reiz Deiner Werke? Lisa   -   Marie   Bruggraber:   Ich   will   den   Betrachter   überraschen.   Gemalt   oder fotografiert?   Er/Sie   soll   keinen   Unterschied   erkennen.   Und   ich   liebe   die Reaktion   der   Betrachter   wenn   sie   erkennen   bzw.   erfahren,   dass   es   gemalt ist. dMP:   Studierst   Du   in   der   Natur   Deine   Objekte?   -   die   Wolke   hat   eine   tolle Dynamik! Lisa   -   Marie   Bruggraber:   Ich   liebe   die   Natur   und   gerade   der   Himmel   und   die Wolken   zeigen   uns   täglich   neue   Gesichter.   Das   zu   beobachten   fasziniert mich, ja. dMP:   Wie   hat   Dich   die   Ausbildung   in   der   Ortweinschule   geprägt   -   hat   sie Impulse gegeben? Lisa    -    Marie    Bruggraber:    Die    Ortweinschule    war    die    absolut    richtige Entscheidung   für   mich.   Sie   hat   mich   absolut   geprägt   weil   mir   das   Malen   und Zeichnen   sehr   viel   bedeutet.   Von   klein   auf   habe   ich   immer   stundenlang gemalt    und    dort    fand    ich    Professoren    und    Professorinnen,    die    mich gefördert und gefordert haben – dafür bin ich sehr dankbar. dMP: Was bedeutet für Dich in Deinen Werken Kreativität? Lisa   -   Marie   Bruggraber:   Dass   meine   Bilder   alle   komplett   unterschiedlich aussehen – auch von den Motiven her. dMP: Worin siehst Du Deine Stärken? Lisa   -   Marie   Bruggraber:   Die   Liebe   zum   Detail,   meine   Kreativität   und   dass ich das zeichne und male, worauf ich Lust habe. dMP:   Ein   großer   Kontrast   sind   die   monochromen   Bilder   Boat   I   und   II   - wie kam`s? Lisa    -    Marie    Bruggraber:    Normalerweise    liebe    ich    die    Farben    und    viel Buntes.    Ich    wollte    einfach    einmal    was    Neues    ausprobieren    und    meine Grenzen   austesten.   Unter   dem   Motto   „es   ist   erlaubt“.   Und   ich   glaube,   dies ist mir mit Boat I & II sehr gut gelungen.
dMP: Wie wichtig war die Ortweinschule für Dich? Sophia   Knollmüller: Ach   die   Ortweinschule,was   soll   ich   sagen.   Es   war   ein   großer neuer   Lebensabschnitt   für   mein   kleines   14-Jähriges   Ich   vom   Land,   alleine   in   die Stadt   zu   ziehen   in   der   alles   neu   und   fremd   ist. Aber   ich   bereue   keine   Sekunde   in dieser   Schule   gewesen   zu   sein.   Sie   hat   mich   bezüglich   der   Fotografie   vieles gelehrt und mich, als Fotograf, sicher ein Stück mir selbst näher gebracht. dMP:    Hat    sich    die    Kreativität    dort    entwickelt?    Hast    Du    das    technische Rüstzeug von dort mitbekommen? Sophia   Knollmüller:   Ich   würde   nicht   sagen,   dass   sich   meine   Kreativität   erst   in der   Schule   entwickelt   hat,   aber   die   Schulehat   mir   geholfen   mich   immer   mehr   zu meinem   eigenen   Stil   als   Fotograf   zu   führen,   was   meiner   Meinung   nach   zu   der schwierigsten und gleichzeitig wichtigsten Aufgaben eines Fotograf gehört. dMP: Wie lange fotografierst Du bereits? Sophia   Knollmüller:   Die   Liebe   zur   Fotografie   war   seit   ich   denken   kann   schon   da, angefangen bewusst zu fotografieren habe ich aber erst mit 12-13 Jahren. dMP: Hast Du das eine große Vorbild in der Fotografie? Sophia   Knollmüller:   Natürlich   habe   ich   einige   Künstler,   die   ich   länger   verfolge und   die   für   mich   herausstechen.   Trotzdem   sind   Vorbilder   in   der   Fotografie   oder in   der   Kunst   allgemein   schwer   zu   definieren,   es   gibt   unzählige   Künstler   die   mich inspirieren    und    meine   Arbeiten    beeinflussen,    bewusst    und    unbewusst.    Und genau   das   finde   ich   faszinierend   an   der   Kunst.   Jeden   Tag   sieht   man   so   viele Werke   von   verschiedenen   Künstlern   und   trotzdem   hat   jeder   Künstler   etwas   ganz individuelles, was jemand anderer nicht hat. dMP: Wo siehst Du den Reiz der s/w Fotografie? Sophia   Knollmüller:   Die   Schwarz-Weiß   Fotografie   kann   einfach   Dinge,   die   eine Farbaufnahme   nicht   kann.   Sie   übermittelt   dem   Betrachter   die   Geschichte,   die
