der muerzpanther
UND NOCH EIN PUNKT FÜR DIE STEIERMARK … Frau   Prof.   Sabine   Pahl   hat   die   Professur   für   „Stadt   und   Umweltpsychologie“ erst    vor    kurzem    an    der    Universität    Wien    angetreten.    Ihr    Forschungs- schwerpunkt    liegt    dabei    auf    der    Wechselwirkung    zwischen    Menschen    und natürlichen   Umwelten   -   von   Plastikverschmutzung,   Klimawandel,   Artenschutz bis   zur   Stresslinderung   in   der   Natur.   Sie   war   auch   federführend   an   einer   Studie beteiligt,   die   zu   dem   Schluss   kommt,   dass   Menschen   mit   deutlich   geringerer Wahrscheinlichkeit    rauchen    und    auch    erfolgreicher    aufhören,    wenn    sie    im Grünen   leben.   Die   Daten   zur   Forschung   beruhen   auf   Antworten   von   mehr   als 8.000    Erwachsenen    auf    Fragen    zu    ihrer    Gesundheit,    ihrem    Wohnort    und verschiedenen anderen Lebensstilfaktoren. Dabei   gilt   es   zunächst   einmal   die   Statistik   zu   strapazieren,   um   das Ausmaß   von Nikotinkonsum   zu   erheben:   In   der   Steiermark   rauchen   20,3%,   Ex-   Raucher   sind 23,5%.    Weil    es    thematisch    korreliert,    betrachten    wir    auch    die    Bundes- hauptstadt    Wien:    Dort    finden    sich    22,9%    Raucher    und    immerhin    24%    Ex- Raucher,   die   früher   täglich   mehr   als   ein   Packerl   konsumiert   haben.   Natürlich gibt   es   auch   signifikante   Unterschiede   zwischen   den   Geschlechtern,   wobei   ich den    Beginn    zu    rauchen    herausheben    möchte:    36%    der    rauchenden    Frauen fangen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren an, aber nur 29,7% der Männer! Und   wie   schwierig   es   ist,   zu   rauchen   aufzuhören,   ist   dem   MÜRZPANTHER   nur   zu gut   bekannt.   Gerade   deswegen   sind   Hilfestellungen   oft   nützlich   und   die   Studie zeigt    auch    auf,    welch    große    Rolle    die    Umwelt    spielen    kann:    Wer    in unmittelbarer    Nachbarschaft    Zugang    zu    Grünflächen    hat,    hat    eine    höhere Chance   Nichtraucher   zu   werden   und   zu   bleiben.   Diese   interessante   Erkenntnis hat   den   MÜRZPANTHER   dazu   bewogen   ein   Gespräch   mit   Frau   Professor   Sabine Pahl zu führen.
Als     zentrale     Erkenntnis     hat     diese     Studie     herausgearbeitet,     dass     die Wahrscheinlichkeit   zu   rauchen   für   Menschen   in   Gegenden   mit   einem   hohen Grünflächenanteil    immer    noch    um    20%    geringer    ist,    als    in    Gebieten    mit weniger   Grünflächen.   Dabei   spielt   aber   nicht   nur   die   Umwelt   eine   wichtige Rolle,     sondern     es     wurden     auch     andere     Faktoren,     wie     etwa     der sozioökonomische Status der befragten Personen festgestellt. dMP: Welche andere Lebensstilfaktoren sind befragt worden? In   unseren   Studien   berücksichtigen   wir   zusätzlich   vor   allem   sozio-ökonomische Faktoren   wie   Einkommen,   Ausbildung   etc.   Das   ist   wichtig,   weil   diese   Faktoren sowohl   mit   Gesundheitsverhalten   als   auch   Wohnumgebung   zusammenhängen und   es   evtl.   die   Ergebnisse   verfälschen   kann,   wenn   man   diese   Faktoren   nicht berücksichtigt.   Wir   fanden,   dass   die   Effekte   unverändert   sind,   wenn   diese Faktoren in die Analyse integriert werden. dMP:   Fangen   Jugendliche   in   „grünerem“   Umfeld   auch   später   zu   rauchen an, bzw. rauchen weniger Jugendliche? Prof.   Sabine   Pahl:   Hierzu   haben   wir   leider   keine   spezifischen   Daten,   da   die Studie   ausschließlich   mit   Erwachsenen   durchgeführt   wurde   -   genauer   gesagt mit   Personen   ab   16   Jahren.   Rein   spekulativ   könnte   ich   mir   aber   vorstellen, dass   man   einen   ähnlichen   Effekt   findet,   wobei   dazuzusagen   ist,   dass   jüngere Menschen   heutzutage   ohnehin   weniger   rauchen   als   es   die   ältere   Generation tat. dMP:    Wird    aber    rauchen    –    zumindest    anfangs    nicht    als    Genuss    oder Belohnung   –   gesehen?   Ist   es   auch   ausschlaggebend,   weswegen   (aus   Frust, als   Belohnung,   wegen   Stress   …)   jemand   zu   rauchen   begonnen   hat,   oder raucht? Gute   Frage.   Wir   wissen,   das   Craving-Gefühle   zu   Rauchverhalten   führen,   und dass    erlebter    Stress    mit    Rauchen    verbunden    ist.    Wir    vermuten,    dass    die stresslindernde   Wirkung   von   natürlichen   Umwelten   den   Bedarf,   zu   rauchen, verringert,   und   auch   die   Craving-Gefühle   und   das   somit   das   Rauchen   selber verringert. Anm.   MP:   Craving   ist   ein   Begriff   aus   der   Suchtmedizin   und   beschreibt   den Suchtdruck.
