der muerzpanther
IST KULTUR WICHTIG? NATÜRLICH! Ein   nicht   ganz   kleiner   Schritt   für   die   Kulturschaffenden,   aber   ein   großer   für   das   Publikum.   Im 21.   Jahrhundert   werden   die   Kulturhäuser   wieder   eröffnet   -      nach   zahllosen   Versprechungen, „Lockerungen“   und   Lockdowns!   Menschen   haben   die   Zeit   unterschiedlich   erlebt,   einigen   ist schwer    gefallen,    keine    Kunst-    und    Kulturveranstaltungen    besuchen    zu    können.    Der MÜRZPANTHER   gehört   zu   dieser   Gruppe.   Der   online   Präsentation   überdrüssig,   freut   sich   das Publikum   auf   das   Haptische.   Applaus   zu   spenden   macht   nur   dann   Sinn,   wenn   es   reflektiert wird! Die   Atmosphäre,   die   im   Publikumsraum   entsteht,   die   Nähe   zu   den   Künstlern   auf   der   Bühne oder   das   Gespräch   bei   einem   Getränk   in   der   Pause   sind   unersetzbar!   Live   ist   live!   Ganz   zu schweigen   von   der   Tonqualität,   die   für   jeden   Abend   eigens   optimiert   wird.   Am   Tonpult   hat auch   Fritz   Kabinger   Erfahrung   gesammelt   und   die   Liebe   zur   Veranstaltung   entdeckt.   Er   führt gemeinsam   mit   Andreas   Peichl   das   Dachbodentheater   in   Bruck   an   der   Mur,    das   am   19.   Mai endlich wieder sein Türen öffnet. Der MÜRZPANTHER hat zur Wiedereröffnung ein Interview geführt!
dMP: Wie geht es einer Kultureinrichtung nach einem Jahr Stillstand? Fritz   Kabinger:   Es   sind   genau   208   Tage   seit   ich   den   Schlüssel   umgedreht   habe.   Wir   standen vor   einer   Situation,   in   der   sich   von   einem   auf   den   anderen   Tag   sehr   viel   verändert   hat. Positiv   zu   sehen   ist,   dass   ich   viele   Rückmeldungen   bekommen   habe,   wie   sehr   es   die   Leute freut,   dass   wir   durchgehalten   haben;   und   nach   der   Eröffnung   mit   dem   Slam   am   19.   Mai   sind wir   für   den   Abend   am   Samstag   mit   der   Electric   Blues   Connection   ausverkauft.   Es   macht Freude zu sehen, dass vierzig Besucher, die zugelassen sind, das Konzert besuchen werden. Während   der   Corona-   Zeit   hat   sich   auch   gezeigt,   was   man   wem   wert   ist.   Das   sehe   ich beispielsweise   beim   Bund,   von   dem   ich   keine   Unterstützung   bekommen   habe.   Dafür   haben Privatpersonen   für   das Theater   gespendet,   wodurch   ich   erst   recht   wieder   keine   Förderungen erhalten   habe.   Dahingehend   kritisiere   ich   auch,   dass   70%   der   Förderungen   in   Graz   bleiben. Wo Geld ist, kommt halt auch Geld hin … Ich   habe   aber   nicht   erst   durch   Corona   lernen   müssen,   mich   von   einem   Monat   zum   anderen zu   hanteln.   Positiv   an   der   Coronazeit   ist   auch,   dass   eine   Kulturdiskussion   begonnen   hat,   die Kultur auch als Kulturarbeit sichtbar macht. dMP:   Gibt   es   wieder   Planungssicherheit   mit   den   Künstlern   und   wie   werden   die   Verträge geschlossen?                                                                                             Fritz   Kabinger:   Geplant   wird   für   ein   Jahr.   Ich   kenne   auch   viele   Musiker,   die   kurzfristig spielen.   Meine   Meinung   dazu   ist:   Wenn   ich   nicht   aufsperre,   verdiene   ich   auch   nichts.   Fix- gagen   gibt   es   nicht,   wir   haben   einen Aufteilungsschlüssel   zwischen   den   Musikern   und   mir   als Veranstalter.   Oft   muss   ich   aber   was   dazugeben   …   Wenn   nur   zehn   Zuhörer   kommen!   Die meisten   Musiker   haben   momentan   eine   große   Freude,   wieder   auf   der   Bühne   stehen   zu können.   Auch   für   mich   wird   es   ein   schöner   Moment   sein,   meine   Gäste   begrüßen   zu   dürfen. Viele   Kabarettisten   haben   in   den   vergangenen   Monaten   Programme   herausgebracht,   die   sie jetzt vor Publikum spielen wollen.
