der muerzpanther
Das gebildete Gift ist ein raffinierter Cocktail! Die   Gartensaison   bringt   natürlich   auch   eine   Begegnung   mit   einem   der   wilden   Gartentiere   mit sich:      der   Spinne.   Ein   sehr   häufiger   Vertreter   ist   eine   Radnetzspinne   -   jeder   kennt   sie!   Sie   ist unverwechselbar gezeichnet.  Sie trägt ein Kreuz auf dem Rücken! Die    Gartenkreuzspinne    legt    ihre    Eier    im    September    oder    Oktober    ab.    Die    Jungspinnen schlüpfen   noch   vor   der   kalten   Saison   im   Kokon.   Sie   überwintern   und   können   Temperaturen bis   -   20°C   überleben.   Das   brauchen   sie   bei   uns   im   Mürztal   auch!   Bis   in   den   Mai   hinein   werden sie   noch   dicht   gedrängt   im   Kokon   verbringen,   bis   sie   ihren   Spinnapparat   endgültig   und gebrauchsfertig    ausgebildet    haben    und    an    ihren    ersten    Lauffäden    einen    jungfräulichen Ausflug   unternehmen.   Bis   zur   Reifehäutung   und   zur   Geschlechtsreife   werden   ihnen   aus   ihren kleinen Netzen noch so manche Fliege entkommen.
Es   ist   nicht   angebracht,   Angst   vor   ihr   oder   ihrem   Biss   zu   haben,   denn   obwohl fast    jede    Spinnenart    giftig    ist,    kann    sie    die    Haut    des    Menschen    kaum durchdringen.   Ihre   Opfer   werden   im   Netz   gefangen,   danach   eingesponnen   und mit   einem   Biss   getötet.   Das   bewerkstelligen   sie   durch   ihre   Giftklauen,   die   die todbringende   Aufgabe   ein   Spinnenleben   lang   unbeschadet   erledigen   müssen. Kurz   zur   Wiederholung   aus   der   Schule:   Die   Giftklauen   sitzen   an   der   Unterseite der   Cheliceren   und   sind   bei   den   echten   Webspinnen   -   den   Araneomorphe   - wozu   die   Kreuzspinnen   gehören,   senkrecht   gestellt   und   zugleich   nach   innen gedreht. Auf   diese   Weise   können   sie   zangenartig   an   der   Basis   geöffnet   werden und   gegeneinander   arbeiten.   Das   bedeutet   für   das   Opfer   nichts   Gutes!   Die Giftdrüsen,   die   im   Vorderleib   der   Spinne   sitzen,   münden   in   den   Spitzen   der Giftklauen. Ein    Forscherteam    des    Max-Planck-Instituts    und    der    Universität    Wien    hat festgestellt   hat,   dass   sich   die   Giftklaue   in   Form   und   Struktur   während   der Evolution sehr gut angepasst hat.
Die   Giftklaue   wird   an   der   Spitze   maximal   beansprucht,   wenn   die   Spinne   sie   auf einer   Kreisbahn   in   ihre   Beute   schlägt.   In   einer   Nadel   tritt   bei   dieser   Bewegung die   größte   Belastung   dagegen   an   der   Basis   auf.   Bräche   die   Nadel,   würde   sich die    Spinne    ihren    Giftzahn    an    der    Beute    ausbeißen.    Damit    wäre    sie    ihre Jagdwaffe   gleich   für   immer   los,   weil   diese   nicht   nachwächst.   Nimmt   dagegen die   natürliche   Giftklaue   Schaden,   verliert   sie   allenfalls   ihre   Spitze.   Mit   dem verbleibenden   Stumpf   kann   die   Spinne   dann   immer   noch   auf   Beutezug   gehen. Die   Natur   hat   auch   für   die   Festigkeit   und   damit   Haltbarkeit   der   Klaue   durch die   Anordnung   der   Fasern   gesorgt,   die   einerseits   parallel,   weiter   innen   aber wie   in   einer   Sperrholzplatte   angeordnet   sind.   Würde   die   Spinne   nämlich   etwas "schlampig"   zubeißen,   würde   die   Klaue   wiederum   an   der   Basis   brechen.   Die Klaue   selbst   macht   aber   noch   keinen   sommerlichen   Juckreiz.   Das   Gift   macht das Gift.
