der muerzpanther
Wer hätte das gedacht? Mit   dem   Auftritt   von   „dem“   Trio   um   Mario   Rom   am   Dienstag,   den   18.   Juni   wird Mürzzuschlag   zum   Nabel   der   Jazzwelt.   Während   andere   Formationen   Entwicklungen durchgemacht,    experimentiert    oder    viele    neue    Instrumente    eingebracht    haben, spielen   Lukas   Kranzelbinder   und   Herbert   Pirker   mit   Mario   Rom   einfach   Jazz.   Sie verstehen    es    wie    kein    anderes    Trio    Musik    zu    machen.    Das    ist    mitreissend, melancholisch,   abwechslungsreich,   einfach   brilliant,   wenn   sie   die   Seele   des   Jazz treffen und die Zuhörer erreichen.    Zum Interview. Mario    Rom    gastierte    am    Dienstag,    den    18.    Juni    im    Kunsthaus    Mürzzuschlag.    Mit dieser    Wahl        stellen    sich    die    Organisatoren    des    Festivals    brücken_19    und    die Geschäftsführer    des    Kunsthaus    mürz    Martin    Lotter    und    Mag.    Ursula    Horvath    ein hervorragendes Zeugnis aus. Das   Trio   mit   Herbert   Pirker   am   Schlagzeug,   Lukas   Kranzelbinder   am   Bass   und   Mario Rom   an   der   "goldenen"   Trompete   haben   wieder   einmal   bewiesen,   eine   der   am   besten eingespielten Formationen der Jazzwelt zu sein.    Zum Konzert!
Das Trio von links:  Lukas Kranzelbinder - Bass, Mario Rom - Trompete und Herbert Pirker - Schlagzeug Foto: Severin Koller
dMP:   Spreche   ich   jetzt   -   ausnahmsweise   -   mit   dem   "Chef"   selbst?   Ein genialer Marketingeffekt? Mario     Rom:     Eine     schwierige     Frage,     die     wir     eigentlich     so     nicht beantworten   können.   Wir   wissen   selbst   nicht   immer   warum   das   so   ist.   Es hat   vielleicht   etwas   mit   Hoffnung   zu   tun,   die   nicht   erfüllt   wird,   aber einen   dennoch   in   völliger   Zufriedenheit   verweilen   lässt.   Am   Besten   zum Konzert   kommen   und   der   eigenen   Fantasie   hierzu   (und   generell)   freien Lauf lassen. dMP:    Wie    gestaltete    sich    Euer    Werdegang    zu    einem    international renommierten   Jazz   Trio!   Bitte   um   ein   paar   Highlights,   Tiefpunkte, Zusammenfindung. Mario   Rom:   Lukas   Kranzelbinder   und   ich   kennen   uns   vom   Studium   an   der Anton    Bruckner    Privatuniversität    in    Linz.    Wir    haben    öfter    darüber geredet   etwas   gemeinsam   zu   machen.   Lukas   hat   dann   die   Idee   gehabt, im   Trio   zu   spielen   und   holte   den   Schlagzeuger   Herbert   Pirker   an   Bord. Zufall   war,   dass   ich   genau   zu   dieser   Zeit   das   erste   Mal   den   Film   Naked Lunch   gesehen   habe   und   den   Film   an   die   beiden   anderen   weitergegeben habe,    weil    wir    alle    sehr    große    Fans    von    Ornette    Coleman    sind,    der gemeinsam   mit   Howard   Shore   die   Filmmusik   gemacht   hat.   Wir   waren vom   Film   alle   sehr   verstört   aber   auch   inspiriert   und   haben   die   Band daher    dann    Interzone    genannt.    Bisher    sind    drei    Alben    erschienen
"Nothing   is   True"   (2012),   "Everything   is   Permitted"   (2015)   und   "Truth   is Simple   to   Consume"   (2018).Bereits   das   erste   Album   wurde   sehr   positiv aufgenommen   und   hat   sogar   eine   Rezension   in   der   ZEIT   bekommen.   Die beiden   neueren   Alben   sind   beim   Berliner   Label   Traumton   erschienen, was   uns   insbesondere   in   Deutschland,   aber   generell   in   Europa,   große Bekanntheit   verschaffte.   2014   wurden   wir   uns   Förderprogramm   NASOM (New   Austrian   Sound   of   Music)   aufgenommen   und   waren   seither   in   vielen Ländern   weltweit   unterwegs.   u.a.   in   Mexiko,   China,   Südafrika,   Kanada, USA, Argentinien, Indien, Katar, Israel, Tunesien, Marokko etc. Ein   absolutes   Highlight   war,   als   wir   2015   zum   renommierten   Rochester Jazz   Festival   in   New   York   eingeladen   wurden   und   nach   dem   dortigen Konzert   vom   Hauptkritiker   des   Festivals   als   „einer   der   unterhaltsamsten und   spannendsten   Acts   des   diesjährigen   Festivals“   bezeichnet   worden sind.   Der   Kritiker   ging   sogar   soweit   zu   behaupten,   er   habe   „noch   nie, egal   wo   auf   dieser   Welt,   eine   Gruppe   von   Musikern   gehört,   die   -   im wahrsten   Sinne   des   Wortes   -   so   unglaublich   miteinander   ‚spielen‘   wie dieses   Trio.“   Daraufhin   sind   wir   dann   zwei   Jahre   später,   2017,   wieder zum   Rochester   Jazz   Festival   eingeladen   worden,   aber   außerdem   auch   zu fünf   der   größten   Kanadischen   Jazzfestivals,   u.a.   dem   Vancouver   Jazz Festival    und    sogar    zum    Montreal    Jazz    Festival.Diese    Tour    war    unser bisher   größtes   Highlight. Aber   auch   für   die   Zukunft   sind   einige   Highlights im Entstehen.