Dasselbe   Forschungsteam   hat   in   früheren   Studien   bereits   gezeigt,   dass   die Möglichkeit,   Grünflächen   von   zu   Hause   aus   zu   sehen,   mit   einem   geringeren Verlangen   nach   Alkohol,   Zigaretten   und   ungesunden   Lebensmitteln   verbunden ist.   Daneben   erhöht   sich   auch   die   Wahrscheinlichkeit,   erfolgreich   mit   dem Rauchen aufzuhören um 12%. dMP:   Haben   sich   auch   Unterschiede   zwischen   den   Grünflächen   gezeigt   –   ob es eine Parkanlage in der Stadt oder ein Waldstück „am Land“ war? Prof.   Sabine   Pahl:   In   dieser   Studie   haben   wir   uns   nur   auf   den   Prozentsatz   an Grünflächen   in   der   Umgebung   konzentriert.   Es   wäre   aber   sehr   spannend,   sich die   genauen   Eigenschaften   der   Grünflächen   anzuschauen,   wo   genau   sie   liegen, wie    gepflegt    sie    sind,    was    der    Bewuchs    ist    usw.    In    anderen    Studien    zu Wohlbefinden   im   Allgemeinen   wurde   gezeigt,   dass   vor   allem   Wasserflächen positive   Auswirkungen   haben   und   eventuell   noch   besser   sind   als   ‚nur   grün‘, allerdings wurde das noch nicht in Bezug auf Gesundheitsverhalten geprüft. dMP:   Was   geschieht   in   einem   Menschen   aus   umweltpsychologischer   Sicht durch   die   Möglichkeit,   Grünräume   zu   sehen   und   auch   begehen   zu   können? Belohnung, Wohlgefühl, …? Prof.   Sabine   Pahl:   Genauso,   es   bildet   sich   ein   Gefühl   der   Verbundenheit   mit der   natürlichen   Umgebung,   man   entspannt   sich,   das   Wohlbefinden   und   die Stimmung werden besser. dMP:   Gibt   es   diesbezüglich   auch   Erkenntnisse,   dass   Menschen   mit   Zugang zu   Grünflächen   andere   merkmale   aufweisen,   beispielsweise   eine   höhere Stressresistenz, Ausgeglichenheit,...? Dazu    fallen    mir    jetzt    direkt    keine    Studien    ein,    außer    in    Bezug    auf Wohlbefinden,   da   hat   man   festgestellt,   dass   Zugang   zu   Grünflächen   positiv   mit Wohlbefinden zusammenhängt. dMP:   Gibt   Ihre   Studie   auch   Aufschluss   darüber,   dass   Menschen,   die   auf   das Land ziehen, eher aufhören? Prof.   Sabine   Pahl:   Die   Studie   hat   sich   leider   nicht   mit   Umsiedlungen   befasst,   es ging    nur    um    einen    Schnappschuss    dieser    einen    Stichprobe.    Es    wäre    sehr aufschlussreich, wenn man Menschen über mehrere Jahre verfolgen könnte. dMP:   Ergibt   sich   durch   ein   grünes   Umfeld   nicht   eine   „Rundumwirkung“. Wenn ich entspannter bin, brauche ich auch weniger Zigaretten? Prof.   Sabine   Pahl:   Genau,   Stress   ist   ein Auslöser   von   Rauchverhalten,   und   grüne Umwelten   verringern   Stress,   d.h.   das   könnte   ein   potenzieller   Mechanismus sein.
