der muerzpanther
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DER MÄRCHENROMAN ZAUBERSCHÖN Zauberschön   (184   Seiten,   Verlag   am   Eschbach)   ist   durch   sein   Volumen   -   um   alle   Ideen unterzubringen   -   zu   einem   Roman   geworden.   Man   kann   ihn   einerseits   als   Märchen   sehen   und mit     Kindern     die     phantastischen     Elemente     herausstreichen:     den     Tatzelwurm,     die paradiesische    Stadt    oder    auch    das    Königspaar    mit    dem    Prinzen.    Und    natürlich    das heldenhafte und mutige Mädchen Ava - die Hauptfigur im Märchen. Oder    aber    die    realitätsnahen   Aspekte:    Eine    Stadt,    die    schön    langsam    verkommt,    eine Rattenplage,   Angst   vor   Unbekanntem,   eine   Mauerbau,   Inhaftierung   und   eine   gespaltene Gesellschaft.   Das   kommt   uns   doch   irgendwie   bekannt   vor:   Plakativ?   Fiktion?   Vielleicht,   das darf   es   aber   mit   dem   Anspruch   ein   Märchen roman   zu   sein.   Begleiten   Sie   die   Heldin   Ava   auf einem   Ritt   auf   des   Tatzelwurms   Rücken   durch   ein   Abenteuer,   so   phantastisch,   wie   nur   die Realität sein kann! Die    kurzen    Sequenzen    sind    mit    den    hervorragenden    Illustrationen    von    Silvia    Paparella gestaltet!
Zauberschön   ist   ein   Märchenroman,   auch   für   Kinder   ab   sechs   Jahren. Irene   Matt   entwickelt   nicht   nur   die   Handlung   mit   Fantasie,   sondern überrascht mit inhaltlichen Wendungen. In   der   Stadt   Florapis   leben   die   Bewohner   unter   der   Regentschaft   von König   Florobert   dem   Siebten   fröhlich   und   unbekümmert.   Die   Bienen summen,   die   Blumen   blühen,   die      Sonne   lacht.   Bis   eines   Tages   der kleine   Prinz   in   seinem   Bettchen   von   einer   Biene   gestochen   wird   (siehe Video    unten)    und    von    einem    Angstzustand    in    den    anderen    fällt. Zahlreiche   Methoden   und   Versuche,   den   Prinzen   von   seinen   Ängsten zu    befreien,    scheitern.    Mit    der    Regierungsübernahme    von    seinem bereits   in   die   Jahre   gekommenen   Vater,   verfügt   er,   um   Florapis   eine Mauer   bauen   zu   lassen.   Das   Unheil   nimmt   seinen   Anfang.   Wolken ziehen   auf,   die   Ernte   wird   nicht   mehr   eingebracht,   die   Touristen,   die den   Einwohnern   bis   dahin   ein   sorgenfreies   Leben   ermöglicht   haben, bleiben aus, aber – die Mauer wächst! Aber   wie   es   in   einem   Märchen   üblich   ist,   gibt   es   neben   Schwarz   auch Weiß,   neben   Unheil   auch   Hoffnung.   Diese   findet   sich   in   der   Gestalt der   Imkertochter Ava   –   ein   lebenslustiges   und   bescheidenes   Mädchen, das   gerne   in   ihrer   freien   Zeit   die   Bienen   beobachtet:   “Sie   mochte   die
fleißigen     Tierchen,     die     wie     kleine     Pelzkugeln     aussahen     und unermüdlich   Blüte   um   Blüte   anflogen.   Schon   als   sie   noch   klein   war, hatte     sie     nicht     widerstehen     können,     ihre     Finger     nach     den summenden   Insekten   auszustrecken.   Manchmal   landete   sogar   eine Biene auf ihrer Hand und ruhte sich einen Moment dort aus.”   Der   Baulärm,   der   immer   unerträglicher   wird,   lockt   auch   den      jungen Tatzelwurm   Pankratz   vom   Hotzenberg   an,   der   gerne   Rattenblut   zu sich   nimmt   und   die   Ideen   der   Menschen   aufsaugt   (siehe   Video   unten). Hungrig   wird   er   für   Menschen   sichtbar,   wenn   er   allerdings   satt   ist, bleibt   er   unsichtbar.   So   nimmt   er   eines   Tages   Gestalt   an,   als   ihn   der Hunger   in   das   Zimmer   von Ava   führt.   Zwar   erfuhr   sie   allerhand   über Drachen,   Drachenartige   und   ihre   Gewohnheiten,   aber   zum   Nährwert menschlicher    Ideen    fand    sich    nichts.”     Es    entwickelt    sich    eine Freundschaft,    bis    zu    jenem    Tage,    als    Pankratz,    nachdem    er    ein Schachspiel     verloren     hat,     die     von    Avas     Vater     handgefertigten Schachfiguren    aus    Zorn    mit    seinem    Feuerstrahl    aus    den    Nüstern verbrennt.
