der muerzpanther
NACH OBEN NACH OBEN
ALLEN RITTERFALTERN GEMEIN IST EINE WAFFE … Die   ersten   Sichtungen   sind   erfolgt.   Es   sind   Zitronenfalter,   die   im   freien   Gelände   –   teils eingeschneit    –    überwintern.    Deswegen    sind    sie    die    ersten    Falter,    die    Flugzeit    haben. Besonders,   wenn   an   diesen   ersten   Frühlingstagen   die   Sonne   scheint   und   die   Temperaturen bereits über 15°C erreichen. Die   Schuppenflügler   bilden   mit   knapp   160   000   Arten   nach   den   Käfern   die   artenreichste Insektenordnung.   Dabei   sind   noch   nicht   einmal   alle   entdeckt.   Davon   sind   ca.   4000   Arten heimisch,   von   diesen   zählen   etwas   über   200   zu   den   Tagfaltern.   Alleine   in   der   Steiermark gibt es – noch – 2 917 unterschiedliche Arten. Diese    Vielfalt    ist    sicherlich    auch    der    großen    naturgeschützten    Fläche    der    Steiermark geschuldet   –   nämlich   8%   des   Landes.   Dabei   sticht   vor   allem   der   Nationalpark   Gesäuse heraus,   der   mit   11   000   Hektar   ein   besonders   wertvolles   Naturreservoir   mit   1200   Schmet- terlingsarten darstellt. Nach   dem      Schmetterlingsreport   von   Peter   Huemer   mit   Stand   2016   sind   von   stark   gefährdet,   über   vom   Aussterben   bedroht    bis   zu   ausgestorben   oder   verschollen    immerhin   17%   aller Tagfalterarten   betroffen.   Bei   den   Nachtfaltern   ist   es   mit   21%   noch   schlimmer.   Die   Ursachen dafür   sind   allen   voran   die   Verbauung   und   die   landwirtschaftliche   Intensivierung   mit   extrem negativen    Folgen,    aber    auch    Luftschadstoffe    und    Krankheiten.    Laut    Naturschutzgesetz werden   fast   alle   Tagfalter   und   Blutströpfchen,   aber   auch   einige   auffallende   Nachtfalter   wie sämtliche    Schwärmerarten    oder    einige    Ordensbänder    in    der    aktuellen    Artenschutzver- ordnung aufgelistet. Ähnlich verhält es sich auch über der österreichischen Grenze: in Bayern. Der    Lepidopterologe    (Schmetterlingskundler)    Andreas    Segerer    meint    aufgrund    seiner Forschungsergebnisse:   " Wir   haben   einen   dramatischen   Rückgang   in   der   Artenvielfalt   und   in der   Menge   der   Schmetterlinge   feststellen   müssen."    Bei   manchen   Arten   sind   die   Bestände um   90%   zurückgegangen.   Und   um   es   noch   anschaulicher   zu   machen   stellt   er   fest:   "In   den vergangenen   30   Jahren   haben   wir   in   Bayern   mehr   Arten   verloren,   als   die   ganzen   200   Jahre zuvor".  Dabei   sind   die   Schmetterlinge   sehr   gut   erforscht,   über   250   Jahre   liegen   die Aufzeichnungen von    Beobachtungen    und    Studien    bereits    zurück.    Bereits    Carl    von    Linné    hat    in    seiner sechsten   Auflage,   die   im   Jahre   1748   erschien,   dem   Tierreich   76   Seiten   gewidmet.   Auf   die zehnte   Auflage   seiner   Systema   naturae   bezieht   sich   heute   noch   die   Namensgebung   in binärer   Form.   Ein   etwas   umfassenderes   Werk   hat   Dr.   Andreas   Segerer   von   der   Zoologischen Staatssammlung      München      mit      dem      "Atlas      aller      in      Bayern      nachgewiesenen Schmetterlingsarten "     erstellt.     Mit     ihm     haben     wir     ein     Interview     geführt     -     unter Berücksichtigung der positiven Aspekte zur Verbreitung von Schmetterlingen. Und    um    uns    geradezu    Erfreulichem    zu    widmen,    hat    der    Mürzpanther    aus    der    Reihe NATURKUNDEN   des   Verlages   Matthes   &   Seitz   Berlin   das   Buch   mit   dem   Titel   Schmetterlinge   - Ein Portrait von Andrea Grill genauer unter die Insektenlupe genommen.
Es   ist   mehr   als   erfreulich:   die Reihe       NATURKUNDEN       des Verlages      Matthes      &      Seitz Berlin.
