DAS SCHMECKT UNS ALLEN!
Grundlegende Schritte zur Herstellung einer gelungenen Ausstellung.
1.) Zutaten auswählen:
Wählen
Sie
die
Zutaten,
die
Sie
verwenden
möchten.
Viele
Ausstellungen
benötigen
nur
wenige
Grundzutaten
wie
einen
großen
Namen
für
eine
Einzelausstellung.
Beliebte
Optionen
sind
Dürer,
Michelangelo
Buonarotti,
Bosch,
Peter
Paul
Rubens,
Merian
und
Caspar
David
Friedrich.
Achten
Sie
immer
darauf,
dass
die
Qualität
jeder
einzelnen Zutat erstklassig und frisch ist.
2.) Rezept finden:
Suchen
Sie
nach
einem
Rezept,
das
den
Besuchern
gefallen
wird
und
das
mit
den
Bildern,
die
Sie
haben,
gestaltet
werden
kann.
Es
gibt
viele
einfache
Ausstellungen,
die
nur
aus
2-3
zugkräftigen
Namen
bestehen.
Wenn
Sie
aber
aufwändigere
-
wie
beispielsweise
Jubiläumsausstellungen
-
kuratieren
möchten,
müssen
Sie
schon tiefer in die Vorräte greifen!
3.) Ausrüstung bereitstellen:
Sie
benötigen
einige
grundlegende
Utensilien
wie
einen
zündenden
Titel,
ein
publikumswirksames
Aushänge-
schild,
ein
faszinierendes
Begleitprogramm
wie
ein
Frühstück
und
natürlich
fesselnde
Begleittexte
an
den
Wänden.
Für viele einfache Mischungen ist jedoch keine spezielle Ausrüstung erforderlich.
4.) Kunst - Cocktail mixen:
Mischen
Sie
die
Werke
wie
zufällig,
gut
gekühlt,
schütteln
Sie
gut
und
gießen
Sie
anschließend
alles
wie
zufällig
in
die
Räumlichkeiten.
Garnieren
Sie
nach
Belieben
mit
Kinder-Vernissagen,
Juniorführungen
oder
Schulpro-
grammen.
Achten Sie unbedingt auf die richtige Temperatur der zu verarbeitenden Zutaten und vor allem auf die richtige
Temperierung des Ambiente.
Dazu noch ein paar Tipps für Kuratoren und Besucher:
Einfache
Konzepte:
Beginnen
Sie
mit
einfachen
Konzepten,
um
ein
Gefühl
für
das
Hängen
zu
bekommen,
bevor
S
ie komplexere Ausstellungen ausprobieren.
Experimentieren:
Scheuen
Sie
sich
nicht,
mit
verschiedenen
Werken
und
Verhältnissen
zu
experimentieren,
um
Ihre perfekte Ausstellung zu finden.
Verantwortungsvoll
genießen:
Denken
Sie
daran,
Ausstellungen
verantwortungsvoll
zu
genießen,
um
nicht
benebelt zu sein und die Fülle an Werken im Auge zu behalten.
Es ist wahrlich ein trallala - hopsasa!
Die Dauer der Jubiläumsausstellung von 250 Jahren Albertina ist nicht auf 250 Tage ausgelegt. Sie wird - so keine
Verlängerung
in
Erwägung
gezogen
wird
aufgrund
des
Massenansturmes
aus
In-
und
Ausland
-
bis
zum
11.
Oktober
zu
besuchen
sein.
Ich
kann
jetzt
schon
sagen:
„Schade!“
Es
ist
eine
Ausstellung,
die
dem
ambitionierten
Besucher
aufgrund
unglaublich
lockerer
Präsentation
die
Worte
von
Pipi
Langstrumpf
in
den
Mund
legt:
Zwei
mal
drei
macht
vier
Widde-widde-witt
und
drei
macht
neune,
Ich
mach
mir
die
Welt
Widde-widde,
wie
sie
mir
gefällt!
