der muerzpanther
Panik im Schwimmbad, Panik beim Grillen! Panik beim Nest, Panik am Bier! Sie   treten   bereits   wieder   vermehrt   auf:      Es   wird   Spätsommer   und   die   Wespen   haben sich   entwickelt.   Allerdings   sind   sie   bis   jetzt   im   Vergleich   noch   etwas   klein!   Aber vielleicht   liegt   das      an   unseren   kühlen   Nächten   im   Mürztal!   Diese   Tatsache   ruft allerdings   -   ähnlich   wie   der   Pollenflug   -   jedes   Jahr   zur   selben   Zeit   die   Warnung   vor Insektenstichen   oder   allergischen   Reaktionen   auf´s   Programm.   Dann   wollen   wir   mal: Etwa   jeder   30.   Österreicher   (3,3%)   ist   von   einer   Insektengift-Allergie   betroffen.   Drei von    vier    reagieren    auf    Wespenstiche    –    das    sind    in    etwa    200.000    Menschen    in Österreich.   Bei   ihnen   genügt   ein   einziger   Stich,   um   innerhalb   weniger   Minuten   in Lebensgefahr zu geraten. Allergiker    müssen    daher    ihre    Notfallmedikamente,    allem    voran    einen   Adrenalin- Autoinjektor, immer mit sich tragen. Der   Mürzpanther   wollte   mehr   über   die   Biologie   der   Wespen,   mehr   über   die   Wirkung der    Insektenstiche    und    mehr    über    Möglichkeiten    wissen,    wie    man    sich    richtig verhält.   Das   Ergebnis   läßt   staunen:   Bewahren   Sie   Ruhe   und   lesen   Sie   warum   man   das Essen im Sommer wegräumen sollte!
Ruhe    bewahren    und    geniessen.    Sie    greifen    nicht    an;    nur wenn   sie   sich   bedroht   fühlen.   Wie   jedes   andere   Lebewesen auch! Foto: Thomas Millot -unsplash
Bei     den     Wespen     können     nur     die     weiblichen    Tiere     stechen.     Den männlichen,   den   Drohnen,   fehlt   der   Stachel.   Die   am   häfigsten   bei   uns vorkommenden    Wespen    sind    die    gemeine    /    Vespa    vulgaris/    und    die deutsche   Wespe   /Vespa   germanica/,   die   wie   die   Bienen   auch   in   der Überordnung    zu    den    Hymenoptera    -    der    Name        bezieht    sich    auf    die Flügel   der   Insekten   -   gehören.   Allesamt   sind   sie   natürlich   Insekten.   Der Giftstachel     der     Hymenopteren     hat     sich     aus     dem     Eiablageapparat entwickelt. Durch   einen   Bienenstich   werden   bis   zu   140   μg,   durch   einen   Wespenstich lediglich   bis   3   μg   Gift   abgegeben.   Stachel   und   Giftapparat   bleiben   bei einem   Bienenstich   meist   in   der   Haut   zurück   und   geben   weiter   Gift   ab (das    führt    zu    der    bedeutend    höheren    Menge),    Wespen    können    den Stachel    meist    wieder    zurückziehen.    Dabei    unterscheiden    sich    das Wespengift   und   das   Bienengift   in   der   Zusammensetzung   deutlich.   Die toxische     Wirkung     eines     Stiches     in     die     Haut     zeigt     sich     in     einer schmerzhaften   Rötung   und   Schwellung,   die   meist   weniger   als   10   cm   im Durchmesser     groß     ist     und     sich     innerhalb     eines     Tages     deutlich
zurückbildet.   Es   kann   aber   auch   zu   einer   Reaktion   kommen,   die   einen Hof    von    >    10cm    bildet    und    über    mehrere    Tage    hindurch    leichte Allegemeinbeschwerden   hervorruft.   Sie   sind   vermutlich   allergisch,   aber nicht   unbedingt   IgE-vermittelt   ausgelöst.   Für   eine   schwere   allergische Reaktion      sind      die      eben      genannten      IgE      (Immunglobuline      E) verantwortlich,    die    bis    zu    einem    anaphylaktischen    Schock    führen können.        Das    Immunsystem    allergischer    Patienten    reagiert    mit    der Bildung von IgE-Antikörpern auf den Kontakt mit Allergenen. Der   Stachel   einer   Wespe   ist   2,7   mm   lang,   der   einer   Hornisse   3,2   -   3,8 mm.   Damit   sich   der   Stachel   der   Weibchen   auch   tief   in   unserer   Haut verankern   kann,   besitzt   dieser   Widerhaken.   Daneben   ist   die   Muskulatur rund   um   den   Stachelapparat   bei   der   Wespe   besonders   stark   ausgebildet. Das   sorgt   dafür,   dass   die   Tiere   den   Stachel   einfach   wieder   aus   unserer Haut   nach   dem   Wespenstich   herausziehen   können.   Eine   Wespe   kann   also mehrmals zustechen.