hinter   einem   Bild   steckt   auf   eine   ganz   andere   Art   und   Weise,   weil   der   Fokus während   dem   Fotografieren   schon   auf   ganz   andere   Dinge   gelegt   werden   muss   - man   kann   das   Bild   quasi   nicht   mehr   hinter   seinen   Farben   ’’verstecken’’   -deshalb finde   ich   persönlich,   dass   die   S/W   Fotografie   oft   ehrlicher   und   authentischer wirken kann. dMP:   In   der Ausstellung   ist   die   Gewichtung   von   Stadt   und   Land   ausgeglichen; Worin   liegt   für   Dich   der   fotografische   Reiz/   die   Herausforderung   für   diese Bereiche?   Sophia   Knollmüller:   Ich   glaube   es   ist   tatsächlich   einfach   die   Abwechslung   die mich   reizt,   immer   wieder   neues   zu   sehen   und   zu   lernen,   aber   ich   glaube   es   ist wichtig,   dass   man   als   Fotograf   anfängt,   sich   einmal   mit   jedem   Bereich   der Fotografie      auseinanderzusetzen,      sei      es      Landschaft,      Makro,      Portraits, Tierfotografie,   Sportfotografie   etc.   Irgendwann   im   Laufe   der   Zeit   merkt   man selbst   mit   welchen   Bereichen   man   sich   am   besten   identifizieren   kann   und   in welcher   man   sich   am   besten   Ausleben   kann   und   diese   Bereiche   haben   sich   bei mir recht schnell herauskristallisiert. dMP:     Die     Darstellungen     der     amerikanischen     Städte     sind     von     hohem Bekanntheitsgrad    -liegt    darin    die    Herausforderung    einer    "persönlichen Interpretation" des Bildinhaltes? Sophia   Knollmüller:   In   der   Fotografie   ist   jedes   Motiv   eine   Herausforderung.   Ich meine,   genau   das   ist   doch   das   Ziel:   eine   ganz   eigene   individuelle   Interpretation eines   Motivs   zu   gestalten.   Und   da   ist   es   egal   ob   das   Motiv   die   New Yorker   Skyline oder ein ganz einfacher Stein ist. dMP:   Es   war   ja   die   erste   Ausstellung   -hat   der   Verkauf   bereits   in   die   Auswahl hineingespielt? Sophia Knollmüller: Nein. Ganz und gar nicht.
dMP:   Wie   beschreibst   Du   Dich   und   Deinen   Zugang   zur   Fotografie?   Wo   liegt Deine Handschrift? Sophia   Knollmüller:   Die   Fotografie   kann   alles   sein.   Sie   kann   manipulativ   und trotzdem   authentisch,   gelogen   und   trotzdem   ehrlich   und   fremd   und   doch   sehr vertraut   sein   und   vorallem   erzählt   sie      eineGeschichte   und   lebt   von   unzähligen Interpretationsweisenund   trotzdem   ist   jede   auf   seine   eigene   Art   und   Weise richtig. dMP: Reist Du mit Bildern im Kopf -oder entstehen sie spontan? Sophia   Knollmüller:   Mehr   oder   weniger.   Bevor   ich   reise,   recherchiere   ich   auf diversen   Plattformen,   ich   schaue   mir   Bilder   von   Orten   an,   die   ich   besuchen könnte   und   beachte   dabei   auch   die   Wetter-,   und   Lichtverhältnisse   an   diesem Tag,     aber     das     Bild     entsteht     dann     vor     Ort     (oder     dann     eben     in     der Nachbearbeitung..)I ch mach' mir die Welt -widdewidde wie sie mir gefällt... dMP: Welche Destinationen sind die nächsten? Sophia   Knollmüller:   Das   steht   nocht   in   den   Sternen,   aber   geplant   ist   es   auf jeden Fall irgendwann mal die ganze Welt gesehen zu haben. dMP:   Was   ist   überhaupt   für   Dich   Reisefotografie   -   wo   liegt   die   Seele   eines Landes für Dich? Sophia   Knollmüller:   Die   Reisefotografie   bedeutet   für   mich   alles   -meine   beiden liebsten   Leidenschaften   gleichzeitig   ausleben   zu   können.   