der muerzpanther
DIE ADVENTGALA in   Krieglach   hat   sich   neu   positioniert   und   stand   heuer   erstmals   unter   der   Patronanz   des Roseggerbundes.   Dabei   gab   es   nicht   nur   hochkarätige   Mitwirkende,   wie   das   Mißebner   Trio und   Birgit   Minichmayr,   auch   lokale   Chöre   -   wie   der   Chor   Krieglach   Vokal,   der   Chor   Mosaik   und das    Bläserquartett    der    Musikkapelle    Voestalpine    Roseggerheimat    Krieglach    und    eine Pantomime   aus   Graz   haben   diesen   Abend   künstlerisch   gestaltet.   Die   Darbietungen   waren thematisch   in   einen   Rahmen   rund   um   einen   Nachtwächter   um   die   vorige   Jahrhundertwende angesiedelt. Daneben    wurde    neben    dem    schönen    und    ruhigen    Bühnenbild    auch    der    Außenbereich pyrotechnisch miteinbezogen. Eine Abendbetrachtung.
In     die     Rahmenhandlung     führte     die     freischaffende Künstlerin   Ing.   Irene   Pfleger.   Der   Zugang   und   das   Motto waren     eine     wesentlich     ruhigere     und     schlichtere Adventzeit.
Die   Neupositionierung   der   Adventgala   wurde   von   allen   Seiten   mit   Spannung erwartet.   Vor   allem   durch   das   Motto   "Weihnachten   wie`s   früher"   war.   Mit “früher”    ist    auch    die    Jahrhundertwende    vom    19.    in    das    20.    Jahrhundert gemeint,   als   es   in   Krieglach   noch   Nachtwächter   gab.   Diese   hatten   ursprünglich die   Aufgabe,   die   Menschen   zu   warnen.   Vor:   Feinden,   Feuer   und   Dieben.   Als Rahmenhandlung    zog    sich    dieses    Konzept    durch    den    bunten    Reigen    an Darbietungen,   dessen   erklärende   Ausrichtung   in   der   ersten   Erzählung,   gelesen von Birgit Minichmayr, "der Sohn des Nachtwächters" verankert wurde. "I ch    freue    mich    schon    auf    eine    Inszenierung    der    anderen   Art    mit    diesen herausragenden Akteuren "   meinte   im   Vorfeld   Ing.   Matthias Täubl,   der   wortkarg in      ruhiger      Art      den      Pflichten      des      Nachtwächters      nachkam.      Sein wiederkehrender    Auftritt     erfolgte     über     den     Mittelgang     der     Sitzreihen, begleitet   von   einem   Spotlight,   das   immer   wieder   -   an   den   Schaustellern   wie der   Pantomime   Mc   BEE   aus   Graz,   die   “Auf   der   Suche   nach   dem   Licht”   gab, vorbei   -   wunderschöne   Lichtspiele   auf   das   Bühnenbild   warf.   Fast   gemahnte   es an   etwas   Himmlisches,   Engelhaftes,   fast   gemahnte   es   bedächtig,   sich   der Ankunft    entgegenzufreuen.    Die    ungewollte    Lichtregie    stand    beinahe    in Konkurrenz    zu    den    Feuereffekten,    die    im    Freien    vor    den    Fenstern    des Veranstaltungszentrums gezeigt wurden.
