der muerzpanther
NACH OBEN NACH OBEN
VON DD ÜBER NT ZU CR Jeder   Fund   zählt!   Oder:   Österreich   sucht   seine   Schmetterlinge!   Manchmal   vergebens   -   leider,   denn   der   Grund   für diese   Mitmach-Initiative,   ausgehend   vom   Naturschutzbund   Österreich,   ist   die   Tatsache,   dass   viele   Arten   bereits nur   mehr   zwischen   „potentiell   gefährdet“   NT   ( near   threatened )   und   „ausgestorben“   ( extinct )   vorkommen.   Und weil die letzte rote Liste für Tagfalter bereits länger als 20 Jahre zurück liegt, wird gerade wieder erhoben … Ein   Grund   für   den   MÜRZPANTHER   mit   Carolina   Trcka-Rojas   vom   Naturschutzbund   ein   spannendes   Gespräch   zu führen.
dMP:Die letzte rote Liste ist bereits aus dem Jahre 2005 – in welchen Abständen werden diese Listen grundsätzlich erstellt?  Carolina Trcka-Rojas: Es gibt leider keine gesetzliche Vorgabe dazu, dass rote Listen zu erstellen sind. Die umfangreiche Arbeit ist leider sehr von der Finanzierung durch Ministerien, dem Land oder der EU abhängig, darum sind auch einige der roten Listen heillos überaltert (aus naturschutzfachlicher und wissenschaftlicher Sicht absolut unverantwortlich). Momentan ist aber ein Wandel im Gange - es wurde versprochen, die roten Listen in den nächsten Jahre aktueller zu halten. Ein 10-Jahresrhythmus wäre ein wünschenswertes Mindest-maß, doch natürlich sind kürzere Abstände wesentlich besser um die Entwicklungen nachvollziehen zu können. Die Erstellung ist ein riesiger personeller, zeitlicher und finanzieller Aufwand.  dMP: Ganz allgemein: Ist es immer so, dass gefährdete oder stark gefährdete Kategorien am ehesten auch folglich aussterben, verschwinden? Oder gibt es durchaus auch öfter Überraschungen, dass sich diese im Bestand in zwei Jahrzehnten komplett erholen? Wenn ja, bitte um Beispiele!  Carolina Trcka-Rojas: Ja, je gefährdeter eine Art ist, desto wahrscheinlicher ist leider auch das Aussterben. Manchmal gibt es jedoch mit direkten Schutzmaßnahmen auch eine Besserung. Bei den Tagfaltern kann ich hier leider noch nichts sagen, aber bei den Vögeln kann ich als Beispiele für Vorarlberg den Weißstorch und die Flussseeschwalbe nennen. Beide waren vorher stark gefährdet, der Storch sogar vom Aussterben bedroht, mittlerweile sind beide Arten aufgrund direkter Schutzmaßnahmen auf den Status ungefährdet gestuft. Mit direktem Schutz kann so etwas also auch gelingen.  dMP: Anders: Kommt es (leider) auch vor, dass in diesem Zeitraum nicht gefährdete Arten massiv unter Druck geraten? Oder gehen diese Prozesse meist langsam, schleichend?  Carolina Trcka-Rojas: Es kommt häufig vor, dass Arten auf die Vorwarnliste kommen (also NT), aber auch, dass sie plötzlich wegen Populationseinbrüchen, einer Krankheit (speziell der Wirtspflanzen) oder großflächigem Gebietsverlust als gefährdet eingestuft werden müssen. Meist ist der Prozess schleichend, doch bei manchen Großereignissen, wie eingeschleppten Krankheitserregern, kann dies plötzlich passieren.
