der muerzpanther
TIERE SIND KEINE GESCHENKE! Alljährlich    warnt    die    österreichische    Tierärztekammer    vor    dem    Weihnachtsgeschenk Haustier.   Alljährlich   werden   Hunde,   Katzen,   Hamster,   Meerschweinchen   und   andere   Tiere aus   einer   falschen   Erwartungshaltung   oder   aus   Wunschdenken   gedankenlos   angeschafft. Dabei   steht   meistens   der   Mensch   im   Mittelpunkt,   der   etwas   will,   und   oft   keine   Kenntnisse über ein Lebewesen hat, das schnell als unüberlegtes Impulsgeschenk zur Last wird. Dazu   kommt   heuer   noch   die   Situation,   dass   Gassigehen   mit   Hunden   eine   Ausnahme   der strengen   Ausgangsbeschränkungen   der   Regierung   darstellt.   Es   ist   bedauerlicherweise   zu erwarten,   dass   die   Freude   nach   Beendigung   der   Restriktionen   ein   Ende   finden   wird   und   das zunächst   liebgewordene   Familienmitglied   schnell   zu   einer   Belastung   wird,   das   entfernt werden muss. „Leider    zeigt    uns    die    Erfahrung,    dass    allzu    oft    das    Weihnachtsgeschenk    nach    den Feiertagen   zur   unerwünschten   Belastung   wird.   Bedauerlicherweise   landen   alle   Jahre   viele Haustiere   anschließend   im   Tierschutzhaus.“    Wie   sich   die   Situation   nach   Weihnachten   und Silvester   darstellt   hat   der   Mürzpanther   recherchiert   und   ein   Interview   mit   Mag.   Silvia Stefan-Gromen von der Österreichischen Tierärztekammer geführt.
 NACH OBEN NACH OBEN
dMP:   In   Gesprächen   mit Tierärzten   erfährt   man,   dass   besonders   viele   Welpen   zur   Zeit   geimpft, etc.   werden.   D.h.   sehr   viele   Menschen   haben   sich   Hunde   genommen.   Können   Sie   diesen Eindruck bestätigen? Silvia Stefan-Gromen: Ja diesen Eindruck können wir bestätigen. dMP:   Beschäftigen   sich   mehr   Menschen   als   sonst   mit   Haustieren?   Und   der Anschaffung?   Gibt   es seitens der Tierärztekammer Beanstandungen zur "Beschaffung" gerade von Hunden? Silvia   Stefan-Gromen:   Wir   verzeichnen   mittlerweile   den   dritten   Lockdown   –   die   Menschen   sind   im Homeoffice   bzw.   vermehrt   zu   Hause,   hier   ist   es   naheliegend,   dass   einige   daran   denken,   sich   ein Haustier   anzuschaffen.   Die   verordneten   Kontaktbeschränkungen   unterstützen   zudem   den   Wunsch nach   einem   tierischen   Familienmitglied.   Viele   Personen,   die   alleine   leben   bzw.   ältere   Menschen fühlen    sich    womöglich    auch    einsam.    Auch    Familien    schaffen    sich    derzeit    einen    Hund    als Spielgefährten für ihre Kinder an. Grundsätzlich   ist   aus   Sicht   der   Tierärzteschaft   an   diesem   Trend   nichts   auszusetzen   –   doch   nur, wenn    die    Tiere    artgerecht    gehalten    werden    und    auch    entsprechend    Zeit    für    die    Haustiere vorhanden   ist.   Die   Befürchtung   ist   allerdings   naheliegend,   dass   nach   Rückkehr   in   den   normalen Arbeitsalltag,   die   Tierschutzhäuser   zunehmend   wieder   mit Abgabetieren   überhäuft   werden   und   wir mit tierschutzrelevanten Angelegenheiten befasst werden. dMP: Welche Rassen sind zur Zeit gerade „en vogue“? Silvia    Stefan-Gromen:    Viele    kleinwüchsige    Rassen    wie    Französische    Bulldoggen    (Qualzucht!), Zwergspitz, Chihuahua, etc. aber auch größere Hunderassen wie Golden Retriever. dMP:   Heuer   war   das   Raketenaufkommen   zu   Silvester   mit   Sicherheit   schwächer   als   die   Jahre zuvor. Hat sich das auch in den nötigen Behandlungen ausgedrückt? Silvia    Stefan-Gromen:    Auch    hier    können    wir    nur    auf    Erfahrungswerte    einzelner    KollegInnen zurückgreifen     und     feststellen,     dass     es     heuer     weniger     Notfälle     im     Zusammenhang     mit Feuerwerkskrachern gegeben hat.  