Mit     dem     Wespenstich     wird     ein     Gift     ausgesondert,     das     in     zwei schlauchförmigen   Drüsen   gebildet   wird   und   dann   in   einer   sogenannten Giftblase   mündet   und   wird   direkt   durch   den   Giftkanal   in   die   Wunde gepresst.   Es   beinhaltet   biogene Amine   (dazu   gehört   Histamin),      basische Polypeptide      und      freie     Aminosäuren      -     Allergene      bestehen      aus Aminosäuren,    dazu    zählen    auch    Injektionsallergene,        bei    denen    das Allergen    durch    Insektenstiche    übertragen    wird.    Welche    Substanzen beinhaltet     aber     das     Gift     der     Wespen,     die     so     starke     Reaktionen hervorrufen?   In   den   biogenen   Aminen   wurden   unter   anderen   folgende Stoffe nachgewiesen: -Histamin -Serotonin -Dopamin -Noradrenalin -Adrenalin -Acetylcholin Dabei   ist   die   Konzentration   an   Acetylcholin   die   höchste,   die   bisher   bei einem    Lebewesen    gefunden    wurde.    Das    Gift,    das    über    den    Stachel injiziert   wurde,   wirkt   bereits   nach   kürzester   Zeit,   baut   sich   aber   in   der Regel sehr schnell im Körper wieder ab. Gemeinsam   mit   der   Deutschen   Wespe,   die   die   Vorliebe   für   Speisen   und Getränke    des    Menschen    teilt,    hat    die    Gemeine    Wespe    für    den    im Allgemeinen   schlechten   Ruf   der   Wespen   gesorgt.   Die   Gemeine   Wespe gilt als Lästling.
Dazu   kommt,   dass   die   beiden   Arten   neben   ihrer   Hartnäckigkeit   auch   sehr aggressiv     und     unberechenbar     sind,     wenn     man     sich     beispielsweise unbeabsichtigt     ihrem     Nest     nähert     oder     sie     sich     durch     heftige Bewegungen   bedroht   fühlen.   Allerdings   kann   ein   Wespenstich   besonders dann    gefährlich    werden,    wenn    Menschen    sich    zu    nahe    an    einem    Nest aufhalten.   Bei   ihrem   Stich   werden   Alarmpheromone   freigesetzt,   welche weitere   Tiere   anlocken   und   zum   Stich   animieren.   Sinnvoll   ist   es   daher, ein   Wespennest   umzusetzen,   wenn   sich   dieses   im   Garten   oder   direkt   am Haus befindet. „  Das   Wespenjahr   scheint   heuer   leicht   überdurchschnittlich   zu   sein  “,   so Univ.-Prof.    Dr.    Karl    Crailsheim    vom    Institut    für    Biologie    an    der    Karl- Franzens-Universität        Graz.        „I  m        Spätsommer        erreicht        die Wespenpopulation   ihren   Höhepunkt   und   die   Larven   benötigen   besonders viel   Nahrung,   wobei   speziell   das   Eiweiß   wichtig   ist.  “   Dazu   kommt   den Wespen   zu   dieser   Zeit   nach   und   nach   die   natürliche   Nahrung   abhanden, weshalb   unsere   eiweißhaltigen   Speisen   wie   Wurst   und   Fleisch,   Speiseeis, Süßigkeiten,    Limonaden    und    vor    allem    das    reife    Obst    zusätzliche Futterquellen    für    sie    darstellen.    Prof.    Crailsheim    kennt    die    richtigen Antworten    auf    Irrtümer,    Mythen    und    Annahmen    und    räumt    mit    den gängigsten Gerüchten über Wespen und Hornissen auf!