dMP:   Können   Sie   bereits   eine   Prognose   über   die   Gefährdungslage   erstellen?   Anhand   von   Futter-   oder Raupenpflanzen? Womit ist schlimmstenfalls zu rechnen?  Carolina   Trcka-Rojas:   Wir   trauen   uns   nicht   zu,   eine   genaue   Prognose   zu   stellen.   Doch   wir   können   bereits   sagen, dass   die   Zahl   an   Individuen   und   der   beobachteten   Arten   im   Vergleich   zu   2005   abgenommen   haben   wird.   Auch dass   einige   seltene   Arten   die   bereits   vorher   gefährdet   waren,   wahrscheinlich   in   eine   noch   höhere   Gefährdungs- klasse kommen werden. dMP:   Die   Zahl   der   gesichteten   Exemplare   ist   natürlich   von   deren   Lebensraum   abhängig   - Arten   wie   der   Karst Weißling   Pieris   mannii       breiten   sich   aber   auch   von   Süden   her   aus,   werden   aber   in   der   roten   Liste   (2005)   als stark gefährdet geführt. Ein Widerspruch, da sie bei uns erst heimisch werden? Carolina   Trcka-Rojas:   Hier   geht   es   auch   um   den   Umstand   der   allochtonen   und   autochtonen   Populationen.   Für einige   Arten   heimischer   Populationen   geht   es   um   das   Überleben   der   genetisch   angepassten   Diversität   und   zwar mit   jenen,   die   sich   neu   in   Österreich   aus   Nachbarländern   etablieren.   Doch   selbstverständlich   spielt   der   Lebens- raum   eine   sehr   große   Rolle,   darum   erwarten   wir   auch   aus   schwer   zugänglichen   Bereichen   weniger   Daten   als   aus denen in der Nähe von Siedlungen oder Ballungszentren. Die Auswertung ist aber daran angepasst. dMP:   Wie   sehen   Sie   in   diesem   Zusammenhang   die   sich   neu   ordnende   Artenzusammensetzung   durch   die Erwärmung? Ist der Hochalpen Apollofalter (2005 potentiell gefährdet) dem Untergang Preis gegeben?  Carolina Trcka-Rojas:      Es   stimmt   absolut,   dass   wir   vor   allem   um   die   Gebirgsarten   sehr   besorgt   sind   oder   jene,   die auf   Feuchtgebiete   angewiesen   sind.   Es   gilt   jedoch   abzuwarten,   ob   die   Arten   die   2005   als   gefährdet   eingestuft wurden   ihren   Status   halten   konnten   oder   sich   dieser   verschlechtert   hat   -   vielleicht   gibt   es   sogar   ein   paar   die   sich vom Zustand verbessert haben! dMP: Herzlichen Dank für das Interview!  
dMP:   Welchen   Wert   haben   Daten,   die   Sie   nicht   oder   nur   schwer   überprüfen   können   -   bzgl.   Ort,   Datum   der Aufnahmen   und   “Richtigkeit”   der   Angaben?   Wird   “rechnerisch”   eine   gewisse   Fehlerquote   aus   den   Daten herausgerechnet, oder übernehmen Sie die Daten 1:1?   Carolina   Trcka-Rojas:   Wir   benötigen   aus   diesem   Grund   für   die   Meldungen   ein   Foto,   das   mit   hochgeladen   wird, damit   wir   die   Artbestimmung   sicher   durchführen   können.   Die   Angaben   über   Ort   und   Datum   werden   von   unserer App   bereits   automatisch   aus   der   Bilddatei   übernommen   und   sind   somit   immer   korrekt.   Wenn   die   Daten   nicht   aus der   Bilddatei   oder   von   unserer   Webanwendung   übernommen   werden   können   (da   es   sich   um   ein   geschnittenes oder   überspeichertes   Bild   handelt),   werden   Fundort   und   Datum   immer   auch   von   unseren   Experten   geprüft.   