dMP:   Wer   schreibt   die   Nummern?   Wie   komponiert   ihr   ein   Stück   - "composing by doing" oder sitzt ihr vor dem Notenheft? Mario   Rom:   Jeder   von   uns   komponiert.   Beim   aktuellen   Programm   sind die   meisten   Stücke   von   mir,   was   aber   eher   ein   Zufall   ist.   Komponieren ist   bei   mir   immer   anders.   Manchmal   kommt   eine   Melodie   von   selbst. Manchmal   setze   ich   mich   bewusst   zu   Klavier   oder   Trompete   um   etwas   zu komponieren.   Meistens   nehme   ich   spontane   Ideen   am   Handy   auf   und komme   teilweise   viel   später   darauf   zurück,   um   zu   hören   ob   etwas   dabei ist, woraus ein Stück oder irgendwas entstehen könnte. dMP: Wie weit spielt Bebop in der Trompetenlinie eine Rolle? Mario   Rom:   Das   ist   glaube   ich   sehr   individuell,   aber   prinzipiell   spielt Bebop   sicher   eine   große   Rolle   -   nicht   nur   für   Trompeter.   Wir   versuchen offen   gegenüber   möglichst   vielen   Musikstilen   zu   sein,   auch   über   den Jazz   hinaus,   um   so   möglichst   viele   Inspirationen   für   unser   eigenes   Spiel zu bekommen. dMP: Wieviel Improvisation steckt in Euren Live Konzerten? Mario   Rom:   Ein   großer   Teil   unserer   Konzerte   ist   improvisiert.Die   Stücke sind   oft   so   aufgebaut,   dass   es   ein   Thema   gibt   und   danach   ist   alles   frei. Bei   uns   heißt   das,   dass   wir   einfach   schauen   wohin   uns   die   Musik   treibt, alles   ist   erlaubt,   auch   stilistisch   -   Free   Jazz   und   Avantgarde   genauso wie    Straight   Ahead    Jazz,    Dixie    oder    Disco.    Das    macht    auch    für    uns
selbst   jedes   Konzert   sehr   spannend   und   einzigartig.   Wir   können   uns   nach vielen gemeinsamen Konzerten immer noch selbst überraschen. dMP: Was verbindet Ihr mit dem Mürztal oder Mürzzuschlag? Mario   Rom:   Uns   verbindet   -   hoffentlich   gemeinsam   mit   dem   Publikum   - die Vorfreude aufs Konzert am Dienstag :) dMP: Gösser oder Hirter (Villacher gilt als Antwort nicht!) Mario Rom: Herbert sagt: Wieso "oder"? Ich   trinke   kaum   Bier,   also   für   mich   weder   noch.   In   der   Band   trinken   wir immer wieder gerne guten Rum. dMP:     Wie/Hat     sich     seit     Eurem     Bestehen     Euer     Stil     verändert/ entwickelt? Mario   Rom:   Ein   paar   Sachen   haben   sich   auf   jeden   Fall   verändert,   aber prinzipiell    kann    sich    von    einem    Konzert    zum    anderen    schon    sehr    viel ändern.    Dadurch,    dass    wir    sehr    viel    gespielt    haben,    haben    wir    uns natürlich    mit    der    Zeit    musikalisch    noch    viel    besser    kennengelernt. Prinzipiell   aber   versuchen   wir   stets   unserem   Motto   treu   zu   bleiben   und Risiko   einzugehen   und   Spaß   miteinander   zu   haben.   Das   was   im   Moment ungefiltert   aus   einem   rauskommt   ist   am   ehrlichsten   und   kann   unserer Erfahrung nach auch das Publikum am Besten abholen bzw. mitnehmen.