Schlagen   wir   dieses   sorgfältig   gemachte   Buch   aber   von   vorne   auf.   Die Autorin   Andrea   Grill   steigt   mit   dem   Gemälde   von   Hieronymus   Bosch „Der   Garten   der   Lüste“   ein,   um   neben   einem   Ausflug   in   das   Altertum in   den   ersten   Kontakt   mit   den   Schmetterlingen   zu   treten.   Dieser bemerkenswerte    Aspekt,    nicht    gleich    die    Wissenschaft    in    den Vordergrund     zu     rücken,     ist     wahrscheinlich     der     Schönheit     der Geschöpfe    geschuldet.   Alsbald    gelangt    der    Leser    durch    die    bunte Geschichte   der   Schmetterlingsforschung   -   allen   voran   die   bahnbrech- enden    Ausführungen    der    Maria    Sibylla    Merian    -    zu    den    ersten „Begegnungen“ der Autorin. In     erzählerischer     Form     mischt     sie     ihre     Studienforschung     mit Weltliteratur   und   persönlichen   Eindrücken.   Und   nicht   zufällig   beginnt in   dem   Kapitel   „Berührungen“   der   Kreislauf   von   Neuem:   wir   erfahren, dass   Männchen   von   Weibchen   als   Raupen   noch   nicht   zu   unterscheiden sind   -   das   stellt   sich   erst   nach   dem   Schlüpfen   heraus.   Andrea   Grill vergleicht   den   Lebensabschnitt   des   Falters   mit   der   Blühphase   der Pflanzen: „Da   bilden   sie   Samen,   breiten   sich   aus,   paaren   sich.   Ihre   griechische
Bezeichnung   „   fliegende   Blume“   ist   also   trefflich.“   Aber   so   einfach ist    es    dann    ja    doch    nicht:    Schmetterlinge    sind    sehr    wählerisch    - keinesfalls paart sich jedes Männchen mit jedem Weibchen! Zurückgreifend     auf     ihre     Studien,     die     Andrea     Grill     im     Labor durchgeführt    hat,    wird    dem    staunenden    Leser    erklärt,    dass    der Altersunterschied    innerhalb    eines    Paares    eine    fortpflanzungsent- scheidende    Rolle    spielt:    Wird    nämlich    ein    Weibchen    von    zwei Männchen   umworben,   wählt   es   den   Älteren.   Hat   aber   ein   Männchen die   Wahl   zwischen   zwei   Weibchen,   wählt   es   immer   das   Jüngere   -   auch wenn   es   sich   lediglich   um   den   Altersunterschied   von   einer   Stunde handelt! Ausflüge   in   die   Physiologie   der   Schmetterlinge   erzählen   von   einem schlauchförmigen   Muskelstrang,   dem   Herzen,   das   ungefähr   doppelt   so schnell   schlagt   wie   das   des   Menschen:   140   mal   pro   Minute.   Es   pumpt die   Hämolymphe   durch   den   Körper   des   Schmetterlings,   transportiert aber keinen Sauerstoff!
Der geübte Schmetterlingskundler erkennt natürlich sofort: Rechts ist nicht die Raupe des Trauermantels. Fotos: der MÜRZPANTHER
dMP:   Wie   kamen   sie   zu   dem   Fach   der   Schmetterlinge?   Welche waren die besonderen Reize? Andreas   Segerer:   Das   kann   ich   so   genau   gar   nicht   nachvollziehen.   Fakt ist,   dass   ich   schon   mit   5   Jahren   hinter   unserem   Haus   auf   Jagd   nach Kohlweißlingen    ging.    Es    scheint    mir    also    irgendwie    in    die    Wiege gelegt.     In     der     dritten     Klasse     Volksschule     galt     ich     schon     als "Schmetterlingsprofessor"! dMP: Sind Schmetterlinge für Sie (ästhetisch) schön? Ja,   definitiv.   Selbst   bei   den   kleinsten   Formen   offenbart   sich   unter dem Vergrößerungsglas eine Fülle von Farben und Formen. dMP:   Woher   kommt   die   Farbenvielfalt?   /   Tarnung   kann   es   ja   nicht sein - wozu diese Farbexplosion der Natur? Doch,   vielfach   ist   es   Tarnung:   Das   sind   dann   die   Arten   mit   braunen oder   grünen   Farben,   die   sich   vom   Untergrund   nicht   abheben.   