der muerzpanther
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DAS MAß DER KÄLTE Jeder,   der   in   den   letzten   Wochen   aus   dem   Fenster   geschaut   hat,   hat   sicher   Freude   gehabt.   Ein   Winter   mit tiefen Temperaturen.   Es   hingen   Eiszapfen   auf   den   Dächern,   der   Schnee   hat   geglitzert   und   geknirscht,   wie   er   es nur   bei   minus   10°   bis   minus   20°C   tut.   Die   Bäche   vereisen   spektakulär,   die   Luft   ist   ganz   trocken,   die   Aussicht von   den   Bergen   unvergleichlich.   Die   Mürz   war   weithin   zugefroren,   die   Singvögel,   die   über   den   Winter   in   diesen Breitengraden bleiben, haben einen hohen Bedarf an Zusatzfütterung gehabt. Es   scheint   ein   ganz   normaler   Winter   zu   sein   und   doch   wird   medial   immer   nach   dem   Superlativ   gesucht:   „Im Tiefland   Österreichs   kältester   Jänner   seit   neun   Jahren.“   schreibt   beispielsweise   die   GeoSphere   Austria   auf ihrer   Seite.   Sie   könnte   auch   schreiben:   „Ein   etwas   kälterer   Jänner   als   durchschnittlich.“   (Klimaperiode   1991- 2020)   -   das   lässt   sich   aber   vielleicht   nicht   ganz   so   reißerisch   verkaufen,   wie:   „   …   und   auf   den   Bergen   war   es   um 0,6   °C   zu   kalt.“   Zu   kalt?   Die   Temperaturkurve   wird   niemals!    exakt   dem   Schnitt   folgen,   gerade   Ausreißer formen   ja   auch   den   Schnitt!   Aber   wenn   man   den   Betrachtungszeitraum   jedes   Mal   neu   festlegt   und   dabei   so klein   wie   möglich   macht,   wird   immer   ein   Superlativ   zu   finden   sein.   Deswegen   erachte   ich   es   als   nicht   ganz angebracht   immer   von   zu    hohen   oder   zu    niedrigen   Temperaturen   zu   sprechen.   Wir   wissen   aber   ohnedies   alle, dass diese Formulierungen anderen als wissenschaftlich - meteorologischen Gründen geschuldet sind. Der   MÜRZPANTHER   allerdings   freut   sich   über   diesen   Jänner,   über   die   Eisblumen   an   Türen   und   Fenstern,   über den    Reif    auf    den    Bäumen,    den    Sträuchern.    Die    Landschaft    bekommt    eine    unwirkliche    Komponente,    die malerisches   hat,   die   Temperaturmessung   hingegen   ist   und   bleibt   der   Wissenschaft   vorbehalten.   Und   über genau   diese   physikalische   Größe   hat   aufgrund   der   Jännertemperaturen   der   MÜRZPANTHER   bei   Thomas   Wostal von der GeoSphere Austria um ein Interview angefragt.
dMP: Wie viele Messstellen in der Steiermark gibt es für die Ermittlung der Temperatur? Thomas   Wostal:   Im   Messnetz   der   GeoSphere   Austria   gibt   es   rund   40   teilautomatische   Wetterstationen   in   der Steiermark,   an   denen   rund   um   die   Uhr   die   Temperatur   erfasst   wird   (und   andere   Parameter).   Weiters   gibt   es Temperaturmessungen    im    Rahmen    der    Messnetze    anderer    Anwendungsbereiche,    z.B.    Lawinenwarndienst, Hydrografischer Dienst etc. dMP:    Seit    wann    gibt    es    die    teilautomatischen    Wetterstationen    (TAWES)    und    die    vollautomatische Wetterstationen (VAMES)? Thomas   Wostal:   Erste   teilautomatische   Wetterstationen   gab   es   Ende   der   1980er-Jahre.   Die   erste   Ausbaustufe des   TAWES-Messnetzes   gab   es   1992.   Die   erste Ausbaustufe   des   VAMES-Messnetzes   begann   2011.   Bei   VAMES   geht es   in   Zusammenarbeit   mit   der   Austrocontrol   vor   allem   um   die   automatische   Messung   von   für   die   Luftfahrt wichtigen   Elementen   wie   Sichtweite,   Niederschlagsart,   Wolkenuntergrenze   etc.   Viele   Wetterstationen   waren aber    natürlich    schon    lange    vor    der    (Teil-)Automatisierung    in    Betrieb.    Zum    Beispiel    besteht    die    längste Temperaturreihe der Steiermark seit 1837 an der Wetterstation Graz Universität. dMP:   Werden   für   die   durchschnittliche   Jahrestemperatur   die   durchschnittlichen   Tagestemperaturen   der Messstellen herangezogen und durch Berechnung ermittelt? Thomas    Wostal:    Für    z.B.    Monatsbilanzen    wird    das    Monatsmittel    nach    der    Formel    Tmean_month    = (mean_Tmax+mean_Tmin+mean_T7+mean_T19)/4   berechnet.   Das   Monatsmittel   wird   also   aus   den   Mittelwerten der   täglichen   Werte   der   Max-,   Min-,   7-Uhr-   und   19-Uhr-Temperatur   berechnet.   Das   Jahresmittel   wird   dann   aus diesen Monatsmitteln berechnet. -
Die Eisschollen habe ich am Attersee entdeckt, der Reif auf den Bäumen bildete sich in meinem Garten. Fotocredit: der MÜRZPANTHER
Welcher Hundebesitzer kennt es nicht: Die Vierbeiner lieben den frischgefallenen, weichen Schnee und springen allesamt wie die Welpen darin herum. Fotocredit: der MÜRZPANTHER
dMP:   In   welcher   Höhe   wird   gemessen   und   gibt   es   bei   den   Messstationen   Höhenunterschiede?   Dazu: Unterscheiden   sich   die   Temperaturen   in   20cm   über   dem   Boden   von   jenen,   die   zur   gleichen   Zeit   in   1m 20cm gemessen werden? Thomas   Wostal:   Je   nach   Wetterstation   sind   alle   oder   einige   der   folgenden   Messhöhen   in   Verwendung:   Über dem   Untergrund:   2   Meter,   5   Zentimeter.   Im   Boden:   10,   20,   50   Zentimeter.   Ja,   es   gibt   Unterschiede   in   den verschiedenen Höhen. Sie sind je nach Tages- und Jahreszeit sehr unterschiedlich. Dieser   Umstand   ist   auch   für   die   Vegetation   von   entscheidender   Bedeutung.   Dazu   meint   die   Botanikerin   Mag. Margarita   Lachmayer   vom   Naturhistorischen   Museum   Wien   in   einem Artikel   in   der   Presse   vom   31.   Jänner   2026 „Wie   überlebt   die   Schneerose?“   folgendes:   Die   Schneerose   schützt   sich   schon   durch   ihre   Größe   -   sie   wird selten   höher   als   40   Zentimeter.   Und   sie   steht   in   der   Schneedecke,   meist   umgeben   von   etwas   Laub.   Es   kann sein, dass es in zwei Metern Höhe minus 13 Grad hat und am Boden nicht viel kälter als Null Grad ist.