Hey,
Pippi
Langstrumpf
Tralla-li,
tralla-he,
tralla-hopsasa
Hey,
Pippi
Langstrumpf,
die
macht,
was
ihr
gefällt!
Bereits
der
Beginn
der
Sammlung
Albertina
war
locker,
oder
wie
der
österreichische
Gesandte
in
Venedig,
Conte
Giacomo
Durazzo,
im
Jahre
1776
gesagt
hätte:
rilassato!
Denn
dieser
übergab
damals
Herzog
Albert
von
Sachsen-Teschen
und
Erzherzogin
Marie
Christine
von
Habsburg-Lothringen
ein
Konvolut
von
10.000
Kupfer-
stichen.
250
Jahre
später
zählt
die
ALBERTINA
mit
rund
1,2
Millionen
Werken
zu
den
bedeutendsten
Kunstmuseen
der
Welt.
Aus
einer
aristokratischen
grafischen
Privatsammlung
wurde
ein
international
renommiertes
Museum,
dessen
Bestände
von
Zeichnung
und
Druckgrafik
über
Fotografie,
Malerei
und
Skulptur
bis
hin
zu
Installations-
und Medienkunst reichen.
Man
kommt
nicht
umhin,
fasziniert
zu
sein.
Noch
immer
begeistern
die
Qualität,
die
Lebensnähe,
die
künstler-
ischen
Fähigkeiten
und
Darstellungen
von
Landschaft,
Absurdem,
Portrait.
Alle
Genres
finden
in
dieser
Aus-
stellung
ihren
Platz.
Nebeneinander,
ergänzend
und
auch
wohltuend
aber
nie
provokant
widersprüchlich.
An
Widersprüchlichem
fehlt
es
der
Albertina
aber,
vielleicht
wegen
der
langen,
bewegten
Geschichte
um
die
Sammlung,
nicht.
Gleich
ein
Stockwerk
darüber
ist
zur
Zeit
die
Intervention,
nein,
die
Kontroversion,
auch
nicht,
die
Provokation,
schon
gar
nicht,
ah:
die
Ausstellung
CARE
MATTERS
zu
sehen.
Da
geht
es
um
das,
was
die
Gesellschaft
vorrangig
zu
beschäftigen
hat:
Die
feministischen
Avantgarde
der
1970er-Jahre
bis
zu
den
zeit-
genössischen „Positionen“.
Engstirnigkeit und Kleingeistigkeit, Eigenschaften, die die heutigen Künstler reichlich mitbringen …
In
all
der
Fülle
des
Gezeigten
darf
aber
nie
der
Mittelpunkt
der
Ausstellungswelt
in
der
Albertina
vergessen
werden:
Es
ist
der
Hase!
Dieser
versteckt
sich
normalerweise
eher
in
seiner
Sasse,
sodass
auch
der
eifrige
Ausstellungsbesucher
in
Österreich
nicht
oft
in
die
Verlegenheit
kommt,
ihn
im
Original
zu
bewundern.
Und
ja!
Dieses Bild ist bewundernswert! Gleichzeitig ist dieses Bild beispielhaft für das Entstehen der Sammlung.
Immer
wieder
gab
es
im
Laufe
der
frühen
Geschichte
der
Sammlung
Erwerb
durch
Auktionen,
Schenkungen
und
auch
eine
bemerkenswerten,
historischen
Tausch:
20
Jahre
nach
der
Gründung
der
Sammlung
gelingt
ein
beson-
derer
Coup:
Im
Tausch
gegen
Druckgrafiken
kommen
im
Juli
1796
etwa
530
Zeichnungen
aus
der
kaiserlichen
Hofbibliothek
in
die
Albertina.
Dazu
muss
man
sagen,
dass
Zeichnungen
überhaupt
nicht
geschätzt
wurden
und
dadurch
auch
keinen
sonderlichen
Wert
besaßen.