Dazu kommt   Formenauflösung,   z.B.   machen   einige Arten   Vogelkot   nach   und sind   dadurch   getarnt,   auch   wenn   sie   ganz   offen   auf   den   Blättern sitzen. Das     nächste     sind     grelle     Warnfarben     (meist     rot/schwarz     oder gelb/schwarz),    um    evtl.    Feinden    zu    signalisieren,    dass    die    Falter schlecht   schmecken   oder   gar   giftig   sind.   Und   "Fake-Schmetterlinge", die   dieses   Signalmuster   nachahmen,   ohne   selbst   schlecht   schmeckend oder    giftig    zu    sein.    Selbst    unsere    Kohlweißlinge    gehören    in    diese Gruppe.   Und   die   Weibchen   vom   Zitronenfalter,   die   ja   auch   weiß   sind, machen dieses Muster nach. Dann   gibt   es   Signalfarben   für   die   Geschlechterfindung,   die   teilweise sogar erst im Ultraviolett erkennbar werden. dMP:   Aus   welchen   Stoffen/   Materialien   sind   die   Farben?   Und   wie gelangen sie in die Flügel? Es    gibt    echte    Pigmentfarben,    hier    werden    also    im    Zuge    des Stoffwechsels      echte      Farbpigmente      synthetisiert      und      in      die Flügelschuppen   eingelagert.   Daneben   gibt   es   sog.   Strukturfarben;   das sind   dann   im   Prinzip   vollständig   durchsichtige   Flügelschuppen,   die aber   im   Elektronenmikroskop   betrachtet   eine   komplexe   Feinstruktur haben;   in   diesen   Strukturen   bricht   sich   das   Licht   wie   in   Prismen;
dabei    werden    nur    bestimmte    Farbanteile    (in    der    Regel    blau) zurückgeworfen.    Die    Männchen    unserer    heimischen    Schillerfalter besitzen      solche      Strukturfarben,      oder      die      südamerikanischen Morphofalter. dMP: Welche Bedeutung hat der "Zappelflug" der Schmetterlinge? Dadurch   wird   es   für   Freßfeinde   (und   Schmetterlingssammler)   schwer vorauszuberechnen,   wo   das   Tier   im   nächsten   Augenblick   sein   wird. Die   Männchen   der   o.   g.   Morphofalter   kombinieren   einen   unruhigen Flug   mit   Farben:   Ihre   Oberseite   ist   leuchtend   metallisch-   blau,   die Unterseite   hingegen   braun.   Wenn   diese   Falter   durch   das   Unterholz des   Regenwaldes   fliegen,   blitzen   sie   auffällig   auf   (wenn   sie   die   Flügel öffnen),    um    im    nächsten   Augenblick    (beim    Schließen    der    Flügel) wieder   "unsichtbar"   zu   werden.   Da   sie   unruhig   fliegen   und   großen Vortrieb   haben,   ist   es   fast   kaum   vorherzusehen,   in   welche   Richtung sich   der   Falter   bewegt   und   er   das   nächste   Mal   "aufblitzen"   wird.   Der unruhige    Flug    in    Kombination    mit    wechselseitigem    aufblitzen    und verschwinden   ist   sehr   verwirrend   und   so   sind   die   Falter   in   der   Natur (ich    weiß,    wovon    ich    rede),    nur    sehr    schwer    zu    erwischen. Gleichzeitig   dient   dieses   Aufblitzen/Verschwinden   auch   als   Signal   für die     Weibchen,     dass     sich     hier     in     der     Gegend     ein     Männchen herumtreibt. Daran    sieht    man,    dass    es    verschiedene    Ebenen    sind,    die    hier ineinander   greifen:   Geschlechterfindung   und   Verwirrung   von   Feinden durch   unruhigen   Flug   in   Kombination   mit   dem   Farbspiel   und   dem unruhigen Flug. dMP:   Wieso   sind   Raupen   oft   so   knallig   in   der   Punkt-   Farbgebung (Augen)      –      können      Fressfeinde      diese      Farben      überhaupt wahrnehmen? Das,   was   ich   oben   über   die   Farbenvielfalt   der   Falter   geschrieben habe,    gilt    auch    für    die    Raupen    -    natürlich    mit    Ausnahme    der Geschlechtererkennung,   das   gibt   es   bei   Raupen   ja   nicht!   Meist   sind   es also   Tarn-   oder   Signalfarben,   letzte   signalisieren   den   Feinden   Gefahr; und   dann   gibt   es   die   Nachahmer,   die   Gefahr   signalisieren,   ohne   selbst gefährlich zu sein.
