der muerzpanther
Die     Parallelen     zu     den     heutigen     Ursachen     sind     erschreckend:     Die Intensivierung   der   Landwirtschaft   verschlechtert   die   Lebensbedingungen   der Turteltaube   enorm   –   ein   Schicksal,   das   sie   mit   vielen   anderen   Jahresvögeln bisher   teilt.   Die   Ausweitung   von   Anbauflächen   geht   einher   mit   dem   Verlust von     Brachen,     Ackersäumen,     Feldgehölzen     und     Kleingewässern.     Damit verschwinden    Nistplätze    sowie    entscheidende    Nahrungs-    und   Trinkstellen. Viele   Äcker   werden   dazu   verstärkt   mit   Herbiziden   von   den   verbleibenden „Unkräutern“   befreit.   Doch   von   den   Samen   genau   dieser   Ackerwildkräuter ernährt sich unser Jahresvogel! Was   aber   hat   der   Wanderfalke   mit   den   Turteltauben   zu   tun? Ausgerechnet   die intensive    Zucht    von    Tauben    bescherte    dem    Wanderfalken    eine    starke Dezimierung    seit    dem    Ende    des    19.    Jahrhunderts.    Von    Taubenzüchtern intensiv   verfolgt,   stellten   auch   Eiersammler   Wanderfalken   zumindest   regional intensiv   nach.   Aufgrund   der   Unzugänglichkeit   vieler   Brutplätze   führte   diese Verfolgung jedoch nur regional zu stärkeren Bestandsrückgängen. Es   ist   fast   ironisch,   mit   welcher   Sicherheit   fast   alle   Vogelarten   bereits   heute oder    in    naher    Zukunft    vor    der    Gefährdung    oder    dem   Aussterben    stehen
werden.   Die   Turteltaube   ist   seit   dem   Jahre   2015   auf   der   Roten   Liste   vom Aussterben bedrohter Vogelarten. Ursachen dafür sind: - Pestizide - Mangelhafte Nistplätze- - Von der EU genehmigter Fang - Waldrodungen in Afrika - dem Winterquartier der Tauben. - illegaler Abschuss - Infektion durch den Einzeller Trichomonas gallinae - versiegen der Wasser- und Futterplätze auf den Wanderrouten. Das   führte   in   Europa   zu   nur   noch   rund   4,2   Millionen   Paare   zur   Brutzeit,   um   79 Prozent weniger als noch vor 20 Jahren. Nach   dem   Ableben   wollen   wir   uns   jetzt   dem   Leben   der   Turteltaube   widmen: Die   Ratten   der   Lüfte,   die   Friedenstaube,   krankheitenverbreitend,   Rennpferd des   kleinen   Mannes,   Sinnbild   des   heiligen   Geistes.   Kaum   ein   anderer   Vogel wird   von   Menschen   so   widersprüchlich   betrachtet   und   aufgenommen.   Dabei muss   man   zugestehen,   dass   es   sich   meist   um   die   Stadt-   oder   Strassentaube handelt.   Denn   eine   Turteltaube   haben   wahrscheinlich   noch   die   Wenigsten   zu Gesicht bekommen.
Tauben    sind    sehr    anpassungsfähig,    fressen    oft auch    Sachen,    die    ihnen    sicher    nicht    gut    tun (beispielsweise   Cocktails)   und   folgen   gerne   dem Menschen.    Doch    viele    Arten    sind    im    Bestand auch schwer gefährdet. Wie die Turteltaube. Foto: Mathew Schwartz, unsplash.
Das    Urbild    ihrer    artenreichen    Gattung:    Sie    zeichnet    sich    durch    schlanke Gestalt,     einen     geraden     und     etwas     erhöhten     Schnabel,     lange     und schwachzehige   Füße,   lange   Flügel   und   länglichen   und   deutlich   abgerundeten Schwanz   aus.   Das   Gefieder   ist   im   allgemeinen   leicht   rötlich   gefärbt,   Scheitel und   Hinterhals   sind   gräulich-   himmelblau.   Die   Besonderheit   der   Turteltaube sind    die    Halsseiten,    die    durch    vier    schwarze    und    silberfarben    gesäumte Querstreifen gesäumt werden. Ihre    Größe    beträgt    30    cm.    Ein    lyrischer    Quell    der    Ornithologie:    Brehms Tierleben   in   der   dritten   Auflage,   1929,   schreibt   über   die   Turteltaube:   Das Wesen   der   Turteltaube   ist   anmutend,   obgleich   man   nicht   verkennen   darf, dass   sie   über   Gebühr   gerühmt   worden   ist.   Ihre   zierlichen   Bewegungen,   ihr Anstand   und   das   sanfte   Girren   bestechen   den   Beobachter,   und   wenn   dieser vollends    von    der    Zärtlichkeit    Zeuge    wird,    mit    der    das    Männchen    sein Weibchen   behandelt,   glaubt   er   berechtigt   zu   sein,   diesen   Vogel   als   den liebenswürdigsten   von   allen   zu   bezeichnen.   Das   ist   nicht   richtig,   denn   auch die   Turteltaube   hat   ihre   schwachen   Seiten,   und   ihre   Zärtlichkeit   ist   nicht größer als die vieler anderer Vögel, ihre Treue vielleicht geringer.   Etwas    nüchterner    klingen    die    meisten    zeitgenössischen    Beschreibungen, etwa:   Zwischen   Ende   April   und   Mitte   Mai   kommen   die   Turteltauben   in   ihre Brutgebiete   zurück   und   beginnen   mit   der   Balz.   Männchen   und   Weibchen versuchen   beide,   sich   ins   rechte   Licht   beim   möglichen   Partner   zu   rücken.   Von einem   erhöhten   Punkt   aus   fliegt   die   Taube   steil   auf,   gleitet   dann   in   einem Bogen   zur   Sitzwarte   und   imponiert   dabei   mit   ihrem   abwechslungsreichen Gefieder.   Sie   haben   meist   zwei,   selten   drei   Bruten,   nach   13   -   16   Tagen schlüpfen   die   Küken   und   verbleiben   etwa   noch   drei   Wochen   im   Nest.      Die Jungen werden zum Ende ihres ersten Lebensjahres geschlechtsreif.