Zu
den
für
so
gering
erachteten
Blättern
gehören
Hauptwerke
italienischer
Künstler,
insbesondere
aber
niederländischer
Meister.
Hervorzuheben
sind
Arbeiten
von
Hieronymus
Bosch,
Pieter
Bruegel
d.
Ä.
und
in
besonders
großer
Anzahl
von
Peter
Paul
Rubens
und
Rembrandt
Harmensz
van
Rijn.
Zum
Teil
bis
in
die
Prager
Kunstkammer
Kaiser
Rudolfs
II.
zurückverfolgen
lassen
sich
Werke
älterer
Meister,
darunter
die
rund
140
Blätter
Albrecht
Dürers
mit
dem
berühmten
Feldhasen,
die
noch
heute
den
größten
Schatz
der Albertina darstellen.
Nichts
weniger
als
der
Weitblick
von
Herzog
Albert
von
Sachsen-Teschen
und
Erzherzogin
Marie
Christine
von
Habsburg-Lothringen
hat
eine
der
weltberühmtesten
Sammlungen
begründet.
Nicht
Engstirnigkeit,
nicht
Ego-
zentrik
oder
Ichbezogenheit,
nicht
Kleingeistigkeit,
schneller
Erfolg
oder
Belehrungen
und
Vorschriften
bis
zu
gesellschaftlicher
Ächtung
und
Verfolgung.
Eigenschaften,
die
die
heutigen
Künstler
im
Übermaß
mitbringen
…
und deren Werke auch in der Albertina zu sehen sind - vielleicht als Mahnung!
Caspar David Friedrich
Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond, um 1805/06
60,9 × 100 cm, Bleistift, Pinsel in Braun
ALBERTINA, Wien
Das Bild hat mich besonders beeindruckt, weil es
einen unglaublich fotografischen Effekt mit sich
bringt: im Gegenlicht sind die Bildteile, die genau vor
der Lichtquelle abgebildet werden sehr konturiert
und scharf und vor allem kontrastreich, während
diejeneigen, die sich im Streulicht befinden,
bekommen diesen diffusen und leicht mit dem
Hintergrund verschwimmenden Charakter!
So naturalistisch-fotografisch wie auch rein selbstbezogen: Kirsten Justesen, Lunch, 1975/2018
68 × 100 cm, Fotografie, SAMMLUNG VERBUND, Wien © Kirsten Justesen / Bildrecht, Wien 2026
So naturalistisch-künstlerisch wie auch wissenschaftlich interessant: Maria Sibylla Merian,
Das Tagpfauenauge, 1679–1683, 16, 7 × 12,5 cm, Tempera auf Pergament, ALBERTINA, Wien
Zwei mögliche Postionen zweier vielleicht starker Frauen:
„Ich bin das Zentrum der Welt, meine Anliegen, meine Probleme haben alle anderen zu interessieren, sie haben sie wahrzunehmen und sich damit auch zu
beschäftigen! Wer das nicht tut, ist ein Ignorant und gehört gesellschaftlich geächtet!“ (Oder verwendet man heutzutage dieses Wort nicht mehr?)
Auf der anderen Seite, rechts: Ein Ausdruck von „Ich interessiere mich für meine Umwelt, ich möchte etwas schaffen und vielleicht auch beitragen, was
Einzigartig ist. Was einen langen Wert hat, weil es über den Zeitgeist hinausgeht! Ich hinterlasse den Menschen Schönes und Sehenswertes! Ich lebe meine
Interessen und kann mich dadurch verwirklichen!“
Was für den Louvre die Gioconda (übrigens zur selben Zeit
entstanden, nämlich um 1503 herum) ist, ist für die Albertina der
Hase! So naturalistisch wie auch künstlerisch wertvoll: links Albrecht
Dürer, Feldhase, 1502
25 × 22,5 cm, Aquarell und Deckfarben, Pinsel, mit Deckweiß erhöht;
© ALBERTINA, Wien