Bruck    an    der    Mur    mit    Werbeeffekt. Aber   nicht   nur   die   Bausubstanz   trägt dazu   bei,   sondern   auch   die   Kulturver- anstaltungen … Foto: der MÜRZPANTHER
dMP:    Wie    bist    Du    zum    Dachbodentheater    gekommen?    Anfangs    war    es    ja    eine Probebühne. Fritz   Kabinger:   Eigentlich   hat   das   der Andreas   Peichl   mit   der   Theatergruppe   Theater   direkt in`s   Leben   gerufen,   bei   der   auch   Thomas   Stipsits   dabei   war.   Sie   haben   zunächst   eine Probebühne   und   später   dann   ein   Theater   gesucht,   um   die   Stücke,   die   sie   probiert   haben     auch   aufzuführen.   Am   Anfang   spielten   sie   jedes   Jahr   eines.   Ich   bin   über   das   Licht   und   das Mischpult   und   vor   allem   durch   mein   Interesse   dazu   gekommen.   Zunächst   habe   ich   ein   Lokal mit   Personal   gehabt.   Durch   diese   Erfahrungen   führe   ich   das   Dachbodentheater   als   Ein- Personen-   Unternehmen   und   bin   damit   nur   für   mich   verantwortlich.   Dabei   war   das   Konzept des    Theaters    die    Vermietung.    Es    mietet    sich    nicht    nur    die    Gemeinde    für    diverse Veranstaltungen   ein,   sondern   es   gibt   auch   Anfragen   aus   der   Steiermark   für   Theaterauf- führungen. Nach vielen Jahren besteht auch eine Kooperation mit dem Schlossberg Theater. dMP:   Das   Programm      im   Dachbodentheater   sind   Musikabenden,   aber   auch   Kabarett,   gibt es da eine Linie? Fritz Kabinger: Mittlerweile ist mein Musikgeschmack sehr breit geworden. dMP: Die Formationen sind dabei sehr „klassisch“ aufgestellt! Fritz   Kabinger:   Ich   bevorzuge   „natürliche“   Musik   und   bin   nicht   unbedingt   der   Fan   von Synthesizern.    Grundsätzlich    engagiere    ich    nach    meinem    Geschmack,    der    auch    beim Publikum   gut   ankommt.   Gerade   im   Jazz   muss   ich   immer   überlegen:   Kann   ich   das   bringen und   kommt   da   überhaupt   wer?   Manu   Delago   habe   ich   wahrscheinlich   nur   einmal   im   Leben   in meinem   Theater.   Aus   Linz   werden   für   dieses   Konzert   auch   Leute   anreisen,   um   ihn   hier   im Dachbodentheater wieder live zu erleben. dMP: Ihr veranstaltet auch den Poetry Slam an der Mur.   Fritz   Kabinger:   Das   hat   sich   seit   ein   paar   Jahren   durchgesetzt   und   mittlerweile   gibt   es   dafür ein   Stammpublikum,   grundsätzlich   ist   das   Publikum   aber   sehr   durchmischt,   weil   wir   auch mit   Schulen   aus   Bruck   und   Kapfenberg   kooperieren.   Slam   Meister   Mario   fragt   auch   immer am   Beginn   der   Veranstaltung,   wer   im   Publikum   noch   nie   auf   einem   Slam   war.   Da   gehen regelmäßig   die   Arme   hoch!   Im   Sommer   findet   es   im   Rahmen   des   City   Beach   auf   der Murstiege   statt.   Das   werden   wir   auch   mit   40   Sitzplätzen   beibehalten.   Denn   wenn   es   regnet, können wir alle in das Dachbodentheater übersiedeln.