Bereits    mit    den    getragenen    Worten    von    Irene    Pfleger,    die    die   Adventgala erstmals   mit   dem   neuen   Bühnenkonzept   inszenierte,   wurde   das   Konzept   der Veranstaltung    veranschaulicht:    Die    Sehnsucht    nach    einer    einfachen    und besinnlichen   Weihnachtszeit,   den   Weihnachtstrubel   und   die   Geschenkeflut   zu reduzieren.    Unterstützung    dieses    Konzeptes    bekam    die    Gala    durch    die sorgfältige   Auswahl   der   Gruppen   und   Chöre,   es   hätte   richtig   stimmig   werden können.   Dazu   war   aber   die   Liedauswahl    nicht   ganz   glücklich :   “The   spirit   of gospel”   (von   Peter   B.   Smith,   2010),   “Ding   dong   merrily   on   high”   (ein   englisches Weihnachtslied,   erstmals   1924   erschienen)   oder   auch   “I´ve   got   peace   like   a river”   (arrangiert   von   William   J.   Reynolds,   1991).   Das   meinte   jedenfalls   meine Sitznachbarin,   die   sich   auf   jeden   Fall,   gerade   weil   das   Motto   “Weihnachten wie`s   früher   war”   auch   deutschsprachiges,   oder   vor   allem   deutschsprachiges erwartet hätte. Weil es doch in Österreich so schöne Adventlieder gibt! “Weihnachten     wie`s     früher     war”     im     Umkreis     von     Krieglach     erweckt Einfachheit,    Gerüche    von    Backwerk,    deren    Rezepte    oft    in    der    Familie weitergegeben   wurden,   oft   sehr   bescheiden   aber   ehrlich.   Das   sind   vielleicht die   Assoziationen   der   meisten   Besucher,   die   früher   keine   Gospels   gesungen haben.
Das   sehr   stimmige   Bühnenbild   für   die   Rahmen- handlung    (links)    und    die    Lesungen    der    Birgit Minichmayr: aus den Händen von Jakob Hiller.
Da   kam   das   Gespür   von   Irene   Pfleger   vor   der   Pause   gerade   recht,   als   das Mißebner   Trio   mit   dem   “Rosenwalzer”   und   “Melodie   für   Dich”   genau   jene Adventstimmung   hervor   zauberte,   nach   der   man   sich   sehnte.   Die   jugendliche Freude   des   Musizierens   (Sie   sollten   einen   Ausschnitt   davon   hören   können!) erweckte    diese    Erinnerungen    und    brachte    viele    Besucher    weit    weg    von “Stress”   und   von   “Geschenkeflut”.   Das   Trio   begeisterte   die   Besucher   auch   in der   Pause   mit   fröhlich   beschwingter   Musikalität,   die   so   sehr   die   steirische Lebens- und Feierfreude widerspiegelt. Nach   der   Pause   erfreute   -   auch   um   den   Rahmen   der   Gala   aufzufrischen   Günther   Macek   mitreißend   pointiert   mit   dem   Mundarttext   “Der   Haderlump”. Birgit    Minichmayr    las    nach    “Hilfe,    die    Herdmanns    kommen”    (von    der amerikanischen   Autorin   Barbara   Robinson,   1971)   auch   von   Selma   Lagerlöf   “Die heilige Nacht”: “I ch erinnere mich nicht an sehr viel von meiner Großmutter. Ich   erinnere   mich,   dass   sie   schönes,   kreideweißes   Haar   hatte   und   dass   sie   sehr gebückt ging und dass sie immer dasaß und an einem Strumpf strickte.
Dann   erinnere   ich   mich   auch,   dass   sie,   wenn   sie   ein   Märchen   erzählt   hatte, ihre   Hand   auf   meinen   Kopf   zu   legen   pflegte,   und   dann   sagte   sie:   „Und   das alles ist so wahr, wie dass ich dich sehe und du mich siehst.“ Ich   entsinne   mich   auch,   dass   sie   schöne   Lieder   singen   konnte,   aber   das   tat   sie nicht alle Tage.“ Mit   etwas   gutem   Willen   konnte   man   ein   Weihnachten,   wie`s   früher   war   (und die   Erinnerungen   daran)   kurz   aufflackern   fühlen,   bis   der   Reigen   mit   „Feliz navidad“ (von José Feliciano aus dem Jahre 1970) endete. Es   wird   spannend   sein,   wie   sich   die   Gala   in   den   nächsten   Jahren   entwickeln wird    und    die    Frage,    ob    das    Ziel    zu    „entschleunigen“    über    diesen    Weg vermittelt   werden   kann,   bleibt   noch   zu   beantworten,   insofern   als   sich   meine Nachbarin   am   Ende   der   Veranstaltung   zu   mir   herüber   beugte   und   leise   meinte: Es endet alles in einer Show!
„Die jugendliche Freude des Musizierens erweckte diese Erinnerungen und brachte Viele weit weg von “Stress” und von “Geschenkeflut”.