Es   gibt   so   viele   Plätze auf    der    Welt,    die    man    auf    so    vielen    verschiedenen    Arten    festhalten    und weiterverbreiten   kann   und   gleichzeitig   wächst   und   lernt   man   immer   mit,   indem man    neue    Leute,    neue    Kulturen,    neue    Sprachen    und    generell    Umgebungen sieht, in denen alles anders ist. dMP: Kann man die überhaupt mit dem Fotoapparat er-fassen? Sophia   Knollmüller:   Man   kann   mit   Fotografien   ein   Gefühl   vermitteln   und   dieses den   Menschen   damit   näherbringen   und   damit   auch   oft   etwas   bewirken   oder   in den    Menschen    etwas    auslösen.    Aber    die    echte,    unveränderte,    ungelogene
Realität   kann   kein   Fotoapperat   festhallten,   aber   das   ist   vielleicht   auch   gut   so, manchmal   sollte   auch   der   leidenschaftlichste   Fotograf   den   Moment   durch   seine eigenen Augen sehen und nicht immer nur durch die Linse. dMP:    Wie    kommst    Du    zu    den    Bildtiteln?    Hide    and    seek    heißt    bei    uns Versteckspiel? Sophia   Knollmüller:   Bei   mir   passiert   das   ganz   schnell,   wenn   ich   mein   Bild   sehe, sehe   ich   den   Titel   dazu   und   das   kann   ichdann   meist   mit   mir   selbst   sehr   gut vereinbaren.   The   Kids   are   alright   zum   Beispiel   soll   darauf   hindeuten,   dass   diese Kinder,   die   nicht   einmal   wissen,   ob   sie   Morgen   noch   Esssen   bekommen,   die   kein Dach   über   dem   Kopf   haben,   keine   ärtzlichen   Versorgung   zur   Verfügung   haben,   ja nicht   einmal   trinkbares   Wasser   haben,   oft   viel   glücklicher   sind   als   ein   Kind   hier bei   uns,   welches   zu   Weihnachten   wieder   einmal   nicht   das   1,5m   hohe   Lego   Schiff welches   Unmengen   an   Geld   kostet,   bekommen   hat.   Auf   der   Arbeit   ‚‘Hide   and Seek‘‘   ist   ein   Boot   auf   einem   kleinen   See   in   Afrika   zu   sehen.   Vorerst   muss   man wissen,   dass   ich   in   Afrika   mit   einer   Hilfsorganisation   war   und   zwar   in   einem kleinen   Dorf,   indem   die   meisten   Einwohner   noch   nie   zuvor   von   einemweißen Mensch   gehört,   geschweige   denn   gesehenhatten.   Sobald   ich   die   Kamera   auf   den See   hielt,   hat   sich   der   Mann   darin   versteckt   –   deshalb   Hide   and   Seek.   Er   hat genau   bemerkt,   wann   er   am   Bild   war   und   ist   automatisch   ausgewichen.   Den Grund   warum   er   sich   versteckt   hat   will   ich   eigentlich   ganz   gerne   offen   lassen, ich finde ab hier darf sich jeder auf seine eigene Interpretation einlasssen.   dMP: Gibt es bereits Planung für nächste Ausstellungen? Örtlich/ thematisch? Sophia   Knollmüller:   Wir   waren   so   lange   Zeit   mit   dieser   Ausstellung   beschäftigt, und   ich   bin   immer   noch   unendlich   Dankbar   für   diese   Möglichkeit,   dass   ich   noch keine Zeit hatte an eine nächste Ausstellung zu denken. dMP: Woran arbeitest Du zur Zeit? Sophia   Knollmüller:   Ich   arbeite   daran,   meine   zwei   liebsten   Leidenschaften,   die Fotografie und das Reisen, weiterhin ausleben zu können. dMP: Herzlichen Dank!
Links Sophia Knollmüller, Fotografin und Lisa - Marie Bruggraber vor einem ihrer fotorealistischen BIlder. 
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Naturdarstellungen und - stimmungen interpretiert Lisa- Marie Bruggraber durch ihren Zugang und Stil überzeugend.
Zwei Bilder aus der Ausstellung von Sophia Knollmüller: Links „Hide and Seek“, rechts: „The kids are alright“. Sehenswerte Reisefotografie!