der muerzpanther
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Ein Streifzug, der das Sehen lehrt! Das   Thema   ist   weit   gefasst   mit   dem   Ausdruck   Landschaft.   Die   großteils   zeitgenössischen österreichischen   Künstler   beschäftigen   sich   mit   der   Natur   vor   ihrer   Haustüre   ebenso   wie   mit der   Landschaft,   die   geografisch      weit   entfernt   liegt.   Dabei   wird   dem   Besucher   die   Schönheit/ die   Wildheit/   das   Natürliche   oft   auch   nur   durch   ein   Bild   voller   Astgewirr   vor   Augen   geführt. Die   Landschaft   gilt   es      -   wie   übrigens   in   natura   auch   -   immer   zu   ergründen.   Dabei   zeigen   sich die    Reize    oft    nicht    sofort,    es    empfiehlt    sich    Zeit    zu    nehmen    und    die    sorgfältig zusammengestellten    Exponate    zu    ergründen.    Immerhin    gibt    es    einen    Zeitraum    der Darstellung   von   den   70er   Jahren   bis   in   das   Jahr   2019   zu   besehen.   Gerade   diese   Streuung bringt die Spannung, die den Besuch der Ausstellung kurzweilig macht.  Kuratorin   Mag.   Andrea   Jünger:   "Wie   Sie   wissen   spielt   die   Landschaftsdarstellung   in   der abendländischen   Kunst   eine   nicht   unwesentliche   Rolle.   Sie   hat   sich   über   die   Jahrhunderte immer   weiter   entwickelt   und   auch   in   der   zeitgenössischen   Kunst   ist   es   ein   Thema,   das   unter den   unterschiedlichsten   Aspekten   noch   immer   sehr   häufig   vorkommt.   Mich   hat   interessiert wie   die   zeitgenössischen   Künstler   das   Kunst-geschichtliche   referrieren,   wie   sehr   sich   das Thema   auch   durch   alle   technischen   Möglichkeiten   zieht:   das   zeigt   sich   im   Wechsel   zwischen Fotografie, Malerei und Zeichnung." Eine Ausstellung   im   kunsthaus   mürz   zeigt   Landschaftsdarstellungen,   ein   Sujet   mit   dem   jeder etwas   verbindet   und   jeder   etwas   anzufangen   weiß.   Die   Vielfalt   der   Auswahl   reflektiert   die Vielfalt an Landschaft. Bis 1. September!
Kuratorin  Fr. Mag. Andrea Jünger hat eine vielseitige und sehenswerte Ausstellung gestaltet.
Das    Ergebnis    ist    eine    sehr    dichte    Ausstellung.    Die    Bilder    zeigen    formale Ähnlichkeiten,   die   Techniken   sind   aber   sehr   verschieden.   Das   ermöglicht,      auf sehr     unterschiedliche     Weise     an     die    Ausstellung     heranzugehen.     Warum beschäftigt   sich   ein   Künstler   mit   einem   bestimmten   Motiv?   Welche   Techniken stehen ihm zur Verfügung? "Die   Malerei   in   der   Ausstellung   zeigt   sich   auf   ganz   unterschiedlichen   Ebenen   - von   der   gegenständlichen   Darstellung   hin   zur   Abstraktion.   Von   einem   sehr flotten    Strich    bis    zu    ganz    eng    gezeichneten    Variationen,    Fotografie,    die konzeptuell   ist   (Anm.:      dabei   steht   die   Idee   und   das   Konzept   im   Vordergrund, die   Ausführung   tritt   in   den   Hintergrund)   bis   zu   den   Werken,   die   den   Blick   des Künstlers   nachvollziehbar   machen.   Meist   wird   analog   fotografiert,   wenn   sie (Anm.:   die   Künstler)   allerdings   absichtlich   digitale   Fotos   machen,   können   sie über     einen     Effekt     vefremden.     Dadurch     baut     sich     eine     ganz     andere Wirklichkeit auf." Das   gleichsam   einem   Motto   wirkende   Bild   mit   dem   Schriftzug   "warte   hier   auf mich" begrüßt den Zuschauer indem der Blick zentral darauf fällt. „Wie   ich   die   Arbeit   von   Alois   Mosbacher   gefunden   habe,   habe   ich   gewußt,   die kommt   hierher.   Das   paßt   als   Einstieg   so   gut.   Er   gehört   zu   den   bekannten,
gegenständlichen   Malern   Österreichs   und   ist   hier   mit   einem   Bild   vertrteten, das   nahe   an   der   Abstraktion   ist.   Hier   erzeugt   er   mit   gekonnten   Gestus   und einer   Könnerschaft   Farbigkeit   und   imaginiert   eine   Vorstellung   von   Landschaft, in   die   man   eintauchen   kann.   Das   Spannende   ist   dabei,   um   in   die   Tiefe   des Bildes   hineinzuführen,   ist   im   Vordergrund   die   Schriftebene,   dahinter   kann sich   der   Raum   dreidimensional   entwickeln.   Mir   geht   es   darum,   dass   man anhand   eines   Themas   lernen   kann,   wie   man   Bilder   betrachten   kann.   Wie   wird mit   Realität   umgegangen   -   man   lernt   Bilder   zu   lesen,   auch   im   Vergleich   mit anderen Arbeiten.“ Das   stellt   gleichsam   einen   weiteren   Aspekt   der   Ausstellung   da.   Die   Bilder,   die Landschaft   oder   Natur   zum   Thema   haben,   bedürfen   keines   umfangreichen Vorwissens    beispielsweise    der    Ikonografie;    sie    zeigen    etwas,    das    wir    im Übergeordneten    kennen,    das    verankert    ist,    das    auch    berühren    kann.    Für manche   ist   das   eine   Berglandschaft,   für   andere   eine   nicht   enden   wollende Ebene.   Die   Bilder   funktionieren   in   einer   tiefen   Verborgenheit   -   wie   verankert und   doch   erfährt   man   von   Bild   zu   Bild   wie   vielschichtig   die   Natur   und   deren Darstellung sein können.