Ein aufwendig gestaltetes Buch: Der Titel gold in  Prägedruck!
In   dem   Mittelteil   brauchen   Kinder   Durchhaltevermögen,   ich   kann   nur empfehlen,   den Text   etwas   zu   straffen,   damit   das   Interesse   an   diesem reich   verzierten Text   nicht   schwindet.   Wie   üblich   bei   der   Präsentation eines   Kinderbuches,   kann   ich   weiters   empfehlen,   die   Kinder   durch Aktivität   (wir   speien   alle   Feuer!)   miteinzubeziehen   und   ihnen   die wirklich   hübschen   Illustrationen   von   Silvia   Paparella   zu   zeigen.   Die vielen     parallelen     Handlungen,     beispielsweise     eine     eifersüchtige Nachbarin,   die   Sorgen   als   Stadtrat   von   Avas   Vater   oder   die   Zucht   von Ratten,     um     Pankratz     eine     alternative     Nahrungsquelle     zu     dem Ideenraub   zu   eröffnen,   nehmen   viel   Platz   ein.   Deswegen   kann   ich   nur anraten,   das   Buch   bereits   im   Vorfeld   zumindest   einmal   gelesen   zu haben, um etwas längere Passagen abzukürzen. Unvorsichtig   durch   den   Hunger   geworden,   wird   der   Tatzelwurm   von Bürgern   der   Stadt   schließlich   entdeckt,   gefangen   und   eingesperrt. Zahlreiche   Besuche   führen   daraufhin   Ava,   die   natürlich   die   Aufregung in   der   Stadt   richtig   deutet   und   von   Angst   um   Pankratz   getrieben,   zu der   Höhle,   in   der   er   gefangen   gehalten   wird.   Und   die   Angst   ist   es auch, die Pankratz zu Nahrung wird, neben Ideen und Ratten.  Aber   es   wäre   ja   nicht   die   Lichtgestalt   Ava,   wenn   sie   nicht   mit   einem raffinierten   Plan,   Pankratz   vor   seinem   schon   so   sicher   scheinenden Ende bewahren würde. Verziehen hat sie ihm ohnedies schon lange!
An   diesem   Punkt,   erhofft   der   Leser   mit   der   Erkenntnis,   dass   auch Angst   als   Nahrung   dienen   kann,   doch   alles   noch   ein   glückliches   Ende finden wird ... Denn Angst hat der Prinz wohl reichlich! Daneben    regt    sich    immer    größer    werdender    Unmut    über    den Mauerbau   und   die   Bürger   geraten   sich   gegenseitig   in   die   Haare   (siehe Video   links   unten).   Die   Ernte   wird   nicht   mehr   eingeholt,   die   Früchte verkommen    und    die    Rattenplage    beschäftigt    die    Bewohner.    Noch befindet sich alles in der Abwärtsspirale! Irene    Matt    verwendet    blumige    Ausdrücke,    die    Zeit    zum    Lesen erfordern.   Überhaupt   eignet   sich   dieses   Buch   zum   Vor-   lesen,   die Sprache,   derer   sich   Irene   Matt   bedient,   erweckt   gerade   bei   Kindern im   geeigneten   Alter   Interesse.   Liebevoll   sind   die   Figuren   entworfen und    entwickelt,    die    Handlung    ist    vielschichtig    und    komplex.    Die Dramaturgie   ist   einfach:   schön   –   dunkel   –   noch   schöner   (siehe   Video     rechts   unten)   und   eines   Märchens   würdig.   Die   Ideen   sind   phantasievoll und   bis   in   kleine   Details   durchgeführt!   Der   Umfang   mit   179   Seiten   und 7   Kapiteln   ist   voluminös!   Dieses   Buch   hat   das   Potential,   bei   Kindern die Leselust zu fördern, aber auch die Phantasie anzuregen. Morgen lesen wir weiter - schlaft gut und träumt was Schönes!