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Ein Reh wurde Mitte Februar auf der Turracher Höhe von einem Huskyrüden gerissen. Es ist nicht auszuschließen, dass der Hunger das Reh so nah am Tag an die Skipiste in die Nähe der Menschen geführt hat.  Foto: Rehriss, P.E.
Das   große   Problem   der   sich   widersprechenden   Meinungen.   Bemerkenswert   dabei   ist,   dass   die   Fütterung   den   Wildtieren   nichts nützt,   sie   nicht   zu   füttern,   nützt   ihnen   aber   auch   nicht.   Vielleicht   ist   das   die   Überwindung   des   Artenschutzes.   Eine Betrachtung. Dieser   Winter   wird   kein   gutes   Ende   für   die   Wildtiere   nehmen,   weil   sie   einerseits   dem   Hungerstress   ausgeliefert   sind   und   weil andererseits    eine    Lösung    nicht    in    Reichweite    ist.    Eine    Lösung    zwischen    den    Grundbesitzern,    großteils    die    ÖBF    (öst. Bundesforste)   und   der   Jägerschaft.   Die   eine   Seite   will   zum   Schutz   der   Wälder   unter   (fast)   allen   Umständen   verhindern,   dass gefüttert   wird,   die   andere   will   zur   Erhaltung   bzw.   Steigerung   der   Population   auf   jeden   Fall,   dass   gefüttert   wird.   Oft   hat   man den   Eindruck,   dass   auf   beiden   Seiten   unter   dem   Deckmantel   des   Wildtierschutzes   nur   der   Ertrag   gesteigert   werden   soll   - vermutlich   täuscht   dieser.   Nach   diversen   gegenseitigen Anschuldigungen   gab   es   ein   Gespräch   auf   Initiative   des   Verein   gegen Tierleid,   um   im   Sinne   der   Wildtiere   Lösungen   für   die   Zukunft   zu   finden.   Dabei   steht   natürlich   die   Gatterjagd   im   Mittelpunkt, die   gerade   für   den   Waldbestand   problematisch   ist,   weil   so   eine   natürlich   gewachsene   Population   an   Hochwild   und   Rehwild nicht erreicht werden kann. Um   eine   Fütterung   auch   zielgerecht   durchführen   zu   können,   bedarf   es   aber   der   Wintergatter,   da   das   Verbreitungsgebiet   von Rotwild   im   natürlichen   Umfeld   viel   zu   weitläufig   wäre.   Das   Rehwild   ist   ohnedies   schwer   durch   zentrale   Fütterungen flächendeckend   zu   erreichen.   Bei   Hochwild   gelingt   dies   grundsätzlich   ganz   gut,   wodurch   postwendend   in   dem   eingegrenzten Gebiet auch hoher Schaden am Wald entsteht.
Diese   Argumente   sind   natürlich   nur   dadurch   vertretbar,   weil   der   Eingriff   in   das   System Wald    schon    seit    langem    besteht.    Die    Rechnung    für    die    pervertierte    Verteilung    an Baumarten   eines   mitteleuropäischen   Mischwaldes   bekommen   wir   alle   präsentiert.   "Unsere Wälder,   die   für   uns   alle   lebenswichtige   Funktionen   erfüllen,   sind   in   einem   erbärmlichen Zustand.    Sowohl    die    Flora    als    auch    die    Fauna    ist    reduziert    auf    wenige,    primär wirtschaftlich   und   jagdlich   bedeutsame Arten",   so   Universitätslektor   der   Vet   Uni   Wien   i.R. Dr. Hans Frey. Die   große   Erkenntnis   und   die   große   Überraschung   sind   wieder   einmal,   dass   Gewinn   im Vordergrund   steht.   Solange   der   österreichische   Wald   optimierten   Profit   abwerfen   muss, um   "europäisch   bestehen   zu   können"   solange   werden   die   Probleme   bestehen   bleiben.   Es ist   aber   niemanden   daran   gelegen,   Mischwälder   mit   Artenvielfalt   zu   haben,   sei   es   bei Fauna   oder   Flora.   Einen   Hirschen,   den   man   nicht   schießt,   bringt   nichts   ein,   einen   Baum, auf den man 70 - 100 Jahre warten muss, bringt jetzt nichts ein.