Mehr    sehenswerte    Videos    auf: www.mr-interzone.at Foto HOME: Severin Koller
An   dieser   Band   ist   sehr   viel   Ausser-   gewöhnliches:   Auch die Auswahl der Cover und Pressefotos. Foto: Severin Koller
dMP:    Gibt    es    zur    Zeit    Strömungen    im    nationalen/    internationalen Jazz - gehört Ihr dazu? Mario   Rom:   Ich   denke   es   gibt   zurzeit   viele   verschiedene   Strömungen   im Jazz.   Wir   leben   alle   in   Wien   und   alleine   da   ist   die   Szene   wirklich   sehr spannend    und    es    gibt    viele    interessante    Musikerinnen,    Musiker    und Bands. Das ist inspirierend; und schön, dass wir da Teil davon sind. dMP: Steigt der Absatz Eurer Tonträger? Mario    Rom:    Ja,    mit    der    Anzahl    der    Konzerte    und    dem    Anstieg    der Bekanntheit. dMP:   Ihr   veröffentlich   auch   auf   Vinyl-   warum?   Ist   es   der   Sound   in   der Wiedergabe?    Mario   Rom:   Wir   sind   alle   große   Vinyl   -   Liebhaber.   Darüber,   ob   der   Sound wirklich    besser    ist    lässt    sich    vielleicht    streiten.    Ich    mag    den    etwas wärmeren   Sound   sehr   gerne,   aber   mir   gehts   beim   Vinyl   noch   mehr   um den     Prozess.     Im     Gegensatz     zum     Streaming     wo     man     mittlerweile jederzeit     auf     fast     alles     Zugang     hat     und     dadurch     auch     schnell überfordert   ist   und   den   Fokus   verliert,   ist   es   befreiend   schön   sich   eine Platte aufzulegen und die 20 Minuten einer Seite bewusst anzuhören.
dMP: Wie positioniert sich Jazz in Ö? Wird es gesellschaftsfähig/er? Mario    Rom:    Ich    glaube    in    Österreich,    aber    auch    generell,    wird    im heutigen    Jazz    immer    mehr    konkret    und    längerfristig    an    einer    Band gearbeitet,   um   gemeinsam   einen   eigenständigen   Sound   zu   kreieren.   Das Gemeinsame   ist   also   Wichtiger   als   das   Individuum.   Ich   glaube   das   ist eine   gute   Position   als   Botschaft   für   die   heutige   Zeit.   Die   Aufgabe   des Jazz   ist,   meiner   Ansicht   nach,   zu   zeigen   wie   schön   es   ist,   offen   und spontan   zu   sein;   Risiko   einzugehen;   irgendwo   hinzu   gehen   wo   man   noch nie   war   und   vorurteilsfrei   zu   sein;   sich   auf   den   Moment   einzulassen. Statt   sich   selbst   abzutrennen   und   zu   verstecken,   macht   man   im   Jazz bewusst   auf,   und   gibt   sein   innerstes   Preis   und   erkennt   so   die   Schönheit des    Unbekannten.    Die    Gesellschaftsfähigkeit    liegt    wahrscheinlich    im Auge   der   jeweiligen   Zuhörerin/   des   jeweiligen   Zuhörers.   Wir   versuchen ein   gutes   Maß   zu   finden   zwischen   Einfachheit   und   Komplexität   um   ein möglichst breites Publikum ansprechen zu können. dMP: Was können sich die Besucher in Mürzzuschlag erwarten? Mario     Rom:     Alles     und     gar     nichts     zugleich.     Desto     offener     und vorurteilsfreier    man    ins    Konzert    geht,    desto    mehr    kann    man    auch mitnehmen. dMP:  Herzlichen Dank!
DAS KONZERT AM 18. JUNI IM KUNSTHAUS MÜRZ!