Die   Anpassungsfähigkeit   stellt   die   Turteltaube   nicht   nur   durch   die   Habitate unter    Beweis:    Vom    Brutgebiet    in    Auwäldern    und    Lichtungen    in    Süd-    bis Nordeuropa    zieht    sie    im    Winter    in    die    trockenen    Zonen    von    Senegal    bis Gambia.   Große   Sträucher   wie   Hasel,   Weißdorn   oder   Holunder   nutzt   sie   zum Brüten. Aber   auch   im   Unterbau   von   Nadelwäldern   oder   in   jungen   Laubbäumen lässt   sie   sich   gern   zum   Nestbau   nieder.   Neben   Waldrändern   dienen   ihr   auch große Hecken und Streuobstwiesen als Versteck oder Brutplatz. Auch   das   Nahrungsangebot   wechselt   ständig:   Bevorzugt   ernährt   sich   diese Taubenart   fast   ausschließlich   vegan   von   Wildkräuter-   und   Baumsamen,   wie von   Kiefern   und   Ulmen,   die   sie   vom   Boden   pickt.   Dem   Vogel   schmecken Samen    von    Klee,    Vogelwicke,    Erdrauch,    Wolfsmilch    sowie    Leimkraut,    die Landwirte    nicht    auf    dem    Feld    haben    wollen.    Deshalb    hat    sich    die Nahrungszusammensetzung   der   Tauben   seit   den   1960er   Jahren   verändert.   Der Anteil   von   landwirtschaftlichen   Sämereien   macht   nun   in   weiten   Teilen   ihres Verbreitungsgebiets   mehr   als   die   Hälfte   der   Nahrung   aus   statt   20%   wie   früher. Vor   allem   nach   der   Brutzeit   fressen   sie   vermehrt   Sonnenblumenkerne,   Raps- und Weizensamen - das Angebot der Landwirtschaft. Deswegen   möchte   ich   Sie   an   dieser   Stelle   an   mein   Projekt   MIT   -   Mürztal initiativ   erinnern:   Es   ist   wichtig   und   bedeutend   für   die   bei   uns   heimischen Vogelarten   und   für   die   auch   durchziehenden Arten,   Wildkräuter   und   Wiese   im Garten   stehen   zu   lassen!   Sie   können   ein   Zeichen   setzen,   indem   Sie   sich deklarieren:   HIER   MITSTIMMEN!    Auf   dass   wir   vielen   Vogelarten   wieder   ein reiches Nahrungsangebot bieten können!
SYMBOL DER LIEBE Der   Mürzpanther   präsentiert   Ihnen   bereits   vor   dem   Jahreswechsel   den   Vogel   des   Jahres,   der bereits   im   Oktober   gewählt   worden   ist:   Es   ist   die   Turteltaube.   kaum   ein   anderer   Vogel   hat den   Namen   nach   seinem   Gesang   erhalten:   Von   „Tur   tur“   wurde   der   lateinische   Name   Turtur turtur “ abgeleitet. Der    Vogel    des    Jahres    wird    seit    1971    vom    Naturschutzbund    und    dem    Landesbund    für Vogelschutz   gekürt.   Die   Auswahl   des   Vogels   erfolgt   nach   der   Gefährdung   der   Art   oder   ihres Lebensraumes   durch   den   Menschen.   Wozu   das   dient?   Der   erste   Vogel   des   Jahres   1971   war   der Falco    peregrinus,    der    Wanderfalke.    In    den    Sechziger    Jahren    und    Anfang    der    Siebziger dezimierte   man   aufgrund   des   Einsatzes   von   DDT   in   der   Landwirtschaft   den   Bestand   bis   an   den Rand   des   Aussterbens.   DDT   verursachte   eine   Abnahme   der   Eischalendicke   um   17   %!   Die   Eier zerbrachen einfach im Nest. Und das war es … Sie können die Vögel mit ihrer Stimme unterstützen bei MIT - Mürztal initiativ !
„Der     Vogel,     dem     Stimme     und     Klang geworden,       begrüßt       den       kommenden Morgen    mit    seinem    Gesange,    tut    dies wenigstens   während   der   Paarungszeit,   in der    die    Liebe    sein    Wesen    erregt    und vergeistigt.“ Worte aus Brehms Tierleben, 1929