dMP:   Bei   Verstößen:   Wie   kompliziert   ist   die   Meldepflicht   für Tierärzte   -   und   was   gehört   seitens der Kammer geändert oder verbessert? Silvia    Stefan-Gromen:    Grundsätzlich    sind    Verstöße   Angelegenheit    der   Amtstierärzte,    die    nicht Mitglied der Tierärztekammer sind. Gegen   den   illegalen   Welpenhandel   ist   es   sehr   schwer   vorzugehen.   Der   internationale   kriminelle Online-Handel    sowie    der    tierquälerische    Welpentransport    quer    durch    Europa    ist    seitens    der Exekutive   extrem   schwierig   in   den   Griff   zu   bekommen.   Unsere   KollegInnen   in   der   Tierarztpraxis sind    bedauerlicherweise    meist    mit    den    vollendeten    Tatsachen    konfrontiert    und    bekommen todkranke Welpen in die Praxis, die in vielen Fällen nur mehr dem Tod geweiht sind. Die   Tierärztekammer   hat   dazu   vor   einiger   Zeit   eine   Bewusstseinskampagne   ins   Leben   gerufen,   die nicht aktueller sein könnte: http://www.illegalerwelpenhandel.at/ dMP:    Welche    Reglements    für    Hundebesitzer,    bzw.    gesetzliche    Vorgaben    könnten    Sie    sich vorstellen,   um   gewissen   Tendenzen   Einhalt   zu   gebieten?   Sollte   jeder   ein   Art   Führerschein erwerben müssen? Silvia    Stefan-Gromen:    Den    Hundeführschein    bzw.    den    verpflichtenden    Sachkundenachweis    für bestimmte   Rassen   gibt   es   ja   bereits.   Die   Österreichische   Tierärztekammer   bietet   dazu   auch   ein Ausbildungsangebot   für   TierärztInnen   an   –   siehe   „ÖTK-Hundezertifikat“.   Wie   sinnvoll   es   ist,   diesen auf    alle    Rassen    auszuweiten,    wird    derzeit    noch    von    Experten    diskutiert.    Aus    Sicht    der Tierärztekammer    ist    eine    Auseinandersetzung    mit    den    grundlegenden    Bedürfnissen    einzelner Hunderassen,   den   Basics   in   Sachen   Hundeerziehung,   Verhaltenstraining   und   Tiergesundheit   eine wichtige   Voraussetzung   vor   der   Anschaffung   eines   Hundes   und   sollte   im   Interesse   jedes   künftigen Hundehalters liegen. dMP:   Wird   es   in   geraumer   Zeit   zur   großen   Überfüllung   von   Tierheimen   kommen?   Viele   werden keine   Zeit   mehr   aufbringen   können   oder   wollen   oder   schlichtweg   überfordert   sein.   Gibt   es seitens der Tierärztekammer Initiativen, die darauf abzielen? Silvia   Stefan-Gromen:   Wir   können   derzeit   nur   Vermutungen   anstellen.   Ob   es   tatsächlich   so   sein wird,    werden    wir    erst    wissen,    wenn    es    soweit    ist.    Wir    werden    hier    einmal    mehr    auf Aufklärungsarbeit setzen und sicherlich initiativ werden. dMP:   Es   gibt   beim   Aussetzen   auch   Fälle   von   Tieren,   denen   der   Chip   entfernt   (um   es   nett auszudrücken)    worden    ist.    Welche    Mittel    können    Sie    sich    vorstellen,    um    das    Tierwohl sicherzustellen? Silvia   Stefan-Gromen:   Eine   solche   Handlung   ist   nach   Tierschutzgesetz   jedenfalls   zu   ahnden   und   ist in   jedem   Fall   kriminell.   Wir   haben   europaweit   eines   der   strengsten Tierschutzgesetze   in   Österreich und das ist gut so. Solche Vorfälle müssen konsequent strafrechtlich verfolgt werden.    
Es sollte überhaupt kein Tier gedankenlos geschenkt werden. Verantwortung und Kenntnisse über die Bedürfnisse der Mitbewohner sollten den Ausschlag geben, ein Tier aufzunehmen.   Foto: Bonnie Kittle, unsplash
Es gibt leider immer Hunde, die „in Mode“ kommen. Manchmal wird diese sogar von Kinofilmen beeinflusst, wodurch diese Rassen dann stark nachgefragt und vermehrt angeschafft werden. Die Besitzer kennen jedoch die rassespezifischen Eigenschaften nicht und können dann oft mit den Tieren nicht richtig umgehen - was zu Problemen und oft in´s Tierschutzheim führt. Foto: Karsten Winegear, unsplash
ACHTUNG: Dieser Artikel enthält folgende Ausdrücke:
wildkräuterkochkurse, kräutermenü, tag des waldes, 21. märz, waldbaden,