Wir können   natürlich   nicht   genau   sagen,   ob   der   Fundort   zu   100%   stimmt,   doch   unsere   Experten   fragen   bei   Auf- fälligkeiten   immer   auch   beim   Melder   nach.   Wenn   hier   keine   Antwort   kommt   oder   die   Daten   angezweifelt werden, werden diese bei uns nicht als „geprüft“ gekennzeichnet. dMP:   Haben   Sie   bei   der   Bestimmung   der   eingesandten   Daten   Fachleute   (aus   dem   eigenen   Haus)   zur   Seite? Gerade Bläulinge sind auch für Experten oft nur ganz schwer zu unterscheiden!   Carolina   Trcka-Rojas:   Wir   haben   verschiedene   Experten   aus   ganz   Österreich   bei   den   Tagfaltern,   die   sich   um   die genaue   Bestimmung   der   eingegangenen   Meldungen   kümmern.   Natürlich   sind   dennoch   manche   Arten   auf   Fotos nicht   einfach   zu   bestimmen,   manche   Bilder   zeigen   einfach   die   Bestimmungsmerkmale   nicht   oder   sind   etwas verschwommen.   Für   diese   Fälle,   würden   wir   z.b:   einen   Bläuling   bei   dem   wir   nicht   sicher   sind,   zumindest   sicher unter   die   „Bläulinge“   einordnen.   Somit   können   auch   diese   Bestimmungen   auf   einem   Gattungsniveau   weiterge- leitet werden und der Wissenschaft zu Gute kommen. dMP:   Was   bedeutet   DD   oder   NE?   Unzureichende   Datenlage   oder   nicht   ausgewertet?   Heißt   das,   dass   man Exemplare dieser Arten nicht gesichtet hat, nicht bestimmen konnte? Carolina   Trcka-Rojas:   DD   bedeutet,   dass   hier   „Data   Deficient“   zu   wenige   Daten   vorhanden   sind   oder   zu   wenige klare   Informationen,   um   sich   über   den   Status   der   Art   im   Klaren   zu   sein.   Das   kann   damit   zusammenhängen,   dass man   einfach   keine   Nachweise   gefunden   hat,   obwohl   sie   in   den   Gebieten   vorkommen   müssten.   Bei   NE   geht   es   um „Not   Evaluated“   –   also   nicht   bewertet   –   und   das   kann   verschiedene   Gründe   haben.   Oft   handelt   es   sich   um   eine Art,   die   neu   in    Österreich   zu   finden   ist   und   darum   noch   nicht   berücksichtigt   wird.   Diese   Einstufung   wird   für invasive Arten hergenommen.
Ich   habe   eine   kleine   Feldforschung   von   insgesamt   ca.   3   Stunden   angestellt.   Das   Ergebnis   kann   sich   sehen   lassen.   In   dieser   Galerie:   Ein   Braunauge,   ein kleiner   Fuchs,   ein   Rundaugen-Mohrenfalter?,   ein   Spanner   und   damit   Nachtfalter,   der   mit   einem   Baumweißling   leicht   zu   verwechseln   ist:   ein   Hartheu Spanner und ein Taubenschwänzchen. Wenn die Bestimmung nicht richtig ist, sein Sie mir nicht barsch, aber ich tue mein Bestes, dazuzulernen!
Wieder   von   links   nach   rechts:   Eine   gelungene   Mischung   aus   Garten   und   Wald.   Zwei   Arten   Scheckenfalter,   ein   kleiner   Kohlweißling,   ein   rostbrauner   Dick- kopffalter und ein weißbindiger Mohrenfalter?
Der   kleine   Aurorafalter   war   damit   beschäftigt,   seiner   Liebsten   (das   Weibchen?)   zu   gefallen,   die   im   zweiten   Bild   von   links   zu   sehen   ist.   In   der   Mitte   ein Waldbrettspiel,   dann   ein   Traumexemplar   eines   Distelfalters   und   zuletzt   ein   wunderschöner   Bläuling   (Bestimmung   siehe   Text,   oben).   Damit   sind   es   15 Arten,   die ich fotografieren konnte. Viele weitere Sichtungen habe ich leider nicht vor die Linse bekommen. Die zappeln einfach so herum!!!