Prof.   Sabine   Pahl:   Zwar   gibt   es   inzwischen   erhebliche   Hinweise   darauf,   dass Naturräume   mit   Stressabbau   und   besserem   Wohlbefinden   verbunden   sind,   doch ist   dies   die   erste   Studie,   die   zeigt,   dass   ein   höherer   Grünflächenanteil   auch mit   einer   Verringerung   ungesunder   Verhaltensweisen   verbunden   ist.   Das   legt nahe,   dass   die   Vorteile   natürlicher   Grünräume   möglicherweise   noch   weiter reichen, als ursprünglich angenommen. Deshalb   liegt   ein   Schluss   nahe:   Eine   Verbesserung   des   Zugangs   zu   Grünflächen wäre   eine   wichtige   Strategie   für   die   öffentliche   Gesundheit   und   kann   zur Verringerung der Raucherquote beitragen. dMP:   Hängt   die   Wahrscheinlichkeit   zu   rauchen   aufzuhören   auch   mit   der Fläche des Grünraumes zusammen? Prof.   Sabine   Pahl:   Noch   so   eine   gute   Frage,   zu   der   ich   aber   leider   keine   Daten habe.   Es   wäre   toll,   wenn   wir   feststellen   könnten,   was   die   ideale   Größe   von Grünflächen   sind.   Das   erinnert   mich   an   Forschung   aus   den   Niederlanden   zu „pocket   parks“,   wonach   schon   kleine   Parks   in   der   Stadt   eine   positive   Wirkung hatten, hier allerdings allgemein auf das Wohlbefinden. dMP:   Wie   stellen   Sie   sich   die   Umsetzung   in   einem   Stadtgebiet   wie   Wien   vor –   rühmt   man   sich   doch   gerne   ohnedies   eine   sehr   „grüne   Stadt“   zu   sein. Würde    auch    bereits    eine    erweiterte    Begrünung    von    Straßen    Effekte erzielen? Prof.   Sabine   Pahl:   Das   müsste   man   ausprobieren,   klingt   auf   jeden   Fall   nach einer tollen Idee! dMP:     Sollten     Nichtraucher     Seminare     und     Hilfestellungen,     rauchen aufzugeben,   dann   nicht   unbedingt   in   grüner   Umgebeung   stattfinden   –   nicht in Büroräumlichkeiten – wie das aber meist der Fall ist? Prof.     Sabine     Pahl:     Nichtraucherseminare     verwenden     eine     Reihe     von Hilfestellungen   und   Prinzipien,   die   meistens   nichts   mit   Grünflächen   zu   tun haben.   Ich   könnte   mir   schon   vorstellen,   dass   es   einen   Synergieeffekt   geben könnte,   weil   die   Leute   entspannter   sind   und   sich   besser   konzentrieren   können in   grünen   Umgebungen. Aber   eine   Sorge   wäre,   dass   das   Seminar   ganz   woanders stattfindet,   als   es   die   Leute   aus   ihrem   Alltag   gewöhnt   sind.   Vielleicht   ist   dann die   Übertragung   des   Gelernten   auf   das   normale   Leben   nicht   mehr   so   stark gegeben. dMP: Welche Schlüsse kann man noch aus Ihrer Studie ziehen? Prof.   Sabine   Pahl:   Insgesamt   tragen   unsere   Ergebnisse   zu   vielen   Studien   bei, die    deutlich    zeigen,    wie    (lebens-)wichtig    natürliche    Umwelten    für    uns Menschen   sind,   und   meine   persönliche   Hoffnung   ist   es,   dass   damit   langsam   die Erkenntnis     wächst,     dass     wir     Natur     beschützen     müssen,     wenn     wir Lebensqualität    und    menschliches    Überleben    garantieren    wollen    auf    lange Sicht. Ökosysteme sind die Grundlage allen menschlichen Lebens. dMP: Herzlichen Dank für das Gespräch!
Genuss, Belohnung, Schädi- gung, Verantwortung? Die Ekelbilder auf Zigaret- tenpackungen schrecken vor allem Jugendliche ab, die noch nie geraucht haben.
So spektakulär zeigt sich die Umwelt in der Steiermark - fast jeden Tag!
Noch mehr „Suchtcharakter“ hat auf den MÜRZPANTHER die herrliche steirische Landschaft, mit Bach.
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