Herausragendes   ist   für   jeden   etwas   anderes.   Für   mich   die   zwei   Bilder   von   Sabine   Maier.   Wie   sie   entstehen,   können   Sie   im   Text   weiter   unten erfahren. Foto: aus LAND(E)SCAPES, kunsthaus mürz, Andreas Bernthaler
„Die   breit   angelegte   Ausstellung   zeigt   unter   anderem   auch   ein   sehr   frühes Werk   des   Alois   Tösch   mit   einer   sogenannten   Harfenfichte.   Diese   Besonderheit der   Natur   sind   Bäume,   die   mehrere   Wipfel   ausgebildet   haben.   Auch   stehen wir    immer    dem    Wechsel    von    Fernsicht    und    Nahsicht    gegenüber,    wie    der Namen    der    Ausstellung    auch    zeigt:    Landscapes    oder    Land-escapes,    die Landschaft   als   Fluchtpunkt   für   unsere   Phantasie   oder   auch   die   Landschaft,   die sich selbst durch Wolken oder auch Nebel verbirgt. Zahlreiche   Werke   sind   dabei   zu   sehen,   die   das   Thema   hervorstreichen   und   in einer   spannenden   Abfolge   dem   Besucher   Gegenständliches   und   Abstraktes   der zeitgenössischen    österreichischen    und    internationaler    Kunst    näherbringen. Herausragend   sind   unter   anderem   die   beiden   Arbeiten   von   Sabine   Maier.   Bei ihren   Werken   wird   sichtbar,   wie   man   Medien   in   verschiedener   Weise   einsetzen kann. Bei der Betrachtung denkt man nicht sofort an Fotografie. Sabine   Maier:   Es   ist   eine   eigene   Technik,   die   ich   entwickelt   habe   und   damit bereits   längere   Zeit   arbeite.   Ich   verwende   eine   Chemikalie,   die   Aufnahmen werden    in    verschiedenen    Schichten    verarbeitet    -    das    sind    verschiedene Erinerungsprozesse   von   mir!   Die   Aufnahmen   sind   analog   auf   Großbildformat aufgenommen    und    sie    werden    Schicht    für    Schicht    aufgetragen    und    dann Schicht    für    Schicht    wieder    abgetragen,    das    Pigment    bleibt,    wodurch    die Bilder,     die     wie     Fotografien     aussehen,     entstehen.     Sie     sind     auf     Holz aufgebracht,    die    Technik    ist    wie    eine    Mischung    aus    Gummidruck    und Transferdruck,   aber   ich   reibe   es   mit   den   Fingern   ein.   Bei   vielen   anderen Bildern   zeichne   ich   auch   noch   darüber.   So   wie   bei   den   Schiffen.“   (Anm.:   in   der Ausstellung auch zu sehen). Kuratorin    Mag.    Jünger:    "Mich    hat    dabei    auch    die    Ambivalenz    zwischen Nahsicht und Fernsicht interessiert." Der   bekannte   östereichische   Fotograf   Robert   Zahornicky   zeigt   Aufnahmen   von Lichtungen    -    vom    Boden    aufgenommen    -    mit    starken    Fluchten.    Diese empfindet   man   für   gewöhnlich   als   extrem   räumlich   -   da   ist   eigentlich   fast   das Gegenteil der Fall! Häuschen in der Lobau - Alltagsästhetik …   Rasenflächen   im   Bild   -   die   peu   à   peu   abgebaut   werden   und   das   den   Titel "culturescape" trägt … Eine winzige Landschaft - Christian Hutzinger: "Doch eine einzige Landschaft habe ich!" Jenny Feldmann - mit einem individuell, "nervösen" Pinselschwank, der sich in flirrenden Oberflächen wiederfindet.