Die   Raupen   der   Schmetterlinge   sind   wehrhaft!   Und   rechts   einer   der   spektakulärsten   Falter   unserer   Gegend:   Der   Schwalben- schwanz,   dem   die   Autorin   Andrea   Grill   -   wie   vielen   anderen   heimischen   Faltern   auch   -   ein   Portrait   in   ihrem   Buch   widmet.   Fotos: der MÜRZPANTHER
Die    hochinteressanten    Ausführungen    der    Buchautorin    Andrea    Grill führen   uns   auch   in   die   Aufzucht   der   Raupen.   Dabei   kann   man   so spannende    Geschichten    erfahren,    dass    sich    Bläulingsraupen    so verkleiden,     dass     sie     von     Ameisen     aufgezogen     werden.     Diese „Symbiosen“ kennt man eigentlich nur aus dem Reich der Vögel … Aber   richtig   raffiniert   gehen   die   Raupen   an`s   Werk.   Studien   haben gezeigt,    dass    die    Raupen    die    Art    des    Bettelns    von    Babyameisen imitieren   können   und   als   Gegenleistung   sondern   sie   ein   Sekret   ab, dass   die   Ameisen   ablecken.   Und   es   geht   in   der   Natur   natürlich   noch weiter:     Selbst     wenn     die     Nahrung     knapp     wird,     werden     die Bläulingsraupen   bevorzugt   gefüttert,   selbst   auf   die   Gefahr   hin,   dass die   eigene   Ameisenbrut   eingeht!   Und   wenn   es   gar   nicht   mehr   anders geht,   werden   auch   noch   die   eigenen   Ameisenlarven   an   die   Raupen verfüttert!   Solche   Geschichten   schreibt   nur   die   Natur   und   die Autorin Andrea Grill.
Deswegen    ist    dieses    Buch    als    Bereicherung    in    vieler    Hinsicht    zu sehen!     Wie     es     der     Raupe     sogar     gelingt,     die    Ameisenkönigin „nachzumachen“    und    Aufmerksamkeit    zu    erregen,    lesen    Sie    am besten selbst! Natürlich   ist   auch   der   Geschichte   ein   guter   Teil   der Arbeit   gewidmet, so   auch   Charles   Darwin,   dessen   Erkenntnis   der   Einzigartigkeit   jedes Individuums,   ob   Muschel,   Weizenpflanze   oder   Mensch,   eine   zentrale Erkenntnis   der   Schöpfung   ist.   Andrea   Grill   verbindet   in   ihrem   Buch, Literatur   mit   Natur   aber   auch   die   Evolutionstheorie   mit   Religion.   So vielfältig   sich   die   Mechanismen   in   der   Natur   darstellen,   so   vielfältig kann    die    Beantwortung    von    Problemstellungen    ausfallen:    In    dem Kapitel   Fragen   über   Fragen“    erlangt   der   Leser   tiefen   Einblick   in   die Vielfalt   an   biologischen   Lösungen.   Über   den   Passionsblumenfalter   bis zu   den   sardischen   Ochsenaugen.   Den   eigentlichen   Studienobjekten der Andrea Grill.
Die    Abbildung    führt    wieder    in    die    Geschichte    der Schmetterlingskunde:   Maria   Sibylla   Merian   zeichnete Schmetterlinge   in   allen   Metamorphosestadien,   inklu- sive Futterpflanzen.
dMP:   Können   sich   Schmetterlinge   anpassen?   Klimatisch   oder in Höhenlage? Andreas    Segerer:    Eher    schlecht.    Deshalb    gibt    es   Ausweichbe- wegungen   im   Zuge   des   Klimawandels:   Eher   Kälte   liebende   Arten ziehen   sich   nach   Norden   oder   in   größere   Höhen   zurück,   eher Wärme liebende Arten ziehen von Süden her nach. Es    wurde    aber    spekuliert,    dass    sich    einzelne    Arten    an    die Bewirtschaftungsweise     (z.     B.     Mahdzeitpunkt)     von     Wiesen angepasst    hätten    und    dort,    wo    die    Wiesen    früher    gemäht werden,   auch   früher   fliegen.   Ich   halte   das   für   nicht   begründet, es gibt m. W. harten Daten, die das wirklich belegen würden. In   den   Tropen   ist   es   sogar   so,   dass   die Arten   so   geringe   thermale Schwellenwerte      haben,      dass      sie      mit      der      derzeitigen Klimaerwärmung   nicht   klar   kommen   und   verschwinden.   Daher ist    die    Klimaerwärmung    nicht    nur    in    den    Polarregionen    und Hochgebirgen,   sondern   auch   im   Regenwald   ein   Haupttreiber   des Artensterbens.    