 Mythos 1: Wespen und Hornissen sind aggressiv. Stimmt    nicht!    Wespen    und    Hornissen    sind    grundsätzlich    friedfertige Tiere.   Die   Hornisse   ist   sogar   noch   friedlicher   als   ihre   kleine   Schwester. Nur   in   Nestnähe   und   wenn   sie   sich   bedroht   fühlen,   geraten   sie   leicht   in Angriffslaune.  Mythos 2: Drei Hornissen töten einen Menschen, sieben ein Pferd. Fakt    ist:    Ein    gesunder    Mensch    müsste    ein    Vielfaches    an    Stichen abbekommen,    damit    er    in    Lebensgefahr    gerät.    Eine    Hornisse    wirkt bedrohlich,   da   sie   mit   rund   drei   Zentimeter   Länge   bedeutend   größer   ist als   die   meisten   anderen   Insekten.   Ihr   Stich   ist   schmerzhafter   als   der einer   Wespe   oder   Biene,   da   der   Stachel   dicker   und   länger   ist   und   damit tiefer   in   die   Haut   eindringt.   All   das   macht   die   Hornisse   jedoch   nicht gefährlicher als ihre Artgenossen.  Mythos 3: Wespen und Hornissen sind nutzlos. Wespen   und   Hornissen   füttern   ihre   Larven   vor   allem   mit   Insekten,   wie z.B.   Insektenraupen,   adulte   Fliegen,   Mücken,   Motten   und   Spinnen.   Sie sind   somit   nützlich   und   erfüllen   als   Schädlingsbekämpfer   eine   wichtige Funktion.
 Mythos 4: Anpusten vertreibt die Insekten. Nein!   Niemals   versuchen,   eine   Wespe   oder   Hornisse   wegzublasen,   denn das   Kohlendioxid   im   Atem   signalisiert   Gefahr   und   versetzt   die   Tiere   in einen    Alarmzustand.    Was    sie    allerdings    nicht    in    die    Flucht    treibt, sondern als Angriff missverstehen – sie verteidigen sich.    Mythos 5: Ablenkungsmanöver helfen Wespen   merken   sich   Futterquellen   und   lassen   sich   nicht   täuschen.   In einiger   Entfernung   zum   Esstisch   Nahrung   als   Köder   zu   platzieren,   um die   Insekten   abzulenken   und   vom   Tisch   fernzuhalten,   geht   somit   nach hinten    los.    Neue    Wespen    werden    angelockt,    da    nun    eine    weitere Futterquelle zur Verfügung steht. Der      Mürzpanther      wünscht      allen      Lesern      eine      schöne      zweite Sommerhälfte,   schätzen   Sie   die   Insekten,   die   Sie   umgeben   und   nehmen Sie sich wenn es nötig ist in Acht! Und nicht vergessen: Nicht fuchteln!
Das Objekt und sein Erforscher. Links: Portrait einer Wespe, Foto von: Tsolmon Naidandorj - unsplash. Rechts: Karl Crailsheim Photo: UNI-Graz
Die    heftigste    Reaktion    ist    im    Normalfall    Panik. Aber      auch      diese      vergeht      und      läßt      sich überwinden! Foto: Jason Charles Hill -unsplash