„Die Arbeit   von   Hubert   Roither   erinnert   an   asiatische   Landschaftsdarstellung- Nebelberg   II   aus   dem   Jahre   2019   -   ein   Künstler,   der   hauptsächlich   abstrakt arbeitet   und   von   seiner   Vortsellung   dem   Spätimpressionismus   entspringt.   Die Vorstellung   ist   weniger   die   Landschaft   als   Gegenstand,   sondern   viel   mehr   der ganz    individuell    aufgesetzte    Pinselschlag.    Die    Farbtupfer.    Die    persönliche Handschrift,     die     das     Merkmal     eines     Meisters     ist.     Wenn     man     im Kunsthistorischen   Museum   steht   und   sich   beispielsweise   späte   Arbeiten   von Tizian   anschaut,   einen   Ausschnitt   fokusiert,   so   sieht   man   locker   aufgelegte Farbpigmente.   Das   ist   die   persönliche   Handschrift   des   Künstlers,   wie   er   den Pinsel   einsetzt.   Wenn   genau   das   zum   Thema   wird   und   es   um   das   Individuelle geht,   kann   man   sich   vorstellen,   dass   es   als   Bildinhalt   taugt.   Daraus   entwickelt er    eine    Malerei,    die    je    nach    Farbe    eine    Assoziation    für    uns    birgt.    Die Thematik    kommt    immer    nach    dem    malerischen    Vorgang.    Es    schaut    nach Landschaft   mit   Nebel   aus   -   dem   Betrachter   gibt   das   die   Möglichkeit,   was   er erlebt hat, individuell hineinzuprojezieren.“ Es   ist   eine   Ausstellung,   über   die   man   sagen   kann,   dass   Natur   und   Landschaft für   uns   etwas   ist,   womit   wir   uns   ununterbrochen   beschäftigen,   wenn   wir   ins Freie   treten   und   wenn   wir   ein   Bild   anschauen,   haben   wir   Freude   daran   etwas zu   sehen,   das   wir   kennen,   oder   das   Ziel,   wo   man   gerne   sein   möchte.   Diese Varianten haben Sie, wenn Sie Landschaftsbilder anschauen. Landschaftsdarstellungen   in   allen   Facetten:   Über   eine   Fahrt,   die   durch   den Rückspiegel   im   Bild   sowohl   den   Blick   nach   vorne,   als   auch   nach   hinten   -   also zurück   -   bietet,   durch   naturalistische   Farbigkeit   als   auch   übersteigerter   oder abstrahierter   Farbgebung   oder   auch   farbgewaltig   als   Spiegelung   einer   Skulptur im Wald.
Doppelbelichtungen    auf    einer    Fotostrecke    von    Claudia    Schuhmann    zeigen durch    die    Überblendungen    das    Waldviertel    simultan    in    anderer    Form. Bildende   Kunst   hat   immer   das   Problem,   wenn   sie   die   Realität   abbilden möchte,   die   Zeit   miteinzubeziehen.   Das   beschäftigt   Malerei   aber   auch   die Fotografie   ungemein,   und   durch   die Arbeiten   von   Claudia   Schumann   bekommt man den Ablauf, die Bewegung mit.“ Von   Franz   Beer,   einem   Künstler,   der   schon   lange   in   Venedig   arbeitet   ist   eine überarbeitete   Landkarte   zu   sehen   (siehe   oben).   Das   hat   auch   mit   Landscapes zu   tun   -   das   Bedecken   der   Oberflächen,   ein   Gespinst   von   Zeichnungen,   die   so dicht     werden,     dass     das     Papier     zerstört     wird     und     unter     Schichten herauskommen.   Das   ist   eine   Technik,   die   Franz   Beer   über   Jahrzehnte   hinweg entwickelt hat und hier ergibt sich formal eine scheinbare Ähnlichkeit. Der   dreidimensionale   Träger   für   Fotografie   von   Ilse   Haider.   Sie   möchte   das Dreidimensionale    der    Fotografie    auch    dadurch    verstärken,    indem    sie    den Träger    des    Fotopapiers    gestaltet.    Wenn    Sie    die    Arbeit    von    der    Seite betrachten,   wirkt   es   überhaupt   wie   ein   abstraktes   Werk   und   erst   von   vorne schlüsselt     sich     diese     "paradiesgartenartige"     Szenerie     auf,     die     sie     aus unterschiedlichen   Motiven   aus   der   Kunstgeschichte   aber   auch   zeitgenösischer Fotografie zusammensetzt. (Bilder siehe unten).