Hart ist der Kampf in der Natur, aber weder verzweifelt, noch brutal. Sondern er ist einfach. Es ist ein für mich einmaliges Dokument, weil es sich vor meinen Augen letzten Sommer abgespielt hat. Einfach zuschauen.
Doch   was   wird   eigentlich   in   den   Giftdrüsen   produziert?   Es   ist   ein   raffiniert zusammengestellter   Cocktail.   Der   Fokus   der   Forschung   lag   bis   jetzt   auf   den Nervengiften   -   den   Neurotoxinen,   die   auf   Ionenkanäle   wirken.   Für   die   weitere Erforschung    musste    wieder    die    Jagdspinne    Cupiennius    salei        wie    bei    den bereits   oben   gewonnen   Erkenntnissen   herhalten.   Allerdings   ist   sie   in   Zentral- und Südamerika beheimatet, und nicht im Mürztal. Zurückkehrend   zu   unserer   Gartenkreuzspinne   erkennen   wir:   Sie   produziert diesen   Cocktail   nicht   für   die   Forschung,   sondern   um   Beute   zu   machen.      Aber nach   welchem   Schema   jagt   unsere   Kreuzspinne?   Sie   sitzt   in   einer   Ecke   des Netzes   mit   einem   Bein   auf   einem   Faden,   der   von   der   Netznabe   kommt   und feinste   Vibrationen   weiterleitet.   Als   nächstes   kommt   schon   das   Insekt   und verirrt   sich   in   das   Netz.   Die   Spinne,   ausgestattet   mit   acht   Augen   sieht   nicht besonders   gut.   Sie   verlässt   sich   eher   auf   ihren   Tastsinn   und   erkennt,   welche Speichen   des   Netzes   am   stärksten   belastet   sind,   worauf   sie   auf   das   Opfer zueilt.   Mit   den   Beinen   versetzt   sie   das   Beutetier   in   eine   schnell   rotierende Bewegung   und   umwickelt   sie   mit   Fäden.   Erst   dann   kommt   der   Biss   mit   den Giftklauen,   an   deren   Enden   die   feinen   Öffnungen   für   den   Austritt   des   Giftes sitzen. Dazu   veröffentlichten      Lucia   Kuhn-Nentwig   und   Wolfgang   Nentwig   von   der Universität   Bern   unlängst   ihre   Ergebnisse   über   die   "anderen"   Bestandteile   der Giftmischung.   Demnach   lösen   die   verschiedenen   Bestandteile   des   Spinnengifts
im Beutetier diverse, exakt aufeinander abgestimmte Wechselwirkungen aus. " Spinnengift   ist   mehr   als   ein   Toxin,   es   ist   eine   ganze   Armada   von   Substanzen, die    auf    maximal    vielen    verschiedenen    Wegen    einen    Organismus    angreifen, lähmen    und    töten    kann" ,    erklärt    Kuhn-Nentwig.    Diese,    als    "duale    Beute- Inaktivierungsstrategie"   bezeichnete   Wirkung   basiert   auf   dem   Zusammenspiel vieler   Enzyme   und   Proteine.   Diese   wirken   nach   Injektion   mit   den   wichtigsten Stoffwechselwegen   des   Beutetieres   zusammen,   was   zu   einer   erheblichen   Störung der    zellulären    Homöostase    führt.    Bestimmte    Peptide    zerstören    Gewebe    und Membranen   und   unterstützen   so   die Ausbreitung   anderer   Giftstoffe.   " Beide   Teile der   Strategie   interagieren   sehr   eng   miteinander ",   sagte   Kuhn-Nentwig.   " Nicht nur   Muskeln   und   Nervensystem   der   Beutetiere   werden   angegriffen,   auch   die innere    Homöostase,    das    physiologische    Gleichgewicht    in    einem    Organismus, wird       durch       die       Blockade       von       Ionenkanälen       und       verschiedenen Stoffwechselwegen   gestört. "   Die   Folge:   Krämpfe   von   Nerven   und   Muskulatur! Andere   Bestandteile   des   Giftcocktails   zerstören   das   Gewebe   der   Beutetiere   und erleichtern so den Nervengiften die Verbreitung im Organismus. " Diese   duale   Beute-Inaktivierungsstrategie   ist   sehr   effektiv   -   sie   reduziert   das Risiko,    dass    die    Spinne    ein    Beutetier    verliert    und    auch,    dass    potenzielle Beutetiere   langfristig   eine   Resistenz   gegen   Spinnengift   entwickeln",   erläutert Kuhn-Nentwig.