Die    Diskussion    um    die    Fütterung    hat    naturgemäß    auch    zwei    Seiten:    Der    hohe Wildtierbestand   fordert   naturgemäß   höhere Todesraten   in   der   kalten   Jahreszeit,   gerade   in einem   so   schneereichen   Winter   wie   heuer.   Fütterung   kann   für   das   Überleben   der   Tiere sorgen,   folgt   aber   natürlich   nicht   dem   ökologischen   Geichgewicht   von      Wildbestand   und Lebensraum   -   mit   entsprechend   negativen   Folgen   für   den   Wald   und   die   Tiere. Auf   diesem Standpunkt steht die Wildbiologin Dr. Karoline Schmidt. Sie   sieht   einerseits   durch   eine   verbesserte   Futterrezeptur   einen   leichten   Rückgang   an Schäden   durch   die   Schäle   (das Abnagen   der   Rinde   durch   Rotwild),   allerdings   den   größeren Schaden   durch   den   Keimlingsverbiss,   also   Verbiss   der   sich   gerade   entwickelnden   Pflanze, der   besonders   gravierende   Auswirkungen   auf   den   Wald   hat:   Er   kann   nicht   nachwachsen. Weitere   negative   Folgen   sieht   die   Wildbiologin   aber   für   das   Wild   selbst:   Durch   Fütterung und   dem   daraus   resultierenden   gesteigerten   Jagddruck   würde   man   Hirsche   und   Rehe   in naturwidrige    Verhaltensweisen    drängen,    wie    Nachtaktivität,    frühe    Flucht    vor    dem Menschen und den Aufenthalt in ungeeigneten Biotopen.
Grundsätzlich   gilt   es   zu   erkennen,   dass   Hirsch   und   Reh   gut   an   den   Winter   angepasst   sind und      ihn   auch   ohne   Fütterung   überstehen   können,   wenn   die   Populationsgröße   natürlich wäre   und   das   Überleben   in   den   von   ihnen   seit   langer   Zeit   besiedelten   Gebieten   in   einem jahrmillionen     dauernden     Selektionsprozess     angepasst     sind,     so     Prof.     Dr.     Rudolf Winkelmayer,   langjähriger   Jäger   und Amtstierarzt.   Die   Forderung   nach   striktem   Einhalten des   Endes   der   Bejagung   von   Schalenwild   spätestens   mit   der   Wintersonnenwende   am   21. Dez.   wird   wahrscheinlich   angesichts   der   durch   das   Fehlen   von   Räubern   und   kultivierten Populationsdichte des Wildes ein Wunsch bleiben. Der   Appell,   dass   Tierschutz   schließlich   in   Österreich   als   Staatsziel   im   Verfassungsrang steht,    müßte    auch    zu    tatsächlich    angepassten,    das    heißt    zu    deutlich    reduzierten Rotwildbeständen    führen.    Die    Möglichkeit    einer    Notfütterung    muß    aber    jedenfalls bestehen,   wobei   darauf   zu   achten,   dass   diese   auch   fachgerecht   durchgeführt   wird.   Das bedeutet,   dass   für   Rotwild   Wiesenheu   guter   Qualität   ausreichend   ist,   bei   Kraftfutter entsteht   die   Gefahr,   dass   es   zu   Fehlleistungen   des   komplexen   Wiederkäuerstoffwechsels kommt und zu schwerwiegenden Pansenazidosen führt.  
Wir   wollen   aber   mit   Hoffnung   in   die   Zukunft   blicken   und   bemühen   noch   DDr.   Martin Balluch,   Obmann   des   VGT:   "In   Wien   hat   man   schon   2015   umgedacht.   Das   ehemalige kaiserliche   Jagdgatter   Lainzer   Tiergarten   mit   mehreren   tausend   Wildschweinen   wird   nun aufgelassen.   Innerhalb   von   5   Jahren   reduziert   man   die   Population   durch   Abschuss   und verringert   dabei   gleichzeitig   die   Fütterungen.   Das   Ziel   ist   letztlich,   natürliche   Wilddichten zu   erreichen   und   überhaupt   nicht   mehr   zu   füttern.      Dafür   wächst   der   Jungwald   nach,   in manchen   Waldflächen   finden   sich   nun   7   verschiedene   Baumarten   pro   m².   Es   gibt   mehr Zauneidechsen,   Hasen   und   Habichtskauze.   Die   Umstellung   von   massiver   Fütterung   zu ungefütterten Tierpopulationen funktioniert und lässt die Natur aufatmen."
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