Das   Trio   mit   Herbert   Pirker   am   Schlagzeug,   Lukas   Kranzelbinder   am   Bass und    Mario    Rom    an    der    "goldenen"    Trompete    haben    wieder    einmal bewiesen,   eine   der   am   besten   eingespielten   Formationen   der   Jazzwelt zu   sein.   Schon   im   zweiten   Stück   des   Abends   -   "BROKEN   IMAGE   OF   MAN" sind    die    Musiker    zu    Höchstform    aufgelaufen,    die    Frasierungen    der Trompete   werden   weich,   mit   kongenial   zurückhaltender   Begleitung   der Ausnahmemusiker    an    Bass    und    Schlagzeug,    die    dann    in    feinfühlig geführter   Linie   ihr   Ende   finden.   Darauf   folgt   ein   weiteres   Stück   aus   dem neuen      Album,      nämlich      "CHANGE      OF      TRUTH"      -      differenzierte Arbeitsleistung      an      den      Drums      gepaart      mit      der      kraftvollen Melodieführung     der     Trompete.     Dabei     kommt     die     staccatoartige Behandlung   eines   Tones   nicht   zu   kurz,   die   so   typisch   den   Sound   von Interzone prägt. Überhaupt    brillieren    die    Musiker    im    Wechsel    der    Rhythmen,    in    den Verschleppungen,   deren   aufgebaute   Spannung   der   Eigenkompositionen fulminant   aufgelöst   wird.   Die   Gleichwertigkeit   der   Instrumente   findet   in
"FREEDOM    OF    THOUGHT"    ihren    Höhepunkt,    wenn    die    Trompete    zum Begleitinstrument    des    herausragenden    Schlagzeugers    Herbert    Pirkner wird. Die    Pause    ist    in    diesem    schönen    Ambiente    -    den    Gewölben    des Kunsthauses   zu   genießen.   Und   wäre   alleine   schon   einen   Besuch   wert! Wenn    über    Frey,    den    Architekten    des    Umbaus    gesagt    wird,    sein Kunsthaus   Mürzzuschlag   ist   in   der   Radikalität   der   Relation   von   Altbau- Neubau   in   Österreich   einzigartig,   so   spielt   die Architektur   der   Musik,   die Musik   der   Architektur   zu.   Das   neue   erfrischende   in   der   österreichischen Jazzlandschaft      wird      durch      kaum      eine      andere      Formation      so herausgestellt wie durch das Trio um Mario Rom. Das    beweist    nach    der    Pause    auch    das    erste    Stück    -    es    fusioniert "EVERYTHING   IS   PERMITTED"   aus   dem   gleichnamigen   Album   von   2015   mit "WORDS    OF    ADVICE".    Dabei    ist    der    humorige    -    von    Herbert    Pirker performte    Hinweis    salt    peanuts      vielleicht    als    Tribute    auf    einen    der Größten zu verstehen: Dizzy Gillespie!
Über   die   sonst   von   jedem   Publikum   geforderte   Nummer   und   nicht   immer gewährte    Zugabe    "HANS"    -    ebenfalls    aus    dem    Album    "EVERYTHING    IS PERMITTED"    -    erübrigt    sich    jedes    Kommentar.    Es    ist    eine    bedeutend schöne   Bassintro   von   überlegener   Einfachheit   in   eine   Jazznummer,   die bei   dem   Konzert   auch   die   Länge   bekommen   hat,   die   ihr   gebührt   -   so   wie dann   auch   die   Melodie   sowohl   von   Herbert   Pirker   als   auch   von   Mario   Rom aufgenommen,    entwickelt    und    fortgeführt    wird,    braucht    sie    keinen Vergleich    in    der    Jazzgeschichte    zu    scheuen.    Sie    läßt    in    ihrer    klaren Schlichtheit   nicht   mehr   los,   sie   wird   ein   Leben   lang   begleiten.   Hören   Sie darunter hinein!
Die   letzten   zwei   Titel   -   vor   der   Zugabe   "BLUE   VELVET"   -   "REAL   ICON"   mit der   minutenlangen   Intro   der   Trompete   -   stilistisch   an   jodeln   erinnernd   - und   "CHOOSE   YOUR   VISION"   lassen   in   ihrer   Radikalität   erkennen,   wie   viel kompositorisches    und    musikalisches    Potential    in    den    drei    Musikern steckt; mir fällt dazu nur /wohltuend/  "irre" ein - siehe unten! Das   Vergnügen   war   auf   unserer   Seite   in   diesem   intimen,   wunderbaren Rahmen    mit    einer    Musik,    die    nicht    nur    als    Unterhaltung,    sondern    als Geschenk zu werten ist! Mehr Info natürlich auf:   www.mr-interzone.at