MUS MUSCULUS: MUPs ZIEHEN DIE WEIBCHEN AN! Gesunden   Nachwuchs   zu   zeugen   ist   seit   Jahrmillionen   das   Ziel   aller   Arten.   Die   Wahl   der   Weibchen   fällt   dabei   bei der   Hausmaus   auf   dominante   Männchen   -   auf   Gewinner.   Aber   wieso   sind   diese   für   Weibchen   so   anziehend?   Eine Studie    der    Veterinärmdizinischen    Universität    in    Wien    unter    der    Leitung    von    Priv.-Doz.    Dustin    Penn    hat    die Regulation   chemischer   Signale   von   Hausmäusen,   die   in   "seminaturalen"   sozialen   Bedingungen   leben,   untersucht. Grundsätzlich      dient      das            Territorialverhalten      von      Tieren      oder      von      Gruppen      von      Tieren      dazu,        Nahrungskonkurrenten   und   Sexualkonkurrenten   auf   Distanz   zu   halten.   Dazu   setzen   Tiere   Reviermarken,   das   kann einerseits   Urin   -   wie   beispielsweise   bei   den   Hunden   sein   -   oder   auch   Lautäußerungen   bei   den   Vögeln.   Diese Duftstoffe,   die   mit   dem   Urin   ausgeschieden   werden,   sind   Pheromone.   Pheromone   (zusammengesetztes   Wort   aus:     phérein     ‚tragen‘     und     Hormon)     dienen     seit     Anbeginn     der     Evolution     als     Botenstoff     und     dadurch     zur Informationsübertragung   zwischen   Individuen   einer   Art.   Sie   werden   von   exokrinen   Drüsen   ausgeschieden   und   über den   Urin,   den   After   oder   über   Schweißdrüsen   abgesetzt.   Sie   beeinflussen   aber   nicht   nur   das   Sexualverhalten   und das   Alarmverhalten   von   Individuen,   sondern   auch   die   räumliche   und   zeitliche   Orientierung   beispielsweise   von Bienen.
Diese Maus muss sich um ihre Fortpflanzung keien Sorgen mehr machen, dafür der Fischreiher. Foto: Vincent van Zalinge, unsplash.
Seit   längerem   bekannt   ist   bereits,   dass   bei   Wildmäusen   die   Weibchen   durch   das MUP20   (MUP:   major   urinary   proteins),   nämlich   Darcin   angelockt   werden.   Die   Studie der   Vetmeduni   Wien   weist   in   den   Forschungsergebnissen   nach,   dass   weibliche   Mäuse stärker    vom    Duft    dominanter    als    untergeordneter    Männchen    angezogen    wurden, wenn    sie    sich    im    Brunft    befanden,    weil    dominante,    territoriale    Männchen    die Pheromonproduktion     erhöhen.     Es     sei     "ein     faszinierendes     Beispiel     dafür,     wie Änderungen   im   Sozialverhalten   die   Genexpression   beeinflussen   können",   sagte   Penn. Männliche   Mäuse      können   die   Ausscheidung   der   wichtigsten   Harnproteine   -   auch   das
MUP20   mehr   als   verdoppeln,   wenn   sie   ein   Gebiet   erobert   hatten   und   sozial   dominant wurden.      Diese   Harnproteine   binden   und   stabilisieren   die   flüchtigen   Pheromone, damit   sich   die   Duftstoffe   nicht   so   rasch   auflösen   und   damit   länger   ihre   Wirkung   auf die    Weibchen    entfalten    können.    Die    Ausscheidung    bestimmter    MUPs    und    ein flüchtiges   Pheromon   beeinflußen   die   gesamte   weibliche   Fortpflanzungsphysiologie und    ihr    Sexualverhalten.    Pheromone    von    Mausmännchen    haben    generell    einen regelnden      Effekt      auf      den      Menstruationszyklus      der      Weibchen,      da      mehr luteinisierendes Hormon (LH) gebildet wird.
Das   ist   jenes   Insektenpheromon,   das   als   erstes   chemisch identifiziert    wurde:    Die    Strukturformel    von    Bombykol. Quelle: Wikipedia
So   weit   so   gut.   Was   aber   bewirken   die   Pheromone   nun   bei   den   Weibchen.   Warum werden    gerade    die    dominanten    Männchen    für    die    Fortpflanzung    so    attraktiv? Darcin     signalisiert     weiblichen     Mäusen     die     Anwesenheit     eines     dominanten Männchens   und   da   sich   Mäuse   lieber   mit   sozial   dominanten   Männchen   paaren,   ging das   Forschungsteam   davon   aus,   dass   Männchen   die   Menge   an   MUPs   regulieren,   um für   ihren   sozialen   Status   zu   werben   und   Weibchen   anzuziehen.   Weiters   ist   bekannt, dass   Darcin   einen   Lernvorgang   bei   weiblichen   Tieren   initiiert.   Nachdem   sich   die Rezeptoren   für   Darcin   im   vomeronasalen   Organ   der   Maus   befindet,   erlernen   sie dadurch die individuellen Geruchsnuancen genau dieses Mausmännchens.
Die   Ergebnisse,   die   diese   Studie   zulassen   sind   folgende:   Die   flüchtigen   Pheromone werden   von   den   MUP-Proteinen,   die   von   21   MUP-Genen   codiert   werden,   zum   Urin transportiert.   MUP-Gene   werden   hauptsächlich   in   der   Leber   produziert   und   im   Urin ausgeschieden.   Die   MUP   Ausscheidung   wurde   von   den   Mausmännchen   nach   dem Erwerb    eines    Territoriums    hochreguliert,    was    den    höchst    interessanten    Schluss zulässt:   Dass   soziales   Verhalten   die   Genexpression   beeinflussen   kann.   Dies   steht   im Gegensatz    zu    der    üblichen    Annahme,    dass    die    Genexpression    das    Verhalten beeinflussen kann, jedoch nicht umgekehrt.
Dieses   kleine   Mäuschen   lebt   in   freier   Wildbahn   und   nicht   in   „halbnatürlichen sozialen“ Bedingungen. Foto: Giuseppe Martini, unsplash.
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