Der   Beitrag   des   Fotografen   Robert   Zahornicky   zeigt   Aufnahmen von    Lichtungen    im    Großformat.    Foto:    aus    LAND(E)SCAPES, kunsthaus mürz, Andreas Bernthaler
Wie         facettenreich         die Ausstellung       sich       darstellt ersehen    Sie    bereits    an    den Bildbeispielen.      Li.:      Hubert Roither, re.: Franz Beer. Foto:      aus      LAND(E)SCAPES, kunsthaus       mürz,      Andreas Bernthaler
Es   ist   ein   und   dieselbe Arbeit.   Links   von   der   Seite   betrachtet,   rechts   en   face!   Links   Gewirr,   rechts   Gegenständliches.   Eine   sehr   interessante Arbeit von   Ilse   Haider   mit   dem   Titel:   „THE   PLEASURE   OF   ART   ITS   SPECTATORS   AND   CREATORS“   (Privatbesitz),   die   zum   Betrachten   auch   etwas   Zeit abverlangt. Paradiesgartenartig. Foto: aus LAND(E)SCAPES, kunsthaus mürz, Andreas Bernthaler
Martin   Schrampf   lebt   und   arbeitet   als   Bildhauer   und   Fotograf   im   Waldviertel. In    der    Gegend    um    Zwettl    hat    er    äußerst    interessante    Landschaftsmotive gefunden,   er   fotografiert   digital   und   bearbeitet   die   Fotos   auf   eine   Art   und Weise,   bei   der   man   sich   auf   den   ersten   Blick   nicht   mehr   so   sischer   ist,   ob   es sich um ein Foto oder ein Aquarell handelt. Siehe unten rechts! „Während   zuerst   -   wenn   sie   an   das   19.   Jahrhundert   denken   -   die   Fotografie versucht   hat,   was   die   Motive   und   den   Eindruck   betrifft   -   die   Malerei   zu imitieren,   hat   die   Malerei   dann   später   den   Grad   an   Realismus   zu   erreichen, den   die   Fotografie   hatte   und   jetzt   gibt   es   wieder   Teile   der   Fotografie,   die sich wieder formal der Malerei nähert. Als   Kurator   stellt   man   bereits   bei   der   Planung   einer   Ausstellung   Gruppen zusammen,    die    auch    farblich    funktionieren.    Das    muss    auch    noch    in Blickachsen    angenehm    sein.    Ich    hoffe,    dass    man    als    Besucher    das    auch wahrnimmt,   dass   die   Bilder   miteinander   gut   funktionieren.   Die   Ecke   mit   der Arbeit   von   Kupelwieser   war   anfangs   anders   geplant,   weil   ich   eine   grüne Farbgebung     erwartet     hatte.     Gott     sei     Dank     hat     sich     eine     ästhetisch befriedigende Hängung ergeben. 1979    ist    der    Künstler    und    Architekt,    Anton    Wichtl    verstorben.    Er    hat hauptsächlich   in   der   Nacht   gearbeitet   und   auf   die   Minute   genau   signiert:   3   Uhr 18.    Er    hat    das    Abstrakte    wahrgenommen,    aber    gleichzeitg    war    ihm    das Geschichtenerzählen so wichtig, das er das Reale nie ganz verlassen hat.
Das Mädchen als Göttin … eine Künstlerin, die auch Philosophin ist: Elisabeth von Samsonow … und sie entwickelt das weiter. Die Themen: Die Rolle des Mädchens, auch in der Mythologie. Explodierende Farbe in einem Vorort in Paris … Rudolf    Goessl,    durch    Farbe    eine    Raumvorstellung    zu    suggerieren,    sanftes Hügelland … Das Weinviertel spielt eine Rolle.    …   die   einen   Mann   zeigt,   der   ein   immenses   Graskonvolut   auf   seinem   Kopf   trägt und in der Landschaft verschwindet.            es geht um verschwinden in bergbildern ... und sich die farbe vollkommen verliert  ... nebelgrau ... ohne farbe ... ast ge wirr yvon ne os - wald in nebel und wo? lken im salz kammer gut!
Li.:   Anton   Wichtl   beim   Geschichtenerzählen   mit   einer   sehr   stimmungsvollen   Arbeit,   re.:   Martin   Schrampf   -   Fotograf   im   Waldviertel.   Foto:   aus LAND(E)SCAPES, kunsthaus mürz, Andreas Bernthaler