dMP:   Sind   die   Messstellen   in   der   Steiermark   gleich   verteilt   wie   die   landschaftlichen   Gegebenheiten   des Landes?    Oder    anders:    Wie    viele    Messstationen    befinden    sich    auf    verbauten    Gebiet    –    wie    viele    auf natürlichen   Freiflächen,   da   laut   Statistik   „nur“   ca.   22%   verbaut   sind?   Werden   die   Daten   dann   auch   gleich gewichtet?   Wenn   auf   22%   verbautem   =   städtischem   Gebiet   eine   Messstation   steht   und   eine   im   Wald,   wäre die   Verteilung   50:   50.   Aber   das   ergibt   den   Durchschnittswert   der   Temperatur   der   Gesamtfläche   der   Stmk ja   verfälscht,   da   ja   der   Anteil   der   Stadt   nur   22%   ist!   Beeinflussen   Häuser   und   asphaltierte   Straßen   die Messungen? Thomas   Wostal:   Die   teilautomatischen   Wetterstationen   stehen   nach   Möglichkeit   auf   Wiesen   und   möglichst wenig   beeinflusst   von   Gebäuden,   aber   sie   benötigen   Strom-   und   Telekommunikationsanbindung.   Daher   können die   Messstellen   nicht   gleich   verteilt   sein   wie   die   landschaftlichen   Gegebenheiten   der   Steiermark.   Das   ist   aber für    viele    Anwendungen    bzw.    Fragestellungen    auch    nicht    notwendig.    Zum    Beispiel    haben    langfristige Änderungen   der   Temperatur   eine   sehr   hohe   Korrelation   über   die   gesamte   Fläche   Österreichs   hinweg.   Denn wenn   das   Klima   in   Österreich   wärmer   wird,   wird   es   überall   in   einem   ähnlichen Ausmaß   wärmer,   egal   ob   in   der Stadt,   auf   der   Wiese,   im   Wald   oder   am   Berg.   Ein   gutes   Vergleichsbeispiel   mit   hochwertigen   Messungen   sind zum    Beispiel    Bergstationen    wie    das    Sonnblick-Observatorium,    wo    seit    1886    in    völlig    gleicher    Umgebung gemessen wird. Auch hier gibt es eine deutliche Erwärmung in den letzten Jahrzehnten. dMP:   Nach   Ihrer   Einschätzung:   Fällt   die   gerade   erlebte   Kältephase   (Mürztal:   bis   –   18°C)   im   Jänner   für   den Jahresdurchschnitt 2026 in`s Gewicht? Thomas   Wostal:   Wie   jeder   Monat,   wird   auch   dieser   Jänner   mit   einem   Zwölftel   in   den   Jahresdurchschnitt eingehen.   Ob   es   sich   dabei   um   eine   kleine   Dämpfung   in   einem   insgesamt   sehr   warmen   Jahr   handelt   oder   um eine   Verstärkung   in   einem   insgesamt   sehr   kühlen   Jahr,   lässt   sich   jetzt   aber   natürlich   noch   nicht   sagen.   Ähnlich wie   sich   ein   Monat   nach   dem   Start   der   Fußballmeisterschaft   noch   nicht   sagen   lässt,   wie   sich   die   ersten   Spiele von Sturm Graz auf den Tabellenstand am Ende der Saison auswirken. Der   MÜRZPANTHER   wagt   einen   Blick   in   die   Zukunft:   Durchschnittlich   wird   dieses   Jahr   nur   die   Temperatur   und Sturm Graz  MEISTER!
Die Schneerose erfreut nicht nur, sie ist auch ein kleines Wunder der Natur. Sie überlebt den Winter nicht nur unbeschadet, sie beginnt in dieser Jahreszeit auch zu blühen! Wie sie das macht? Sie lagert Wasser aus den Zellen aus, damit sie bei Kristallbildung keinen Schaden nehmen. Daneben reichern die Zellen Salze, Alkoholverbindungen und Zucker an, um sich zu schützen, indem sie den Gefrierpunkt von Wasser herabsetzen. Fotocredit: Pixabay