Das   Projekt   Dachbodentheater   hat   sich   über   die   Zeit   zu   einer Kulturinstitution    entwickelt.    Zwischen    Theater    und    Rock,    von Poetry   Slam   zu   Jazz   …   Aufgrund   des   Musikgeschmacks   von   Fritz Kabinger. Foto: der MÜRZPANTHER
dMP:    Was    bedeutet    für    Dich    die    Verleihung    des    Kulturpreises    und    hat    es    den Bekanntheitsgrad erhöht? Fritz   Kabinger:   Nein.   Ich   kann   es   in   meine   Ansuchen   hineinschreiben   und   vielleicht   gibt   es einmal   ein   Taferl   …   /lacht/*   …   für   Kulturpreisträger   in   Bruck.   Ich   habe   ihn   aber   nicht   alleine bekommen,   sondern   zusammen   mit   Andreas   Peichl.   Zusammen   sind   wir   für   den   Preis   alt genug    …    Die    offizielle    Verleihung    hat    noch    nicht    stattgefunden,    und    das    Geld    war    in Coronazeiten   schnell   verbraucht.   Mich   hat   es   sehr   gefreut,   weil   es   eine   Wertschätzung meiner   langjährigen   Kulturarbeit   in   Bruck   ist.   Für   das   Land   und   den   Bund   bin   ich   weiter   nur ein weißes Blatt … Von   der   Gemeinde   werden   wir   nach   Möglichkeit   unterstützt. Anfänglich   hatten   wir   auch   eine Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband. dMP: Dein Werbemittel wird sicher die Mundpropaganda sein – bis nach Linz.   Fritz   Kabinger:   Mundpropaganda   ist   sicher   die   beste   Werbung;   auch   facebook   funktioniert ganz   gut,   weil   es   auch   eine   billige   Werbung   ist.   Daneben   die   Webseite   –   wobei   die Aktualität wichtig   ist.   Natürlich   auch   die   Woche .   Damit   man   Werbung   aber   wahrnimmt,   muss   man   sich natürlich   von   Haus   aus   dafür   interessieren.   Wahrscheinlich   fehlt   die   Aufmerksamkeit   dafür durch eine wahre Flut von Plakaten.   dMP: Für Konsumenten ist Kultur immer Freizeit, so sehen Sie die Arbeit kaum … Fritz   Kabinger:   Durch   die   Pandemie   war   die Arbeit   aber   auch   eine,   die   keinen   Spaß   gemacht hat:   verschieben,   absagen,   etc.   und   das   sehen   die   Leute   nicht!   Heuer   wird   es   sich   aber finanziell   hoffentlich   ausgehen   …   Oft   weiß   ich   auch   im   „Normalbetrieb“   nicht,   was   nächstes Monat   auf   mich   zukommt.   Das   Dachbodentheater   ist   letztlich   eine   Entwicklung   von   12 Jahren, das gibt man nicht wegen des Virus auf! dMP: Rückblickend auf die zwölf Jahre: wo siehst Du die Höhepunkte? Fritz   Kabinger:   Das   Eröffnungskonzert   mit   den   OldSchoolbasterds.   Irrsinnig   gut   in   Erinnerung habe   ich   auch   Son   of   the   Velvet   Rat.   Damals   sind   wir   in   die   Stadtwerkstatt   ausgewichen   und es   waren   auf   einmal   über   hundert   Leute   da!   Das   war   total   unerwartet   und   einfach   schön!   Es gibt aber nur ganz wenige Sachen, wo ich sage, das mache ich nicht mehr! dMP: Herzlichen Dank für das Gespräch!
Mit   Vorfreude   im   Hinblick   auf   die   Wiedereröf- fnung:    Fritz    Kabinger,    Leiter    des    Dachboden- theaters in Bruck an der Mur. Foto: der MÜRZPANTHER