In    unseren    Breiten    hingegen    spielt    das    keine große    Rolle,    die    meisten    heimischen   Arten    sind    eher    Wärme liebend     und     sollten     von     der     globalen     Erwärmung     also profitieren;    tun    sie    aber    nicht,    weil    die    Vernichtung    und Vergiftung      von      Lebensraum      (Flächenfraß,      Monokulturen; Übberdüngung, Pestizide) ihnen keine Chance lassen. dMP:   Gibt   es   auch   Arten,   die   sich   ausbreiten   und   damit   im Bestand wachsen? Ja,   die   gibt   es,   sie   sind   aber   eher   in   der   Minderzahl.   In   Bayern sind   es   <   50   Arten   (von   3303),   die   sich   derzeit   merklich   aus- breiten. -   Zum   einen   sind   es   sog.   Allerweltsarten,   die   einigermaßen   mit den      oben      kritisierten      Veränderungen      der      Lebensräume klarkommen   und   dann   vom   Klimawandel   profitieren.   Meist   sind das   Arten   der   Wälder   und   Gebüsche.   Der   Schwammspinner   ist ein klassisches Beispiel. -    Dann    gibt    es   Arten,    die    aus    Gründen,    die    meist    nicht    gut bekannt    sind,    zu    Schwankungen    (Ausweitungen,    aber    auch Rücknahme)       ihres       Areals       neigen.       Dazu       zählt       der Eichenprozessionsspinner,    der    sich    derzeit    in    Bayern    massiv ausbreitet.     Die    Ausbreitung     dieser    Art     wird     oft,     aber     zu Unrecht,   dem   Klimawandel   in   die   Schuhe   geschoben.   Das   stimmt aber   so   nicht:   Mitte   des   19.   Jhd.s,   einer   Zeit,   wo   das   Klima
eher    kühl    war,    war    diese    Art    am    Nordrand    der    Alpen    bei Salzburg    sehr    häufig,    ist    dann    aber    wieder    verschwunden, obwohl es wärmer wurde. -   Und   drittens   sind   eingeschleppte   Arten   zu   nennen,   die   bei   uns (anfänglich)    keine    natürlichen    Feinde    haben    und    sich    daher ungehindert     vermehren     und     ausbreiten     können.     Kastanien- minierfalter oder Buchsbaumzünsler wären Beispiele. dMP:   Wo   werden   die   meisten   neuen   Arten   entdeckt?   Gibt   es auch bei uns neue Tagfalterarten? Die     meisten     neuen     Arten     werden     in     den     Tropengebieten entdeckt.     Man     schätzt,     dass     50-80%     aller     existierenden Schmetterlingsarten   der   Wissenschaft   noch   unbekannt   sind,   die allermeisten    davon    in    Tropengebieten.    Es    ist    zu    befürchten, dass   ein   Großteil   aussterben   wird,   ehe   die   Wissenschaft   sie   je zu Gesicht bekommen hat. In   Mitteleuropa   sind   die   Schmetterlinge   sehr   gut   untersucht   und ganz   speziell   gilt   das   für   die   Tagfalter,   die   Sie   ansprechen;   es ist    also    eher    nicht    damit    zu    rechnen,    dass    bei    uns    noch irgendetwas     Neues     gefunden     wird.     Bei     Nachtfaltern     und insbesondere    den    artenreichen    "Kleinschmetterlingen"    (vulgo Motten)   sieht   die   Sache   anders   aus.   Hier   gab   und   gibt   es   aus den   letzten   Jahren   etliche   Beschreibungen   neuer   Arten,   auch   in Bayern harren noch mindestens drei der Neubeschreibung. dMP:    Welchen    Stellenwert    besitzen    die   Tag/    Nachtfalter    in der Nahrungskette? Einen   sehr   hohen:   Schmetterlinge   sind   wichtige   Nahrungsquelle für   ein   Milliardenheer   von   Tieren,   die   obligat   oder   fakultativ auf      Insektennahrung      angewiesen      sind.      Angefangen      von räuberischen    Gliedertieren    wie    Schlupfwespen    oder    Spinnen über   Fische   bis   zu   Fledermäusen,   Vögeln   etc.   In   einigen   Ländern werden    bestimmte    Schmetterlignsraupen    auch    vom    Menschen verzehrt.   Überhaupt   ist   ihre   Rolle   als   "Opfer"   eine   der   zentralen Funktionen von Insekten für die Ökosysteme. In   Bayern   verzeichnen   wir   Verluste   von   ~50%   unserer   Feldvögel. Dieses   Vogelsterben   hat   mehrere   Gründe,   aber   Nahrungsmangel ist definitv einer davon. dMP: Herzlichen Dank für das Interview!